Einzelbild herunterladen

können an die Innungen anknüpfen und an die Bestimmungen des Landrechts, in denen vom Recht auf Arbeit gesprochen wird.

Abg. Hitze (Centrum) ist erfreut, daß die Regierung eine entgegenkommende Stellung einnimmt, hoffentlich schwindet auch ihr Widerstand gegen den Normal­arbeitstag bei der Commissionsberathung, eventuell empfiehlt sich die Einführung der Maximalarbettszeit für einzelne Industrien. In der vom socialdemokratischen Anträge geforderten Organisation der Arbeit werden Arbeiter und Arbeitgeber zu einem gemein­samen Körper vereinigt; als aber Dr. Windthorst bei der Berathung der Unfallver­sicherungs-Vorlage etwas Aehnliches beantragte, waren die socialdemokratischen Ab- geordneten stricte dagegen.

Danach wurde die weitere Discussion auf morgen vertagt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. Torrefpondenz - Brrrearr.

Paris, 3. Deccmber. Aus allen Departements gehen der Regierung Er­klärungen gegen die Räumung Tongkings und mißbilligende Äußerungen darüber zu, daß die Kammer in einer die Ehre und das Interesse Frankreichs berührenden Frage mit solcher Langsamkeit vorgehe.

London, 3. Deccmber. Ein Telegramm aus Brisbane meldet, daß der eng­lische Special-Commissar für Neu-Guinea, Scratchley, daselbst am Sumpffieber ge­storben ist.

Eine Meldung aus Tamatavc vom 21. v. Mts. besagt, zwei madagassische Beamte hätten an diesem Tage eine Zusammenkunft mit Miot gehabt und man er­blicke darin die Eröffnung der formellen Friedensoerhandlungen.

Madrid, 3. Deccmber. Ein Rundschreiben des Ministers des Innern an die Präfecten weist letztere an, die Versammlungen von Vereinen, gleichviel welche poli­tische Parteistellung dieselben einnehmen, zu gestatten, wenn sie sich innerhalb der gesetz­lichen Schranken halten.

Petersburg, 3. December. Graf Peter Schuwalow geht morgen nach Madrid, um der Königin einen Condolationsbrief des Czaren zu überbringen. Graf Schuwalow wird den Czaren bei der Beisetzung der Leiche des Königs Alphon's vertreten.

New-Aork, 3. December. Eine Devesche aus Lima meldet, daß das- diplomatische Corps einen Vergleich zwischen^ den einander bekämpfenden Parteien vermittelt hat. Bei dem vorausgegangenen Straßenkampfe geschah viel Schaden an Eigenthum.

Eine Depesche aus Santjago de Chile meldet, die Nachrichten aus Lima beunruhigten dort sehr, weil man eine Störung der Handelsbeziehungen zwischen Chili und Peru für möglich halte.

Bukarest, 3. December. Der Deputirte Jonescu kündigte eine Interpellation an über die in Bezug auf Bulgarien befolgte und zu befolgende Politik. Die Be­gründung derselben erfolgt voraussichtlich Samstag.

Risch, 3. December. Die gestrige Meldung aus Pirot, ein serbischer Abge­sandter hätte gestern im bulgarischen Hauptquartier die gegenseitige Räumung der be­setzten Positionen und die Verlängerung der Waffenruhe bis zum 1. Januar bean­tragt, wird officiell für unrichtig erklärt. Der serbische Abgesandte, welcher erst auf brieflichen Wunsch des bulgarischen Generalstabschefs entsendet wurde, nahm ausdrück­licher Weisung gemäß die bulgarischen Anträge ad referendum, ohne sich auf irgend welche Verhandlungen einzulassen.

Philippopel, 3. December. (Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) Gestern Abend fand bei dem hiesigen Bischof eine Versammlung der Notablen aus der Provinz statt. Dieselben nahmen einstimmig eine Resolution an, in der sie erklären, die Be­wohner würden absolut jeden Vorschlag ablehnen, der nicht die Union von Bulgarien mit Rumelien einschließt und würden es verweigern, über den Status quo zu ver­handeln. Die türkischen Delegirten sollten ersuch: werden, ihre Mission zu verschieben und die Provinz zu verlassen, umsomehr, als die Rumelier Sofia allein als ihre Haupt­stadt anerkennen. Darauf wurde eine siebengliederige Commission ernannt, um die Resolution den fremden Consuln zu überreichen.

Konstantinopel, 3. December. (Telegramm des Reuter'schen Bureaus.) Djevdet Pascha erhielt einen Firman, wodurch er zum außerordentlichen Comissär und Generalgouverneur von Ostrumelien ernannt wird. Derselbe reist morgen nach

.Jläringe

Hhorstr 5

l:

Ä8il=M-A *: äs " - 1.50' " u u " - 1.20 " » 1.50 , 2- " .. 1.50 " 2-

" ii 3.50 '' 2.50

""<r N-schk

Nische

Nische

Ptr Mesche _____ 8603- I

Aßiesel,

n Sorten,

^mmistikskl

ßerberk, stilatz.

hre Räume ooll- von Stetten,

Üanjtn befreit f)t, baß Unter: Gießen an- iwtttbdamM mtint Munition

obtt MMche rpeb b. 61 ent- lg, sowie gegen irk.

Kammerjäger,

0___

Hospital. sucht. 8610 ladchen sucht für

lmSt^TÄeel. uvge sür Haus- dlen kann fotort rankfurter Hof.

a ta, ganwalt^

in Giessen-

0®fItri

>arra.

iinb

ä

-Ä

1

Bureau: Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlickn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

Nr. 284

Samstag den 5. December

1888

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Polizei - Reglement, betreffend das Austreiben der Iaffelochfen mit der Heerde.

Auf Grund des Art. 78 der Kreisordnung und des Art. 255 des Polizeistrafgesetzes wird mit Zustimmung des Kreisausschuffes und mit Genehmiauna Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 17. November l. I. für den Kreis Gießen verordnet was folgt:

Art. 1.

Faffelochfen dürfen nicht mit der Heerde zur Weide getrieben werden.

Art. 2.

Zuwiderhandlungen gegen das Verbot werden nach Art. 255 des Polizeistrafgesetzes bestraft.

Gießen, am 26. November 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______________________________________________ Dr. Boekmann.______________________

Betreffend: Wie oben. Gießen, am 2. December 1885.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Das vorstehende Polizeireglement, welches für die Gemeinden, welch» dem Kreise Gießen in seiner vormaligen Ausdehnung angehörten, bereits seit dem Jahre 1856 in Geltung ist, ist nunmehr auf sämmtliche Gemeinden ausgedehnt worden.

Wir beauftragen Sie, das Reglement ortsüblich bekannt zu machen und Zuwiderhandelnde zur Anzeige bringen zu taffen.

__________________________________________________Dr. Boekma»«._____________________________________________ Lehrer-Conferenz

des Conferenzbezirks Grünberg: Mittwoch den 9. December, Morgens 10 Uhr, in Grünberg. Lieder 3. 5. 79. 113.

Gießen, den 2. December 1885. Büchner, Kreisschulinspector.

OKianBjairawii....... .1. aHmaawwniTw MmaaBaBomniiTWM tiu gMaaMBMBiea

Berlin, 3. December. Die heute aus Konstantinopel, Pirot und Wien eingetroffenen Nachrichten lassen eine baldige definitive Entscheidung in der Balkan-Krisis erhoffen. Die Pforte läßt in einem anscheinend hochofficiösen Telegramm derKöln. Ztg." erklären, der leitende Gedanke der osmanischen Regierung sei seit Ausbruch des Krieges unverändert und klar: nämlich den Berliner Vertrag wieder herzustellen. Die Pforte hält dieses Ziel mit diploma­tischen Mitteln für erreichbar, sie hat sich aber auch für alle Fälle vorgesehen und eine Armee von mehr als 400,OOQ Mann aufgeboten; eine schwankende und furchtsame Politik kann man die bisherigen diplomatischen Actionen der Pforte nicht nennen. Diese sehr merkwürdige Erklärung würde in Bälde ein energisches Einschreiten der Türkei erwarten lassen, wenn nicht die englische Ne­gierung nach den neuesten Depeschen gegen das Vorgehen der Pforte in Ost- Rumelien durch ihren Botschafter Sir William White einen sehr nachdrücklichen und lebhaften Protest erhoben hätte. Außerdem wird gemeldet, daß eine Depu­tation von allen rumelischen Regimentern, welche im Lager von Pirot anwesend sind, sich zum Fürsten Alexander begeben habe, um ihm zu erklären, sie könnten, nachdem sie an der Seite der Bulgaren ihr Blut für die Vertheidigung Bul­gariens vergossen hätten, j?tzt in eine Trennung von demselben niemals willigen. Der Fürst gab zwar eine halb ausweichende, halb zustimmende Antwort, er ließ aber deutlich durchblicken, daß er die Herstellung des Status quo ante für un­möglich halte. Der Fürst wird in seinem Widerstand neuestens namentlich auch durch das Einlenken der russischen Regierung bestärkt, welche sich einer bulgari­schen Union immer mehr zugeneigt erweist.

Reichstag.

E. R. Berlin, 3. December. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurden die Arbeiterschutzanträge der Abgg. Auer, Dr. Lieber, Lohren und Hitze weiter discutirt.

Abg. Dr. Lieber (Ct.): Man muß prüfen, ob nicht durch die schutzlose In­dustrie-Arbeit die Wehrhaftigkeit des Volkes leide, da in einzelnen Industrie-Bezirken die Zahl der Dienstuntauglichen bis zu 78 Procent betrage. Die Sonntagsruhe ist ein Gottesgebot, dem gegenüber der Ausfall des Lohnes nicht in Betracht kommen dürfe. Wir erstreben nächst der Sonntagsruhe die Beschränkung der Frauen- und Kinder-Arbeit, den Normal-Arbeitstag und die Arbeiter-Versicherung. Für die Ein­schränkung der Frauen- und Kinder-Arbeit und gegen die schrankenlose Ausbeutung treten wir im Interesse der Familie ein, die die Grundlage aller gesellschaftlichen Ordnung ist.

Staatssecretär v. Bötticher weist mit Entschiedenheit den Vorwurf zurück, daß entgegen der Allerhöchsten Botschaft nicht genug von der Reichsregierung gethan sei; dieselbe sei einer näheren Erörterung der Frage der Sonntagsruhe keineswegs ab­geneigt, ebenso fehle es auch nicht an bestehenden Vorschriften, wie eine Sammlung bestehender Verordnungen und deren demnächstige Publikation ergeben werde; leider werden diese Vorschriften nicht genügend gehandhabt. Auch die Frage des Maximal- Arbeitstages wollen wir discutiren, zumal bei den verbündeten Regierungen, sowie beim Reichskanzler eine principielle Abneigung hiergegen nicht besteht. Vorberathende Schritte gegen die Frauen- und Kinder-Arbeit sind bereits geschehen.

Abg. Lohr en (Reichspartei) ist mit den Anträgen, soweit sie eine Ergänzung unserer Geiverbeordnung bedeuten, einverstanden, will dieselben aber erst gelegentlich der Discussion der Ackcrmann'schen Anträge besprechen; die Frage der Normalarbeits­zeit, der Frauen- und Kinderarbeit ist discutabel, aber erst müsse das Resultat der noch nicht geschlossenen Enquete abgewartet werden, bevor man unter Berücksichtigung der auswärtigen Concurrenz sich entschließt, wie weit besonders in der Frage der Arbeits­zeit und der Nachtarbeit der Männer zu gehen sei. Unannehmbar sino für uns die Forderungen der Maximalarbeitszeit und des Minimalarbeitslohnes. Man verlangt eine neue Organisation der Arbeit, aber wir bedürfen einer solchen nicht, denn wir