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Rr. 22S. Erstes Blatt. Sonntag den 27. September 188A
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen.
BWTWM Schulffraße 7 Erscheint mN ««ibuchme Wfi Moniaa». 3?™* merteliährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Rnnßcctofa
Durch die Post bezogen vierteljLKrlich 2 Marl !A> Pz. 11-A1--1----- LJ," । LU". J________
Amtlicher Hheil.
Gefunden: 1 Portemonnaie, 1 Schreibheft, 2 Meffer, 1 unächte Korallenkette, 1 Kamm, 1 Griffelbüchse, 1 Halstüchelchen, 1 eiserne Hülse 1 Stange Eisen, 1 Strohhut, 1 Handschuh, 1 Paar Zugstiefel, 1 Tischtuch, 4 Servietten, 3 leinene Hemdenkragen.
Gießen, den 26. September 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Deutschland.
Darmstadt, 25. Septbr. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bellage Nr. 24) enthält:
1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That:
Nachdem Se. König!. Hoheit der Grobherzog mittelst Allerhöchster Entschließung vom 24. l. Mts. dem Sergeanten August Ludwig Erdmann Otto vom 2. Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116 aus Neumühlenkamp, im Königreich Preußen, für die von ihm mit Muth und eigener Lebensgefahr vollbrachte Errettung zweier Menschen von bent Tode des Ertrinkens, nämlich des Steindruckers Emil Schiller aus Anclam und eines jungen Mannes, dessen Namen unbekannt blieb, die Rettungs-Medaille zu verleihen geruht haben, jo wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
2. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Taglöhner Georg Wilhelm j in Gernsheim, dem 17jährigen Sohne des Taglöhners Phllipp Wilhelm daselbst, in Anerkennung der von demselben am 6. Juni l. Js. mit Muth und Ent- schloffenheit und unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des 11 Jahre alten Ludwig Kalter in Gernsheim vom Tode des Ertrinkens die Rettungs- Medaille, sowie eine Geldprämie von 30 Jl. Allerhöchst zu verleihen geruht.
In Gemäßheit Allerhöchster Entschließung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs wird dieses hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
3. Bekanntmachung Großh. Provinzial-Direction Starkenburg, den Steuer- - ausjchlag zur Bestreitung der Bedürfnisse der Landjudenschastskaffe zu Darmstadt für 1885/86 betreffend.
4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Dieburg, die Nichterhebung eines Theiles der Umlagen der israelitischen Religions-Gemeinde zu Sickenhofen für 1885/86 betreffend.
5. Ordensverleihungen:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 26. August dem Schullehrer Christian Heinrich Fritsch zu Zwingenberg, am : 2. September dem Schullehrer Heinrich Karl Walz in Lich das silberne Kreuz des Verdienst Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.
6. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.
7. Namensveränderungen.
8. Erhebung in den Adelsstand.
9. Abwesenheitserklärung.
10. Militärdienstnachricht. (Schluß folgt.)
Hesterreich.
Wien, 25. September. Der „Polit. Corresp." wird aus Philippopel vom 24. September gemeldet: Der Artillerie-Hauptmann Nikiforow ist zum Kriegsminister ernannt und Cantacuzene (der bisherige Kriegsminister, ein Russe), bleibt als russischer Militär-Attachä in Sofia. Der Präsident der macedoni- ' ichen Gesellschaft deöavouirt eine ohne sein Wissen veröffentlichte Proklamation, : welche die macedonischen Bulgaren zur Erhebung auffordert. Der Fürst von 1 Bulgarien telegraphirte dem Czaren, daß, wenn die Abberufung der russischen Osficiere gegen ihn gerichtet sei, er bereit sei, für das Wohl der bulgarischen Nation seine Krone zu opfern, wenn Rußland die Union schützt. Die Moha- medaner nehmen an den fortgesetzten Huldigungen für den Fürsten Theil. Das türkische Blatt „Hilal" erkennt den Fürsten als Souverän an und lobt dessen Haltung gegenüber den Mohamedanern und appellirt an den Sultan, die Union ' zu sanctioniren.
AranLreich.
Paris, 25. September. Die „Agence Havas" meldet, bis jetzt sei noch l- keinerlei formeller Vorschlag für eine Verständigung über die bulgarische Frage s gemacht. Der Meinungs-Austausch dauert fort. Von den Mächten scheine i Rußland eine gewisse Initiative in den Verhandlungen zu nehmen. Das Ziel der Mächte sei der baldige Zusammentritt einer-Conferenz. Ein Wiener Tele- ' gramm der „Agence Havas" meldet, Frankreich habe den Mächten vorgeschlagen, bei Serbien, Rumänien und Griechenland Schritte zu thun, damit jeder Agitation in den andern Theilen der Türkei vorgebeugt werde.
Telegraphische Depeschen.
Wokff'S telegr. Eorresponderrz - Brrrearr.
Berlin, 25. September. Der Bundesrath beschloß die einjährige Verlängerung I des kleinen Belagerungszustandes für Hamburg (Altona), er nahm ferner die Aus- l chuyanträge zu den Anträgen Badens, betreffend die Zollbchandlung der Mineral- olfässer an und genehinigtc außerdem die Ausschußanträge, betreffend die Anwendung oes durch das Gesetz vom 29. Mai 1885 abgeänderten Gesetzes über die Reichsstempel- ' Abgaben.
Kiel, 25. September. Laut der „Kieler Zeitung" wird die Entlassung der aus- gedrenten, an Land oder Bord von Schiffen in heimischen Gewässern befindlichen Mannschaften sämwtlicher Marinetheile bis 311111 Schlüsse des Monats erfolgt sein.
Hamburg, 25. September. Die „Hamburgische Börsenhalle" meldet, daß der Hamburger Dampfer „Alert", welcher vom Mittelmeer nach Hamburg unterwegs war, bei dem Kap Finisterre gesunken und der Eapitän ertrunken ist.
Wien, 25. September. Umlaufende Gerüchte über die angebliche Ermordung des Königs von Serbien sind auf ein Telegramm des „Tageblatts" aus Budapest zurückzuführen, welches lautet: Der Stadthauptmann Török erklärt das Gerücht, er habe eine Nachricht von der Ermordung des Königs Milan erhalten, für müßige Erfindung.
Rom, 25. September. Der Gesandte von Schlözer ist heute hier eingetroffen und besuchte Jacobini.
Rom, 25. September. Gestern kamen in den Provinzen Palermo 176 Erkrankungen axv Cholera und 95 Todesfälle vor, in Ferrara 10 Erkrankungen und 3 Todesfälle. In den Provinzen Genua, Girgenti, Massa, Parma und Novigo sind zusammen erkrankt 12 und gestorben 10 Personen.
Madrid, 25. September. Meldung der „Agence Havas".) Spanien hat die von Deutschland an Stelle eines Schiedsgerichts in der Karolinenfragc vorgeschlagene Vermittelung des Papstes ^angenommen.
Petersburg, 25. September. Durch einen heute veröffentlichten Beschluß des Ministercomite's wird die über mehrere Orte Rußlands verhängte verschärfte Sicherheitsaufsicht (kleiner^Belagcrungszustand) auf 1 Jahr verlängert.
Gafia, 25. September. Die Sobranje wurde nach Votirung der Credite und des Budgets nock gestern geschlossen. Ter Premierminister, Karawelow, geht nach Philippopel zurück.
Belgrad, 25. September. Die Nachrichten über die angebliche Verlautbarung eincC Moratönums in Serbien, sowie über die Ermordung des Präfekten von Gornjtl sind gänzlich unwahr.
— Die Nachricht von Unruhen im Zajcarer Kreise ist, der „Polit. Corr." zufolge, erfunden.
Athen, 25. September: Die „Agence Havas" meldet: Die Regierung trifft Vorbereitungen, um erforderlichen Falles die Armee schnell zu mobilisiren. — In Thessalien werden Truppen concentrirt. Demnächst soll ein Theil der Reserve einberufen werden.
— Die officiösen wie die Oppositions - Zeitungen bezeichnen übereinstimmend die bulgarische Union als eine Bedrohung der hellenischen Lebensinteressen und dringen in die Regiernng, alle Opfer zu bringen, um die Rechte des Hellenismus zu wahren.
— Eine „Havas"-Meldung besagt: Delyannis reist Abends zum König, der in Korinth angekommen ist und eine zweitägige Quarantäne bestehen muß; er wird demselben eine Verfügung zur Einberufung der Kammern unterbreiten, die demnächst zusammentretcn soll.
— Infolge Meldungen aus Konstantinopel schreiten die Verhandlungen zwischen Drummond Wolff und der Pforte wenig fort. Wolff geht voraussichtlich nächste Woche nach Egypten, wird aber vor der Rückkehr nach England Konstantinopel nochmals besuchen und die Verhandlungen dann wahrscheinlich fortsetzen.
Konstantinopel, 25. September. In dem Hat des Sultans, betreffs Neubildung des Cabinets heißt es: Der Gesundheitszustand Said Pascha's habe eine Veränderung des Großoezierats nöthig gemacht. Der Hat schließt: Unser innigster Wunsch ist es, das Glück unseres Reiches zu erlangen und dessen Ruhm möglichst zu erhöhen. Wir zählen auf göttlichen Beistand und die Bemühungen des Ministeriums, dieses Ziel zu erreichen. Ali Saib Pascha wurde zum Kriegsminister ernannt und bleibt zugleich Großmeister der Artillerie, Munif Pascha zum Unterrichtsminister, Ago Pascha (Armenier) zum Finanzminister und Verwalter der Civilliste, der bisherige Gouverneur von Smyrna Sakti Pascha zum Handelsminister, Zuhdi Pascha zum Minister der Arbeiten, Zihmi Effendi zum Minister der Vkass. Der bisherige Scheich ul Islam, Achmed Essad Effendi, und der Marineminister Hassan Pascha verbleiben im Amte.
— Der Botschafter in Berlin, Said Pascha, ist zum Minister des Auswärtigen ernannt worden.
— (Reuter-Meldung.) Edhem Pascha ist zum Botschafter in Paris und Essad Pascha zuni Botschafter in Berlin ernannt.
— „Agence Havas" meldet: Die Türken besetzten zur Wahrung ihrer Rechte ein rumelischcs Dorf unweit der Grenze, beabsichtigen aber nicht vor einer Verständigung mit den Mächten in Rumelien weiter vorzugehen.
Lokales.
Gießen, 26. September. (Stadtverordnetensitzung vom 24. September, dtach- mittags 4 Uhr.) Es waren erschienen: Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Beigeordneten Keller und Heß, sowie die Herren Stadtverordneten Baist, Gail, Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hoch, Homberger, Kauf, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wortmann.
Den Hauptgegenstand der heutigen Tagesordnung bildete die Berathung des Local-Reglements zur allgemeinen Bauordnung, von welcher etwas über die Hälfte erledigt wurde und wobei, besonders warm befürwortet von Herrn Beigeordneten Heß, der Grundsatz, dem Bauenden möglichste Erleichterung zu gewähren, zur Geltung kam. Die Fortsetzung der Berathung findet in nächster Sitzung statt.
Auf diesem Grundsätze fußend wurde der zweite Punkt der Tages-Ordnung, Antrag auf Abänderung des § 36 des Entwurfs der^ Local-Bauordnung, abgelehnt, welcher dahin ging, bei Neubauten außerhalb der Stadt die Breite von Häusern mindestens auf 10 Meter zu bestimmen.
Das Baugesuch des Herrn L. C. Rübsamen wird vorläufig an die Baudeputation mit dem Bemerken zurückverwiesen, sich erst über den Ausbau der Hamm- straße schlüssig zu machen.
Schluß der öffentlichen Sitzung 6 Uhr.


