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Ter nächste Punkt der Tagesordnung, Differenzen mit Herrn Emil P istor, her- worgcrufen wegen Errichtung eines Brunnens der Duellwasserleitung an leinem Karten in der Neustadt, wird durch Vergleich erledigt.
Kostendecreturen. Nach Vortrag des Herrn ^tadtbaumersters und nach einigen gerechtfertigten scharfen Bemerkungen einiger Stadtverordneten über den verwahrlosten Zustand des Straßenpflasters, besonders in einigen Straßen durch Regung der Quellwasserleitung veranlaßt, wird der Antrag, die nötigen Aenderungen durch den Stadtbaumeister prüfen und darnach aussühren zu lassen, genehmigt; dre entstandenen Kosten (80 X) für Untersuchung der Blitzableiter an den städtstchen Gebäuden werden zur Auszahlung und die alsbaldige Reparatur der dabei gefundenen Mängel und Fehler beschlossen. . . .
Durch Erscheinen des Herrn Realschuldireetors Nodnagel wird em nicht auf der Tagesordnung stehender Punkt zur Kenntniß der Versammlung gebracht. Das für das Realgymnasium und die Realschule aufgestellte Budget für die Finanz- Periode 1885/86 erfährt gegen das vorhergehende Jahr eine kleine Aenderung durch die nöthige Anstellung eines weiteren akademisch gebildeten Lehrers mit einem vor- läungen Gehalte von 1700 X, wogegen in den Ausgaben eine näher erörterte Re- ducirung von 350 X, aber eine Erhöhung des Reservefonds um 80 X eintritt. Die Versammlung spricht ihre Zustimmung hierzu aus.
lieber den letzten Punkt der Tagesordnung, betreffend das Schwemmen der Pferde in der Lahn wird, nachdem vorausgeschickt, daß das Waschen der Schafe oberhalb des untersten Wehres zu verbieten sei, beschlossen, da der Wasserstand unterhalb der untersten Mühle ein zu geringer ist, dasselbe zwischen den beiden Wehren nur Vormittags vor 7 und Abends nach 8 Uhr zu gestatten.
Schluß der öffentlichen Sitzung 6 Uhr.
Er hat die That allein begangen und er hat gewiß die feste Zuversicht gehabt, sich den Folgen derselben durch die Flucht oder, als sich diele Hoffnung als trugerstch erwiesen, durch sein Leugnen entziehen zu können. Mit trotziger Frechheit, nut einer brutalen Kaltblütigkeit stand er während der drei Verhandlungstage vor fernen Richtern und bis zum letzten Augenblick erhoffte er die Freisprechung.
Erst in dem Moment, als ihm das Todcsurtheil verkündet wurde, brach er zusammen und die bis auss Höchste getriebene Angst, die in ihm wühlte, kam in einem Ausbruch bestialischer Wuth lärmend zum Ausdruck. Jetzt er|t ließ der Mörder bte Maske fallen, die er während der Verhandlung nut dem ganzen ^Aufgebot ferner schwachen Geisteskräfte zu halten versucht hatte. Es ivar mit einem schlage aus dem harmlos aussehenden phleginatischen Menschen der entmenschte Verbrecher geworden. Denen Augen wüthend blitzten und der sich zu den schlimmsten Drohungen gegen das Richtercollegium hinreißen ließ, ohne zu bedenken, daß er gerade dadurch den Beweis seiner Thäterschaft erbringe. ™ ~ ,
Der Mörder wurde gestern Morgen in aller Frühe nach Welhecden bet Eastel abgeführt. Es begleiteten ihn zwei Schutzleute und ein Polizei-Eommissär.
Zum Schluffe dieses Rückblicks kann ich nicht umhin, mit höchster Anerkennung der ausgezeichneten, wahrhaft vornehmen Haltung zu gedenken, die der Vertheicuger, Herr Dr. Fester, nicht nur in seinem Plaidoyer, sondern überhaupt während des ganzen Verlaufs der Verhandlung zu bewahren gewußt hat. Ruhig und leidenschaftslos, aber auch mit der peinlichsten Gewissenhaftigkeit und dabei mit bewunderungswürdiger juristischer Schärfe und Feinheit waltete er seines, gerade in diesem Falle äußerst schwierigen und peniblen Amtes. Ebenso muß die Mühe und Uebersicht, mit welcher Herr Landgerichts-Director Ley kauff die Verhandlungen lehrte, rühmend bervor- gehoben werden. Qtto Fr. Kock.
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der Schweiz
Meuchelmörder darum nicht.
mania, anberaumt.
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führung
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Ä. Bramm.
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Zur Verdingung der Schmiede- und Eisenguß-Arbeiten zur Herstellung und Aufstellung der eisernen Dachconstruc- tion für das Exercierhaus des neuen Infanterie - Kasernements in Gießen, veranschlagt zu 4500 Mark, ist ein öffentlicher Submissionstermin auf
Freitag den 17. Juli er., Vormittags 10V2 Uhr
in dem Baubureau, Restauration Ger-
Qualificirte Unternehmer werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß die Zeichnungen in dem vorbezeichneten Bureau, Bedingungen und Kostenanschlag dagegen in dem Bureau der untengenannten Verwaltung zur Einsichtnahme ausliegen, von wo dieselben auch gegen Einsendung von 50 H in Abschrift bezogen werden können.
Gießen, den 4. Juli 1885.
Großh. Garnison-Verwaltung.
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Gießen, den 4. Juli. Auf dem heutigen Markt kostet'- Butter per Pfund X 0.70—0.75, Hühnereier pr. St. 5—6 Enteneier St. 6—7 Gänseeier 00—00 Käse pr. St>ick 5—9 Käsematte 2—3 Erbsen pr. Liter 22 Linsen 28 Tauben per Paar 0,60—0,80 Hühner per Stück X 0.80—1.20, Hahnen vr. Stück vH. 0.60—1.00, Enten per Stück X. 1.50—1.80, Ochsenfleisch per Pfund 68—00 Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Schweinefleisch 50—60 Hammclfleffch 64—70 Kalbfleisch 48-50 Kartoffeln per 100 Kilo X 5.00-0.00, Milch per Liter 12-16 H,. Zwiebeln per Eentner X 5.00—7.00, Kirschen per Pfund X 0.10—0.18.
Temperatur der Lahn und der Luft
nach Reaumur gemessen-am 4. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags.
Wasser 15°, Luft im Schatten 14°.
L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.
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Oeffentliche Impfung.
Die diesjährige Impfung wird Donnerstag den 9. Juli und Donnerstag den 16. Juli d. I., jedesmal Nachmittags 3 Uhr, im alten Rathhaus abgehalten werden und die Nachschau, zu welcher die geimpften Kinder nochmals erscheinen muffen, 8 Tage später.
Jmpfpflichtig im laufenden Jahre sind die im Jahre 1884 geborenen Kinder, sowie die rückständigen aus früheren Jahren. Es dürfen jedoch auch Kinder, die erst in 1885 geboren sind, zur Impfung gebracht werden und auch Erwachsene werden auf Ihren Wunsch geimpft.
GS kommt nur Kälberlymphe auS dem LandeS-Jmpf- institut zur Verwendung.
Wir laden die hiesigen Einwohner zur Benutzung dieser Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in derselben vorgenommenen Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß auf eigene Kosten die Impfung vornehmen laffen. Kinder, deren Zurückstellung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können in den Terminen gleichfalls dem Jmpfarzt vorgestellt werden.
Gießen, den 3. Juli 1885.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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Wallthorftraße 17.
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gegenüberstand. .
Es ist ein und dasselbe Princip, aus welchem heraus Rernsdorff und Lieske ihre Thaten begangen haben, aber mährend Neinsdorff ein wenn auch unklarer, so doch immerhin denkender Kvpf war, ist Lieske nichts als ein fanatisirtes Werkzeug jener verbrecherischen Bestrebungen und Tendenzen, deren ganze Hohlheit und Verlogenheit zu erkennen ihm die nöthige Intelligenz fehlte.
So wurde er der Mörder des Polizeiraths Rumpfs und 10 wird er, ebenso wie Reinsdorfs, seine That mit dem Tode auf dem Schaffst zu sühnen haben.
Wie ein Hund, den man auf den Mann dressirte, war er voll der Schweiz hierher gewandert, er hat seinem Opfer aufgelauert, tagelang, vielleicht wochenlang, und als sich der für die Ausführung seines verbrecherischen Vorhabens passende Moment bot, da stieß er den Dolch in die Brust seines Opfers, ohne zu bedenken, welche Eon- sequenzen der Mord für ihn nach sich ziehen müsse.
Wie bei allen fanatischen Naturen, wird auch bei Lieske das herostratische Gefühl, irgend eine „große That" zu thun, mit ein Beweggrund zu seinem Verbrechen gewesen sein, aber ein Held, ein wirklich energievoller Eharacter ist dieser feige, elende
Reflexionen ?um proceß Lieske.
Frankfurt a. M., 4. Juli.
Ein Proceß, wie er sensationeller wohl noch selten verhandelt wurde, ging am Mittwoch Nachmittag hier zu Ende. Julius Lieske, der Mörder des Polizeiraths Dr. Rumpfs, würbe zum Tode verurtheilt; der Gerechtigkeit ist damit Genüge geschehen. Die Geschworenen haben durch ihr Verdick, welches den Angeklagten mit mehr als 7 Stimmen schuldig sprach, ihrer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die Verdachtsmomente, welche den Angeklagten belasteten, so vernichtender Natur waren, daß die Vcrurtheilung erfolgen mußte. t r
Der juristische Theil dieses so sensationellen Processes, der dem Leser durch ausführliche Berichte in allen feinen Phasen bekannt ist, ist damit erledigt, und uns erübrigt nur noch, die psychologische Seite des Verbrechens zu erörtern.
Staatsanwalt und Vertheidiger. konnten diese Seite nur flüchtig berühren, denn für sie kam es selbstverständlich in erster Linie darauf an, durch den Jndicienbeweis den Thatbestand nach der einen oder der anderen Richtung hin möglichst klarzustellen. ...... .
Es könnte in der That fast wie ein Räthsel erscheinen, daß dieser funge, kaum 22jährige Mensch, der noch nie mit den Strafgesetzen in einen schweren Eonflict gc- rathen war, überhaupt den Entschluß zu einem so entsetzlichen Verbrechen fassen konnte, daß er seine Hand mit dem Stahl bewaffnete und einen Menschen ermordete, den er nie zuvor gekannt oder auch nur gesehen, der ihm nie etwas zu Leide gethan hatte und der ihni nur als der Vertreter einer Gesellschaftsordnung erscheinen konnte, die dem von anarchistischen Umsturzideen verwirrten Gehirne Lieske's feindlich und drohend
4962 Ein junge? anständiges Mädchen mehrere Stunden des Tags gesucht.
Näheres in der Exped- d- Bl-
Vermischte-.
— sStudenteu-Humor.j In Breslau ist, wie das „Leipz. Tagbl." schreibt^ ein mit den Damenmoden in engem Zusammenhänge stehendes Llraßen-Amusement eingerissen, das namentlich von der stuoirenden Jugend cultivirt wird. Es handelt sich um die Belastung stark aufgebauter Tournüreu mit Backwerk, vorzugsweise Zwieback. Es erregte großes Vergnügen, als neulich Nachmittags eine ganze Reihe von Damen, mit Zwieback befrachtet, auf der Promenade spazierten und -- was das Amüsement erhöhte -- über ihre Vorgängerinnen lachten, ohne zu ahnen, daß ihre Tournüreu gleichfalls mit Zwieback belastet waren.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Ltadl Gießen.
Evangelische Gemeinde.
«vetairfte.
Den 28. Juni. Dem Schutzmann Johannes Otterbein eine Tochter, Anna Sophie Luise Katharine, geboren den 1. Juni.
Denselben. Dem Schriftsetzer Theodor Loos eine Tochter, Emilie, geboren den 8. Mai.
Denselben. Dem Wiesenwärter Wilhelm Bellof eine Tochter, Margarethe, geboren den 29. Mai.
Den 29. Juni. Dem Locomotivheizer Johann Heinrich Kurz eine Tochter, Franziska Friederike Ernestine Elise, geboren den 24. Mai.
Beerdigte.
Den 27. Juni. Henriette Königer, geb. Michel, Ehefrau des gewesenen Lehrers Dr. Leopold Königer, alt 65 Jahre, starb den 24. Juni.
Unsere Niederlage befindet sich bei Herrn Andreas Euler, Gießen.
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