Ausgabe 
14.6.1885 Erstes Blatt
 
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Rr. 13$ Erstes Blatt. Sonntag den 14. Juni 1688

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Amtlicher Aheil.

Gefunden: 1 Manschettenknopf, 1 Feder von einer Maschine, 1 wollenes Halstuch, 1 Sonnenschirm, 1 Hutrosette, 1 Vorstecknadel, 1 Portemonnaie, 1 kleines Messer, 1 Schuldschein, 1 Buch, 1 Kinderschuh, 1 Kette, 1 Stock, 1 Kinderstrümpschen, verschiedene Formularien und mehrere Schlüssel.

Gießen, den 13. Juni 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. 23.: Kraemer.

Darmstadt, 12. Juni. Se. König!. Hoheit der Großherzog und die Grobherzogliche Familie sind gestern Nachmittag 5 Uhr 10 Min. hier einge­troffen und haben sofort das Hoflager in Seeheim bezogen.

Darmstadt, 12. Juni. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 18 enthält:

1. Gesetz, die Aenderung einzelner Bestimmungen des Gesetzes vom 8. 3to» vember 1872 über Zusammensetzung der beiden Kammern der Stande und die Wahlen der Abgeordneten betreffend. Vom 6. Juni 1885.

Ludwig IV. von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein 2C. 2C.

Wir haben mit Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnet und ver­ordnen hiermit, wie folgt:

Art. I. Der erste Absatz des Art. 5, der Art. 7, die Bestimmung unter Ziffer 4 des Art. 8, sowie der Art. 9 des Gesetzes vom 8. November 1872, die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stände und die Wahlen der Ab­geordneten betreffend, sind aufgehoben und werden durch folgende Vor­schriften ersetzt:

Art. 5, Absatz 1. Stimmberechtigt und wählbar bei den Wahlen des Adels (Art. 2, Nr. 7) sind diejenigen adeligen Grundeigenthümer, welche min- ßeris den einem Normal-Steuerkapital von 2100 JL für eigenthümliches oder nutzmeßliches Vermögen entsprechenden Betrag seit Anfang des Rechnungsjahres, in welchem die Wahl vorgenommen wird, an Grundsteuer jährlich entrichten.

Art. 7. Stimmberechtigt (Urwähler) bei der Wahl der Wahlmänner fab diejenigen Staatsbürger, welche seit Anfang des Rechnungsjahres, in welchem die Wahl vorgenommen wird, zu einer directen Staatssteuer herangezogen oder, wenn dies nicht der Fall ist, communalsteuerpflichtig sind, und zwar an dem Orte, an welchem sie wohnen. Wer in verschiedenen Orten Wohnungen besitzt, kann nur an einem dieser Orte, und zwar nach seiner Wahl, die Stimmberechtigung ausüben.

Für Militärpersonen, welche sich bei der Fahne befinden, gilt der Standort als Wohnort.

Diejenigen activen Militärpersonen und diejenigen Invaliden, welche gesetz- lich Staats- und Communalsteuern nicht zu entrichten haben, werden in Bezug aus ihre Stimmberechtigung so betrachtet, als entrichteten sie diese Steuern.

Art. 8, Ziffer 4. 4. mit der Entrichtung ihrer schuldigen directen Staats- stmer oder, falls sie zu einer solchen nicht herangezogen sind, ihrer Communal- stmec zur Zeit der Wahl länger als zwei Monate sich int Rückstände befinden.

Art. 9. Wählbar zu Wahlmännern sind die stimmberechtigten Urwähler (Act. 6, 7, 8), welche in der Wahlgemeinde (Art. 19) ihren Wohnsitz haben anb seit Anfang des Rechnungsjahres, in welchem die Wahl vorgenommen wird, <nt directen Staatssteuern mindestens den einem Normal-Steuerkapital von 80 entsprechenden Betrag für eigenthümliches oder nutznießliches Vermögen Arlich entrichten.

Art. II. Die in Art. I ertheilten neuen Bestimmungen sollen als ein Be- liandtheil der Verfassungs-Urkunde angesehen werden.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Großher- ZSglichen Siegels.

Darmstadt, den 6. Juni 1885.

(L. 8.) Ludwig.

Finger.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die dienstliche Abzeichnung der Revisions-Beamten betreffend.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Eorrespondenz-Bnrearr.

Berlin, 12. Juni. Der Kaiser besuchte gestern zum ersten Male nach seiner Mmkheit die Oper. r _y

Den Abendblättern zufolge ist die Vermählung des Erbgroßherzogs von Äsen mit der Prinzessin Hilda von Nassau aus den 20. September festgesetzt.

Die Kreuzer-CorvetteElisabeth" ist vor Zanzibar eingetroffen.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Geschäftsträgers in Min, v. Cramm-Burgdorf, zum Braunschweigischen Bundesrathsbevollmächtigten.

Berlin, 12. Juni. In der gestern unter dem Vorsitze des Staatsministers, Silialssecrctär des Innern v. Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths rillrd m der Antrag Hessens, betreffend die Abänderung des Etats der Zollverwaltungs- Eoftcn für das Großherzogthum Hessen, dem Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen und dm Ausschuß für Rechnungswesen, der Antrag Sachsen - Meiningens, betreffend dre ffitucnamtliche Behandlung des nach amerikanischer Art geernteten Tabaks, dem Aus- für Zoll- und Steuerwesen und dem Ausschuß für Handel und Verkehr über- wflefeni. Erledigte Stellen bei mehreren Disciplinarkammern gelangten durch Wahl Sur Wiederbesetzung. Die in Folge Ablaufs der gesetzlichen Wahlperiode erforderliche Äeuiwahl der Mitglieder der Verwaltung des Reichsinvalidenfonds soll in einer der iMtten Sitzungen vorgenommen werden. Den Eingaben betreffend die Einführung . iier Doppelmünzwährung, beschloß die Versammlung keine Folge zu geben. Genehmigt

wurden die Anträge des Ausschusses für Justizwesen, bezüglich der Vollstreckung von Gesammtstrafen bei Festsetzung der Einzelstrafen von Gerichten verschiedener Bundes­staaten, und der Bericht der Reichsschulden-Commission nebst den vom Reichstage dazu gefaßten Beschlüssen. Der Herr Reichskanzler wurde ermächtigt, die in Folge der Ab­änderung des Zolltarifs nothwendig werdenden Aenderungen des amtlichen Waaren- verzeichniffes festzustellen. Nachdem noch über die Petition eines ehemaligen Eisenbahn­schaffners um Pensionserhöhung, über das Recursgesuch eines Postpackmeistcrs gegen seine unfreiwillige Versetzung in den Ruhestand und über das einem Postschaffner zu gewährende Ruhegehalt Entscheidung getroffen worden war, wurde die Sitzung mit der Vorlegung von Eingaben verschiedenen Inhalts, über deren geschäftliche Behandlung Beschluß gefaßt wurde, geschlosseu.

Den Abendblättern zufolge hat der deutsche Colonialverein die sofortige Errichtung von Stationen im oberen Benue-Gebiete beschlossen. Die von dem Afrika- Reisenden Flegel auf 150,000 JL veranschlagten Kosten sollen zum Theile bereits durch Zeichnung gedeckt sein.

Wien, 12. Juni. DerPresse" wird aus Lemberg gemeldet, das Gesammt- eraebniß der Galizischen Reichsrathswahlen stelle die Ueberlegenheit der conservativen Elemente und die Majorität für die bisherige von Grocholski vertretene gemäßigte politische Richtung des Polenclubs außer allen Zweifel.

Bern, 12. Juni. Der Ständerath nahm mit 36 gegen 3 Stimmen die Vor­lage über die Besteuerung des Verkaufs von geistigen Getränken und über die dadurch bedingte Revision der Bundesverfassung an.

London, 12. Juni. Im Unterhause kündigt Gladstone an, daß die Königin die Demission des Ministeriums angenommen und Salisbury berufen habe, der jetzt bei der Königin sei.

Das Oberhaus nahm in dritter Lesung die Wahlbezirksbill an. Die darin vorgenommenen Abänderungen bedürfen der Genehmigung des Unterhauses, welches die Erwägung auf Montag anberaumte. Beide Häuser werden am Montag .vertag!.

Hebei- die Abreise der Königin von Balmoral ist noch nichts definitiv be­stimmt. DasHofjournal" meldet, dieselbe erfolge, sobald die erforderlichen Vorkehr­ungen getroffen seien.

Lord Salisbury ist gestern von der Königin nach Balmoral berufen worden und Abend dorthin abgereist.

Das indische Museum, welches mit der Erfindungs-Ausstellung verbunden ist, ist heute niedergebrannt. Das Ausstellungsgebäude erschien eine Zeitlang eben­falls gefährdet, es gelang jedoch der Feuerwehr, das Umsichgreifen des Feuers zu verhindern.

London, 12. Juni. Die Königin wird zum 16. Juni in Windsor zurück- erroartef.

Madrid, 12. Juni. Gestern gab es hier 4 Erkrankungen an Cholera und 1 Todesfall; am Mittwoch in der Stadt Murcia 28, in den übrigen TheUen der Pro­vinz Murcia 32 Erkrankungen. Der König und die Königin haben beschlossen, Madrid während der Epidemie nicht zu verlassen.

Petersburg, 12. Juni. Das heutige Gesetzblatt veröffentlicht ein Gesetz, wo­nach der Grenzwache-Etat um 64 Officiere, 244 Pferde und 5782 Mannschaften ver­größert wird.

Rom, 12. Juni. In der heutigen Plenarsitzung der internationalen Sanitäts- Conferenz conftatirte der deutsche Botschafter Namens mehrerer Mitglieder des diplo­matischen Corps, daß viele Delegirte Instructionen ihrer Regierungen über die wich­tigsten Beschlüsse der technischen Commission eingeholt hätten. Man würde am Besten thlln, die Sitzungen zeitweilig 311 unterbrechen und er beantrage deßhalb, den Präsi­denten aufzufordern, der Königlichen Regieruna hierüber zu berichten. Auf die Er­klärung des griechischen Delegirten, Griechenland halte an der Quarantäne fest, bemerkte der englische Botschafter, man werde die Diskussion über die jetzt unerledigten Fragen wieder eröffnen, sobald die Arbeiten später wieder ausgenommen seien. Der Antrag des deutschen Bolschafters wurde schließlich mit großer Majorität angenommen.

Lokale-.

Gießen, 13. Juni. Zum Besten des Reichswaisenhauses und des hiesigen VereinsJugendfreund" hält derVerband Gießen der Generalfechtschule in Lahr" morgen Sonntag auf derSchönen Aussicht" ein Concert ab. an welches sich ein kleines Tanzkränzchen anschließen wird. Wir wünschen dem Verband zu diesem schönen Unter­nehmen viel Glück und zahlreiche Betheiligung von Seiten des Publikums.

Gießen, 13. Juni. Das Gerücht von einem Pistolenduell im Schiffenberger Walde und zwar mit tödtlichem Ausgange zwischen Mitgliedern hiesiger Corps durch­schwirrte heute Morgen die Stadt. Ob und was an dem Duell ist, konnten wir nicht genau erfahren. Thatsache ist, daß im Walde zwei Schüsse fun hintereinander gefallen und auch Herren mit einem Pistolenkasten dorthin gefahren sind.

Gestern Abend gegen 6 Uhr wurde ein Kind von 2Vs Jahren auf der Neuen Anlage, gegenüber der Turnhalle, überfahren. Nach Lage der Sache dürfte sowohl den Fuhrknecht als das beaufsichtigende Dienstmädchen, welches noch ein zweites kleineres Kind zu besorgen hatte, keine Schuld an dem Unfall treffen. Das kleine Mädchen lief unter das rechte Handpferd, wurde umgeworfen und ein Rad ging Über den rechten Oberschenkel, welcher infolgedessen einen zweifachen Bruch erlitt. Herr vr Haupt, welcher kurz nach dem Vorfall über die Anlage fuhr, nahm das verletzte Kind mit sich in seine Wohnung, um ihm dort den ersten Verband anzulegen.

Der hiesige Schützenverein hat zu dem in Offenbach stattfindenden 8. Ver­bandsschießen des Mittelrheinkreises, Baden und der Pfalz, als Ehrengabe ein Vor- legebesteck gestiftet; diese Ehrengabe ist auf einige Tage in dem Laden des Gold- und Silberarbeiters Hei-rn Carl Brück am Kreuz zur Ansicht ausgestellt. __________

Vermischte-.

Mainz, 10. Juni. sZur Capitalrentensteuer.j Die Ausführung des Capital- rentensteuergesetzes bringt manches überraschende Resultat mit sich. Nachdem nunmehr in ganz Hessen die zur Erhebung gelangenden Steuercapitalien festgestellt sind, bringen wir aus denselben nachstehend einen kurzen Auszug. Die Capitalrentensteuer-Capitalien