7$ Samstag den 31. März 188^.
»icßciu’r Anzeiger
V Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint ILgkich mit Ausnahme des Montags
Bureau! Schulstrahe 7.
der Diöcesane Lausanne, vom Bundesrathe die Rückkehr nach der Schweiz gestattet worden ist, im Wachsen begriffen. Die Genfer Regierung will Msgre. Mermillod den Aufenthalt im Canton Genf nur dann gestatten, wenn er sich verpflichtet, jeder Amtshandlung zu entsagen, worauf sich natürlich Msgre. Mermillod weigert, einzugehen. Ein definitiver Beschluß des Bundesraths in dieser Angelegenheit liegt noch nicht vor.
Rach einer Meldung aus Lima vom 3. März hat der Präsident von Peru, Calderon, die Friedens-Präliminarien mit Chile unterzeichnet. Im Interesse des endlichen Eintrittes friedlicherer Zustände an der Westküste Süd- Aiuerikas wäre die Bestätigung dieser Nachricht nur dringend zu wünschen, denn der Kriegszustand zwischen Chile und Peru besteht nun schon in's dritte Jahr und auch das siegreiche Chile empfindet allmälig die Wirkungen dieses langwte- rigen Kampfes. _______ , _,
PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf.
Politische Ueberficht. ।
GteHen, 30. Marz.
Das leichte Unwohlsein, welches den Kaiser in Folge einer Erkältung während der Feiertage an das Zimmer gefesselt hielt, ift erfreulicherweise saft gänzlich wieder behoben. Die laufenden Regierungsgeschäfte haben durch die Unpäßlichkeit des Monarchen keinerlei Unterbrechung erlitten.
Die Oster feie rtage sind vorübergegangen, ohne weder in der auswärtigen Lage, noch in der innern Politik Ereignisse von hervorragender Bedeutung gebracht zu haben. Watz die inneren deutschen Angelegenheiten anbe- langt so wird sich hier ein stärkeren politischer Wellenschlag überhaupt vor Ende der parlamentarischen Osterpause kaum bemerkbar machen, denn auch über hn Wechsel in der Leitung der Marine, welches Thema bisher von den Blättern des Langen und Breiten erörtert wurde, sind nunmehr die Betrachtungen rach allen Seiten hin erschöpft. In der nächsten Zeit werden daher die Verhandlungen der verschiedenen Parlamente, vor Allem aber diejenigen des Retchs- tages, welcher seine Sitzungen am 3. April wieder ausnimmt, das Interesse satt üusschließlich in Anspruch nehmen. Die Aufgaben, welche der Reichstag für den Rest dieser Session noch zu erledigen hat, sind ja auch von außerordentlicher Bedeutung, wobei wir nur auf die Novelle zur Gewerbeordnung und aus das Krankenkafsen-Gesetz Hinweisen wollen. Jede dieser Vorlagen erfordert zu ihrer Specialberathung allein schon eine ganze Reihe von Sitzungen und es laßt sich vorläufig noch nicht absehen, wann der Reichstag dazu gelangen wird, über diese richtigen Vorlagen sein entscheidendes Votum abzugeben.
Der neue schwere Verlust, welcher unserer Marine in Folge des beabsichtigten Rücktrittes des Vice-Admirals Bätsch drohte, ist glücklicherweise wieder übgewendet worden. Herr Bätsch, welcher wegen der Ernennung des General- Lieutenants v. Caprivi zum Chef der Admiralität von seinem Posten zurück- tceten wollte, hat auf besondern Wunsch Kaiser Wilhelms diesen Entschluß wieder geändert. Es dürfte hierzu außerdem wohl auch die Wahrnehmung beigetragen haben, daß sich im Officiers-Corps der Marine anläßlich der letzten Vorgänge eine Erregung zu zeigen begann, welcher entgegenzuwirken der Vice- Admiral für feine Pflicht hielt. Herr Bätsch will durch sein Verbleiben den. jungem Kameraden das Beispiel unverbrüchlicher Disciplin und Pflichterfüllung geben und es steht zu hoffen, daß seine Haltung beruhigend auf die aufgeregten Gemüther wirken wird.
Zur Losung der leidigen „Postmarkenfrage" ist endlich der erste praktische Schritt geschehen. Wie der „Staatsanzeiger für Württemberg" meldet, werden vom 1. April ab die sich innerhalb des Reichsgebietes bewegenden Postkarten, welche nicht die Marke des Aufgabegebietes, sondern diejenige einer andern deutschen Verwaltung tragen, gegen Erhebung von ö H Porto und 5 Zuschlaggebühr befördert. Unrichtig verwendete Postwerthzeichen des Bestimmungsgebietes werden dem Empfänger gut gerechnet. In Bezug auf die Beförderung von Briefen unter gleichen Verhältnissen scheint es bei der bisherigen Praxis sein Bewenden haben zu sollen.
Die parlamentarischen Kreise Oesterreichs beschäftigen sich lebhaft mit dem Schicksal der Schulgesetz-Novelle, welche nach den Osterferien im Reichsrathe die Specialberathung zu pajsiren haben wird. Die Novelle veracht der Schule in Oesterreich wieder den confessionellen Charakter und nicht nur die Linke des Abgeordnetenhauses gedenkt deshalb gegen die Novelle Sturm »u lausen, sondern auch in den Reihen der czechischen Wählerschaft ntacht sich eine deutliche Mißstimmung gegen das Schulgesetz bemerkbar. Diese Mißstimmung macht sich nainentlich in den Aufforderungen czechischer Wähler an ihre Abgeordneten, gegen die Schulgesetz-Novelle zu stimmen, geltend. Der reichsräthliche Czechen-Club ist hierdurch in nicht geringe Verlegenheit versetzt worden, da derselbe bis jetzt gewillt ist, schon aus Rücksicht auf seine klerikalen „Freunde" im Abgeordnetenhause, für die Novelle einzutreten. Der Czechen- Club giebt sich daher alle Mühe, der Erregung der Wählerkreise beschwichti- Aend entgegenzutreten, der Erfolg dieser Bemühungen ist aber bis jetzt noch ein ziemlich zweifelhafter.
Der jüngste Dynamitanschlag der Fenier gegen das Local- Regierungs-Amt zu London hat die englische Regierung nun doch zu außer- ordentlichen Vorsichtsmaßregeln veranlaßt. Die. öffentlichen Gebäude Londons werden von jetzt ab der Bewachung der immerhin respectabeln Macht von 2000 Mann Infanterie anvertraut; zum Schutze des Parlaments-Gebäudes mnd des Buckingham-Palastes, in welchem die Königin bei ihren Besuchen in London zu residiren pflegt, ist ein Bataillon Garde bestimmt. Ferner ist von Ler Regierung die Errichtung eines besondern Polizei-Corpü für politische An- .gelegenheiten beschlossen worden, das hauptsächlich dem Umsichgreifeil der geheimen Verbindungen entgegentreten soll. — Die Annahme, daß die Agitation der im Nord-Amerika wohnenden Fenier gegen England diplomatische Weiterungen zwischen Nord-Amerika und England Hervorrufen würde, scheint eine irrige zu jein. Wenigstens stellt man von New-Aork aus in Abrede, daß der dortige englische Gesandte, Jackville West, in dieser Angelegenheit an den Staats- jecretär des Auswärtigen, Freylmghusen, eine „unfreundliche Note" gerichtet habe. Von dem Vertreter Englands sei vielmehr au die Washingtoner Regierung nur eine einfache Anfrage über die Verhältnisse gewisser, gegen England mgitirenber Personen, gestellt worden.
In der Schweiz ist die Bewegung gegen den früheren Erzbischof öon Genf, Msgre. Mermillod, dem, anläßlich seiner Ernennung zum Verwalter
Deutschland.
Darmstadt, 27.Mürz. Dem Amtsblatt Großh. Obei-Consistoriums Nr. 5 entnehmen wir noch folgende kirchliche Nachrtchlen aus dem Jahre 18ö2.
Supermtendenwr Gießen: Als Decane wurden gewählt und bestätigt: Plärrer Müller zu Alsfild, Pfarrer Stock zu Stockhausen; als DecanatsstellveNrrter: Pfarrer Trautwein m Alsfeld, Pfarrer Baur in Friedberg, Psarrer Kullmann in Lauterbach. Die Definilorialpiüfung bestanden die Candidaten Heinrich Köhler aus Langsdorf, Friedrich Fritsch aus Holzhausen, Ludwig Hainedach aus Gießen, Wilhelm Volp aus Gießen, Adolph Clotz aus Haufen- Ordinüt wurden-die Candidaten Kohler und Bolp m Büdingen, Fritsch in Hltzkirchen und Medert in Freiensteinau. Als Pfarrverwalter und Piarrvkcare wurden bestellt: Belte für Butzbach, Kohler für Büdingen, dann Doiheim, Ille: t, dann Miiprediger Offenbacher für Kutoif, Bolp für Büdingen, Heumann für Frischborn, Fritsch für Hltzkirchen, Medert für Freiensteinau. Erledigt sind: Die Pfarieien Belleish'ini, Biuchenbrücken, Busenborn, Dortelweil, Echzell, Ermenrod, Eschenrod, Ettingshausen, Freiensteinau, Frischborn Gedern II-, Gelnhaar, Gettenau, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Gloß-Felda, Hain-Gründau, H^tershauseii, Herbstein, Herchenham, Heuchelheim, Hltzkirchen, Holzherm Hopsmannsfeld, Kirtorf Lanasdorf, Lauterbach I, Leihgestern, Lehrdach, Münzenberg 1 Oberau, Oder-Gleen, Ober-Rosvach II, Oder-Seemen, Rohrdach, Sch'ckartshausen, vteinbach, Stumpertenrod Udenhausen, Usendorn, Bolkarlsham, Watzenborn, Willofs, Wolfersheim. Em- aewe.ht wurde die neue,baute Kirche ,n Herchenhain, die neue Kapelle m Herbstein, die rt1iaimiien Küchen in Schütz nnd Altenschlirf Kirchliche Feste wurden gefeiert- ». b Guuav Adols Vereins: m Allendorf, B-rstadt, Eckartshausen, Gedern, Giünberg Homberg, Münzer berg, Rieder Moos, Nieder Rosbach, V'lbU; b- d.r Moston. in Alten- schürf, ArilSdurg, Bergheim, Crainfeld, Gießen, holzherm, Lich, Münster, Rimbach, Stockheim; c. das 4. Gesangfest des evangelischen KlrchengesangveremS für Hessen in Gießen; d. Sedansfeier- und Sylvester - Gottesdienste in Detjc9iebenen ®en}^”l)en- K.rchenoisitationen fanden statt in Assen heim Bernsdur g Bindsachsem ^EN chwend und Altenburg, Busenborn, Butzdach, Düdelsheim, Engeliod, n
bad) bet Friedberg, Frischdorn, Gelnhaar und Bergheim, Groß-Felda und Windhausen, Grünbeia Höchst a. M-, Holzhausen, Holzhausen und Dorf Gill, Homberg, Hutzdorf und Framombach, Langenhain, Langsdorf und Bettenhausen, Laubach, Leihgestern, Mrder-Erleitdack. Nnder-Florstadt, Obbornhofen, Ober-Breidenbach und Storndorf, Ober-Ofl^den, Ossenheim und Bauernheim, Rodhetm, Rodgen und Annerod, Röhrda s und Stockheim, Schwickartshausen, Trais a. d. Lda., Ulrichstein. Decanalsvisitationen wurden gehalten in den D^canaten Friedberg und Grünberg.
Darmstadt, 29. Mürz. Zu Mitgliedern des Laildes-Comunfiron, die nach der Bekanntmachung vom 24. d. Mts. (Regier.-Blalt Nr. 6) zur Ent- toeibmm über die aus 'Mitteln des Staates zur Heilung der durch d,e lieber» schwemmungen veranlaßten Gebäudeschäden zu leistenden Beihiilfen berufen if, sind Seitens des Großh. Mimsteriums des Innern und der Justiz oer Nclin- sterialrath Dr. Jaup, und zwar dieser als Lorsitzender, der Obersinanzraty Emmerling und der Baurath Busch ernannt worden. D>e Provmz>al- Ausschüsse haben zu Mitgliedern erwählt den Gemeinde-Einnehmer Rahn zu Schwanheim, den Bürgermeister Mohn zu Laubenheim und den Justzrath Dr. Geyger zu Asienheim. Zu Ersatzmänneriider Letzteren, sinderwählt worden Sparkasserechner Lautz zu Groß-Umstadt, Burgermehter Egli) zu Oppenheim und Beigeordneter H e ß zu Gießen.
GeüerreiH.
oü ‘•Yn ber Anaeleaenheit ber Ermorbung Georg Majlath s
sind nachüeh-nd^Deta'ls aus dcm ä>zlt>chen des
Die Leiche lag in der Mitte des Zimmers aus^^dem 9^°^, Bett, den Kops gegen das Fenster S-kehrt. ' b(c Pumllen weit und starr;
blau, säst v olcit gesarbt. Die Augenlider standen ost , ^und war offen,
die Conjuct ve war deidelseiis mit Blntextravasatcn d -h! 8 . .usumn engedrehtes in der itUundhähle k-tne Adnormstät (neben dem K°P,efliegt ‘ J ^r),
blutiges Handtuch, welche« von den Dienern ans dem Munde ^enistrm aus Kopf und Gesicht sind Blutflecken sich bar. 1 bcm 'reätcn Vorderarm sieht
sammengelegt und stark na» dem Ha s gezogew Kus finb stark gefesselt und
man eine quer lausende, vom Blut fU00 OW j« @*nUr mtt starken Knoten gebunden, an eine mrhrsach um den Val« 0°lfblungene L«nu ^nden. Der ganze Körper Die Füße sind über dem Knöchel k>lerch°r L>ehnu g (fj auf bag Minimum zeigt starke Mrrskelstarre. Die B-weglichkett pr afi Halsschltnge an-
reducnt. Nach Abnahme der Schnüre zeigt chieÄ^ bcibe Handgelenke
geknotet. Nach Lösung des Knoiens and Handwurzel gelegten,
zweimal stramm angezogen und endeteein Schlinge straff. Die Tomen
stark angespannten Schlinge. Um den Schlinge, die einschneidend sich in die sind gedoppelt und enden ebenfalls blc Schnur zweimal Ulllgkdreht
Weichtherle des Halses s,ae astchürst Bei der Compresston des Brustkorbes
unb locker zu einer losen Schlinge g sch z. Flüsstgkctt entstaub ein starkes
zeigte sich eine Luftbewegung tm A h mo ö , 6tm lange scharfe Schnitt-
Rasseln. Auf der re^ttten @ltebe des rechten Mittelfinger«, eine V/s Ctm. wunde, desgleichen eine °u d m driMu rVue^ Schlüsse bte An-
lange und 1 Ctm. breite blut « verübt wurde und begründet
ficht aus, daß der Mo^b z ich Cseren um 6 Uhr Morgens bereits die voll-
SSSÄ »"« »» T."


