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7.6.1885 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Sonntag den 7. Juni

1885

Vsrearrr bchulfiraße 7.

Drei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringrrKchri

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Mo«t»gS.

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Zu diesen Glücklichen gehörte auch der Hansjörg ines Tages gar bedenkliche Anzeichen irgend einer

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Wohnung, gr. 0. IL Wetlergasse 5II.

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_ ^hle Arznei.) Im gesegneten Schwabenland gibt es gottlob noch feJn Lebtag nicht krank gewesen oder nur wenig Speisen aus der lateinischen Küche bekommen hat. Zu diesig Glück" '

von Michelhausen, bis sich bei ihm eines Tages gar VVMV4U

ein^eüionka.r ih'u plötzlich im Leib nicht mehr recht wie^sonst und

emJL ,3um ®ffen und Trinken war wie weggeblascn. Der Hansjörg

;es wird sich schon wieder geben", sagte er. Aber sein ^w,dre Käthe, betrachtete die Sache ganz anders. Mit Schrecken dachte sie an die Möglichkeit, der Hansjörg konnte über stacht sterben. Das wäre ein harter Schlag ur sie gewesen, denn sie war sehr wohl mit ihm zufrieden und fest überzeugt, daß ein Grsatz für ihn gar nicht oder nur sehr schwer zu finden wäre. Sie besann sich daher ^en Augenblick, sondern schickte sogleich den Knecht in die Stadt zum Doctor Schröpfer und er mochte doch gleich nach Michelhausen kommen und nach dem Hansjörg gucken, der auf den Tod krank sei und kein Brösele mehr essen mög'.

a stunde kam der Doctor angefahren. Gr fand den Hansjörg mit zundelrothem Gesicht m der großen Hrmmelbettlade liegen, zugedeckt bis an die Zähne, d P ls bebenfIld)Cl" a)hene' der Hansjörg betrachtete, untersuchte der Doctor

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London, 5. Juni. Im Unterhause theilte Gladstone mit, Rußland und England hätten sich über das Schiedsgericht geeinigt, und auch über die erhabene Person", welche angegangen werden soll, das Schiedsrichteramt zu übernehmen, seien beide Theile einig, allein dieseerhabene Person" selbst sei noch nicht befragt worden, ob sie das Amt eines Schiedsrichters über­nehmen wolle.

TüeLondon Gazette" macht bekannt, daß unter britisches Protectorat gestellt wurden: Die Nigerdistricte an der Küste zwischen dem britischen Pro- tectorats'Gebrete Lagos und dem Westufeö und der Mündung des Rio del Rey, die Gedrete an beiden Nigerufern vom Zusammenflüsse des Niger mit Dem -öenue bei Lokoja bis zum Meere, sowie die Gebiete auf beiden Usern des Benutz vom Zusammenflüsse bis und einschließlich Jbi.

fl$ bS Haarig rm Bette auf. Er hatte inzwischen einen mcyttgen Appetit verspürt. Seit dem Sauerkraut im Fäßle hatte erkein Brösele" mehr über dre Zähne gebracht. Verwundert sah er das braune Gebäck an. Solch feine Sachen waren ihm während seinesHaufens" noch nicht vor die Gabel ge- kommenSchlecht kann's nicht sein", dachte er,sonst hätt's der Doctor nicht ver­schrieben. Er besann sich daher nicht lange und tapfer darauf los. Die gebackene Aiznei mutzte auch wirklich recht delicat gewesen sein, denn bald war auch nicht einer mehr von den Blutegeln in der Pfanne.

Gottlob!" sagte die Käthe, als sie die Pfanne wegnahm,gottlob, er ißt dock wieder! Herrlich hat es dem Hansjörg geschmeckt."

Zufrieden legte er sich auf die Seite mid fchlief den Schlaf des Gerechten bis zum spaten Abend, wo es ihm auf einmal im Leib ein wenig zwickte, welchem Uebel- stande er aber mit einem tüchtigen Schluck Kirschengeist kräftig entgegenwirkle.

Der Hansjörg befand sich vollständig auf dem Wege der Besserung. Auch die vtacht ging ruhig vorüber, gewürzt von einem gesunden und stärkenden Schlaf Am andern Morgen war der Hansjörg zur großen Freude seiner getreuen und bes'oraten Käthe wiederpudelwohl" und vergnügt ging er, wie sonst, an die Arbeit.

. Nach einigen Tagen kehrte Doctor Schröpfer, der eben durch den Flecken fuhr bei dem Hansjörg ein, um nach ihm zu sehen. Zu feinem nicht geringen Erstaunen er den Patienten völlig wieder hergestellt am Tische sitzen, hinter einem ansehn­lichen Wemkruge und einer umfangreichen Schüssel mit faustgroßen Knöpften

Somit ging die besorgte und geschäftige Bäuerin in die Küche und schürte ein gewaltiges Feuer an. lieber das Feuer setzte sie die Flädlespfanne, in welche sie einen mächtigen Klumpen Schmalz legte, und als dieses geschehen war, die Blutegel hinein- warf. Hei! rote fuhren die Kerle in dem ungewohnten Elemente umher! Hätten sie hatten gebrüllt rote die Ochsen und geschimpft und getobt über solche barbarische Behandlung. Aber die armen Burschen konnten sich mir erbärmlich Summen m der heißen Brühe und sich aufblähen vor Schmerz und Jn- f/06 -h? Verwünschungen gegen die einfältige Bäuerin bestanden nur in schmerzlichen pfeifenden Seufzern, die sich in dem Zischen und Prasseln des Schmalzes verloren und von der Käthe gar nicht beachtet wurden, denn dieser lag nur die @e'

Hansjörg am Herzen. Endlich wurde es stiller und ruhiger in der R^?L?^endem Blick schaute die Käthe hinein und freute sich herzinniglich, als Die zwölf Blutegel lo gar schon aufgegangen waren und geduldig in der Pfanne Zwar war der Anblick der fetten, braunen, todten Gesellen gerade kein besonders einladender und die Käthe hatte um keinen Preis einen versucht Aber es We ße doch- galt ja das gelungene Werk ihrer Kochkunst deut Hansjörg! - Du lieber Gott! sagte sie erstaunt was muß Unsereins doch alles essen, wenn's der Doctor verschreibt; man sollt s fast gar nicht glauben, daß solches Zeug helfen könnte'" ^rdle Grausamkeit der Aerzte nahm sie die Pfanne vom Feuer und L T?xe ?tube2 um Hansjörg die Arznei frisch und heiß in der Pfanne haaftTnXpUke^^-'^nn fVft leder gebratene Leckerbissen am schmackhaftesten,

sa Ka he wohl Well aber der Hansjörg das Bett nicht verlassen durfte

so holte sie eiligst das Nudelbrett herbei und legte es auf die Bettdecke, damit diese StP S ^A^nden Nuß der Pfanne nicht schmutzig werden oder gar anbrennen ^tzt laß' Dir s schmecken!" - sagte sie freundlich und aufmunternd zu dem einen Salat hab' ich Dir nicht dazu gemacht, der taugt nicht für -

S Damit reichte sie dem schmachtenden Hansjörg die zweizinkige Gabel und stellte sich erwartungsvoll neben das Bett, rote dem Patienten die köstliche Arznei

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

k -F'K »um Bchm!" brummte der Doctor kopfschüttelnd. Und wieder ergriff lich 'ählte be en ^ch "^e er, auf seine große goldene Secundenuhr schauend, pünlt- ^wl gegessen", sagte jetzt bestimmt und streng der Arzt zu dem er­staunten Hansjörg, und dazu einen schnellen und hitzigen Trailk gethan. Was hat Er denn in den letzten Tagen gegessen?"

und Knöpfte //rroiberte 8an* betroffen der Hansjörg.Ha, weiters nix als Sauerkraut

Wann?"

Vorgestern im Fäßle in der Stadt."

So? im Fäßle? Aha, da hat Er gewiß auch den rothen Zwölfer versucht?" Ha, ich glaub, es sind so ein Schöpple zehne oder elfe g'weßt!"

.... 8" , "-cht ö'mel!" sagte der Doctor.wenn der Wein nicht so donner-

aAV SS id) lW Ihm, nehm Er sich diesmal in Acht und bleib

wL-Ä äwolf Blutegel verschreiben, auf Die wird's wohl besser

werden. Wird s nicht besser, so schick Er nur gleich wieder zu mir! Sein Knecht kann gleich mitfahren und die Blutegel holen!"

Die Käthe, die dabei stand, athmete leicht auf. Der Doctor hatte gottlob nichts v.om,Stet-ben gesagt. Gegen Ntlttag brachte der Knecht die Blutegel. Lange betrachtete sie die Käthe. Sie wußte im Augenblick nicht, was sie damit anfangen sollte, denn gOnuäm pflegt, wär ihr gänzlich unbekannt, aber keinen Aufschub, der dem Hansjörg nur unheilbringend sein Deßhalb entschloß sie sich schnell.Der Doctor", sagte sie vor sich hin,ist nS s5»\-)?nr ^ch^^r Mann; t der Hansjörg fast gar keinenAppetit" mehr hat und die Bauernkost nicht recht vertragen kann, so hat er ihm die kleinen weichen Dinger verschrieben, daß sie ihm kein Loch in den Magen drücken! Der Doctor verschreibt doch nur zum Ernnehmen , dachte die Käthe,mit den kleinen Dingern wird's auch nicht anders sein!

bl Simmet mit fe - Marktstraße 9^ nM Zimmer mit M. ju oermiethen. -öahnhosstraße 68.

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c t - ^us dem Großherzogthum Hessen, Ende Mai. Mit gerechtem Stolze darf das Großherzogthum Hessen auf seine jüngere Architekten schule Hinblicken, aus welcher ui den letzten Jahren und zum Theile ganz kürzlich noch, die ersten Sieger im Preisbewerb um den besten Entrourf zu großen Monumental - Bauten hervorgingen. A)ir zahlen jetzt vier solcher Kranzträger in den modernen olympischen Spielen, und darunter merkwürdig genug die beiden Sieger im Kampf um die zwei größten monumentalen Nationalbauten, welche das neue Deutschland aufrichten wird: Das neue Parlamentsgebäude in Berlin (Paul Wallot aus Oppenheim) und den Reichs- ^uFkspalast irr Leipzig (Hoffmann aus Darmstadt). Im Jahre 1883 hat außerdem A^ct Wilhelm Vtanchot aus Offenbach (derzeit in Mannheim) den ersten Preis für Den schönsten Entwurf zu einem Nordischen Museum in Stockholm davongetragen und vor Kurzem rncldeten wir ein Aehnliches von Clemens Rühl in Mainz bezüglich stines Entwurfs zu dem auf 700,000 JL veranschlagten Bau der St. Paulskircke in Muucheri, zu welchem Resultat sogar der Erzbischof von München den Sieger tele­graphisch begluckrounschte. Der Entwurf Rühl's ist in italienischer Renaissance gehalten "^.wZD als eine ganz vorzügliche Arbeit gerühmt. Bei der Münchener Concurrenz Moelte es sich gleich um die Entwürfe zu drei katholischen Kirchen und gingen deren k a . n Ihbtlen Deutschlands, sowie aus einigen Orten Oesterreich-Ungarns und Lcr Schweiz em Ein weiterer Preisttäger dabei war Architect Becker in Mainz. Für oas RorDische Museum in Stockholm waren 16 Concurrenz-Entwürfe eingelaufen, da- w 8 aus Schweden selbst, je einer aus Wien, Prag und London und 5 aus Deutsch- laild wovon 3 mit den höchsten Preisen, der Manchot's mit dem allerersten prämiirt nurde. Das Preisgericht rühmte an demselben besondersdie große Klarheit der Dis­position, vortreffliche Communicatiou, zweckentsprechende Raumvertheilung".

Marburg, 4. Juni. Von dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten ist, me wir Horen, von der Erbauung einer Bahn untergeordneter Bedeutung von Gladenbach nach Lollar auf Staatskosten jetzt definitiv Abstand genommen und soll den Jnteresfenten überlassen bleiben, die Bahn, wenn sie dieselbe haben wollen, als Privatunternehmen auszuführen.

Die am 1. December d. I. stattfindende Volkszählung hat, wie ihre Vor- Sangenmten, nicht nur den Zweck, sich über die Gesanimtzahl der Bevölkerung des deutschen Reiches und ihre Vertheilung auf die einzelnen Länder und Ortschaften zu onmtiren, sondern zugleich die Unterlage zu gewinnen für solche Berechnungen, welche sich auf die Feststellung der Militärstärke, der dem Zollverbande angehörigen und nicht angehörigen Bevölkerung, der Bevölkerung der einzelnen Wahlkreise u s ro beziehen. Es sind daher die Ergebnisse der Zählung in verschiedenen Uebersichten von d<n einzelnen Staaten zusammenzustellen und an das statistische Amt zur weiteren ' Bearbeitung zu übersenden. Diese von den einzelnen Staaten vorzunehmende Arbeit ist selbstverständlich eine zeitraubende und es ist daher für die Einsendung der Ueber- srchten ein weiterer Zeitraum zugestanden worden. Zunächst ist sobald als möglich aber spätestens bis zum 1. Mai 1886, von jedem Staate eine vorläufige summarische Aiigabe der ortsamvesenden Bevölkerung für die größeren Verwaltungsbezirke und die ktMlnen Städte von Mindestens 20,000 Einwohnern dem statistischen Amte zu über- iciiden. sodann find bis spätestens zum 30. November 1886 von jedem Staate fünf M-rsichten emzuliefern, nämlich: 1) über Flächeninhalt, Wohngebäude, Haushaltungen M ortsanwesende Bevölkerung, sowie Bevölkerungs-Zu-und Abnahme; 2) Verzeichniß ob Bevolkerungszahl der Gemeinden, bezw. Wohnplätze von mindestens 2000 Ein- ^hilern - 3) die ortsanwesende Bevölkerung in ihrer Vertheilung auf die Directiv- Mkc für die Verwaltung der Zölle und gemeiiischaftlichen indirecten Steuern, sowie ortsanwesende Bevölkerung der Zollausschlüfsc; 4) Begrenzung und Bevölkerung : bei Atmeecoipsbezirke, 5) Begrenzung und Bevölkerung der Oberlandesgerichtsbezirke «sßtcstcns bis zum 1. Juli 1887 haben zu folgen die Uebersichten 6) über die orts-' «mikseude Beoolteruug nach dem Rellgiousbekemitniß; 7) die ortsanwesende Bevölkerung imch den,Wahlkrerien (diese Uebersicht hat lediglich die Gesammtbevölkeruna der einzelnen Wli-etje und das Verhaltniß der protestantischen und der katholischen Bevölkerung zjiit Gesammtbevolkerung, ausgedrückt in pro Mille^ der letzteren, nachzuweisen): 8) die MAnwesende Bevölkerung nach Geschlecht und Geburtsjahr. Endlich sind bis ,um M December 1887 einMsenden die Uebersichten: 9) die ortsanwesende Bevölkerung

Geschlecht, Geburtsjahr und Familienstand rmd 10) die ortsanwesende Be- wivrung nach dem Geburtsorte. Unter die erste Uebersicht fällt auch als Anhang An mmmanscher N-chwe-s, rote weit die ortsanwesende Bevölkerung besteht aus KtMsangehortgen, Angehörigen anderer Bundesstaaten, Bundesauslündern (mit Unter- sftyduiig der einzelnen Staaten) und Personen, deren Staatsangehörigkeit nicht er- rtirtiefi ist.

- Auf der internationalen Hunde-Ansstellung in Brüssel hat die deutsche Hunde­zucht große Triumphe gefeiert. Die deutschen Jagdhunde, Schweiß- und Dachshunde fanden einmüthige Bewunderung. Prinz Solms forderte für einen feiner Hunde 220 000 Francs; auch die iiüngen deutschen Aussteller forderten ganz respectable Preise Zwischen 1500 bis 6000 Francs! Die englischen Hunde fanden nicht geringere An- e-sfennung. Waren die Jagdhunde das Entzücken der Männerwelt, so erregte die Aus- stMmg der Schooßhündchen und Zwerghündchen die Bewunderung der ganzen Frauen- Mlt. Und wie entzückend waren die kleinen Thiere bei dem dortigen Hundecultus Michs Auffallendes gelagert! Auf Sammet- und Seidenkissen mit echten (!) reichen Spitzen verziert, lagen sie da! Ja! zwei sogar im Glasbehälter, mit Luftlöchern ver- M en, Die Brüsseler Damenwelt konnte das Liebkosen und Füttern mit Zuckerwerk gpr nicht satt bekommen. Und nun gar die Preise! Es wurden colossale Summen geordert und oft willig bezahlt. Eine große Zahl erster Preise zur Preisjury ge­hörten auch zwei Deutsche, Graf von Hardenberg aus Hannover und Maler Beckmann I au§ Düsseldorf fiel Deutschland zu.

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