eintritt. Siabthauptmann Kovics fand Verdachtsmomente, welche gegen den Leib- Husaren Berez gravirend sind. Die Mörder haben Zett gefunden, im Lavoir des Schlafzimmers sich bie Hänoe vom Blut zu waschen. Der Tod erfolgte durch Er- drosielung. Die Flucht geschah durch das Fenster über der Basteimauer mittels einer Rebschr-ur, welche Knoten zum Herabsteigen enthielt. Der Kaiser wurde telegraphisch verständigt. Im ganzen Lande ist man über die Entsetzmsthat erschüttert. (F. Z.)
Telegraphische Depeschen.
Wolff'ö telegr. Correspondenz-Birreau.
Berlin, 29. März. Se. Maj. der Kaiser hat auf die Glückwünsche der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung zu Allerhöchst Seinem Geburtstage folgende Zuschrift an dieselbe gerichtet: Die Zuschrift, in welcher Mir die Stadtverordneten Ihre warme Theilnahme an Meinem Geburtstage zu erkennen gegeben haben, hat Mich wie immer herzlich gefreut. Vor Allem ist Mir die Versicherung angenehm gewesen, daß alle Bürger des Landes ohne Unterschied der politischen Parteirichtung in der Liebe und Treue gegen Mich fest geeint sind. Der innige Zusammenhang zwischen Fürst und Volk bildet das Fundament zur Wohlfahrt des Staates; in diesem Bewußtsein fühlt sich die Bürgerschaft Berlins seit Alters mit Meinem Hause und mit Mir verbunden. Ich weiß, daß in diesem treuen Sinn die Segenswünsche, welche die Stadtverordneten mit frommem Aufblick zum Allnmchtigen Mir ausgesprochen haben, wurzeln. Freudig bewegt danke Ich ihnen aufrichtig für den Ausdruck ihrer Ergebenheit in dem Vertrauen, daß das gemeinsame Band im Laufe der Zeit sich nur fester wird schlingen können. Ich habe Miner Haupt- und Residenzstadt stets ein reges Jntereffe gewidnlet; die Fortbildung dieses großen Gemeinwesens hat Mir daher lebhafte Freude bereitet. Zur besondern Befriedigung wird es Mir gereichen, wenn seine stetig fortschreitende Entwicklung mit der unaufhalt- sam wachsenden Ausdehnung und Bedeutung der Stadt zum Segen ihrer Bürger gleichen Schritt hält.
Berlin, den 28. März 1883.
gez. Wilhel m.
An die Stadtverordneten zu Berlin.
— In einem Artikel über das Vertaaungsrccht verweist die „Provinzial - Eorresp." auf Art. 52 der preußischen und Art. 12 der Reichsversassung, welche der Krone das ausschließliche Recht der Einberufung, Vertagung und Schließung per Parlamente beilegen. Eine Unterbrechung der Verhandlungen, sofern dieselbe nicht durch Initiative des Staatsoberhauptes erfolge, sei nur soweit zulässig, als äußere nicht zu beseitigende Umstände dieselbe unumgänglich nothwen- dig machten oder ordnungsmäßige Erledigung der Geschäfte selbst dieselbe erheische, darüber hinaus stehe weder dem Landtage, noch dem Reichstage ein "Recht zu, die Verhandlungen auszusetzen oder die Geschäfte ruhen zu lassen; Geschäftsordnungen seien nur für parlamentarische Körperschaften bindend und könnten die verfassungsmäßigen Kronenrechte nicht beeinträchtigen. Am Schlüsse heißt es, die Regierung lege aus die Erledigung der Verwaltungsgesetze noch in dieser Session den größten Werth und werde die Durchberathung und Beschluß- faffung selbst auf die Gefahr hin verlangen, daß die Lanbtagssession sich über den bisher angenommenen Termin hin autzdehne.
An einer andern Stelle bespricht die „Prov.-Corresp." eine in Hannover erschienene Schrift, betitelt „Die Angriffe des Abg. Richter und Genossen gegen die Armee", welche die Theilnahme weiterer Kreise beanspruche.
Pesth, 29 März Die über die Ermordung des Präsidenten Mailath bis jetzt ermittelten Umstände scheinen auf einen Raubmord hinzuweisen. Die Uhr, die Börse, die Brieftasche und der vom Fln.'.er berabgezogene Ring des Ermordeten fehlen, an dem Kasfinschranke sind Spuren einer versuchten gewaltsamen Orffnung desselben sicht- var. Der Gerichtsarzt hat konstatirt, daß die Kinnlade des Ermordeten zerschmettert tsi, die Erdrosselung erfolgte durch eine Rebschnur, der Ermo'dete war an Händen und Füßen gefesselt, das Gesicht war schwarz, die Leiche lag im Nachthemde am Boden, das Bett war noch unberührt, der Ermordete scheint tm Begriff gewesen zu fein, sich ntederzulegen. Der Mord muß gegen Mitternacht verübt worden sein, da Präsident Ma'lath um 11 Uhr noch von seinem Schwiegersöhne Pallavic'.ni besucht wurde. Die Flucht der Mörder ist wahrscheinlich mit Hülfe einer Rebschnur vom Altan auS auf dre Basteimauer und von dort auf den Erdboden erfolgt, wo man Stiefelspuren tm weichen Erdreich eingedrückt gefunden hat Die Spuren deuten aut Schuhwerk von gewöhnlichen Leuten hin. Der Weg, den die Mörder bet der Flucht eingeschlagen haben, ist durch nach zwei Richtunzen hin bemerkbare Blutspuren bezeichnet. Der Leibhusar des Ermordeten, der in der Nähe des Schlafzimmettz nächtigte und erst vor einigen Wochen in den Dienst getreten ist, wurde als verdächtig v rhaftet. Zur Ermittelung der Thäter sind die umfassendsten Maßnahmen im Gange.
_ London, 29. März. Heute standen zum ersten Male Sch'.ldwachen an den Eingängen des Königlichen Gerichtshofes und des Regierungsbureaus in Sommcr- f rthouse.
Liverpool, 29. März. Die Polizei saisirte gestern eine Kiste mit Explosions- ttoffen und Höllenmaschinen, die von Cork per Dampfer gekommen war. Ein auf dem Sck ffe befindliches Individuum wurde kurze Zeit nach der Ausschiffung verhaftet.
Konstantinopel, 29. März. Ein russisches Stationsschiff ist nach Varna gegangen, um den Fürsten Alexander von Bulgarien, welcher sich nach Griechenland begiebt, abzuholen.
New-Bork, 29. März Die „Eoening Post" erwähnt eines Gerüchts, nach welchem England seinen Einfluß auf bte Vereinigten Staaten geltend mache, um dieselben zur M'iw'rkung an der Bildung einer internationalen Polizei gegen die Anarchisten zu bewegen. Irgend welche anderweite Bestätigung dieses Gerüchtes liegt nickt vor. ö
Lokale-.
Gießen, 30. März. Schwurgerichtsverhandlung vom 29. März l % gegen Johannes Steuernagel II. von Nieder-Ohmen wegen Meineids
Steuernagel ist angeschuldigt:
daß er am 6. Juli 1882 vor Großh. Civil-Kammer I. zu Gießen, einer zur Abnahme von Eiden zuständigen Behörde, <n dem Rechtsstreite des Joseph Jakob von Storndorf, Klägers, gegen Heinrich Schmidt II. von Atzenhain, Beklagten, in welchem er als Zeuge vernommen roinbe, den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein sulschcs Heugniß verletzt habe.
Die Geschworenen erkannten jedoch den Angeklagten wegen des ihm zur Last gelegten Verbrechens für nicht überfühl t und sprachen daher das „Nichtschuldig" aus, worauf derselbe von Strafe und Kosten freigesprochen und auf freien Fuß gesetzt wurde'
Der Wischte«.
28. März. Gerüchtweise verlautet, daß Herrn Realschuldirector Albert dahier die durch die Pensionirung des Herrn Dr. Scködler erledigte Directorstelle in Mainz übertragen und Herr Director Soldan von Gieß.'N hierher verseht werden solle. (N. H. P.)
3r Breslau. Der Kassirer und Vorstandsbeamte des Vorschuß-Vereins des Breslauer Landkreises. Paul Kupbal, ist flüchtig geworden, nachdem er dem genannten
Ctn\Qc. ^20,000 Mark befraubtrt bat. Außerdem hat Kuphal Wechselfalsifikate ^^^'ammtbetrafle von etwa 140 000 Mark bei der städtischen Bank, dem Vorschuß- bf ”ort'rtbCr "rc8 aUer Disconto-Bank Friedenthal u. Co. und der Wechsler-Bank
— Das Organ der deutschen Gesellschaft für Rettung Schiffbrüchiger, Von den Küsten und aus See", meldet über die Strandungen und Rettungen an" be* deutschen Küsten im Jahre 1882: D-e Zahl dec Seeunsälle ist erheblich geringer al« in dem vorhergehenden Jahre (92 gegen 112); allein dieselben boten den Rettunas- ftatkonen häufig Gelegenheit zu erfolgreicherer Thätigkeit, so daß die Zahl der durck Rettungsstationen geretteten Personen die von 1881 noch um e.ne Person überftetat (HO gegen 109). Bei 40 Stcandungsfällen traten 26 Stationen in Dienst, darunter 11 Stationen 19 Mal mit Erfolg. Die verunglückten Schiffe hatten 462 Personen an Bord; von denselben wurden 441 Pei sonen gerettet, während 21 Personen nachweislich ihren Tod fanden. Es wurden gerettet: durch Rettungsboote 99 Personen, durch Raketenapparate 11 Personen, durch sonstige Hülfe vom Lande 22 Personen, durch Selbsthülfe 185 Personen und durch Hülfe in See 124 Personen. — Das Rettungsboot des 2. Elbleucktsch ffes „Caspar" hat sich ganz besonders ausgezeichnet; dasselbe rettete in 8 Strandungsfällen 54 Personen und brachte 2 Schiffe tn Sicherheit! - Wir brauchen kein Wort hinzuzufügen, um obigen Verein der warmen und werkthätiae« Theilnahme unserer Mitbürger zu empfihlen-
Dienheim, 27. März. Der Bergrutsch hat auch im letzten Winter durch die anhaltende Nässe nicht ruhig gestanden. Einz lne Weinberge haben sich gesenkt und bte Stöcke sind zusammengerutscht, obwohl die Grenzen des vor zwei Jahren lebendig ge. wordenen Gebietes nicht Überschritten wurden. Die Ableitung des Wassers vermittelst Stollen und Röhrenleitung ist im vorigen Herbst vollendet worden- Aber es läuft mcht. Es fehlt noch der Quergraben, der das Wasser den Stollen zuführen soll. Er ist noch nicht angefangen Die Wassermasse, die vom Berge in den Ort und besonders in die Keller strömt, ist so beträchtlich, daß alle Keller trotz wiederholten Auspumpens noch gefüllt sind. Es haben sich vom Berg aud vollständige Canäle nack den Kellern gebildet. Man hat beobachtet, daß tn 5 Minuten regelrecht 10 Maß Wasser zufloffen bis das Niveau erreicht war. Im letzten Winter hat der arme Ort unendlich viel an Kartoffeln und Wurzelgewächsen eingebüßt, weil die Einwohner aus den Kellern und Gruben tn höher gelegene Gruben oder auf die Speicher mit diesen Nahrungsmitteln flüchten mußten und das einmal naß Gewordene gar bald in Fäulniß überging. Etz wäre zu wünschen, daß bald dem Bergwasser ein Ausweg geschaffen wir d, damit die Keller trocken werden und der Stvff zu schweren Krankheiten entfernt wird.
März. In der Abi'schen Dosenfabrik tn Ensheim sind 500,000 Sabelscheiben für bte russische Armee aus Papiermachee beinahe fertiggestellt. Gegenwärtig ist die Fabrik beschäftigt mit der Anfertigung von Figuren für das Scheibenschießen, resp die Schießübungen in den Garnisonen der deutschen Armee; die- selben werden aber statt der jetzigen von Papier aus Leinwand geklebten aus der ganzen Korp-rgroße (d. h. so groß, breit und dick wie der ganze Umfang des Mannes) bestehen ebenfalls aus gepr-feier Papiermasse.
Mainz, 23. März. Gestern Nachmittag verstarb in Folge eines Herzübels der frühere Ober-Maschinenmeister und nachmaliges Mitglied der Specialdirection der Hessischen Ludwigsbahn, Herr Thomas, im Alter von 56 Jahren. Der Verstorbene welcher erst im verflossenen Jahre sein 25jähriges Dienstjubiläum beging, war der Erfinder des sogenannten Thomas'schen Dampfwagens. Herr Thomas war em sehr intelligenter Mann und wird sein Verlust für die Ludwigsbahn wohl ein sehr empfindlicher fein.
Kassel, 28. März. Was die dtesjährigen Kaisermanöoer bei dem 4 und 11. Armeecorps anbetr.fft, so ist für letzteres Corps bereits feftgefteUt, daß der Kaiser in Schloß W'lhelmshöhe bei Kaffel sein Hauptquartier aufschiag<n wird.
Kassel, 25. März. Gestern Vormittag ereignete sich in der hiesigen Actien- brauerei ein gräßlicher Unglücksfall. Ein Bursche, welcher mit einem Wagen zwischen zwei großen Fässern hindurchfahren wollte, geri.th zwischen den Wagen und eines der Fässer, wobei ihm ein an dem ersteren befindlicher Eisentheil durch den Kops ging. Der Unglückliche wurde hoffnungslos vom Platze getragen.
München, 27. März. Gestern Abend halb 8 Uhr wurde in der Tülkenstraße berm Hinaustreten aus einer Wirthschaft ein Mann erstochen — Heute Mittag zwischen 12 und 1 Uhr erschoß sich im Pissoir am Sendlingerthorplatz ein anscheinend den besseren Ständen angehöriger etwa 22jähriger junger Mann.
— Die beiden Mörder der Oberconoucteurswittwe Zi.kelbach in München sind der That überführt und geständig. Der schon vor einig-n Tagen gefänglich eingezoaene 22 Jahre alte ledige Schreinergeselle Jakob Echter aus München hat nach Vorlage der inzwischen in einem Verstecke seiner elterlichcn Wohnung aufgefundenen geraubten Ubr ein umfassendes Geftändniß abgelegt und dabei den schon bisher als verdächtig verfolgte» 25jährigen lebigen Metzger Jos Saimsttner aus F lizenzell, Bez. A V.lsbi- bürg, als Genossen bestätigt- Letzterer ging sofort noch der That flüchtig, wmde telegraphisch verfolgt und in Velden (Niederbayern) feftg nommen. Auch dieser hat bei der Festnahme sofort die Betheiligung am Raubmorde gestanden.
— .Ein schreckliches Unglück ereignete sich am Montag Nachmittag 3 Uhr auf bem Bahnhofe in Crailsheim in Franken. Der Steinhauer F Her mit feinem vierzehn jährigen Sohne halfen einem Bediensteten einen Karren über das Geleise schaffen. Als sie vom zweiten Geleise nach dem ersten, dem Bahnhof zunächst gelegenen, gekommen waren, um dasselbe zu überschreiten, wurden sie von zwei von einer Rangirr maschine abgestoßenen Waggons erfaßt und überfahren- Den Zuschauern bot sich ei» schrecklicher Anblick dar. Der Sohn blieb sogleich tobt, während der Vater schwer verwundet vom Plötze getragen wurde. Es dürste wenig Hoffnung vorhanden fein, ben Vater am Leben zu erhalten.
— [^inbermunb.] Ein kleines Berliner Kind tritt freudestrahlend an seinem 4. Geburtsfist tn das Z-mmer der Eltern, unb indem es sich seine reichen Geschenke betrachiel ruft es tn stolzem Tone: „Papa, heute sind cs gerade vier Jahre, seit wir mir jekciegt haben!"
— [$acante Stellen für Militäranwärter im Bereich des 11. Armeecorps-j Frankfurt a. M-, Köntgl Eisenbahndirection, 2 Canzlei-Aspiranten, vorläufig 7H F Remuneration und 15 Ortszulage, mit dem Einrücken tn eine etatsmäßige Stelle al§ Canzlist bis 1950 JL pro Jahr unb bem gesetzlichen Wolmungsgeldzuschuß' Frankfurt,a. M, Communalsiänbischer Verband des Stadtkreises Frankfurt a/M., Chausseeavfseher, 1250 JL jährlich. Mainz. Postamt, Postschaffner, 800 Gehalt und 180 JL Wobnungsgeldzuschuß- Station Darmstadt oder Frankfurt a. M., Mam- Neckar-Bahn, 4 Schaffner, 2,10 Jt. täglich während der Probezeit unb bie Fahrgelder, bei der Anstellung 1150 pro Jahr und die Fahrgebühren. - Näheres bei den Bezirksseldwedeln.
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
, Evangelische Gemeinde.
Samstag ben 31. März.
Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.
Sonntag den 1. April (Quasimodogeniti).
Vormittags 9V? Uhr: Pfarrer Schlosser.
Konfirmation der Gymnasiasten unb Stadtschüler unb Feier des heiligen Abendmahls.
_ , , Nachmittags 2‘/2 Uhr: Pfarrer Dr- Naumann.
Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Armen unserer Gemeinde.
D/r Kindergottesdienft fällt aus.
Sonntag, den 8. April, findet im Nachmittagsgottesdienft die Vorstellung,und Prüfung der zu confirmirenden Realschüler statt.
Pfarrgeschäfte in der Woche vom 1. bis 7. April besorgt Pfarrer Drngeldey.
Katholische Gemeinde.
Weißer Sonntag (QuAsimodo geniti).
< 4/x 6Uhr an: Beichte. 8 Uhr: Frühmesse undAustheilung der h.Communion
VzIO Uhr: Hochamt und Predigt; unter demselben findet die Erftcommunion der Kinder statt. 3 Uhr: Andacht und Erneuerung der Taufgelübde Seitens der Erffi communikanten. Collecte für die St. Josephs-Anstalt in Klein-Zimmern.
Gottesdienst in der Aynagoye.
Freitag Abend 6 Uhr, Samstag Morgen 880 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 726 Uhr.


