Vinzelstaaten und schließlich tu 'die tabellarischen Uebersichten des Reiches übertragen zu werden.
Wir Bürger der modernen Staaten haben es bequemer als die Bewohner des Römischen Reichs zur Zeit Von Christi Geburt, an welche „ein Gebot vom Kaiser Augustus erging, daß alle Welt geschätzt würde ... und Jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt." Wir werden geschätzt und gezählt, ohne daß wir unsere Wohnung zu verlassen brauchen. Der Zähler bringt 1 oder 2 Tage vor dem 1. December die Zählungslisten in jedes Haus und der Staat verlangt weiter nichts, als daß alle Haushaltungsvorstände die Formulare aufmerksam durchlesen und die verschiedenen Rubriken am Morgen des 1. December gewissenhaft ausfüllen, damit sie au demselben oder am nächsten Tage von dem Zähler wieder abgeholt werden können.
So einfach und mühelos auch diese Aufgabe für jeden einzelnen Bewohner ift, gibt es doch leider Viele, welche den Volkszählungen argwöhnisch gegenüberstehen und dahinter fiskalische oder militärische Zwecke vermuthen. Beides ist unbegründet. Der Fiskus und die Militärbehörden kommen auf anderen Wegen zu ihren Zielen und wiederholen alljährlich ihre Nachforschungen; aber die Volkszählungen finden in jedem Jahrzehnt nur zweimal statt und dienen lediglich zur Erkenntniß des allgemeinen Zustandes der Bevölkerung. Alter und Geschlecht, Familienstand und Religion, Beruf und Erwerb, Staatsangehörigkeit und Geburtsort der Bewohner sollen in einem Gesammtbilde dargestellt werden. Wer darüber unrichtige Angaben macht oder Personen und Thalsachcn verschweigt, fälscht das Gesammtergebniß und verletzt eine wichtige öffentliche Pflicht gegen Gemeinde, Staat und Nation.
Die Zählung soll in abgegrenzten Zählbezirken und unter Leitung der Localbehörden mit Beihilfe freiwilliger Zähler ausgeführt werden. Das Amt der Zähler ist ein Ehrenamt und die Wahl ist daher auf solche Personen zu richten, deren Gemeinsinn und Befähigung dafür bürgen, daß sie die Zählungsgeschäfte mit Umsicht in- structionsmätzig ausführen werden. Jeder Zähler soll nur vierzig bis fünfzig, nach Befinden noch weniger Haushaltungen übernehmen, und die Mühe wird daher nicht groß sein.
Man darf wohl vertrauen, daß die hohe politische und sociale Bedeutung des Zählungswerkes überall in deutschen Landen verstanden wird und daß sich am 1. December Millionen Deutsche mit Stolz als Glieder eines Ganzen fühlen werden. Am 1. December 1871 zählte man 41,058,792, am 1. December 1875 42,727,360 und am 1. December 1880 45,234,061 Bewohner.
Welches Resultat wird das Jahrfünft 1880—1885 ergeben? Welchen Einfluß wird der Ueberschuß der Geburten auf der einen und die zunehmende Auswanderung auf der anderen Seite ausgeübt haben? Wird das männliche oder das weibliche Geschlecht, die Zahl der Verheiratheten oder Ledigen zugenommen haben? Welche Gliederung der Altersstufen und Berufsstände wird sich ergeben?
Alle diese Fragen sind von größter praktischer Wichtigkeit für alle Staats- und Gemeindebehörden und es liegen darin zugleich tiefe Probleme der Bevölkerungs- und Socialwissenschaft verborgen. Die Zählung vom 1. December 1885 wird zu ihrer Lösung neue Bausteine herbeischaffen und die Kenntniß der vaterländischen Zustände erweitern und vertiefen.
Friedrich Eulau.
Im Anschluß an unseren jüngsten Artikel bringen wir aus dem reichen Kranze der Leipziger und Dresdener Kritiken folgende Zeilen, welche einigen Aufschluß über das „Hexenlied" geben. Das „Leipz. Jnt.-Bl." schreibt:
„Herr Eulau, der sich bereits durch sein Auftreten im hiesigen Lessing-Verein auf das Vortheilhafteste in den Leipziger Kreisen bekannt gemacht, hatte zwei epische Dichtungen: Das Hexenlied von E. v. Wildenbruch und der Meisterdieb von A. Fitger zu seiner Recitation gewählt, und die Wahl ist als eine durchaus glückliche zu bezeichnen, denn die erstgenannte Dichtung in ihrem düsteren Eolorit, durchglüht von dem Feuer verhaltener Leidenschaft und mit der markigen Schilderung der tiefsten 'Martern und Qualen, die blinder Fanatismus über zwei Menschenherzen heraufbeschwört, wirkte tief erschütternd auf das Herz der Hörer, während die mumienhafte hochromantische Erzählung vom Meisterdieb durch ihre frisch und lebendig gezeichneten >.Bilder, denen auch der sinnige und humoristische Moment nicht ermangelt, einen versöhnenden, mildernden Ausklang herbeiführt. Herrn Eulau's Vortrag zeugte davon, wie tief er sich in den Geist der beiden klassischen Dichtungen hineingelebt hat. Er pointirte scharf und sicher, wußte durch geschickte Modulation den wechselnden Situationen geeigneten Ausdruck zu verleihen und hier durch Kraft und Tiefe und Leidenschaft im Ton zu zünden und hinzureißen, dort durch den Ausdruck überzeugender Treue und Gemüthinnigkeit zu ergreifen und zu bewegen. Eine prächtige Leistung rhetorischer Plastik war die Figur des schielenden und hinkenden Bruders des Helden in der Dichtung „der Meisterdieb", der das Böse will und doch das Gute schafft, indem er durch Mißgunst, Neid und falsche Anklage dem zurückgekehrten Vagant zu einem Königstöchterchen und einem Königsthron verhilft. Lauter Applaus der Versammelten lohnte Herrn Eulau für jede seiner Recitationen."
Auch in Köln trat Friedrich Eulau mit dem „Hexenlied" zuerst vor das Publikum. Die „Köln. Ztg." berichtet darüber:
„Herr Eulau ragt bedeutend über die große Schaar der Recitatoren empor. Mit klangvollem Bariton, der schön geschult und der feinsten Modulationen fähig ist, ohne Künsteleien und mit tiefem Verständniß trug er „Das Hexenlied" von Ernst v. Wildenbruch vor und fesselte die zahlreiche Zuhörerschaft, die in tiefer Stille bis zum letzten Worte gespannt folgte und dann den wohlverdienten Dank zollte. Herr Eulau hat sich günstig eingeführt und darf ohne Zweifel für seinen hier bevorstehenden Vortragsabend wieder eines schönen Erfolges sicher sein."
Vermischtes.
Wetzlar, 12. November. Durch einen 11—12jährigen Buben, welcher mit der treuherzigsten Miene von der Welt in einer ganzen Anzahl von Läden auf den Namen eines hiesigen achtbaren Metzgermeifters eine Menge der verschiedensten Sachen theils ohne Weiteres auf Credit gekauft, theils „zur Auswahl" mitgenommen hat, sind gestern zahlreiche Geschäftsleute unserer Stadt hinter's Licht geführt worden. Der Schlingel hatte sich unter dem Vorgehen im „Gasthof zum Dom" einlogirt, daß sein Vater, ein Bauunternehmer aus Gießen, in den nächsten Tagen eintreffen werde, er sei vorausgeschickt worden, weil er schon von jetzt ab das Gymnasium besuchen solle. Man schenkte dieser Angabe des sauber gekleideten Bürschchens um so mehr Glauben, als derselbe mit Büchern und Heften bewaffnet war und mit seinem rothen Käppchen einen schülerhaften Eindruck machte. Als der jugendliche Hochstapler jedoch die zahlreichen „gekauften" Gegenstände — es sollen deren an die 90 sein — in seinem Logis zusammenschleppte, begann man Verdacht zu schöpfen, mehrere Gäste examinirten ihn und ermittelten dabei, daß er sich handgreifliche Unwahrheiten zu Schulden kommen ließ. Daraufhin wurde die Polizei von dem Sachverhalt unterrichtet, welche durch verschiedene Confrontationen die Praktiken des Jüngelchens aufdeckte und demselben ein vorläufiges Gewahrsam im „Kloster" zur Verfügung stellte. — Natürlich werden die Betrogenen ihre Sachen vollzählig zurückerhalten. Man vermuthet, daß der Junge von einem oder mehreren älteren Gaunern zu seinen Betrügereien angestiftet worden ist. (Wetzl. Anz.)
Aus Rheinhessen. Für unser Großherzogthum ist es eine ebenso erfreuliche iöie ehrenvolle Erscheinung, daß die hessischen Landwirthe zuerst die hohe Bedeutung des Genossenschaftsprincips für ihre berufliche Thätigkeit erkannt haben und ihre genossenschaftliche Arbeit auf einer hohen, nirgendwo anders erreichten segenspendenden Stufe steht. Außerhalb Hessens wird diese Thatsache in vollem Maße gewürdigt und haben sich denn auch im Laufe der Jahre nicht nur zahlreiche Delegirte von Regierungen und landwirthschaftlichen Vereinen zum Studium der bewährten hiesigen Institutionen cingefunden, sondern die letzteren sind auch für die Gestaltung des landwirthschaftlichen Genossenschaftswesens in einer ganzen Reihe von anderen deutschen Staaten und Provinzen, so für Baden, die Pfalz, Oldenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen, Hannover, Ostfriesland, neuerdings auch Württemberg als Muster angesehen worden. Zu Lieser Anerkennung unermüdlichen und opferwilligen Strebens gesellt sich nunmehr <utd) die weitere, daß man auch im Auslande auf die hessischen Einrichtungen aufmerksam zu werden beginnt. Sowohl die ungarische wie die schweizerische landwirth- 'schaftliche Verwaltung hat die hiesige Organisation an Ort und Stelle prüfen lassen, ebenso war kürzlich ein Fachmann aus Dänemark im Großherzogthum anwesend und
ist auf Anfrage eine ausführliche Auskunft über die in Hessen geschaffenen Einrichtungen nach Frankreich und Italien gegeben worden. Kann die Landwirtschaft unseres Großherzogthums sonach mit Befriedigung auf das auf genossenschaftlichem Gebiete Erreichte Hinblicken, fo darf sie es auch mit Genugthuung erfüllen, daß sie den blühenden Zustand nur ihrer eigenen Einsicht und kräftigen Initiative au danken hat, während allerdings auffallender Weise und im Gegensätze zu Hessen anderwärts die Förderung des landwirthschaftlichen Genossenschaftswesens vorzugsweise auf der thatkräftigen Unterstützung der Regierungs- und landwirthschaftlichen Vereinsorgane beruht.
Marburg, 10. November. Gestern Abend wurde während des Unterrichts der Handwerker-Lehrlingsschule, welche im Kiliangebäude abgehalten wird, ein Schuß zum Fenster hereingefeuert. Die Kugel flog mitten durch die erschreckten Lehrlinge, glücklicherweise ohne weiteren Schaden anzurichten, als die Fensterscheiben zu zertrümmern. Die Motive dieser That sind bis jetzt unbekannt wie der Thäter selbst. Hoffentlich gelingt es der Polizei, denselben exemplarisch bestrafen zu können. (O.Z.)
— Vor Kurzem ist, wie dem „B. T." geschrieben wird, den Lehrern im Fürsten- thum Reuß ä. L. seitens des Consistoriums verboten worden, in öffentlichen Lokalen Skat zu spielen.
— Wie gefährlich es ist, kleine Kinder selbst nur auf kurze Zeit ohne Aufsicht- zu lassen, zeigt wieder einmal folgender traurige Fall, den die „Ger. Ztg." aus Gera berichtet. Die Gattin eines dortigen Bahnbeamten gab der 12jährigen Tochter den Auftrag, für das im 2. Jahre stehende Schwesterchen Badewasser zurecht zu machen,. Während die Mutter sich aus dem Zimmer entfernte, kam das Mädchen dieser Weisung nach, schüttete ein Gefäß mit kochendem Wasser in die auf dem Fußboden stehende Badewanne, in deren Nähe gerade das zu badende Kind spielte. Um dem Wasser die für ein Bad geeignete Temperatur zu geben, ging das Mädchen in die angrenzende Küche, um kaltes Wasser zu holen. In diesem Augenblicke lief das zurückgebliebene Kind an die Badewanne, griff mit den Händchen hinein und fiel über den Rand des Gefäßes in das siedendheiße Wasser. Zwar noch lebend, jedoch am ganzen Körper verbrüht, wurde das kleine Wesen herausgezogen. Der Tod erlöste das Kind noch an demselben Tage von seinen furchtbaren Leiden.
Hattersheim, 10. November. Gestern Abend schwebte ein Eisenbahnzug in großer Gefahr , zu entgleisen. Zwei vor einen Wagen gespannte Pferde, einem Manne aus Kriftel angehörend, gingen durch und liefen über die Schienen, als der Zug heranbrauste und die Pferde überfuhr. Zum Glück passirte dem Zuge nichts.
— sFeilen und Raspeln zu schärfen.j Man bereitet sich ein Säurebad aus 1 Theil Salpetersäure, 3 Theilen Schwefelsäure und 7 Theilen Wasser bestehend. In dieses Bad führt man nun die zu schärfenden Feilen ein, nachdem man sie von Unreinigkeiten und fetten Körpern gereinigt hat. Dir Dauer des Bades beläuft sich auf 10 Secunden bis auf 5 Minuten, je nach dem Grade der Abnützung der Feilen, ihren Dimensionen und namentlich ihrer Feinheit und Härte des Korns. Das Schärfen eines sehr weichen und sehr feinen Korns geschieht weit schneller als das eines sehr harten und sehr groben, ja, dieses letztere kann eines Bades von noch längerer Zeit bedürfen als die eben angeführte. In dem Maße als sich die Wirkung der Säuren in Folge ihrer Verbindung mit Eisen oder Stahl schwächt, muß man neue Dosen des Säurebades in den angegebenen Proportionen zusetzen. Die Feilen werden alsdann mit reichlich zufließendem Wasser gewaschen, hierauf durch Kalkmilch gezogen, sodann in einem erhitzten Trockenraume getrocknet, ferner mittelst einer Bürste, welche in eine Mischung von gleichen Theilen fettem Olivenöl und ätherischem Terpentinöl getaucht wird, abgerieben und endlich mit sehr fein gepulvertem Eoaks und einer trockenen Bürste abgebürstet. Will man einzelne wcniaer abgenützte oder niedergedrückte Stellen oder Theile der Pfeilen vor der Einwirkung des Säurebades schützen, so applicirt man ein auf 30 Grad Temperatur gebrachtes Gemenge von Leinöl und gelbem Wachs zu gleichen Theilen geschmolzen oder einen Schellackfirnißüberzug, welcher der Wirkung der Säuren widersteht.
— Ueber die menschliche Arbeitsleistung werden bekanntlich von den verschiedensten Autoren sehr abweichende Angaben gemacht. Die Ursache liegt in den sehr ungleichen Bedingungen, für welche die einzelnen Beobachtungen Geltung haben. Den wesentlichen Einfluß auf die Größe der Arbeitsleistung nimmt die Zeitdauer, während welcher gearbeitet wird, und man würde bedeutend fehlgehen, nämlich zu große Werthe berechnen, wenn man aus den üblichen Angaben über die menschliche Arbeitsleistung,, welche sich auf Arbeiten während einer kurzen Zeitdauer beziehen, auf die Leistung bei constanter Arbeit im Tagelohn schließen wollte. Aber auch die Form, in der die Arbeit abgegeben wird, beeinflußt je nach dem Grade der Zweckmäßigkeit, mit der sie der menschlichen Maschine angepaßt ist, nicht unwesentlich die Größe der Leistung. Daher auch die Verschiedenheiten in den vorfindlichen Angaben über die Arbeit am Hebel, an der Kurbel, an der Ramme rc. — sticht ohne Interesse sind die Beobachtungen, über welche kürzlich der „Scientific American" berichtete. Sie bezweckten, die Arbeit zu messen, welche der Mensch während eines kurzen Zeitraumes ohne Werkzeug zu leisten im Stande ist, - nämlich jene Arbeit, die er beim Heben seines eigenen Gewichtes verrichtet. Es wurde zu diesem Behufe die Zeit gemessen, welche eine Person, deren Gewicht ermittelt worden, brauchte, um eine gewisse Höhe, auf der Treppe eines Thurmes oder hohen Gebäudes zu ersteigen. Man fand, daß. die Arbeitsleistung mit der zunehmenden Erschöpfung sehr rasch abnahm. So hat man beispielsweise von einem 62jährigen Individuum von 100 Kg. Gewicht bei Ersteigung der ersten 6 Meter eine Arbeitsleistung von 21 Kgm. pro Secunde, bei Ersteigung der zweiten Etage to- gegen nur von 10.5 Kgm. gemessen. Als mittlere Arbeitsleistung während der ersten Minute ergab sich bei kräftigen Individuen etwa 20—25 Kgm. pro Secunde.
— sElectrische Beleuchtung der Eisenbahnlinien.^ Ein Vorschlag zur Verwendung des electrischen Lichtes wird jetzt in amerikanischen Blättern besprochen von solcher Großartigkeit und weittragender Bedeutung, daß man den Plan wirklich originell nennen kann. Derselbe betrifft die Anwendung der electrischen Beleuchtung für Eisenbahnzüge; aber er richtet sich nicht etwa auf die Beleuchtung der Locomotive und bes Innern der Eisenbahnwagen, wie alle bisherigen Projecte dies thun, sondern auf electrischc Beleuchtung der Eisenbahnstraßen selbst unter Benutzung der die Schienenwege begleitenden Telegraphenleitungen und Gestänge. Nach dem Vorschläge soll an jede Telegraphenstange, von denen 30 auf die Meile kommen, eine electrische Lampe gehängt werden, wodurch die ganze Bahnstrecke taghell erleuchtet würde. Die kostspieligen unb unbequemen Lampen an der Locomotive und im Innern der Waggons kommen alsdann in Wegfall; allen Gefahren des Eisenbahnverkehrs in der Dunkelheit wäre vorgebeugt; die Unfälle aus Anlaß von plötzlich eintretendeu Ueberschwemmungeu, von Ueberspülungen des Bahndamms, in Folge des Sturzes von Bäumen über das Planum u. s. w., gehörten der Vergangenheit an. Alle Hindernisse auf Schienen würden sogleich bemerkt und selbst wenn Uebelthäter vor Ausführung eines gegen bie Sicherheit eines nahenden Eisenbahnzuges geschmiedeten Planes die Vorsicht georauchm wollten, die Telegraphenleitungen zu durchschneiden, so würde das Erlöschen der Lampen für die Zugbeamten nur eine Warnung sein, daß dem Zuge Gefahr droht. Ja, sogar in dem Falle, wo ein Zug versehentlich abgelassen und demnach ein Unglück unterwegs zu befürchten ist, könnten mit einer einzigen Handbewegung die Lampen der Bahnstreckc ausgelöscht und dem Zuge damit das Zeichen zum Anhalten gegeben werden. Dic Lampen wären zu nummeriren, damit diejenigen, die schlecht functioniren, von der Zugbeamten der nächsten Station bezeichnet werden können. Dieses Project schein: wohl ausführbar, in Wirklichkeit dürften sich demselben aber sehr große Schwierigkeiten, namentlich bezüglich des Kostenpunktes entgegenstellen, so daß die Verwirklichung in absehbarer Zeit wohl nicht zu gewärtigen steht. Es ist eben ein ameri konisches Project.
Literarische S.
Universum. „Lotting un ick. En Geschicht von Leiw und Vagelscheten von A. C. Müller, den Manen Fritz Reuters zu seinem am 7. November wiederkehrcndeii fünfundsiebzigsten Geburtstage gewidmet." Das „Universum", die rüstig vorwärts schreitende beliebte neue Zeitschrift für Belletristik, Kunst dud Wissenschaft (herausgegeben von Eugen Friese in Dresden, redigirt von Jesko von Puttkamer), widmet den zahllosen Freunden der Reuter'schen Muse mit einer reizenden, ebenso Humor- wie gemüthvollen Erzählung ein herrliches Gedenkblatt an den unvergeßlichen jovialen plattdeutschen Dichter und seinen urwüchsigen Humor, nachdem ein Aufsa« aus der vortrefflichen Feder Dr. Stcinbecks: „Die plattdeutsche Sprache und Fri» Reuter" auf die Schätze, welche in den plattdeutschen Sprachen des Nordens rühm hingewiesen.
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