Ausgabe 
26.7.1885 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ler Pöscheh :s.

Ueett f*e« Jäger- Söptllmtiger5

Naurateur.

ÜH* essen.

äs. Mta.: es inten i nkkljers, ther - Vereia en".

i eingdabm.

Anfang 8 Uhr. _R* 5109

RetaOarbeiter > M,

runnen.

nit Musik.

13 Pfg.

5419

Comite.

onrerl

igel

i

!-(Garde- Nr. 23

so Pfg>

^gormann.

Wohnung zu ver-

le Aiijf*'

ZtzW StSSfe- kM

KS°-»<

. V- ull6>

IWJ,,-'

K.il-0«' tiltö V

A)x iri. Zweites Blatt Sonntag den 26. Juli 1885

Gteßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint tAgH* nnt Ktrine&me deS MoniagS.

ttorfu« t «chulftraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Pttn-ettvtzn Dur» die Post be-ogen vierteljülirlich 2 IRarl M>

Wochen - Uebersicht.

GieHev, 25. Juli.

Seit Anfang dieser Woche weilt Kaiser Wilhelm aus öster­reichischem Boden, in Wildbad Gastein, um dort, wie alljährlich, die in Ems gestärkte Gesundheit durch eine Nachkur noch zu befestigen. Gleichwie die Kur in dem lieblichen Lahnbad dem greisen Herrscher schon seit einer langen Reche von Jahren zu einem Bedücfniß geworden ist, so hat sich ihm auch die Nachkur in dein so herrlich am Fuße dec Salzburger Alpen gelegenen Badeorte zu einer liebqewonnenen Gewohnheit gestaltet und noch immer haben die Gasteiner Quellen ihre h.'ilkrästiqe Wirkung an dem greisen Monarchen geübt, und so wie Ems durch den Aufenthalt Kaiser Wilhelms schon längst ein historisch be- rüümter Name geworden ist, so gilt dies auch von Gastein und zwar in bei- nahe noch erhöhterem Maße, denn alljährlich pflegt ja die Gastemer Kur unseres Kaisers durch die Zusammenkunst mit seinem erlauchten Freund und Alliirten, dem Kaiser Franz Josef, ihren besonderen Abschluß zu erhalten. Auch in diesem Jahre wird diese traditionelle Begegnung zwischen den beiden Herrschern statt- finden und zwar in Gastein selbst, wo Kaiser Franz Josef wie jetzt ziemlich bestimmt aemeldet wird aus seiner Fahrt zum österreichischen Schützenfeste in Innsbruck am 7. August einzutreffen gedenkt. Kaiser Franz Joses beabfid^ trat hierdurch seinem kaiserlichen Freunde die immerhin beschwerliche Fahrt nach Ischl zu ersparen, wo in den letzten Jahren die Zusammenkunft der beiden Monarchen erfolgte; trotzdem soll- Kaiser Wilhelm in seiner angeborenen Cour- toifie darauf bestehen, die Kaiserin Elisabeth und die Erzherzogin Valerie in Ischl zu begrüßen. w ,

Der politische Wellenschlag in den inneren Angelegen­heiten des deutschen Reiches ist fortgesetzt ein sehr leiser und waltet die sommerliche Ferienruhe in der Politik ganz ersichtlich vor. Ein Gegenstand, welcher wochenlang von den Tagesblättern in oft erregter Weise besprochen wurde, der Studien-Erlaß des Paderborner Bischofs, dürste jetzt endlich von der Bildfläche verschwinden, da Bischof Dr. Dcobe den Erlaß, augenscheinlich in Folge einer von der römischen Curie ausgeübten Pression, endgültig zurückge- zogen hat. Auch ein anderes Thema, welches lange Zeit das öffentliche In« tereffe in Anspruch genommen hat, die braunschweigische Frage, ist jetzt endlich so erschöpft, daß sich ihm vorläufig keine neuen Seiten mehr abgewinnen lassen. Dafür liegt eine wirkliche Neuigkeit von Interesse vor: Der deutsche Botschafter i i Paris, Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schilllngssürst, ist zum Statthalter von Elsaß'Lothringrn designirt und darf man der officiellen Bestätigung dieser Nach­richt wohl demnächst entgegenjehen. Fürst Hohenlohe hat nicht nur während der 11 Jahre seiner ThäUgkeit als erster Vertreter des deutschen Reiches bei der französischen Republik Beweise hoher staatsmännischer Begabung und eines seltenen politischen Taktes gegeben, sondern sich auch schon früher in hervor­ragenden Stellungen bewährt, so namentlich als bayerischer Ministerpräudent und Minister des Auswärtigen nach 1866, in welcher schwierigen Zeit er sich groß-: Verdienste um die Entwickelung der bayerischen Politik in wirklich natio­nalem Sinne erworben hat. Seine Wahl zum Nachfolger des Feldmarschalls v. Manteuffel darf man daher wohl als eine glückliche bezeichnen und so wird hoffentlich je.ne Berufung aus dm ebenso schwierigen als verantwortungsreichen Posten des Statthalters von Elsaß-Lothringen den Beginn einer neuen glück­lichen Aera für das Reichsland bedeuten.

Das VI. allgemeine deutsche Turnfest in Dresden hat am Mittwoch mit der Preisvertheilung an die 36 Sieger seinen osficiellen Abschluß erhalten. Das Schiedsgericht verlieh dem ersten Sieger. Jennewein aus Stuttgart, einen Kranz und sin Diplom. Weitere Diplome haben Turner aus Wiesbaden, München, Reichenberg, Chemnitz, Frankfurt a. M., Mannheim, Leipzig, Wien, New-York rc. errungen. Das Fest selbst ist in schönster Harmonie wenn man von dem bekannten durch einen Pesther Turnverein veranlaßten Zwischenfall absieht verlaufen und war entschieden von nationalem Geiste durchweht; es hat gezeigt, daß derartige Feste denn doch noch nicht veraltet sind und daß sie besonders geeignet erscheinen, die geistige Zusammengehörigkeit zwischen den im Reiche wohnenden Deutschen und ihren Stammesbrüdern außer- halb der Grenzen des Reiches immer wieder hervorzuheben. Dies gilt auch von dem Dresdener Feste und namentlich hat die überaus herzliche Aufnahme, welche speciell den deutsch-österreichischen Turnern in Dresden zu Theil geworden ist, gezeigt, welch' inniges Band die Deutsch-Oesterreicher mit ihren Brüdern draußen im Reiche" verbindet. Die vielfachen Beweise von Achtung und Sym­pathie, welche die Deutsch-Oesterreicher aus dem VI. deutschen Turnseste erfahren haben, werden sie jedenfalls anspornen, muthig in dem schweren Kampfe auszu­harren, den sie gegen slavische und magyarische Vergewaltigung führen müssen.

Der Berliner Maurerftrike ist im Sande verlausen und haben sich die Sinkenden veranlaßt gesehen, die Arbeit meist unter den früheren Be­dingungen wieder aufzunehmen. Für die Arbeiter dürste gleichviel, welcher Branche der Ausgang des Berliner Maurerstrikes eine Warnung fein, nicht in frivoler Weise Arbeitseinstellungen zu provociren, deren Nachwirkungen sich auch unter den Strikenden noch lange fühlbar machen. _ ,r

In Frankreich beherrschen die bevorstehenden Wahlen mehr und mehr die Situation und drängen auch das Interesse an den im Uebrigen ziemlich belanglosen Nachrichten aus Anam in den Hintergrund. Aus der Wahlbewegung ist die Rede, welche Clemenceau, Der bekannte güljrer Der Radikalen, am vergangenen Sonntag in Bordeaux gehalten hat, hervorzuheben.

Darmstadt, 22. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 18) enthält: ~ ...

1. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1885/86 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal- Bedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Mainz.

2 Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim in der Zeit vom 1. April 1885 dis 31. März 1886.

3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1885/86 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal- Bedürfnisse in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Friedberg.

4. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1885 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Bensheim.

5. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Darmstadt, die Erheoung einer Umlage zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in der Haupt- und Residenz­stadt Darmstadt betreffend.

6. Dienstnachrichten:

Am 30. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Jacob Spanier aus Bruchenbrücken eine Lehrerstelle an Der Gemeindeschule zu Rumpenheim, am 2. Juli wurde dem Schulamtsaspiranten Hermann Hausmann aus Obernheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gensingen übertragen; an dems. Tage wurde Der von dem Herrn Grasen zu Erbach-Schönberg auf die erste Lehrer­stelle an der Gemeindes'chule zu Gadernheim präsentirte Schulamtsaspirant Hein­rich Dill mann aus Schönberg bestätigt; am 7. Juli wurde der provisorische Ausseher im akademischen Forstgarten Karl Dörmer aus Lich zum Fcrstgarten- Ausseber bei der Landes-Universität ernannt.

7. Dienstentlassung.

8. Dienstenthebung.

9. Ruhestandsversetzungen.

10. Concurrenzeröffnungen:

In ihr ist das Programm der radikalen Partei enthalten, welches neben den bekannten radikalen Forderungen auch manche neue Punkte ausstellt, so nament­lich was die von den Radikalen gewünschte auswärtige Politik anbelangt. In dieser Beziehung scheinen die Herren ziemlich friedfertiger Natur zu sein, Denn Clemenceau führte aus, daß seine Partei nicht an eine militärische Rache, son­dern an eine friedliche Wiedervergeltung denke; mit solchen Gesinnungen ist sreilich den Chauvinisten an der Seine nicht gedient. Im Weitern ist noch erwähnenswerth, daß Clemenceau die Einigung aller Republikaner aus Grund eines gemeinsamen Wahlprogrammes für unmöglich erklärte; es wird also aus der geplanten großen einheitlichen Wahlaktion der französischen Republikaner wohl nichts werden. e ..

An die aus dem Czarenreiche letzthin gekommenen Nachrichten über fortgesetzte Feuersbrünste in den russischen Städten und ungünstige Ernte-Aus. sichten gerade in den fruchtbarsten Gegenden Rußlands schließt sich jetzt noch eine schlimmere Hiobspost an. Im Wolgagebiet soll die sibirische Pest ausge- brochen sein und rasch um sich greifen. Vorerst Darf man nur hoffen, daß es sich blc§ um ein Gerücht handelt und daß zu demselben lediglich locale Krank'. Heilserscheinungen den Anlaß gegeben haben.

Zwischen London und Petersburg hat in dieser und in voriger Woche ein lebhafter Depeschenwechsel stattgefunden, der sich um die neuen von Rußland wegen der afghanischen Grenzfrage gemachten Vorschläge drehte. DerMorningpost" zufolge betreffen dieselben den Abschluß eines vorläufigen Uebereinkommens über die afghanische Grenze, während der streitige Punkt bezüglich Zulfikars noch in der Schwebe gelassen wird. Jndeffen wird die Bedingung gestellt, daß die Asghanen nicht eine Stellung besetzen dürfen, welche die einzige mögliche Weide für die russischen Truppen beherrschen. Eine solche Besetzung wird als eine gesährliche für die Aufrechterhaltung des Friedens betrachtet. Hiernach hinge also der europäische Friede an ein paar. Gras' Halmen! DasJournal de St. Petersbourg" schreibt:Die kühle Aufnahme, welche der von London aus erhobene Allarmrus überall gesunden, ließe die Annahme schwinden, als ob der Continent geneigt sei, jede von England erhobene. Beschwerde zu unterstützen. Die englischen Politiker müssen wissen, daß die Sympathien in viel' höherem Grade der Sache des Friedens gelten. . t

Aus England ist als militärische Neuigkeit die Errichtung eines Freiwilligen-Corps der Marine zu melden. Der Marineminister Hamilton besichtigte dasselbe zu Liverpool; es ist die Bildung weiterer Freiwilligen- Corps der Marine projectirt, die Equipirung der eintretenden Freiwilligen übernimmt die Regierung. ~ u .

Zum zweiten Male bringt der egyptische Telegraph letzt die Kunde vom angeblichen Tode des Mahdi. General Grenfell depefchirt aus Assuan in Oberegypten, daß nach ihm gewordenen Mitthellungen der Mahdi am 29. Juni an den Blattern gestorben sei. In den Londoner ReglerungSkreisen hat man jedoch noch keine lofficielle Bestätigung dieser Nachricht. Die in Kassala, der zweitgrößten Stadt des Sudan, von den Rebellen eingeschlossene egyptische Garnison hat einen heftigen Angriff derselben siegreich zurückgewiesen und denselben große Verluste beigebracht.