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25.10.1885 Erstes Blatt
 
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Nr. 249. Erstes Blatt. Sonntag den 25. Oktober 1885

Weßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

NreiO vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bring«rU^s.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart M Pf.

Erscheint mit de« Mo«t«gs.

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Betreffend: Volkszählung im Jahre 1885.

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hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, am 23. October 1885.

Gefunden: 1 Stück Leinwand, 1 einzelner Handschuh, 1 Farbzeichen, 1 Gasrohr, 1 Kinderschuh, 1 Schrothleiter, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Corallenkette, 1 Schachtel mit Kindertrompeten, 1 Vogelflügel, 1 Jacke, 1 Schultasche, 1 Sägefeile.

Gießen, am 24. October 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Nachdem der Großh. Polizeirath Fresenius zn Gießen zum Vorsitzenden und die Stadtverordneten daselbst Julius Hoch, Ludwig Kauf, August Noll, Ludwig Petri II., Richard Scheel und Heinrich Vogt zu Mitgliedern der Zählungskommission sür Gießen und Schiffenberg und die dazu gehörigen Wohnplätze ernannt worden sind, so wird dies in Gemäßheit des $ 8 derBestimmungen für die Ausführung der Volkszählung im Großherzogthum am 1. December 1835"

Nerrtschkand.

Darmstadt, 23. Octtbr. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 25) enthält:

1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That:

Se. Königs. Hoheit der Großherzog haben dem Hilfsbahnwärter Johann Wetzel I. in Nackenheim in Anerkennung der von demselben am 11. Juli l. J-. mit Muth und Entschlossenheit und unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des 12jährigen Heinrich Frick daselbst vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie zu bewilligen geruht.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.

3. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die zur Aus­fertigung und Erledigung von Uebergangsscheinen ermächtigten Stellen betr.

4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Groß-Gerau, die Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse für die israelitische Religions-Gemeinde Waller- ftädten, im Kreise Groß-Gerau, pro 1885/86 betreffend.

Zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinde Wallerstädten pro 1885/86 ist von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz die Erhebung einer Umlage von 3800 «M. genehmigt worden.

Es wird dies unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Beitrag auf 1 Jl. Normalfleuer-Kapital 5,965 H beträgt und daß die Er­hebung der Umlagen in 4 Zielen, und zwar in den Monaten October und December 1885, sowie Februar und März 1886 erfolgen soll.

Groß Gerau, den 14. September 1885.

5. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Büdingen, die Erhebung einer Umlage in der neugebildeten israelitischen Religions-Gemeinde Hain-Gründau mit Mittel-Gründau für 1885/86 betreffend.

6. Ordensverleihungen:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 13. October dem Major ä la suite der Kavallerie, Heyl, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen der ihm verliehenen Decorationen, nämlich von Sr. Maj. dem König von Württemberg das Ritterkreuz 1. Klasse des Kronen- ordens und von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin das Ehrenkreuz des Greifenordens zu ertheilen.

8. Namensveränderungen.

9. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:

Am 21. September wurde der Rechtsanwalt Kaspar Klein in Alzey zur "Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen, Kammer für Handelssachen in Worms, zugelassen.

10. Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:

Am 10. September hat der Rechtsanwalt Dr. Karl Eigenbrodt in Darm­stadt die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg aufgegeben; am 21. September hat der Rechtsanwalt Kaspar Klein in Alzey die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Alzey «ufgegeben; am 25. September hat der Rechtsanwalt Friedrich Barth tn Nidda die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Nidda ausgegeben.

(Schluß folgt.)

Aestcrreich.

Meran, 23. October. Der gesammte Verkehr auf der Bozen-Meraner Bahn wird morgen wieder ausgenommen werden, mit den fahrplanmäßigen Zügen werden die directen Wagen zwischen Berlin und Meran, sowie zwischen Wien und Meran wieder verkehren.

Dänemark.

Kopenhagen, 23. October. Im Landsthing gab der Präsident Liebe seinem Abscheu über das Attentat gegen den Ministerpräsidenten Estrup leb­haften Ausdruck, welchem das Haus einschließlich der Linken zustimmte. Hierauf wurde ein offener Bries des Königs verlesen, wodurch der Reichstag bis zum 18. December vertagt wird.

Telegraphische Depeschen.

Wolst'S telegr. Eorrespondenz - Burra«.

Berlin, 23. Oktober. Der Kaiser ist in bestem Wohlbefinden heute Morgen hier eingetroffen und wurde vom Kronprinzen empfangen. Der Kaiser begab sich vom Bahnhofe in das hiesige Palais.

Der Kaiser empfing Mittags die Besuche des kronprinzlichen Paares, des Prinzen und der Prinzessin Wilhelm und der übrigen Mitglieder des Königshauses. Nachmittags hielt Unterstaatssecretär Bismarck Vortrag.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung Richthofen's zum Polizei- Präsidenten von Berlin. . . .. t

Berlin, 23. Oktober. Generalsynode. Zur Vorlage, betrestend die Drenst- vergehen der Kirchenbeamten, wird der principielle Paragraph 18, wonach die bisher lediglich dem Oberkirchenrath zustehende Einleitung des Disciplinarverfahrens künftig auch den Provinzial-Consistorien zustehen soll und die ausschließliche Zuständigkeit des Oberkirchenraths nur für die vom Könige unmittelbar ernannten Geistlichen, sowie für ftätte, wo der Kirchenbeamte wegen Irrlehre zur Untersuchung zu ziehen ist, bestehen . deiben soll, unverändert angenommen. Kleist und Andere hatten für Competenz der Provinzial-Eonsistorien auch im Falle der Irrlehre plaidirt. Die übrigen Paragraphen wurden nach unerheblicher Debatte genehmigt, dazu der Antrag, wonach in besonders dringenden Fällen der Oberkirchenrath befugt sein soll, ohne Zuziehung des General­synodalvorstandes die Einleitung des Verfahrens zu verfügen. Die Synode nahm ferner den Antrag Mieten an, betreffend den Kampf gegen Wanderbettelei, sowie den Antrag Bodelschwingh, den Oberkirchenrath zu ersuchen, bei deni Kriegsministerium die Erlaubniß zu erwirken, daß einjährig-freiwillige evangelische Theologen nach halb­jährigem Dienst bei der Waffe das zweite Halbjahr auf ihren Wunsch als Lazareth- gehilfcn dienen dürfen, soweit der Dienst es gestattet.

Kamenz, 23. Oktober. Der Staatsminister Görz trifft Mittags hier ein und conferirt alsdann mit dem Prinzen Albrecht. Die Deputation des Landtags, die Abends 73/4 Uhr erwartet wird, begibt sich nach dem Schlosse, wo sie übernachtet. Morgen Vormittag erfolgt der Empfang der Deputation durch den Prinzen ohne be­sondere Feierlichkeit. . ,, r. .

Karlsruhe, 23. Oktober. Bei den heutigen Landtagswahlen find von 30 Wahlen 22 nationalliberal, 5 klerikal, 1 demokratisch ausgefallen, 2 sind noch ungewiß.

Rom, 23. Oktober. Iu der Provinz Palermo wurden gestern 30 Eholera- todesfälle gemeldet, davon in der Stadt 17. ±

Paris, 23. Oktober. Die Münzkonferenz setzte ihre Berathungen fort. Der belgische Delegirte Plomez nimmt nicht daran Theil, hatte aber Vormittags zuerst mit dem französischen, darauf mit dem italienischen Delegirten eine Privatbesprechung. Man will zunächst das Einvernehmen der Conferenzmächte Herstellen und hofft auf den späteren Beitritt Belgiens. t 3 ~ .c. ,

Kopenhagen, 23. Oktober. Der Präsident des Folkethmg, Berg, sprach eben­falls sein tiefes Bedauern und seinen Abscheu über das Attentat gegen Estrup aus, dem das ganze Haus zustimmte.

London, 23. Oktober. DieTimes" sagt, da Frankreich und Italien gegen die Herstellung des status quo in Rumelien keinen Einspruch erheben würden, so werde auch England nichts dagegen einwenden, doch würde es ungerecht und unzweckmäßig sein, die bulgarischen Provinzen nach ihrer freiwilligen Vereinigung wieder zwangs­weise zu trennen.

Petersburg, 23. Oktober. DasJournal de St. Petersbourg" dementirt eine Wiener Depesche desTemps", wonach die beiden nordischen Kaisermächte sich über eine territoriale Compensation für Serbien geeinigt hätten. Das offi- ciöse Petersburger Black fügt hinzu, die Mächte hätten sich über eine Action auf der Basis des status quo geeinigt, wodurch jede derartige Compensation ausge­schlossen sei. w

Konstantinopel, 23. Oktober. Nachdem die Mehrzahl der Mächte dem Vor­schlag der Pforte in Betreff des Zusammentritts einer Konferenz zur Berathung der bulgarischen Frage zugestimmt hat, beginnt die Conferenz voraussichtlich am 26. Oktober Hierselbst ihre Arbeiten. . ,

Bukarest, 23. Oktober. Dem Vernehmen nach beabsichtigte das Ministerium die Handelsverträge zwischen Rumänien und den anderen Staaten nicht zu verlängern, sondern zu den betreffenden Ablaufsterminen zu kündigen. Der zunächst ablaufenoe Handelsvertrag ist derjenige mit Rußland.

Athen, 23. Oktober. Eröffnung der Kammer. Die Botschaft des Königs conftatirt, daß der Berliner Vertrag, indem er ein gewißes Gleichgewicht auf der Balkanhalbinsel herstellt, bis zu einem bestimmten Grade die hellenizchen ^uteresteu gesichert habe. Griechenland achtete den Vertrag, bie runKhfdfe Jteüoluhon oompro- mittire aber durch die Zerstörung des Status quo bte Lage 0 r lechenlands, welches gezwungen sei, zur Wahrung der hellenischen Interessen militärische Otaßregeln zu ergreifen. Die Botschaft hofft, die Friedensliebe der Machte werde die Ordnung der T\nge Herstellen, welche dem Orient den' Frieden sichert, kündigt die Einbringung des Budgets und Ereditvorlagen an und betont die Ucberzeugung, die Kammer werde angesichts der kritischen Umstände den Hoffnungen der Natron entsprechen und die Mittel bewilligen, die notwendig seien, um die große und schwierige Ausgabe zu.