Aumänien.
Bukarest, 25. Novbr. Die Kanonade um Widdin dauerte die ganze Nacht. Heute Morgen um 6 Uhr rückten die Serben in großer Zahl von Smardan und Tatardschyk aus vor und versuchten einen Angriff auf Widdin, wurden aber nach einem dreistündigen Kampfe zurückgeschlagen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. Eorrespondenz - Burearr.
Berlin, 25. November. Fürst Bismarck ist heute Nachmittag 4 Uhr 35 Min. hier eingetroffen.
Madrid, 25. November. Die aus dem Pardo von gestern Nachmittag 3 Uhr mib Abends 6*/r Uhr eingegangeneu Nachrichten melden, daß der Zustand des Königs ein wenig besser ist.
Madrid, 25. November. Die gcsammte Garnison ist in den Kasernen consignirt; die Minister haben sich nach dem Pardo begeben mit Ausnahme des Ministerpräsidenten Canovas del Castillo und des Kriegsniinisters, welche hier geblieben sind.
London, 25. November. Ein heute Nachmittag dem englischen auswärtigen Amte aus Madrid zugegangenes Telegramm meldet, daß König Alphonso von Spanien heute Morgen V 'ihr an frr Dyffenterie beschleunigter Schwindsucht gestorben sei.
London, 25. November. Die „Times" enthält folgende gänzlich unbeglaubigte Sensationsnachrichten: König Milan habe beschlossen, abzudanken. Seine Freunde und Anhänger, im Auslande wie im Inlands, bemühten sich, die Thronfolge seinem Sohne, wenn thunlich, unter der Regentschaft der Königin zu sichern. Der König sei aber entschlossen, sich mit seiner ganzen Familie wahrscheinlich nach Frankreich zurückzuziehen. Behufs Verhinderung einer Thronbesteigung des Fürsten Peter Karageorge- witsch sei die Besetzung Serbiens von Seiten Oesterreichs bevorstehend.
Belgrad, 25. November. Die Vertreter der Mächte überreichten gestern dem Minister des Auswärtigen, Garaschanin, eine Note, in welcher sie ihm die Ueherein- stimmung der Cabinete im Hinblick auf das Aufhören des brudermörderischen Kampfes Zur Kenntniß brachten und verlangten, die serbische Regierung möge ihre diesbezügliche Entschließung mittheilen. In Beantwortung dieser More kündigte Garaschanin an, der König habe soeben befohlen, die Feindseligkeiten einzustellen und haben die serbischen Befehlshaber Ordre erhalten, diese Entschließung den ihnen gegenüberstehendew bul- garischen Eommandanten zur Kenntniß zu bringen. _____________-
König Alfons von Spanien -f-.
lieber London geht uns die Nachricht zu, daß der schwer erkrankte König von Spanien gestern früh gestorben ist. Alfons XII. war am 28. November 1857 geboren, würde also am nächsten Samstage erst 28 Jahre alt geworden sein. Er war bei-- einzige Sohn der Königin Isabella II. und des damaligen Jnfanten Franz von Assisi. Illach dem durch die September-Revolution von 1868 erfolgten Sturze der spanisch-bour- bonischen Dynastie mußten die Eltern Spanien verlassen. Alfons erhielt bis,1874 feine wissenschaftliche Bildung in der theresianischen Akademie zu Wien, worauf er die Militärschule zu Sandhurst in England bezog. Da Isabella II. bereits im Sommer 1870 zu Gunsten ihres Sohnes auf den spanischen Thron verzichtet hatte, erklärte sich Alfons, nachdem er bei Beginn seines 18. Lebensjahres als großjährig proklamirt worden, durch Manifest vom 1. Dezember 1874 für den einzigen Repräsentanten des monarchischen Rechts in Spanien. König Amadeus hatte bereits am 11. Februar 1873 die spanische Krone niedergelegt, worauf sich eine repllblikantsche Regierung bildete. Aber schon am 29. Dezember 1874 proklamirte General Martinez Campos den Sohn Jsabellens als König Alfons XII. von Spanien. Dieser landete am 9. Januar 1875 in Barcelona; am 14. hielt er seinen Einzug in Madrid und die Cortes machten eine neue Verfassung. Im folgenden Jahre gelang es, die Karlisten aus Spanien zu treiben und damit die langen und erbitterten Kämpfe mit denselben zu beendigen. AÜopL vermählte sich am 23. Januar 1873 mit Maria de las Mercedes, der dritten Tckhter des Herzogs von Montpensier, die aber schon im Juni starb. Zum zweiten Mal vermählte sich der König am 29. November 1879 mit der Erbherzogin Maria Christina von Oesterreich; aus dieser Ehe stammen zwei Töchter. Im Jahre 1883 besuchte Alfons den deutschen Kaiser, welcher ihn zum Chef eines Ulanen-Regiments ernannte. Kbnrg "Alfons kränkelte viel, und wiederholt sprach man davon, daß er nicht lange leben werde. Sein Tod ist daher Niemanden unerwartet gekommen. (Fr. Z.)
Lokales.
Gießen» 26. November. Entgegen einer durch verschiedene Blätter laufenden Nachricht über den status der hiesigen Sparkasse wird uns von competenter Stelle die Mittheilung, daß der Reservefond der Gießener Sparkasse Ende 1883 300792.18 JL betrug.
Gießen, 26. November. (Ein kurzes Vergnügens Die Herrlichkeit mit Graf Lith o's „Aurora" in San Francisco (Californien) bat nicht lange gedauert. Rach einem uns vorliegenden Ausschreiben des Auctionators R. R. Rolli ns dortselbst ist Graf Litho's „Aurora" am 31. October mit allen Einrichtungen, sogar den schönen Linoleum-Teppichen, versteigert worden.
Als der Beamte sie festnehmen wollte, ergriff eine der Diebinnen einen Topf Milche und goß sic dem Manne in's Gesicht.
— In der Fabrik von Sollet u. Engelhard passirte vergangenen Donnerstag ein ! beklagenswerther Unfall. Ein Arbeiter stürzte mit einer mit flüssigem Eisen gefüllten Pfanne zu Boden, wobei sich ein Theil des flüssigen Metalls über seinen Körper ergoß, und ihm schwere Brandwunden verursachte.
Darmstadt, 25. November. sDoppel-Selbstmord.) Gestern Vormittag blieb das Geschäftslokal zweier Geschwister K. in der Elisabethenstraße geschlossen, was den Hauseigenthümer veranlaßte, der Polizei hiervon Anzeige zu machen. Die Thüren dec Wohnung, welche von innen verschlossen, wurden gewaltsam geöffnet und fand man die beiden Geschwister als Leichen auf zwei gegcnüberstehenden Sesseln. Neben jedcr Leiche lag ein abacschossener Revolver. Man nimmt an, daß ein Doppel-Selbstmord vorliegt; nach anderen Versionen sollen die Geschwister sich gegenseitig erschossen haben. Es muß dahin gestellt bleiben, ob die angegebenen Motive (zerrüttete finanzielle Verhältnisse) wirklich vorlagen.
Theater.
*** Gießen, 26. November 1885.
Am Mittwoch hatte sich unser Theater so gefüllt, daß das Haus ausverkauft war im wahrsten Sinne des Wortes. Unsere Direction sah also die Opfer belohnt, j welche sie an die Vorstellung gewendet hatte.
„Der lustige Krieg", ein? ?uere Opc' 'c von Joh. Strauß, bei uns ganz neu, I ist im Uebrigen jedoch ziemlich bekannt, und devyalb unterwerfen wir sie auch keiner ein-1 gehenderen Besprechung; nur so viel sei gesagt: sie steht höher als ihre Schwestern, | ist musikalisch bedeutender und ihr Libretto hält sich fern von Zweideutigkeiten und 8 Pikanterien. Mit einem Worte, man hat cs mit einer anständigen Operette zu thun, | die Damen brauchen nicht zu crröthen, wie dies meistens bei neueren derartigen Werken a der Fall ist. |
Die Aufführung, welcher wir insbesondere unseren heutigen Bericht widmen » wollen, zeugte von Fleiß und Studium, von Energie des Regisseurs und von gutem ! festem Willen aller Mitwirkenden, und wenn stürmische Beisallssaloen fast unablässig den Saal durchbrausten, die Stimmung des Publikums eine äußerst animirte war, so ist dies der- beste Beweis, daß unsere Theaterfreunde nicht undankbar sind, wenn das Gebotene ihrem Geschmack entspricht.
Freilich eine Sophie König steht bei uns in gutem Andenken, sie nimmt schon allein für sich einen großen Theil des Auditoriums gefangen, sie tritt auf als Herzenseroberin und alles beugt sich ihrem Scepter, auf welchem „unverwüstlicher Humor"! als Parole steht, dazu kommt dann ihre frische kräftige Stimme, ihr decentes, bühneu- gewandtes Auftreten, und eine Violetta, wie man sie sich nicht besser vorstellen kann i ist fertig. Fräulein König electrisirt selbst den ärgsten Philister mit ihrer echt drasti- ; schen Darstellung.
Eine anmuthige Erscheinung begrüßten wir in Fräulein Kugelmann, ebenfalls vom Stadttheater in Frankfurt a.M., welche die Parthie der Else übernommen hatte. Ihr ganzes Wesen war sympathisch, ihr Gesang innig, warm und zum Herzen sprechend. Ihre Stimme zeugt von schätzenswerther Schulung und besitzt vortreffliche Modulation, verbunden mit jener Weichheit, wie sie eigentlich nur bei Opernsängerinnen zu finden ist.
Herrn Slansky lassen wir als annehmbaren Tenor gelten, so lange er nicht zu stark in die Höhe hinauf muß, die obere Lage seiner Stimme entbehrt jedoch des Schmelzes und neigt auch zum Detoniren. Am besten gefiel er uns in dem Vorspiele, 1 welches er statt des gesangsunkundigen Marchese sang.
Herr Ze hl spielte den Balthasar Groot ganz vortrefflich und erweckte als s pseudonymer Herzog v. Limburg herzhaftes Gelächter, während er im Duett (3. Act) j mit seiner reizenden Partnerin, Frl. Kugel mann, an dem stürmischen Beifall ein gutes Anrecht hatte.
Auch Amalie von Cavally (Artimesia) fand sich mit ihrer Rolle bestens ab.
Die Chöre gingen leidlich, das schwierige Finale des ersten Aktes schwankte allerdings bedeutend und die Krankheit wiederholte sich auch im zweiten, man darf j aber bei einem auf diesem Felde wenig geschulten Chore und Orchester keinen so hohen Maßstab anlegen.
Eine Wiederholung der Vorstellung empfehlen wir der Direction ganz J besonders. —a— 1
Karr-el und BrEehr.
Gießen, 25. November. Auf den heute und gestern aögehaltentn Viehmarkt waren aufgetricben: 830 Stück Rindvieh und 698 Stück Schweine, bei letzteren war der Handel lebhaft und die Preise hoch.
Nächster Markt Dienstag den 8. und Mittwoch den 9. December d. I., nm letzteren Tage auch Krämermarkt.
„ bim bürg, 25 November. Rather Wehen X 14.10, weißer Weizen X 00.00,
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Verwischte-.
Offenbach, 24. November. Sonntag trieben zwei bettelnde Zigeunerinnen I ihre Dreistigkeit so weit, in dem Hause eines Polizeibeamten eine Gans zu stehlen. I
Eisverein.
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1 Smmh Lm sroTfer2?0"” ?beI beren nächster Nähe, auf de« und dem Marktplatze angeschlagen werden,
2 ) Balser, Mäusburg) Meldung»
rum Elntritt nur bis 12 Uhr Mittag annimmt.
Der Vorstand.
. „ Fär die Hinterbliebenen der mit S. M. Schiff „Augusta" Verunglückten sind im Ganzen bei uns eingegangen 67.24 x (siehe Anzeiger Nr. 258), welche wir heute besten« hnnSnii@lln(mE r-rac VAn abgcsandt haben, womit wir, den edlen Gebein bestens dankend, unsere Sammlung schließen.
__ Die Exped. d. „Gießener Anzeiger".
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