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1868

Dienstag den 17. November

N*. 268

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

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Zahlreiche iUGiVmE ersten medicinischen Autoritäten.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqerloha. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst

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ießmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen.

Gießen, 16. November.

Das Profict des deutschen Colonial-Vereins, die südlichen, in gemäßigter oone liegenden Provinzen Süd«Brasiliens mit deutschen Ackerbauern zu coloni- siren, findet, wie wir vernehmen, auch in Süd- und Mittel-Deutschland immer mehr'Anklang, namentlich in den Kreisen des landwirthschaftlichen Mittelstandes. ES soll in nächster Zeit eine Versammlung von Pächtern, Jnspectoren und Bauern, welche über ein kleines Kapital verfügen, welches hier zur Gründung

eines neuen Hausstandes nicht ausreicht, in einer Stadt Mittel-DeutschlandS stattfinden, um ein gemeinsames Vorgehen in der Colonisation von Süd-Brasilien in Erwägung zu ziehen. Wie bekannt ist, leben in Süd Brasilien derzeit etwa 200 000'deutsche Colonisten, und zwar durchschnittlich in behäbigen Verhält- nissen Es find namentlich viele Süd- und Mittel-Deutsche darunter, welche schon vor mehreren Jahrzehnten aus Deutschland ausgewandert find. Um eine deutsche Besiedelung der sehr fruchtbaren und gesunden Landstriche möglichst zu erleichtern, wird das neu gegründete Comitö der deutschen Gesellschaft für Sud- Amerika in den nächsten Tagen zur Zeichnung auf ein Actien-Kapital von vor- läufig einer Million JL in 1000 Aclien zu je 1000 auffordern. Es soll ein größerer Landkomplex angekauft werden, welcher in kleinere Colome-Loose vertheilt werden soll. Es sollen Wege angelegt und, wenn nöthig, Eisenbahnen gebaut werden. Da die Colonisten in Süd-Brastlien im Gegensätze zu den deutschen Auswanderern nach den Vereinigten Staaten ihrem Deutschthum Jahr- zehnte lang treu geblieben sind, so hat unsere deutsche Industrie und unser Handel ein großes Jntereffe an dem Gelingen des groß angelegten Colonisa- tions-Profectes.^auf Monako, welche schon viele Tausende ruinirt fiat, scheint jetzt auch das letzte Stündlein geschlagen zu Haden. Wie man hört, fiat die Petitions-Commission des französischen Senats die Spielbank-Frage bereits auf die Tagesordnung gesetzt. Ein neuerlicher Anstoß zur Aufhebung der Spielbank ging von der russischen Regierung aus, weil em bekanntes Mit- alied des russischen Kaiserhauses vor einigen Monaten dort ungeheure Summen verloren haben soll. In England bildete sich eine eigene Gesellschaft zu dem Zwecke gegen das Fortbestehen der Spielhölle mit allen Mitteln zu agüiren. Daß die deutschen Regierungen eine Aufhebung aller Spielhöllen sehr gerne sehen würden, muß als selbstverständlich angesehen werden.

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Deutschland.

Darmstadt, 12. November. Se. Durch!, der Prinz Franz Joseph von Battenberg, seilher Seconbe.ßieuteuant in dem ersten König!. Preuß. Garde- Reqiment z. F., ist mit Zustimmung Sr. Mas. der Kaiser« gestern in die bul- «arische Armee eingetreten, da er sich verpflichtet hielt, bei der jetzigen ernsten Lage der Verh-ilinisse in Bulgarien seinen Bruder, den Fürsten Alexander, nicht zu perlasien Der Prinz hatte schon im Sommer einen längeren Urlaub ge­nommen den Fürsten bei dessen Rückkehr aus Deutschland nach Bulgarien be­gleitet und ist bald nach der Ankunst gleich seinem Bruder von den dortigen poiiiischen Ereignissen sehr überrascht worden. (Darmst. Ztg.)

Berlin. 14- November. Se. Maj. der Kaiser war durch einen Erkal­tung«,ustand mit starker Heiserkeit verhindert, an den Hosjagden in Letzlingen Tbeil zu nehmen, und ist auch zur Zeit noch genöthigt, da« Zimmer zu hüten-

Karlsruhe, 14. November. Der Grohhsrzog und die Großherzogin -sind heute Abend nach Amsterdam abgereist zum Besuch ihrer daselbst erkrankten Tochter, der Kronprinzessin von Schweden.

Die Kammer wählte in« Präsidium Lamey, Friedrich und Lender.

Hesterreich.

Wien, 14. November. DerPolitischen Korrespondenz" wird aus Nisch ge­meldet: Garaschanin hat die Vertreter Serbiens im Sluslande telegraphnch beauftragt, den Mächten anzuzeigen, daß der König, in Folge des eigenmächtigen Uebersalles der bulaariichen Truppen auf die von der serbischen Morawa-Dioision Bulgarien gegenüber aut serbischem Gebiet eingenommenen Stellungen, das Obercommando über die -lrmee üb rnommen habe: ferner das an den Geschäftsträger Rhangabe zur Mittheilung an den bulgarischen Minister des Auswärtigen, Zanow, gerichtete Telegramm bekannt zu neben welches besagt, daß, nachdem die bulgarischen Truppen am 13. November, 71/. uhr Morgens, die Stellungen angegriffen, welche ein Bataillon des 1. serbischen Infanterie-Regiments auf serbischem Gebiet in der Umgebung von Llass,na besetzt aedalten die serbische Regierung diesen unbegründeten Angriff als. Kriegserklärung nnfirfit nnb die Konsequenzen hiervon annehmend, sich als tm Kriegszustände Mit affin fcflÄ am 14. November, 6 Uhr Morgens, befindlich erachtet Eine voraesüntt vcrstndete Cirkularnote Garaschanin's, welche das Havastelegramm betresiend die B bandlÜna von 300 Serben als Räuber wörtlich c tot, erklärt °sfic,°ll, mdem s e bmürd ae Erklärung als aus officieller bulgarischer Quelle entstammend be­zeichnet "rstens baj mit keinem Punkte des bulgarischen Gebietes sich serbische Truppen

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Bulgarien.

Sofia, 14. November. (Nachmittags 2* 1/» Uhr. Meldung derAg. Hav.) Der Fürst wird hellte Abend hier erwartet. Derselbe telegraphrrte vor seiner Abreise nach Philippopel an den Sultan, die Serben seien m das Gebiet des Furstenthums eingefallen und er habe den bulgarischen Truppen besohlen, diesen Angriff. ruruckzu- weisen. Zugleich fragte der Fürst ben Sultan, welches feine Absichten al§ ©njernn hinsichtlich der Verteidigung der Integrität des osmanischen Reiches feien, ^.ic Truppen marschirten heute früh mit dem RufeVorwärts gegen Serbien nach dev Grenze. Morgen werden in Eilmärschen Truppen aus Rumellen hier euttrefM. Bis zu dieser Stunde ist keine Nachricht eingelaufen, daß die gerben außer bei Tyribrod die Grenze überschritten haben. In der Richtung auf Kustendil findet zwischen den. beiderseitigen Vorposten ein lebhaftes Gewehrfeuer statt aber die Serben accentuirterr weder hier, nöch bei Trn, noch in der Richtung auf Wlddln ihre Ostenftvbewegung.

3 Uhr Nachmittags. Die Serben griffen die Position Bauvkidol vor Zaribrod lebhaft Tfl bc§ Fürsten Alexander sagt:Unsere serbischen Brüder er­klären uns den^Krieg, anstatt uns zu helfen; fie rooUen uerniditen

Muth! Soldaten! Vertheidigt eure Frauen und euren heimathlichen Herd. Verfolgt:.

befinden; zweitens, daß die bulgarischen Trilppen wiederholt die serbischen Vorpostew angegriffen; drittens,' daß die serbische Regierung einen derartigen Ueberfall trotz des besten Willens, den Frieden zu erhalten, als casus belli betrachten werde. Seit Ver­sendung dieser Note erfolgte der in obiger Erklärung eonstatlrte bulgarische Angriff, Garaschanin ist Nachts nach Belgrad abgereist. , . 3 m , . ... c -

Wien, 14. November. Die ungarische Delegation hat das Budget für das Ministerium des Auswärtigen angenommen. Auf eine Anfrage des Delegirten Falk wurde seitens der Regierung erklärt, nach einer vom österreichisch-ungarischen Vertreter in Nisch eingetroffenen Nachricht fei die ferbifche Kriegserklärung gestern nach Sofia, abgegangen, da die Serben von den Bulgaren an der Grenze angegriffen worden feten. Diese Thatsache sei auch von dem hiesigen Vertreter Serbiens bestätigt worden und es sei daher wahrscheinlich, daß die serbischen Truppen die bulgarische Grenze bereits, überschritten hätten. Aus eine Anfrage des Delegirten Esernatony wurde von Seiten der Regierung erwidert, Italien bewahre Oesterreich - Ungarn gegenüber nach wie vov eine eorreete Haltung, das Freundschaftsverhältniß mit Italien bestehe ganz ungetrübt fort, die Annahme, daß sich Italien in irgend einer Frage von Oesterreich-Ungarn ge­trennt habe, entbehre jeder Begründung. . 3 ,

Die Polit. Corresp." veröffentlicht den Wortlaut der Kriegsproclamation des Königs Milan. In derselben heißt es: Zur Wahrung der Interessen des Landes habe er alle nothwendigen, durch die Verletzung seitens Bulgariens herausgeforderten Maßregeln ergriffen, um deutlich zu zeigen, daß Serbien sich gegenüber der Storung des Gleichgewichts der Balkanvölker nicht gleichgiltig. verhalten könne, namentlich wenn dies ausschließlich zum Vortheile des Staates geschehe, welcher sich Serbien lederzeit als schlechter Nachbar erwiesen habe. Der König weist auf die ungerechtfertigten Zoll­maßregeln Bulgariens gegen Serbien hin, ferner auf die gewaltthätige rechtswidrige ^Aneignung von Bregowa und die öffentliche Aufmunterung gerichtlich verurteilter- 'Landetzverräther in deren rebellischen Unternehmungen. Dies alles habe der König ertragen, geleitet von dem Wunsche, Beweise der Geduld zii geben, wie es einem Staate zieme, welcher seine Freiheit mit dem eigenen Blute erkaufte, durch die Sympathien Europas gedieh und auf jedem Schritte seiner Entwickelung die fremden Rechte be­wahrte und wie sein eigenes achtete. Die geflissentliche Mißhandlung serbischer Unter- thanen in Bulgarien jedoch, die Grenzsperre, die Anhäufung undisciplinirter Frer- willigenmaffen an der Grenze, der bewaffnete Angriff auf die Grenzbevolkerung und sogar auf die serbische Armee, dies alles bilde eine absichtliche Herausforderung, welche der König weder im Namen der heiligsten Interessen des Landes, noch der Wurde des serbischen Volkes und der Ehre der serbischen Waffen zu ertragen vermöge. Die Proklamation schließt:Dies sind die Gründe, derentwegen ich den Zustand öffent­licher Feindschaft, welchen die bulgarische Regierung herbeigefuhrt, eintreten lasse, und meiner treuen und tapferen Arniee anbefohlen habe, die Grenze des Fiirstenthums zn überschreiten. Die gerechte Sache Serbiens beruht nun auf der Entscheidung dev Waffen, der Tapferkeit der Armee und dem Schutze des allmächtigen Gottes. Indem ich dies meinem theuren Volke kundgebe, rechne ich in diesen ernsten Zeiten auf seme Vaterlandsliebe und seine Ergebenheit für die heilige Sache Serbiens."

Arankreich.

Paris, 16. November. Hinsichtlich der am Montag zu verlesenden Er­klärung der Regierung verlautet, daß die Räumung von Tongking und Mada­gaskar abgelehnt, ein Finanzdeficit constatirt und auf die Nothwendigkeit hm- gewiefen wird, neue Mittel zur Herstellung eines wirklichen finanziellen Gleich­gewichts anzuschaffm. Das Parlament wird ersucht, für Erledigung der laufenden Geschäfte die erforderlichen Gesetz-Vorlagen zu erledigen. Betreffs der Amnestie soll noch keine endgiltige Entscheidung getroffen sein.

Rußland.

Petersburg, 14. October. Der Emir von Buchhara ist gestorben; sein Nachfolger ist fein Sohn Seid Abdul Ahad.

Entgegen den von anderen Zeitungen gebrachten Nachrichten erfährt die deutscheSt. Petersb. Ztg.", daß die bei dem Ministerium des Innern unter dem Präsidium des Geh. Raths v. Plewe eingesetzte Commission sich mit der Feststellung der Grundbesitz-Rechte für alle Ausländer in Rußland zu beschäftigen habe.

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Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz durch Entschließung vom 4. l. M. bcerJ^ei^

'öiif Gegenseitigkeit) in Mannheim die nachgesuchte Erlaubniß zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthum Hessen aus Widerruf ertheilt hat, so wird b e. , durch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Gießen, am 13. November 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. ___________________ _

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