Beilage |u Nr. 253 des „Gießener Anzeiger
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Politische Ueberficht.
Gießen, 30. October.
Der Kaiser ist von seinem dreitägigen Jagdausflug nach den, Harz am Samstag Abend im besten Wohlsein nach Berlin zurückgekehrt. In diese Zeit hinein fiel gerade die sünfundzwanzigste Wiederkehr jenes Tages, an welchem der Kaiser die Regentschaft über die preußische Monarchie übernahm, denn am 26. October 1858 leistete er, nachdem er bereits am 7. October von seinem königlichen Bruder Friedrich Wilhelm IV. mit der Uebernahme der Regierunasgeschäftr betraut worden war, im Weißen Saale des Berliner Residenz-Schlosses den Eid auf die Verfassung und dieser Tag, an welchem Kaiser Wilhelm seine glorreiche Regierung angetreten hat, wird immer als eines jener großen Momente leuchten, an denen gerade unter ihm die Geschichte Preußens und Deutschlands so reich geworden ist. Bekanntlich ist auf speciellen Wunsch des Kaisers von einer festlichen Begehung dieses Tages abgesehen worden, da derselbe für den greisen Monarchen zunächst nur die Erinnerung an die Zeit schwerer Heimsuchung des preußischen Königshauses bedeutet.
Wir machen gegenwärtig in unserer innern Politik, obwohl wir schon mitten im Herbste stehen, noch eine zweite hochsommerliche Periode durch, denn in den hervorragenderen Fragen der innern Politik herrscht eine ganz merkwürdige Stille. Selbst über die Vorlagen, welche dem preußischen Landtage und später dem Reichstage zugehen sollen, herrscht noch vielsach Ungewißheit, zumal die Regierungs-Organe hierüber ein consequentes Stillschweigen beobachten, desgleichen sucht man in denselben auch vergeblich nach einer Andeutung über den Termin für den Zusammentritt des preußischen Landtages. Indessen fehlt es in dieser unfruchtbaren Zeit glücklicherweise doch nicht an Vorgängen, welche sich trefflich zu langen und breiten Erörterungen eignen, wie z. B. die Berliner Communalwahlen, die immer noch in der Presse besprochen werden, und dies um so mehr, als ja noch die mit Spannung erwarteten 12 oder 13 Stichwahlen ausstehen. Auch die Ersatzwahl im Reichstagsmahlkreise Greisswald-Grimmen wird noch lebhaft erörtert und begreiflicherweise zeigt sich besonders die sreiconfervative Presse über den Sieg des Grasen Behr befriedigt, zumal die Freiconservativen kurz darauf durch die Wahl des Landesdirectors Dr. Wehr in Deutsch-Krone-Flatom einen neuen Sitz auch im Abgeordnetenhaufe gewonnen haben. Endlich findet jetzt auch der Fall des fortschrittlichen Reichstags-Abgeordneten Richter-Rühlrädlitz, des Vertreters für Lüben-Bunzlau, feinen Weg in die Presse. Richter ist von der Liegnitzer Strafkammer wegen Majestätsbeleivigung zu 27 Wochen Gefängniß und Verlust seines Mandats verurlheilt worden; über diese Angelegenheit beginnt sich bereits eine lebhafte Controverse zwischen der ossiciösen Presse und den fortschrittlichen Berliner Blättern zu entspinncn.
Die Ausschüsse des Bundesrathes für Handel und Verkehr und für Justizwefen haben den ihnen zur Vorberathuug überwiesenen Entwurf von Ausführungs-Bestimmungen zur Gewerbeordnung durchberathen und im Plenum den Antrag gestellt, den Entwurf, wie er aus den Berathungen der Ausschüsse hervorgegangen, anzunehmen. Die beantragten Abänderungen sind größtentheils nur redactioneller Natur und dazu bestimmt, den Ausführungs-Bestimmungen in einzelnen Punkten eine präcifere Form zu geben.
Für die österreichische Doppel-Monarchie haben die Worte, welche Kaiser Franz Josef am vorigen Donnerstag beim Empfang der Delegationen gesprochen, fast die Bedeutung einer Thronrede. Den Schwerpunkt derselben bildet die Betonung des Friedensbedürsnisses der Völker Europas, welchem durch die loyalen Bestrebungen der Regierungen zur Ausrechterhaltung des Friedens Rechnung getragen würde und auch die Bemühungen der österreichischen Politik feien fortwährend auf dieses Ziel gerichtet. Mit hoher Befriedigung kann man von dieser Kundgebung des österreichischen Herrschers Akt nehmen, die nur den Zwecken des deutsch-österreichischen Freundschafts-Bündnisses entspricht. Noch bemerkenswerther ist aber die Rede, welche Graf Kalnoky am vorigen Freitag in der Ausschuß-Sitzung der ungarischen Delegation gehalten hat. Der Minister verbreitete sich ausführlich über die Beziehungen Oesterreichs zu feinen drei großen Nachbarstaaten; bezüglich des Verhältnisses zu Italien erklärte er, daß dasselbe ganz befriedigend fei und hoffe er, daß es auch künftig aufrecht erhalten bleiben werde. Die intimen freundschaftlichen Bezrehungen zu Deutschland seien keinen Augenblick getrübt worden und könne man hinsichtlich der Festigkeit des Bündnisses mit Deutschland unbedingt vollständig beruhigt fein Was Rußland anbelangt, so unterschied hier Kalnoky die Beziehungen beider Herrscher, welche er als die herzlichsten bezeichnete, von denen ihrer Regierungen die er als „normale" hinstellte, und erklärte sodann, daß die russische Presse allein die Ursache der Beunruhigung sei. Seine persönliche Ueber- zeuqung gehe dahin, daß weder Kaiser Alexander noch seine Regierung an einen Krieg denke und hoffe er (Kalnoky), daß die jetzige Friedens-Aera noch von längerer Dauer fein werde.
Die französischen Radikalen haben nunmehr ihren Sturmangriff gegen die Stellung des Cabinets Ferry begonnen. Denselben eröffnete der radikale Deputirte Granet in der Kammer-Sitzung vom 25. October durch eine Rede über das ministerielle Expose bezüglich der Tongking-F.age und gab er namentlich seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß Herr Ferry noch keine
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Darmstadt, 25. October, [ßut^erfeter.] Auch unsere Stadt wird eine würdige Lutherseter begehen. Mittwoch den 7. n. M. beginnt die Reihe der Vorträge über Luther im großen Saale des Saalbaues durch Professor v. Trettschke's Festrede über „Luther und die deutsche Nation." Am 10. November findet in allen höheren und niederen Schulen eine Feftfeter mit Gesängen und Vorträgen statt, am Nachmittag wird der Grundstein der neu zu erbauenden evangelischen Kirche an der Müllerstraße gelegt, eine Feier, an welcher sich die kirchliche wie städtische Vertretung betheiUgt. Für den Abend desselben Tages ist in der Stadtkirche eine musikalische Festfeter in Aussicht genommen, zu der Jedermann Zutritt hat. Der Abendgottesdienst in der Stadtkirche am Sonntag den 11. November soll nach Anordnung des Oberconsistoriums kein Predigtgottesdienst sein, sondern eine geschichtliche Darstellung von Luthers Leben geben, durchflochten von Chor- und Gemelndegesängen.
— Eine stete Erinnerung an den 12. September 1683, den Sieg über den Halbmond des Islam, sind unsere „Hörnchen", die wir als Kaffeebrod gebrauchen, die sogenannten Wiener Kipfeln. Die lautere Freude über die glückliche Besiegung des Kara Mustapha gab Wiener Backern den Gedanken ein, den Halbmond essen zu lassen; deshalb backten sie vom Jahre 1683 ab halbmondförmige Brode, die ihre zeitgemäße Bedeutung durch 200 Jahre noch lebendig erhalten haben.__________________
Schiffsnachrichten.
Bremen, 27. October. Mer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Fulda, Capt. C. Undütsch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. October von Bremen und am 19. October von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 27. October. Mer transatlantischen Telegraph^ Der Postdampfer Oder, Capt. R. Sander, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 14. October von Bremen und am 16. October von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.___________
Nachtrags-Creditforderung eingebracht habe. Der Ministerpräsident wies die Angriffe Granet's sehr energisch zurück und forderte ihn auf, in einer der näch- sten Sitzungen eine bestimmt formulirte Interpellation einzubringen, was Granet auch versprach. Die Bonapartisten unterstützen hierbei das Vorgehen der Radikalen gegen das Cabinet, indem drei ihrer Abgeordneten den Antrag einbringen werden, das Ministerium Ferry in Anklagestand zu versetzen; man glaubt indessen, daß das Gros der republikanischen Kammer-Majorität weder diesen Antrag, noch das Vorgehen der Radikalen unterstützen werde. Hiermit wäre vorläufig die Weiterexistenz des Cabinets Ferry gesichert; indessen hängt eine wichtige Entscheidung in der französischen Deputirtenkammer bekanntlich oft von den kleinsten Zufälligkeiten ab.
Zwischen England und Frankreich ist jetzt eine Angelegenheit friedlich beigelegt worden, die anfänglich ziemlich drohend aussah, nämlich diejenige des Missionärs Shaw. Wie erinnerlich, war derselbe bei der Besetzung von Tamatave (Madagaskar) durch die Franzosen gefangen genommen und gerade nicht glimpflich behandelt worden, was zu langen diplomatischen Erörterungen zwischen Paris und London führte. Die französische Regierung hat es aber schließlich für gerathen gefunden, einzulenken und sich erboten, dem Missionär Shaw 1000 Pfd. Sterl. (20,000 J£.) als Schadenersatz zu zahlen. In einer eigens in dieser Angelegenheit am letzten Donnerstag stattgefundenen Cabinets- sitzung hat die englische Regierung dieses Anerbieten angenommen, womit der Zwischenfall erledigt ist.
In der römischen Presse erörtert man jetzt den Gedanken der endgültigen Beisetzung der Leiche Victor Emanuel's im Pantheon, und zwar im Centrum desselben. Von vatikanischer Seite sollen der Verwirklichung dieses Pro- jectes keinerlei Hindernisse im Wege stehen. Die „Rassegna" verlangt indessen, daß das Grabdenkmal für den „großen König" im modernen Rom, in der imposanten Rotunde des Pantheons, errichtet werde.
Die nordsavoyische Neutralitäts-Frage wird von den französischen wie von den schweizerischen Blättern noch immer lebhaft erörtert. Der Berner „Bund" fährt fort, aktenmäßiges Material zur Klarstellung dieser Angelegenheit zu liefern, woraus allerdings die unbedingte Neutralität des fraglichen Gebietes zur Genüge erhellt. Uebrigens hofft man in der Schweiz, daß eine baldige definitive Verständigung zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft erfolgen wird, da neuerliche Kundgebungen der Pariser ministeriellen Blätter auf eine richtigere Würdigung der Neutralitäts-Frage Seitens der französischen Regierung schließen lassen.
Die Beziehungen zwischen Rußland und Bulgarien scheinen trotz des Ministerwechsels in Sofia in den alten Geleisen bleiben zu wollen. Wenigstens ist der bulgarische Minister des Auswärtigen, Balabanoff, welcher während der letzten Tage in Petersburg weilte, dort durchaus wohlwollend empfangen worden und fein Verkehr mit Herrn v. Giers, dem Leiter der auswärtigen russischen Politik, wies nicht das Geringste von gegenseitiger Empfindlichkeit auf. Die Anwesenheit Balabanoff's in Petersburg soll lediglich bezwecken, die Conventions-Urkunden betreffs der Rückzahlung der russischen Occupationskosten auszutauschen.
In Canada ist die Polizei einer weitverzweigten fenischen Verschwörung auf der Spur. Dieselbe richtet sich hauptsächlich gegen den neuen Vicekönig von Canada, den Earl of Lansdowne, dessen Leben ernstlich bedroht sein soll. Die Aufregung unter den Canadiensern soll sehr groß sein; man vermuthet, daß die Verschwörung von Mitgliedern derjenigen fanatischen Richtung der Fenier ausgeht, deren Haupt der bekannte O'Donowan-Rossa ist.
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