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Serbien.

Belgrad, 5. December. Unter den Verwundeten in den Hospitälern ist die Sterblichkeit noch immer groß; selbst kleine Verwundungen nehmen, weil anfangs Aerzte fehlten, einen gefährlichen Character an. Neuerdings begannen die Zustände sich durch das Eintreffen der fremden Aerzte zu bessern.

Türkei.

Philippopel, 5. December. Gestern besuchten die türkischen Delegirten den Bischof und legten ihm den Zweck ihrer Mission dar, indem sie ihn daran erinnerten, daß 100,000 Männer bereit seien, in die Provinz einzurücken, wenn deren Bewohner sich den Wünschen des Sultans widersetzen sollten. Den Delegirten wurde geantwortet es sei unmöglich, in diesem Augenblicke solchen Vorschlägen Gehör zu geben; die Dele­girten möchten sich nach Sofia wenden, die Rumelioten seien bereit, Alles anzunehmen was die Regierung des Fürsten gutheißt.

Aonstarrtinopel, 5. December. Gadban Effendi wird sich nach Beendigung seiner Mission in Philippopel als Delegirter und Gehülfe des außerordentlichen Corn- miffars nach Sofia belegen, wo derselbe an Stelle Nihads als Agent der Pforte fungiren wird.

sHavas-Meldung.j Die Pforte erließ ein Rundschreiben, worin den Mächten erklärt wird, daß nur die Pforte allein, nicht der Fürst von Bulgarien die Beding­ungen des Waffenstillstandes regeln dürfe. Dem Vernehmen nach fordere England die Pforte auf, eine neue Conferenz in London vorzuschlagen. Die Pforte ist nicht geneigt, London als Versammlungsort anzunehmen.

Die Abreise des zum außerordentlichen Eommissar des Sultans ernannten Djevdet Pascha nach Ostrumelien ist verschoben worden.

Afrika.

Algier, 5. December. In Bussaada sind durch fünf Erdstöße die Kirche, das Presbyterium und 71 Häuser zerstört und dabei 2 Menschen getödtet und 2 verwundet worden.

Srrakirn, 5. December. Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Italien er­griff Besitz von der Civilverwaltung Massauahs. Die egyptischen Beamten verlassen Massauah.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. Eorrefpondenz»Brrrea«.

Berlin, 6. December. Der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Straßmann ist heute yJttuag gestorben.

ft. Baris, 6. December. Die belgische Negierung erklärte nunmehr ihre Zu­stimmung zu den letzten, dre Münz - Conserenz betreffenden Vorschlägen Frankreichs, denen Italien bereits vorher beigestimmt hatte. uiuhucio^,

ielbft efngTtroffen $ccember' ^ch Nachrichten aus Rangun ist König Thibau da- DerObserver" glaubt annehmen zu dürfen, daß selbst wenn die noch aus­stehenden Wahlen zu Ungunsien der Conseroatlven ausfallen sollten, das Ministerium dennoch vor Zusammentritt des Parlaments seine Entlassung nicht einreichen, sondern dem Parlamente wichtige legislative Reformen unterbreiten werde.

, 6- Dccbr. Der türkische Delegirte Lebib Effendi ist heute früh

£OI1{ ber zweite Delegirte Gadban Effendi, welcher an Stelle

Nlhad s in Sofia als Agent der Pforte fungiren soll, wird sich morgen dorthin begeben.

Reichstag.

E. R. Berlin, 5. December. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde dre zweite Berathung des Etats beim Etat der Reichsjustizverwaltung ausgenommen.

Von 29,000 JL, die zur Remunerirung von Hilfsleistungen verlangt werden, wurden nach dem Anträge der Budget-Commission 4000 AL abgesetzt.

Staatssecretär v. Schelling: Vom Präsidenten des Reichsgerichts ist die Be­willigung drei neuer Rathsstellen gewünscht worden; eine Bildung kleiner Senats- Gruppen erscheint nicht empfehlenswerth. Die Geschäftslast bei den 5 Civilsenaten hat so zugenommen, daß hier auf über 1 Jahr hinaus Termine anberaumt sind. Die Nothwendigkeit eines sechsten Eivilsenats ist unbestreitbar und wird dem Reichstage dementsprechend eine Nachforderung zugehen.

Abg. Dr. v. Grävenitz (Reichsp.) erklärt sich mit dieser Vermehrung angesichts der sich seit Anbeginn häufenden Arbeit einverstanden.

Abg. Dr. Windthorsr (Ctr.) bittet, mit dem Bau des Reichsgerichts doch nun endlich zu beginnen, da das gegenwärtige Amtsgebäude des höchsten Gerichtshofes nicht würdig ist. Wenn etwa der Zögerung der Gedanke, das Reichsgericht von Leipzig nach Berlin zu verlegen, zu Grunde liegt, so müßte er dem auf das Entschiedenste widersprechen.

Commiss. des Bundesraths Geh^ Rath Meyer: Der aus der ausgeschriebenen Concurrenz herausgegangene Plan des Baues des Reichsgerichtsgebäudes bedarf noch einiger Abänderungen; danach ist der Kostenanschlag vorzunehmen; innerhalb zweier Monate durfte die Vorlage dem Reichstage zugehen.

Beim Etat des Reichsschatzamts, Titel: Münzwesen, befürwortet Wr. v Schalscha die Ausgabe von Pfennig-Stücken. v

Geh. Reg.-Rath Schrant: Ein Bedürfniß danach ist bisher nicht bekannt geworden; doch sollen Erhebungen darüber auf diese Anregung hin angestellt werden.

Abg. Dr. Braun glaubt, daß das Bedürfniß an 21/2 Pfennig-Stücken, das allerdings exrstlre, durch vermehrte Ausgabe von 1 Pfennig-Stücken schon befriedigt werden könne.

Abg v. Schalcha: So lange nicht Halbpfennigstücke geprägt sind, würde der Einwand des Abg. Braun nicht stichhaltig sein. (Heiterkeit.)

,. "B«m Etat des Reichseisenbahnamts wünschtAbg. Kröber (Volkspartei) für Chler 3roclten Stückgutklasse, sowie billigere Transportbedingungen

Reg.-Rath Körte verspricht für die erste Anregung Berücksichtigung, auf Sie zweite Angelegenheit hat der Reichstag keinen Einfluß.

Abg. Schrader (dfr.) bedauert die geringen Machtbefugnisse des Reichseisen- vahnamtes, die auch zur Folge habe, daß die Unterbeamten vom Avancement ausge­schlossen sind. Dem kann vielleicht dadurch abgeholfen werden, daß die älteren Beamten von anderen Reichsamtern übernommen werden.

Ä c widerspricht der Behauptung, daß infolge geringerer Machtbefugmß des Reichsersenbahnamls von letzterem keine fruchtbare Anregung ge­geben werden könne. 000

5 Abg. Dr. Hammacher (nat.-lib.) bedauert das Fehlen eines Reichseisenbahn- gesehes. Der preußische Landeseisenbahnrath hat dieser Tage die Einführung einer zweiten Stuckgutklasse zu befürworten beschlossen, freilich nur für gewisse des billigen Transports bedürftige Transportgegenstände. Danach dürfte auch die Einführung dieser Stuckgutklasse für ganz Deutschland bald erfolgen.

x r nrra der (dfr.): Das beweist doch am Besten meine Behauptung von der Machtlosigkeit und Abhängigkeit des Relchseisenbahnamtes vom preußischen Eisen- bahnminffterlum. ' 1

Sin tüchtiger Rath kann, meiner Ansicht nach, die gaiize Arbeit des Reichselsenbahnamtes leisten. (Heiterkeit.) Dasselbe ist der Idee der Reichseilenbahnen entsprungen; diese Idee ist aber zum Glück nicht zu Stande ge­kommen. Wenn die Einzelstaaten der Reichseisenbahnidee zustimmen würden, so wären sie so thoricht, ihre Stütze sich selbst zu entziehen. '

r. , Abg. Shader (dfr.): Die Institution an sich als Aufsichtsbehörde ist ganz berechtigt, zu bedauern bleibt nur die geringe Machtsphäre des Amtes.

,, , Die nächste Sitzung findet am Mittwoch den 9. December statt. Zur Berathung stehen. das Pensionsgesetz v. Köller tn dritter Lesung, sowie die Anträge v. Helld 0rf (ks.) S)flbs'?urkr auf Abänderung der Legislaturperioden; außerdem die Anträge

Ausfeld und Genossen wegen Zollstreittgkeiten-Entscheidung.

Risch, 6. Decbr. Der Kriegsminister Petrovic hat seine Entlastung genommen, an semer stelle ist der bisherige Gesandte in Rom Franassovic zum Kriegsminister ernannt worden. General Horvatovic ist zum Oberbefehlshaber der vereinigten Mschaoa-Armee ernannt worden, Oberstlicutenant Milanooic zum Chef des General­stabes derselben und der bisherige Kommandant der Ntschava-Armee zum Chef des großen Generalstabes.

«attaro, 6. December. Nach hier eingegangener Mittheilung soll der Gou­verneur von Skutari (Albanien) eine Suspendirung des Handelsverkehrs mit Mon­tenegro angeordnet haben.

Newtzork, 6. December. Shermann ist zum Präsidenten des Senats ernannt worden an Stelle des bisherigen Senatspräsidenten David Davis, welcher in Fogle Ablebens des Bicepräsiventen Hendricks verfassungsmäßig zum Vicepräfident der Union geworden ist.

Lokale-.

fl Gießen, 7. December. Oeffentliche Sitzungen des Prooinzialausschusses finden statt und kommt zur Verhandlung:

Montag den 14. I. Mts.

1. Die Unterstützung der Wachtmeister Schneider Wittwe dahier.

2. Strafantrag gegen mehrere Gemeinderathsmitglieder zu Vilbel auf Grund des Art. 45 der Landgemeindeordnung.

3. Klage des Ortsarmenverbands Allmenrod gegen den Ortsarmenoerband Rockenberg wegen Unterstützung der Familie des Valentin Korell aus Maar.

4. Beanstandung der Bürgermeisterwahl in Alten-Buseck.

Dienstag den 15. l. Mts.:

5. Recurs des Müllers Joh. Sünder zu Harheim gegen einen Polizeibefehl Großh. Kreisamts Friedberg wegen Unterhaltung des Mühlgrabens an der Untermuhle zu Harheim.

6. Expropriation eines Grundstücks der Johs. Paul Wittwe in Großen- Erchen für die Grube Luse.

. @i«6en, 7. December. Wir machen all- Diejenigen, die zur Wahl für die ten:$FfammtunS berechtigt sind, daraus aufmerksam, daß di- Ausübung dieses Rechtes von der Anmeldung bei der Bürgermeisterei abhängig ist. Wer also 2o Jahre alt tft, vier Jahre hier seinen Wohnsitz hat und seit dem 1. April d. I. Sommunalsteuer zahlt, muß sich vor dem 1. Januar k. I. auf der Bürgermeisterei persönlich anmelden, falls er von seinem Wahlrecht Gebrauch machen will.

, Gießen 7 December. Das vorläufige Resultat der Volkszählung ergab für /re Stadt 19,423 Seelen. Im Jahre 1880 hatten wir 16,855 Seelen und bei der i«Ä?ahme am 4. Juni 1882 17,928, mithin hat unsere Stadt in

1885 gegen 1880 2568 Seelen und gegen 1882 1495 Seelen mehr. Bis zu 20,000, bei welcher Zahl wir auch ein Stadtverordneten - Collegium von 30 Personen haben wurden, N^en uns diesmal also noch einige Hundert Seelen, welche hoffentlich bei der nächsten Volkszählung vorhanden sein werden.

Kirchliche Anzeigen der evangel. Gemeinde.

der Kleinkinderschule, 1. J°<

Vermischtes.

Frankfurt a. M , 4. December. Ein höchst interessanter, aber auch höchst ttaunger Fall wird am 7. d. M. im ärztlichen Verein im Saal- des Senkenberg'schen Stifts auf Antrag des Herrn Dr. Auerbach zur Sprach- kommen. Der zur Sitzung cmgeladene Unglückliche heißt Burkhard, ein geborener Frankfurter, Sohn des Dienst- Mannes Burkhard. Derselbe diente im Jahre 1881 bei dem Fußartillerie-Regiment in Atainz. Er hatte sich die Ungnade seiner directen Vorgesetzten, zweier Sergeanten und eines Unterofficrers, zugezogen, welche ihn durch übermäßige Uebungen im Dienste derart chlkantrten, daß er zum Krüppel wurde. Die drei Chargirten erhielten über diesen Fall, der s. Z. tn den Blattern eingehend behandelt wurde, ihren wohlverdienten Lohn, indem die zwei Sergeanten vom Kriegsgerichte in Mainz zu 3 Jahren und der Unterofficter zu anderthalb Jahren Zuchthaus verurtheilt wurden. Der Mißhar.delte aber trug das schrecklichste Leiden davon. Seine rechte Hand ist zur Faust zusammen­geballt, der Arm gekrümmt uiid in steter regelmäßiger Bewegung, so daß die Faust wie der Perpendickel einer Uhr sich fortgesetzt hin- und herbewegt. Der vorliegende Fall, der einzig in seiner Art dastehen soll, wird nun im ärztlichen Vereine zur Be­rathung gelangen. Burkhard bezog vom Militärfiskus im ersten Jahre monatlich 18 JL auf mehrere Reclamationen hin, im zweiten Jahre 36 JL, im dritten Jahre 48 und in Mern Jahre 57 JL Aber auch dies letztere reicht für den zum Krüppel gemachten Unglücklichen, der vollständig arbeitsunfähig und sogar zu seiner Bedienung emer zweien Person bedarf, nicht ans und so war Burkhard gezwungen, in neuester Zett den Mllitarsiskiis bei dem Landgerichte Mainz zu verklagen. Die Verhandlung %Lnunam 9* December statt und es Hal Dr. Meyer die Vertretung des un­glücklichen Mannes übernommen. Allgemein ist man auf den Ausgang dieses Vro- cesses gespannt. (O. Z.)

Handel «nd Verkehr.

(Setfte^rÜ1230er^5; Reizen 16.20, Korn JL 13.70,

isetjte iHafer vM 12,o0, Erbsen «AL 14.50 Linien 98 q,4m y <>< nn Samen JL 20.00, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 15.00. ' 8pin ^°0'

Muftk.

Gießen, 7. December 1885.

Ein Eoncert-Comitö ist nicht zu beneiden, wir wenigstens beneiden es nicht- denn wer ist wohl tm Stande einem Jeden alles recht zu machen? Niemand, dürfen wir unverhohlen ausrufen! und wenn der Concertverein mit Selbstbewußtsein an- "bb'"A..darf, Jedein wenigstens etwas gebracht zu haben, so ist das Höchste erreicht, was Muhen und Opfer nur zu erreichen vermögen.

Geben wir uns also diesmal der Hoffnung hin, daß die vielen mißvergnügten Stimmen, welche nach dem Concert am 1. Novbr. laut geworden sind, nunmehr ver- Kn! & 'S11' zw-lt^C°nc-rt, welches gestern sogar den besonderen 4 b,eT epibc-Nlsch gewordenenzn lang" ausgezeichnet zu werden, alle Fehler des ersten wieder gut machte. Jedenfalls haben di- Musikdirection, wie c 5 brc Zllnzen Kräfte eingesetzt und wenn diese Kräfte zuweilen versagten, Jäi?1 c ncm ^?ri^SLnt/rn,?r^en den Blechinstrumenten sind bet suchten Witterung manche Mißstande eigen, welche zu bekämpfen selbst d?in sattel- festesten Blaser schwer wird und eine Beethoven'sche Sinfonie, wie gerade die in C-moll U fe Goncert§ bnngt doppelte Schwierigkeiten, besonders wenn das Orchester bereits den ganzen Abend tn starker Anspannung Hervorragendes geleistet hat- Wir wollen daher nur den Eifer, die Thatkrast der Musiker und den Fleiß, die Geduld und den Geschmack des Dirigenten, des Herrn Musikdirectors Felchner hervor- baL^bwand etwas gegen diese Factoren einzuwenden hat. Etwas Vollkommenes gtebt es nicht auf der Erde, warum soll nun gerade bei uns alles am Schnürchen gehen, wo doch manche harte Unbill zu bekämpfen ist?!

. $?,er ®oncertabenb besaß auch seine Krone und diese Krone war Herr Mar Friedländer ein gottbegnadeter Baritonsänger, begabt mit schöner sonorer Stimme und verständnisvoller Aussassung. Sem Vortrag von Loewe's Archibald Douglas b-- kundete die feinste dramatische Empfindung und ein Gemüth, eine Seele daß dem Hörer warm wurde, mit einem Worte: Herr Friedländer singt und spricht zum 5wen er fühlt was er singt, em seltener Vorzug der heutigen Concertsänger ' '

. . H^r James Kwaft führte sich mit Ferd. Hillers Fi8-moll4oncert als Clavier- .bedeutender Techno ein, er verstand es, die der Piece inne wohnenden Schönheiten ms beste Licht zu setzen und der hier und da nicht besonders hervor- ÄlrnH ° i°? uem künstlerisches Relief zu geben. Auch in seinem Capriorio und in Dein H-moll-Scherzo von Chopin erweckte er reiches Interesse.a