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17 Mittwoch den 21. Januar 188S

Gießener Anzeiger

Amts- uni). Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Grobherzogliches Mnisterium de» Innern und der Justiz hat die Genehmigung zur Vornahme einer mit bem diesjährigen Frühjahrssaffelmarkt ii Vutzbach ru verbindenden Verloosung von Faffeln, Rindern, Schweinen und Landwirthschaftlichen Geräthen unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10,000 Loose ä 1 al ausgegeben werden dürfen und (abzüglich eines Betrags von 300 JL für Prämiirung) mmdestens 70% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenstanden zu verwenden sind.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.

Gießen, am 17. Januar 1885. GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Bekanntmachung.

Grobherzogliche- Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Verein für Vogel- und Geflügelzucht (älterer Verein) in Darmstadt die Erlaubniß zur Abhaltung einer im Monat April d. I. in Verbindung mit einem Vogel- und Geflügelmarkt vorzunehmenden Verloosung von Zuchtgeflügek und anderen, die Vogel- und Geflügelzucht fördernden Gegenständen unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 6000 Loose ü 25 zur Ausgabe gelangen und mindesten- 65% de» Bruttoerlöses der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen verwendet werden. Es tfl der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden. ä ,

Gießen, am 17. Januar 1884. Großherzogliches Krel-amt Gießen.

Dr. Boekmann. ___

Betreffend: Die Einführung des Turnunterrichts an den Volksschulen. Gießen, am 17. Januar 1885.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

en die Schulvorstände des Kreises.

Sie wollen iiach dein unten vorgedruckten Schema über das Turnwesen der Volksschule in Ihren Gemeinden unter möglichst genauen Angabe« innerhalb 8 Tagen an uns berichten.

* Dr. Boekmann.

Einladung M Mahl des Vorstandes der israel. ReNgionsgememde fu meßen.

Es wird hiermit zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß, da die Dienstzeit des Vorstandsmitglieds Herrn Isaak Hanau abgelaufen ist, gemäß den Vorschriften der Wahlordnung vom 4. August 1871 die Wahl eines Vorstandsmitglieds der israelitischen Religionsgemeinde zu Gießen

Mittwoch den 28. Januar I. I.

in dem Saale des alten Rathhausss dahier stattfinden soll. . r . , . .. Qr,Q. m

Sämmtliche nach § 2 der genannten Wahlordnung Stimmberechtigte werden zur Wahl mit dem Bemerken emgeladen, daß die Abstimmung Vor­mittags von 9-12 und Nachmittags von 3 bis 5 Uhr stattfinden wird und das austretende Vorstandsmitglied wieder wahlbar ist.

Gießen, den 16. Januar 1884. Der Wahlcommissär:

Nömheld, Regierungsaccessist. _____ _ _

Gemeinde.

Turnraum.

Geräthe.

Zahl der Klaffen.

Zahl der Turnstunden.

Bemerkungen.

1) Arheiligen 2900 Einw.

Schulhof, genügend. Im Winter Saal eines Wirthshauses.

2 Springpseiler mit 2 Sprmgschnü- ren und 2 Sprungbrettern. Stäbe, Schwingseil und Bälle.

8 Klaffen,

4 Knabenklaffen

6 wöchentlich.

Den Unterricht erthettt Lehrer Weitzel genügend.

2) Bessungen 6900 Einw.

Großer Schulhof nebst Turnhalle.

Vollständige Ausstattung.

11 Klaffen.

18 wöchenttich.

Dtädchenturnen obligatorisch.

Politische Ueberficht.

Gießen, 20. Januar.

Der Kaiser hat angeordnet, daß anläßlich des Ablebens des Prinzen August von Württemberg die Officiere des Garde-Corps 5 Tage, die des 1. Garde-Regimenls z. F. und des Garde-Kürassier-Regimentes 10 Tage und die des Posen'jchen Ulanen-Regimentes Nr. 10, deffen Ches der Prinz war, 14 Tage Trauer anzulegen haben. Am Freitag Mittag fand in der Berliner Schloßkirche unter außerordentlichem militärischen Gepränge die Trauerseier für den verewigten Heerführer statt, welcher der Kaiser, die königlichen Prinzen, säst sämmtliche Mimster, Feldmarschall Gras Moltke und zahlreiche Officiere in Parade-Uniform beiwohnten. Am Abend erfolgte die Uebersührung der Leiche nach Ludwigsburg in Württemberg, wo sie laut testamentarischer Bestimmung des Verstorbenen beigesetzt worden ist.

Nach dreitägiger Debatte hat der Reichstag am Freitag die Verhandlungen über die von verschiedenen Seiten vom Centrum, von den Conservativen, von der Reickrpartei und von den Nattonalliberalen einge- brachün socialpolitischen Anträge zu Ende geführt und wurden sämmtliche An­träge an eine Commiiston von 28 Mitgliedern verwiesen. Eine eingehende Analyse derselben würde an dieser Stelle zu weit führen und müssen wir uns begnügen, darauf hinzmvelsm, daß die Tendenz aller Anträge eine durchaus arbeitertreundliche war und sie sich in dem Bestreben begegneten, empfindliche Lücken in unserer Fabrik-Gesetzaebung auSzusüllen. Die hauptsächlichsten Fragen, die hierbei zur Erörterung gelangten diejenigen des Normal-Arbeitstages, der Frauen- und Kinderarbeit und der Sonntagsarbeit find keine neuen Themata mehr, sondern in der Oeffentlichkeit schon des Oeiteren erörtert wor­den. Auch die soeben beendeten Verhandlungen des Reichstages haben keine

wesentlich neuen Gesichtspunkte über diese Gegenstände gebracht und im Uebrigen dargethan, wie nothwendig, aber auch wie schwierig die Lösung dieser Frage ist. Das Ergebniß der dreitägigen Berathung ist insofern ein negatives gewesen, als bei dem näheren Eingehen auf die beregten Fragen immer klarer geworden ist, daß der neue Zustand mit erheblichen Nachtheilen für die Industrie und mittelbar auch für die Arbeiter selbst verbunden sein würde. Da, wo die Frauen- und Kinderarbeit besteht, würde der Wegfall derselben die vorhandene Noth nicht mildern, sondern vergrößern, die Ernährung der Arbeiterfamilien würde alsdann viel schwieriger werden. Der Normal-Arbeitstag wird da, wo er besteht, wie in der Union, in England und der Schweiz nicht innegehalten, die Arbeiter selbst dringen in Zetten günstiger Conjuncturen auf die Ueber- schreitung desielben- Endlich ist die Sonntagsruhe nicht in allen ä^ergeu oer Jndustrie-Thäligkeit durchzuführen, wett dann für die Reinigung der llUajchrnen keine Zeit übrig bliebe und wett Verkehrsstockungen eintreten würden. Db die Anträge in der Commissionsberathung eine andere Gestalt gewinnen werden, durch welche sie sich für das praktische Leben verwerthen lauen, bleibt warten. Am Samstag und Montag beschäftigte sich der Reichstag mit dm noch nicht erledigten Capiteln des Mttitär-Etats.

Seit Donnerstag tagen die beiden großen Parlamente des Reiches und Preußens wieder nebeneinander und^wird diese Concurren; für beide parlamentarische Körperschaften jedenfalls die atten Unzuträglichkettm im Gefolge haben: indessen, die Sache ist nun einmal nicht zu ändern und so werden sich Reichstag und Landtag mit ihren Geschäften einrichten muffen, so gut es eben geht. Das Abgeordnetenhaus constituirte sich am Frettag, wobei das Präsidium (ö. Köller, Frhr. v. Heeremann, v. Benda) und die Schrift­führer der vorigen Session per Acclamation wiedergewählt wurden und hat am