7 Freitag den S. Januar 188*
(ffichener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Hl> ei f.
Local-Reglement.
Betreffend: Sen Schub der Eisbahn de, Eisvereins zu Girlien. , &
auf «rund de» Art. 56 der Städteordnung und nach AnhSrung der Stadtverordnetenversammlung wird mit Genehmigung GroWijMlichen Ministerium« de» Innern und der Justiz vom 13. December 1884 zu Nr. MJ^ 29116 verordnet wie folgt;
Da» Betreten der Eisbahn der EirvereinS ist, so lange der Vorstand desselben «» nicht gestattet, verboten.
Ohne da» Verein«,eichen oder die Tagerkarte, welche sichtbar zu ttagen sind, ist das Betreten de» Eise» nicht gestattet.
E» ist verboten, Steine, Sol; oder sonstige harte Körper auf da» Ei» zu werfen.
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Da» Betreten der Dämme ist Unbefugten untersagt. $
'Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden mit einer Strafe bis zu 30 Mark bestraft.
Gienen den 8. Januar 1885. Großherzogliche» Polizeiamt Gießen.
" ' _____________ Fresenius.
Politische Ueberfkcht.
Gießen, 8. Januar.
Mit dem an diesem Donnerstag erfolgenden Wiederzusammentritt oc» Reichstage» hat die parlamentarische Panse, welche uns da» WeihnachiSsest gerächt, ihr Ende erreicht. Dieselbe bot allen Parteien Gelegenheit zu Betrach' tungen über bie derzeitige innere L>g«, wie sie namentlich durch da» vielerwähnte Reichstags-Volum vom 15. December x>. I». geschaffen worden ist. Auch nach den Weihnachteserien wird die so berühmt gewordene neue Direclorstelle im auswärtigen Amte wieder eine Hauptrolle spielen und sieht man der definitiven Entscheidung hierüber bei der dritten Lesung de» Etat» mit größter Spannung »ntgegm Indessen dürste die Annabme der fraglichen Position schon jetzt al» gesichert zu betrachten sein, da ein Theil der deutschfreifinnigen Fractwn biefr mal für den Dircctorposten stimmen wird. Die nationale Gesinnung und Be> gerftemng, welche anläßlich jene« Reichstag».Beschlusses in ganz Deutschland mit saft elementarer Gewalt hervorbrach, hat ihres Eindruckes aus die deutschsreisinnigen Führer nicht verfehlt und sie haben es daher jedem ihrer Fractions- genossen anheimgestellt, bei der dritten Lesung nach seiner persönlichen Ueberzeugung zu stimmen. Dagegen wird das Centrum bei seinem früheren Beschlusie — so viel man hierüber erfährt — verharren, sich also auch in dritter Lesung unisono gegen den neuen Directorposten erklären. Nun, das fortgesetzte „Non possumus!“ des Centrum- hat wenigstens das Gute, daß der Reichskanzler weiß, woran er mit dieser Partei ist. .
Beide Häuser des preußischen Landtages sind laut kömglicher Verordnung aus den 15. Januar einberufen worden. Die alte Misöre des Zusammentagens von Reichstag und Landtag wird also wiederum beginnen. _
Die afrikanische Conserenz hat ihre durch das WeihnachtSsest unterbrochenen Arbeiten am Montag wieder ausgenommen und zwar zunächst in der Commission. Dieselbe stellte in der genannten Sitzung das sog. projet de declaration, betr. den Sclavenhandel, sest und ist dasselbe den Conserenz- Mitgliedern noch am Montag zugestellt worden. In dieser Erklärung verpflichten sich die Mächte, welche SouveränetätSrechte oder Einfluß im Congo- decken ausüben, dort weder Sclavenhandel, noch den Transit von Sclaven, gleichviel welcher Rasse, zu dulden.
Die Nachricht, daß die Reichsregierung Triest zum Ausgangspunkte der zu subventionirenden deutschen Dampserlinien zu machen gedenke, scheint sich nach neuerlichen aus Triest eingelausenen Mitthellungen doch zu bestätigen. Die deutsche Regierung soll nämlich beabsichtigen, falls ihre SchisssahrtSlinie zu Stande kommt, die große Triester Schiffswerft navale adrialico anzukaufen. Eine Unterhandlung ist bereits eingeleitet. Wenn man erwägt, daß feit Vollendung der Arlbergbahn ansehnliche deutsche Verkehrs- Jnteresftn nach Triest gravitiren, so wird es nicht allzusehr überraschen , wenn sich die deutsche Regierung für die Wahl letztgenannten Hafens als Kopsstation für die neu zu creirende Schifffahrtslinie nach dem Osten entscheidet. In Oesterreich wird man selbstverständlich von diesem Entschlüsse Deutschlands, Angesichts der wirthschastlichen Bedeutung desselben, durchaus befriedigt sein.
Der in den ersten Tagen des neuen Jahres im französischen Kriegsministerium vor sich gegangene Perfonalwechsel wird seinen Einfluß zunächst in der ostasiatischen Politik Frankreichs geltend machen. Während General Campenon, der bisherige KricgSminister, durchaus nicht zu einem entschiedeneren Vorgehen Frankreichs in Östasien die Hand bieten wollte, hat fein Nachfolger, General Lewal, bereits erklärt, daß er betreffs Tongkings eine energischere und dem Kammerbeschlusse entsprechende Action entfalten werde und daß er hierin mit dem Marineminrster Admiral Peyron einig sei. Dieser Erklärung entspricht auch die Meldung, daß demnächst 6000 Mann Verstärkungen ».ach Tongking gesandl^werden würden. Unterdessen ist in Tongking die ange- l?ndigte französische Offensivbewegung durch den Sieg, welchen General Negrier am 4. d. Ms. bei Chu über 6000 Chinesen errungen hat, eingeleitet worden.
General Briöre hat in Folge dessen den Entschluß gefaßt, ohne roeüere Verstärkungen abzuwarten, nach Langson an der chinesischen Grenze vorzurücken; Negrier seinerseits wird durch das Thal Locnan gegen Langson anmarschiren. Der „TempS", welcher letztere Meldungen bringt, fügt hinzu, die Leitung der Operationen in Tongking würde künftig von den Ministerien des Kriege- und den Marine gemeinsam ausgehen.
Der Beseht der englischen Admiralität an das Canalge- schwader, sich zum sosortigen Auslausen bereit zu halten, hat in England Sensation hervorgerufen, zulxal von Seiten der Regierung die Bestimmung.des Geschwaders geheim gehalten wird. Allerdings meinen die „Daily New-", der bezügliche Besehl sei nicht- Außergewöhnliches; da- Geschwader begebe sich nach dec Arosa-Bay, nach Vigoi Madeira und Gibraltar; osficiell ist aber, rote erwähnt, über das Ziel de- Geschwaders noch nichts bekannt. Vielleicht ist dasselbe bestimmt, für England größere überseeische Annexionen vorzunehmen und dars man hierbei die Vermuthung au-sprechen, daß die Südsee die Bestimmung de- Canalgeschwaders ist. — Ein Artikel der „Times" spricht sich aus das Entschiedenste gegen die egyptische Politik des Cabinets Gladstone aus und empfiehlt den Ministern, zu demissioniren und nicht ein gegen das Cabinet ge- richtetes Votum des. Unterhauses abzuwarten.
Die italienische Regierung scheint die Nachncht, daß Genua zu Gunsten Triests von Deutschland als Kopsstation für die zu errichtende Dampser- linie nach dem Osten abgelehnt worden fei, ziemlich kaltblütig zu nehmen, im Gegensatz zu der in italienischen Handelskreisen wegen des Beschlusses Deutsch- lands herrschenden Erregung. Man ist an maßgebender Stelle in Rom der Ansicht, daß derselbe keinen unauslöschlichen Schaden für Genua bedeute und tft übrigens überzeugt, doß die besonderen für Triest sprechenden Interessen vor den allgemeinen aus den Gotthard und Genua angewiesene Reichsintereffen werden zurücktreten müssen- Unter diesen Umständen dürfte auch die Meldung des Triester „Corriere della Sera“, Mancini werde wegen der Bevorzugung Arrests zurücktreten, als ein bloßer „ballon d’ essay* zu betrachten sein. ita
lienische Regierung läßt durch die „Agenzia Stefani" alle die ihr wegen ihrer jüngsten maritimen Vorkehrungen zugeschriebenen colomalpolitischen Adftchten
dementiren. , ,
lieber den Schaden, welchen die letzten Erdbeben im südlichen Spanien an Gut und Menschenleben angerichtet haben, liegen bis jetzt nur dürftige osficielle Berichte vor. Lediglich bezüglich der Stadt Alahama, die allerdings auch am meisten gelitten zu haben scheint, constatirt die wanffche Regierung amtlich, daß daselbst 1300 Häuser zerstört, 302 Personen getödtet und 280 Personen verwundet worden seien. Leider wird durch duse Verluste an Menschenleben, welche eine einzige Stabt betroffen haben, bie Annahme, baß in Folge ber Erbbeben in Südspanien insgesammt über 2000 Menschen umge- komrnen seien nicht abgeschwächt. , . .
Da» neue Jahr bringt u. A. auch die tausenbiahnge Gedenkieler ber Slavenapostel Cvrillu» und Methobius, welche durch den politischen Rahmen, den ihr bie hierbei beteiligten nationalen Elemente geben sollen, El über bie Beoeutung einer nur religiösen Feier hmausgeht. In dem Hirtenbrie,e de» Olmützer Fürstbischofs Kardinal Fürstenberg, der das Programm der Feter ent' halt, wird allerdings jede politische Anspielung vermieden und auch der Ausdruck „Slavenapostel" nicht gebraucht. Das Treiben der ^efr
deutlich genug. Auf russischer Selle ist man auf tue Jeter nidjt gut zu sprechens man hatte sie sich als einen Theil der von der russisch.orthodoxen Geistlichkeit inauguritten Feier gedacht und erbhcft nunt wi bieiet Specialfeter eine österreichisch-katholische Demonstration Seg-n^eorhoboxe^rche die
Niremia" ioreckien sogar von ernem polmsch-croaUsch-czechischen Bünd
ÄS"* w* ““»-»--««-<-« d-° beiden Apostel, die Feier vor sich gehen wird, besiegelt werden wll.
Die verwickelte egyptische Frage wird dem Vernehmen nach


