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Beilage ?u Ur. 122 desGießener Anzeiger".

stützungswohnsitz gehabt zu haben, allein dieser Umstand entziehe sich der Cognition des Appellrtchters. Set kein Unterftützungswohnsitz vorhanden, so habe der Landarmen­verband die Kosten zu tragen.

Mainz, 26. Mai. Ein Thetl der Herren Landstreicher hatte die Gepflogenheit, im Arreftlocale die Lumpen, in die sie gekleidet waren, vollständig zu zerreißen, damit sie durch bessere Kleider ersetzt würden. Auf Anordnung der Bürgermeisterei erhalten jetzt die Kerle einen Anzug, dessen eine Hälfte weiß, die andere bunt carrtrt ist. Gestern wurde ein so gekleideter Vagabund hier entlassen, hunderte von Kindern folgten dem Burschen, welcher sich eilig dem Gespötte zu entziehen suchte.

Betreibt ein Grundstücksbesitzer auf seinem Grundstück eine große Fabrik und werden in Folge dieses Fabrikbetrtebs durch Immission von Rauch und Dampf in ein Nachbargebäude und durch zeitweilige Erschütterung desselben nachtheilige Einwirkungen auf dieses Grundstück veranlaßt, so hat nach einem Urlhetl des Reichsgerichts, 5. Ctvtü senats, vom 11. April d. I. der dadurch belästigte Nachbar keinen Anspruch auf Ent­schädigung, wenn jener Fabrikbetrieb das Maß des Erträglichen nicht überschreitet und in der Fabrikanlage und ihrer Benutzung etwas Außergewöhnliches nicht gefunden werden kann.

Darmstadt, 26. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei- lage Nr. 11) enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen, die Erhebung von Um­lagen der Stadt Gießen für 1883/84 betreffend.

2. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Etatsjahr 1883/84 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Com- nmnal - Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Büdingen.

3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz jür das Jahr 1883/84 zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Mainz genehmigten Umlagen.

4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Worms, die für das Rechnungs­jahr 1883/84 zur Bestreitung der Communal-Bedürsnisse der Stadt Worms zu erhebenden Umlagen betreffend.

o. Ordensverleihungen.

6. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

7. Aufgaben der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.

8. Dienstnachrichten:

Am 4. Mai wurde der von dem Kreisrath des Kreises Groß-Gerau, dem kath. Pfarrer und dem Stadtvorstande zu Gernsheim auf die erledigte dritte Lchrerstelle an der kath. Schule zu Gernsheim präsentirte Schullehrer Heinrich Heyder daselbst für diese Stelle bestätigt; am 5. Mai wurde der Steuerausseher Ferdinand Brauns zu Mainz zum Pfandmeister bei der Obereinnehmerei Worms ernannt; am 6. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Ernst Martin aus Wiebelsbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hergershausen übertragen.

9. Ruhestandsversetzung:

Am 1. Mai wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Heiders- ham Johannes Eigenbrodt auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Mai l. Js. an in den Ruhestand versetzt.

10. Dienstentlassungen:

Am 30. Aprll wurde der Kanzleiwärter in dem Collegienhause zu Darm­stadt Johannes Deuchert, am 9. Mai wurde der Schullehrer an der Gemeinde- schule zu Schlechtenwegen Wilhelm Reul auf sein Nachsuchen seines Dienstes entlassen.

11. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Die evang. Pfarrstelle zu Odernheim; dotationsmäßiger Gehalt 2790 JL. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sandlofs mit einem jährl. Gehalt von 900 eX; dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.

12. Sterbefälle:

Gestorben sind: Am 5. März der Districtseinnehmer Hermann Winheim zu Gedern; am 7. März der Laadgerichts-Assessor i. P. Heinrich Karl Geb­hardt zu Gießen; am 9. März der Rheinzollamts-Controleur i. P. Konrad Scheich zu Mainz; am 17. März der Oberst i. P. Wilhelm Schleußner zu Offenbach; am 20. März der evang. Pfarrer Karl Peter Heyer zu Biebes­heim; am 28. März der pensionirte Lehrer Oestreich zu Eckelsheim; am 2. April der Obereinnehmer und Steuerrath i. P. August Walz zu Bessungen; am 3. April der Zollaufseher i. P. Johannes Klös zu Mainz; am 5. April her evang. Pfarrer Otto Hoffmann zu Lindheim; am 8. April der evang. Pfarrer Christian Hofmann zu Hungen; am 11. April der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Biblis Franz Joseph Heyder; am 18. April der Schullehrer Johann Adam Weidmann zu Wallerstädten; am 19. April die Lehrerin an der Gemeindeschule zu Lampertheim Amalie Gutfleisch; am 25. April der Geh. Ltaatsrath Johann Baptist Meisenzahl zu Darmstadt; am 29. April der Schullehrer an der höheren Mädchenschule in Darmstadt Georg Geyer; am j 2. Mai der Schullehrer an der 1. Klasse der Gemeindeschule zu Hungen Hein­rich Brück. ____________________

Vermischte-.

Mainz, 26. Mai. (Entscheidung des Bundesamtes für Heimathwesen.j Die Fomilie des Bäckergesellen Sch. hatte mehrere Jahre in der Gemeinde Undenheim gewohnt, während Sch. seinem Erwerb auswärts nachging und seiner Familie jeden Sonntag bei einem gelegentlichen Besuch den Wochenlohn brachte. In letzter Zeit siedelte Sch. mit seiner Familie nach Mombach über, erkrankte und starb. Nun fiel bi? Familie Mombach zur Last, welches Ersatz der Auslagen von Undenheim begehrte. Der Provinzialausschuß verurtheilte Undenheim zur Zahlung, das Bundesamt für Heimathwesen hob durch dieser Tage gefälltes Urtheil das Erkenntniß des Provinzial- rnisschusses auf. Die verheiratete Frau könne nie selbstständig Unterftützungswohnsitz erlangen, dieser hänge immer von dem des Mannes ab. Der erste Richter habe offenbar bürgerlichen Wohnsitz (Domicil) mit Unterstützungswohnsitz verwechselt, im vorliegenden Falle scheine der Mann, mithin die Familie überhaupt keinen Unter- I

Literarisches.

Von dem von uns schon besprochenen Buche: H. Normann, Perlen der Weltliteratur. Aesthettsch-krttische Erläuterung klassischer Dtchterwerke aller Nationen. Stuttgart, Levy und Müller 1883. 16 Lieferungen ä u,50 Mark liegen uns die 2. bis 6. Lieferung vor, welche Tassos Befreites Jerusalem, die drei russischen Dichter: Puschkin, Lermontoff und Turgenjeff, die Vögel des Aristophanes, die Hermanns­schlacht von Kleist, Graf Essex von Laube, Hamlet von Shakespeare und Hermann und Dorothea von Goethe besprechen. Wir begeben uns diesmal des eigenen Urtheils und eiteren eine Beurtheilung des Werkes imPosener Tageblatt" vom 14. April: Die überaus rührige Verlagshandlung hat mit der Herausgabe des oben genannten Werkes die Realisirung eines überaus glücklichen Gedankens unternommen. Wir Deutsche sind Kosmopoliten und selbst in einer Zeit der Fachstudien und der Fach­bildung noch immer Anhänger des Ideales einer universalen Bildung, welche eine möglichst erschöpfende Kenntniß der Hauptwerke aller Literaturen des Alterthums wie der neueren Zeit vermittelt. Nach den Quellen diese zahlreichen Werke zu ftudiren, ist nun heute nur eine kleine Anzahl von Gelehrten im Stande. Die große Masse der Gebildeten muß sich darauf beschränken, gute Uebersetzungen, an denen wir keinen Mangel haben, zu benutzen. Leider bieten diese Uebersetzungen aber nur selten oder doch nur in ungenügendem Umfange die nöthigen, über den Autor, den Stoff seines Werkes, die Stellung desselben innerhalb seiner Literaturepoche oriemirenden historischen Einleitungen, noch seltener ästhetisch-kritische Würdigungen, welche den Inhalt klar barlegen und die poetischen Schönheiten zu mühelosem Genuß für den Leser heraus­schälen. Diese Lücke auszufüllen, ist die Aufgabe, welche diePerlen der Weltliteratur" sich stellen; daß sie diese Aufgabe lösen werden, dafür bürgt der Name der bewährten Kraft (H. Normann), welche sie übernommen hat. Die Methode, welche H. Normann befolgt, ist folgende. Er erzählt kurz mit sorgfältiger Hervorhebung alles Wesentlichen den Inhalt, so daß der Leser einen klaren Ueberblick über den Organismus des Werkes erhält, gibt dann die wichtigsten Daten aus des Dichters Lebens- und Entwicklungs­geschichte, bespricht ferner das Gedicht für sich und im Zusammenhang mit der gleich­zeitigen Literatur und knüpft daran eine allgemeine ästhetische Beleuchtung. Vor letzterer hatten wir einen gewissen Horror. Wie oft findet man nicht in ästhetisch- klitischen Aufsätzen kritikloses Verhimmeln und Wortschwall, dessen schiefe, schielende Gedanken schwer oder garntcht zu entwirren sind, oder aber eine nörgelnde Rechthaberei, welche Meisterwerke im kleinen meistert und für ihre großen Schönheiten nur blinde Augen hat. Und wie angenehm wurden wir enttäuscht, als wir die Sprache des reifen, allseitig durchgebildeten Mannes vernahmen, der sich eine warme Begeisterung für poetische Schönheit bewahrt hat und ihr einen warmen Ausdruck zu verleihen weiß, der sich niemals aber durch Voreingenommenheit verleiten läßt, im Lob über das Ziel hinauszuschießen. Klar und scharf drückt sich der Autor aus, alle Umschweife unb Abschweife weiß er zu vermeiden, sein kurzer und knapper Ausdruck ist vollendet und vornehm, ein Muster für ästhetisch-kritische Essais. Wer diese Essais liest, ist so erschöpfend orienttrt, daß er einer ßecture der betreffenden Werke zwar entrathen kann, der Mehrzahl wird es aber so wie uns gehen, sie wird darnach streben, diese Werke an der Hand eines so trefflichen Hilfsmittels selber nachzulesen und bann mit uns anerkennen, welche Hilfe dem Literaturfreunde H. Normann bietet, wie aber auch der Leser wesentlich ihm das volle poetische Verständniß verdankt- Meisterhaft hat derselbe es namentlich verstanden, eine große Anzahl von wichtigen und interessanten Textesstellen in seine Abhandlungen hinein zu verflechten. Die Uebersetzungen, die ec bietet, sind mustergiltig in ihrem Deutsch und bewahren das eigenthümliche Colorit des Originals. Wir wünschen dem Werke einen recht zahlreichen Leserkreis; wer ihm näher getreten ist, wird es schnell liebgewinnen, denn er verdankt ihm reiche Belehrung, Anregung und poetischen Genuß.

GchiffSbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C. W. Dietz Nachfolger, Gießen.

Bremen, 25. Mai. Der Postdampfer Nürnberg, Capt. A. Jaeger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 12. Mai von Newyork abgegangen war, ist gestern UVa Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 5 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 113 Passagiere und volle Ladung.

Bremen, 26. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Straßburg, Capt. H. Heineke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 9. Mai von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 28. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer America. Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 13. Mai von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore ange­kommen. ______________

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