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Darrn stadt. 17. März. Elve Angelegenheit, welche bei der Berathung des §>auvtvoranschlags für 188588 eine erfreuliche Erledigung, aber in der Oeffentltchkeit kaum Erwähnung gefunden hat, ist die Ausdehnung des Instituts der Landes'Waisevr Anstalt auch auf uneheliche und mit körperlichen Gebrechen behaftete Kinder. Ursprüng­lich nur für christliche und ehelich geborene, sowie mit Gebrechen nicht behaftete Waisen bestimmt, hatte man schon vor längerer Zett jene erstere Einschränkung fallen gelassen und auch jüdischen K.ndern Ausnahme gewährt. Jene weiter beseitigten Einschränk­ungen wurden in der zweiten Kammer während deS vorigen Landtags angeregt und von der Regierung in dem Staatsvoranschlag durch Einstellung einer erheblichen Mehr­forderung, die bewilligt wurde, entsprechend berücksichtigt.

(Frühlingsanfang ] Schneeglöckchen und Veilchen künden dos Herannahen des Frühlings und tm Waldthal erscheint die erste blaue Anemone. Die ersten Aus­flügler durchstreifen die Wälder und belauschen das Erwachen der Natur, das erste Knokpen des Erlenstrauchwerks und der Birke. Und in das Gemach bricht der erste FrühlmgSsonnenstrahl - ein halbes Dutzend mühsam überwinterter Zimmerpflänzletn mit seinem Kusie belebend voll und ganz herein. Keine Gardine, kein Vorhang darf dem Eindringling den Wög verstellen. Er hält sich eine kleine Weile in dem engen Raume zwischen dem Doppelfenster auf, um ein freundliches Zwiegespräch mit einem staubigen Aeranienstock zu pflegen, und steht plötzlich mitten tm Zimmer, voll und groß, bi ndend in goldiger Herrlichkeit erfüllt er dm Raum. Nun ist es tm Augen­blick in allen Winkeln lebendig geworden. Aus allen Winkeln und von allen Ecken und Enden eilt es herbei, um den Strahl zu begrüßen, ihm Reverenzen und womög­lich gemeinsame Sache mst ihm zu machen.

Wo nur all das Jauchzen Herkommen mag, daS da von den Schränken und unter dem Tisch beroor, von dem Teppich am Boden, vom Bücherständer, von den Bildern und Nippsachen und Figuren sich in Bewegung setzt. . . . Man hat doch all diese tausend und abertausend kleinen bac>llenartigen Wesen früher nicht bemerkt, war doch Alles so säuberlich abgestaubt und ausgeklopft worden, als wenn ein Preis tm Abstauben zu gewinnen gewesen wäre. Ist denn die ganze Arbeit umsonst ge­wesen? . . . Aber seltsam, die tausend tutntn Geister und auf und ab und hin und her huschenden Wesen geniren gar nicht, sie machen das Gemach nur munterer und verstörkcn die Verwuthung, daß ein neuer Lebensadern tm Anzuge, der mit der muffigen Wrnteiluft oufturäumen entschlossen ist. Man spürt auch nichts mehr von der Ofenwärme tm Z'wmer. Der Strahl, der so unerwartet heretvgebrochen ist, hat wahrhaftig die Kraft, zu erwärmen; man spürt eine eigenthümltch wohlthätige Durch­wärmung der Haut und der Glieder, die ganz verschieden ist von der dünnen Wärme, welche der Ofen gibt, die sofort veiflüchtrt. wenn man die Nase zur THÜre htnauS- steckr. Und der menschl che Körper nicht allein spürt die Annehmlichkeit und intensive Kraft dieses neuen Elements. Haben sich nickt dort die verkümmerten, verstaubten Pflanzen über Nacht gehoben, sind sie nicht größer und schöner geworden? Ist das noch dieselbe dünne Z mmer-Akazie, die gestern unbeachtet tm Winkel stand und von welcher man nicht wußke, ob man sie heute oder morgen in den Hof werfen sollte? Die zarten, fächerartig n Zweige neigen sich gegen das Licht, sie find durchsichtig grün, von einer unauSiprechiichen Zartheit und Schönheit der Farbe und Form. Etwas wie ein keimender Blüthenftengel rankt sich aus dem Gezweige empor und eine neue, irische Kraft sckeint über den ganzen Stamm gekommen zu fein. Daß er thatsäcklich gewachsen sei, könnte man nicht beschwören; aber schwören könnte man, daß eS schöner und stäiker geworden. Wie lieblich er anzuschauen ist zwischen den beiden unbeholfenen Gummibäumen! Auch dikse tauchen mit wahrer Wollust hinein in daS junge Sonnen­licht. Jedes einzelne der großen lappigen Blätter ist heute Morgen so kräftig geputzt worden, alS wenn das Stubenmädchen auf denselben Vorübungen für daS Scheuern des Fußbodens angestellt hätte, und nun glänzen sie im Sonnenlicht vor Sauberkeit und Frische. Die schwere dunkle Erde in dem geräumigen Topf ist ein wenig ge­lockert worden und dort steigt wahrhaftig auS dem weichen HumuS ein neues Pflänzlein herauf mit einem grünen Blättchen auf schmiegsamem Stengel; ein einzelnes winziges Ding. keck und verwegen, welches sich vergebens noch Genossen im Schatten der grünen Blätter umschaut und doch äußerst behaglich sühlen mag in dem warmen Boden.

Aber wa8 will dieses Blattwerk und dieser armselige Keim sagen neben den beiden kleinen Eriken I Der Sonnenstrahl hat genügt, nm die beiden blüihenreichen Pflänzlein in em neues bezauberndes Gewand zu kleiden. Es mag dasselbe dünne Gerippe, es mögen dieselben zarten Blüthenkelche von gestern sein, aber das Sonnen­licht hat es in die Arbeit genommen und förmlich verjüngt. Wer hätte gestern solche Schönheit von Farbenkraft an den rosig angehauchten Blüthen bemerkt? Und wie lieblich Laub und Blume zusammenstimmen, so daß man schwören kann, kein gott­begnadeter Künstler vermag in seiner bestm Laune Anrnnthigeres zu schaffen.

Zwei kleine Monatsrosen machen sich noch in einem Blumenkorb bemerklich, und sie haben sich den Winter über ebenso wacker gehalten, rote die bescheidene Enka. Die eine hat Wochen hindurch mit Geburtswehen zu thurr gehabt, sie konnte ein kleines, dünnes Knöspchen nicht zur Entfaltung bringen. Jetzt ist die schmerzliche Arbeit jäh­lings, in wunderbarer kurzer Zeit qethon worden; wie, wann, wodurch, woher? kein Menschenauge hat <8 gesehen! Und nicht allein ist der harte Kelch gesprengt worden, auch das weiß und rosige Blattwerk kommt zum Vorschein und ein leiser wohliger Duft geht von dem winzigen Stocke aus. Die unscheinbare MonatSrose hat gewttz niemals den Ehrgeiz gehabt, von einem Dichter besungen zu werden, aber nicht anders hat sich bei ihr der poetische Proceß vollzogen, als jener war, der den Dichter zu den lieblichen und sinnigen Versen begeisterte:

Und horch, eS klingt, wie still aus süßen Keimen

Der Rose Kelck in tiefer Nacht sich webt.

Literarisches.

An der nationalen Feier zum siebenzigsten Geburtstage und fünfzigjährigen Dienstjubiläum deS Fürsten BiSmarck hat auch das VI (Mär,-) Heft der illustrirten Monatsschrift ^Univetfum* (Redacteure JeSko von Puttkamer und Theodor Seemann, Verlag von Wilhelm Hoffmann in Dresden) sich in hervorragender Weise betheiligt. Es bringt ein künstlerisch ausgeführtes, sinniges Gedenkblatt zu dem Ehrentage deS großen deutschen Kanzlers mit einer von patriotischem Feuer durch­glühten Widmung der Brüder Adolf und Karl Müller, daS die Erinnerung an die gewaltigen Thaten von 1870-1871, die Einigung Deutschlands und die dadurch begründete gebietende Weltstellung in unS wachruft. DaS Heft zeichnet sich aber auch

noch in anderer Weise durch ein tief empfundenes Gedicht Rudolf Kulemann'S zu dem schönen Bilde der hochverehrten Königin Luise, der Trägerin des nationalen deutsch-n Gedankens in schwerer Zeit und eines echten Frauengemüths aus. Ferner enthält das Heft:In der Geduld«, Novelle von Julius Duboc; ein höchst inter- kffavtes und wichtige Fragen berührendes Essay:Cultur und Thier" von den Brüdern Adolf und Karl Müller;Boleslav Markevitch" von Ewald. Paul; deS Dampfrosses Lenker" von G. van Muyden; derHerrMajor" von A. v. Winter­feld;Amerikanische Politiker", ein Culturbild aus den Vereinigten Staaten von A. C. Wiesner;Theater unter Sternenhimmel" von G. de Beaulieu und Ge­dichte von Julius Sturm, Paul Fritsche, Frida Schanz und Hermann Becker jun. Im zweiten Theile endet das Efflly von Dr. Alfred Friedmann, Gottfried Kivkel's Schwanengesang Tanagra", daran schließt sich die Allgemeine Rundschau, Besprechung zu unseren Kunstbeilagen, W-li-Telephon und den Schluß bildet ein schönes Albumblatt: Spinn, Spinn, Composition von Hugo Jüngst. Von den trefflichen Lichtdruckbeilagen erwähnen wir noch außer den bereits genannten eine OriginalaufnahmeKölner Dom", ein Brustbild des rheinischen Dichters von Otto der Schütz" Gottfried Kinkel undNordisch-germanische Götter" von Carl Ehrenberg. - DaSUniversum" bestrebt sich gewissenhaft, gehoben durch die An­erkennung der besten Stimmen in der in- und ausländischen Presse, dem ihm von allen wahrhaft Gebildeten zugewandten Jntereffe nach allen Seiten tn Wort und Bild Poesie und Kunst gerecht zu werden.

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J. G-. Rumpf, Frankfurt a. M, Eiserne Hand.

Abbildungen auf Wunsch gratis.

1444

Kirchliche Anzeigen der Stadt Greffen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Sonntag Judica, 22. März.

Vormittags ausnahmsweise 9 Uhr: Pfarrer Dr. Nauman n.

Vormittags 10y2 Uhr: Festgottesdienst zur Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers; Pfarrer Schlosser.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Beichte und heiliges Abendmahl im Nachmittagsgottesdienst.

Kinderkirche: fällt aus.

Montag, den 23. März, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule, Bibelstunde^ Philipperbrief, Kap. 2, 1930. Pfarrer Dr. Nau m a u n.

Mittwoch, 25. März, Abends 6 Uhr, in der Kirche, 6. Passionsandacht, Pfarrer Schlosser-

Am Sonntag Palmarum, 29- März, feiern wir unfern Landes-Buß- und Bettag.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 22. bis 28. März besorgt Pfarrer Dr. 9^ au mann.

Katholische Gemeinde.

Passions-Sonntag.

(Judica.)

Von 6 Uhr an: Beichte. Um 8 Uhr: Militär-Gottesdienst. Feier des hohen Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers. Um 1,210 Uhr: Hochamt, Predigt und Te Deum. Um 2 Uhr: Passionsandacht.

Am Donnnerstag von 3 Uhr an: Beichte.

Am Freitag (Schmerzensfreitag) nm Uhr: Predigt und Andacht.

Am Samstag von 1 Uhr an: Beichte.

Nächsten Sonntag Collecte für bedürftige Erstcommnnikanten.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 545 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 7 Uhr.

uf ruf I

Eine entsetzliche Katastrophe hat in der Saargegend zahlreiche Opfer gefordert. Fast 500 Wittwen und Waisen betrauern den Verlust ihrer Er­nährer. Zu den: Schmerz gesellen sich die Sorge und das Elend. Da gilt es helfen und je schneller die Hilfe zur Stelle ist, um so größer wird ihr Segen sein. Wir wenden uns deshalb an das Mitgefühl und den Wohl- thätigkeitssinn unserer Leser mit der Bitte, die noch immer von Erfolg gewesen ist: Nehmt Euch der Unglücklichen an, spendet für sie Jeder nach seinen Kräften!

Redaktion und Expedition desGießener Anzeiger".

Die Expedition desGießener Anzeiger" erklärt sich zur Annahme von Gaben für die Hinterbliebenen der Opfer der Cawphaufen-Grube bereit.

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Allgemeiner

Anzeiger.

Oesfentliche Anerkennung.

Nachdem wir inzwischen Gelegenheit hatten, auch die Dauerhaftigkeit unserer Fahne zu erproben, sprechen wir der wohllöblichen Bonner Fahnenfabrik (Hof-Fahnenfabrik) in Bonn öffentlich unsere vollste Anerkennung für die solide Anfertigung aus.

Die Fahne, welche bereits im Juli 1884 ihre Weihe empfing, hat überall Bewunderung erregt und wurde als die schönste Fahne hiesiger Gegend allseitig anerkannt.

Heftrich-Idstein, den 12. März 1885. 2032

Der Vorstand des Männer-GesangvereinsConcordia".

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