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Weßener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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PreiK vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. Durch die Post bezogen vierteljährlich
gesänge wird dagegen in einem liturgisch und musikalisch reich ausgestatteten Abend--- gottesdienst am 3. Feiertag zur Geltung kommen. Allerdings kann den inaktivem Mitgliedern in dem Gottesdienst das Vorrecht reservirter Plätze nicht gewährt werden» In musikalischer Beziehung werden sie sich dabei sicher nicht verkürzt finden.
AeuLsHkand.
Darmstadt, 19. December. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Merg^mgst geruhte^^ Kaufleute: Ferdinand Burk, Georg Wort- mann, Siegmund Heichelheim, August Heß zu Gießen, zu Handelsrich- Lern — Adolf Zinßer, R. Scheel zu Gießen, zu Ergänzungsrichtern, — an der bei dem Landgerichte der Provinz Oberheffen gebildeten Kammer für Handelssachen mit dem Sitze zu Gießen, — mit Wirkung vom 1. Januar 1886 bis zum 31. December 1888, — zu ernennen.
Darmstadt, 19. December. Se. Königl. Hoheit der Großherzog em- fingen heute den Generallieutenant z. D. v. Wussow, den Oberst v. Klüber, Commondeur des 1. Großh. Dragoner-Regiments (Garde-Dragoner-Regimenttz) Nr. 23, den Secondlieutenant Klinker von demselben Regiment, den Second- Lieutenant Robbe vom 6. brandenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 52 (Cott- bus), den Landgerichtsrath Puckel und den Professor ^Dr. Hellwig aus Gießen, den Amtsrichter Dr. Meisel aus Groß-Gerau; zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Ministerpräsidenten Weber. , c
Berlin, 19.^December. An den in nächster Woche beginnenden Verhandlungen über den Abschluß einer Militär-Convention mit Braunschweig nehmen diesseits der „Kreuz.Zla/ zufolge der Director des Allgemeinen Kriegs- departements, Generalmajor Hänisch, und der Abtheilungs-Ches des Kriegsministeriums, Oberstlieutenant Goßler, Theil.
— Der Bundesrath genehmigte die Gesetzentwürfe, betr. die Besteuerung des Zuckers und die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forst- ivirthscLastlichen Betrieben beschästigten Personen. ....
Dresden, 19. December. Der Eisschutz bei Schöna ift m der vergangenen Nacht abgegangen, hier ist jetzt vollständiger Eisgang.
Aachen, 19. December. Der „Volks-Ztg." zufolge sind heute durch ein Grubenunglück aus der Grube Gouley in Morsbach bei Aachen 19 Personen verunglückt; zwei von denselben wurden todt zu Tage gefördert.
Lokales.
Gießen, 21. December. Schwurgerichtsverhandlung am 19. l. Mts. gegen:
1) Adam Ritzel von Gelnhaar,
2) Heinrich Mathes von Eschenrod, und
3) Heinrich Enders von Eichelsachsen, wegen Brandstiftung.
Sämmtliche Angeklagten waren beschuldigt:
daß sie am 21. November 1885 in der Nähe von Eichelsachsen einen in fremdem Eigenthum stehenden Vorrath von Brennmaterialien, nämlich eine Parthie dem Heinrich Hirz I. von Eichelsachsen gehörigen Fichten-, Kiefern- und Lärchenreiser, in gemeinschaftlicher Ausführung der That vorsätzlich in Brand gesetzt haben.
Die Geschworenen erkannten die oben unter 1 und 3 bezeichneten Personen der vollendeten Brandstiftung, der ad 2 bezeichneten Angeklagten wegen Versuchs der Brandstiftung unter Annahme mildernder Umstände für schuldig und wurde demgemäß Adam Ritzel und Heinrich Enders je in eine Gefängnißstrafe von 6 Monaten, Heinrich Mathes in eine desgleichen von 2 Monaten verurtheilt, ihnen auch die Untersuchungshaft vom L l. M. in Aufrechnung gebracht.
Gießen, 21. December. sEvaug. Kirchengesangverein.1 Unter der Fülle festlicher Veranstaltungen, welche das Weihnachtsfest zu bringen pflegt, hat sich fchon seit Jahren die Aufführung des Evang. Kirchengesangvereins eine wohlangesehene Stelle gesichert, und sie wird von Vielen mit immer neuer Freude erwartet. Dieses Jahr hat der Verein, da der dafür nun feststehende dritte Feiertag auf einen Sonntag fällt, j geglaubt, von einer besonderen Aufführung absehen zu sollen und wird dafür seine ganze Kraft der Verherrlichung der Gottesdienste widmen. Er wird am 1. Feiertag im Vormittagsgottesdienst mitwirken. Die reiche Fülle unserer herrlichen Weihnachts-
Schwindel würde man sagen
wenn heute eine Zahntinktur empfohlen würde, die neue Zähne in alte Lücken hervorbringt und doch wäre dieses gleichbedeutend mit dem Versprechen neuer Haare auf kahlen Stellen! Deßhalb kann man bei den sich massenhaft mehrenden Mitteln für Haarleidende nicht genug auf das seit Jahren bewährte, von allen Autoritäten em- Carl HcttcrW Haarwasser München aufmerksam machen, welches wirklich leistet, was es verspricht, nämlich Con- servirung und Kräftigung des Haares, Reinigung aller Kopfhautübeln, als Schuppen rc. Herstellung eines weichen glänzenden Haares und festen Scheitels. — Zu haben um 40 H und Jt. 1.10 bei I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, Gießen. 2117
Vermischtes.
— Wie die „Nowi Ezas" berichtet, ist kürzlich in Seret (Bukowina) ein alter Mann Namens Aschner, der alle seine Kinder überlebt hatte, mit Hinterlassung eines Vermögens von 800,000 Gulden und eines höchst merkwürdigen Testaments gestorben. Der Erblasser drückte darin seinen festen Glauben an die verheißene Wiederauferstehung des Fleisches aus und gibt sich der Befürchtung hin, daß, wenn er am jüngsten Tage wieder mit seinen Kindern zusammentreffe, er diesen nicht willkommen sein roerbc„ falls er mit leeren Händen und mittellos vor sie träte. Um sich gegen diese Möglichkeit zu schützen, verordnete er, daß sein ganzes Vermögen zinstragend angelegt werden solle, um ihm am jüngsten Tage wieder ausgehändigt zu werden. Von den Zinsen soll immer nach 25 Jahren ein Viertel unter die Armen des Bezirks .vertheilt, die übrigen drei Viertel sollen jedoch gleichfalls für ihn nutzbringend angelegt werden. Die Verwandten des Verstorbenen, in Oesterreich-Schlesien wohnhaft, beabsichtigen, dieses sonderbare Testament angreifen und es gerichtlich umfloßen und für null und nichtig erklären zu lassen, was ihnen wohl auch nicht allzu schwer fallen dürfte.
— Ein merkwürdiger psychologischer Zug kam in dem jüngsten Criminal- proceß in Berlin zum Vorschein. Der Tischler Schunicht hatte seine Geliebte auf deren Zimmer kalten Blutes ermordet und beraubt und legte vor den Geschworenen ein offenes Geständniß ab. Da fragte ihn der Vorsitzende: „Haben Sie nicht, ehe Sie sich entfernten, für den Kanarienvogel, der sich in der Wohnung befand, gesorgt?" — Angeklagter: „Ja, ich habe nachgesehen, ob der Vogel Wasser und Futter hat. Wasser hatte er noch, aber kein Futter, ich habe ihm daher Brodkrumen auf das Betttuch und die Commode gestreut." (Er hatte geglaubt, der Vogel könne verhungern, ehe man die Ermordete finde.)
— fDie Deutschen in Brasiliens Ein Deutscher, der längere Zeit in Brasilien, gelebt und vielfach Reisen unternommen hat, schreibt zur Orientirung für seine Landsleute Nachfolgendes: Ich habe das Kaiserreich von Rio de Janeiro bis Rio Grande durchkreuzt und stellte mir dabei die Aufgabe, meine Landsleute auch in kleinen entlegenen Ortschaften aufzusuchen. Dabei kümmerte ich mich weniger um Kaufleute und. Gewerbtreibende, die überall leichter durchkommen, als um Ackerbauer und Arbeitsleute. Diese bilden bei jeder Colonisation das Hauptcontingent, und auf diese ist es bei den Werbungen in Deutschland auch abgesehen. Davon kann man sich nun in Brasilien überzeugen, daß der deutsche Ackerbauer in tropischen und halbtropischen Klimaten nicht gedeiht, vielmehr physisch und moralisch verkommt. Der Deutsche geht bald im Brasilianer auf, Namentlich säumt er nicht, dessen schlechte Eigenschaften an= zunehmen. Er wird faul und leichtfertig, behält jedoch den aus Deutschland mit- gebrachten Hang zum Trünke bei. Das Aussehen ist nach einigen Jahren ein widriges. Die Körperkräfte haben abgenommen. Die Hautfarbe ist fahl und gelblich geworden um die Augen bilden sich grimbläuliche Ringe und die Lippen nehmen eine bläuliche Farbe an, wenigstens in den tieferen Lagen des Landes. Etwas günstiger gestalten sich die Verhältnisse auf dem Hochplateau. Was die Bodenbeschaffenheit betrifft, so ift wenig Vortheilhaftes zu melden. Der Colonist ist mehrentheils auf das Ausroden des Waldes angewiesen, stößt jedoch hier auf dreimal größere Schwierigkeiten als in Nordamerika. Werden große Strecken ausgerodet, so verschwinden im Laufe von etwa 10 Jahren mit dem Walde auch die Wasserquellen und es tritt Regenmangel ein. Gutes Land findet sich aber nur in Hügel- und Gebirgsgegenden. Die Landplagen, wie Ameisen, Mäuse, Heuschrecken rc., erwähne ich nur beiläufig. Unser Gewährsmann hält es für eine Gewissenlosigkeit, baß in Deutschland noch fortwährend für Brasilien Propaganda gemacht wird.
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