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Bern, 28. October. Der Kanton Tessin hat von Der Errichtung eines selbstständigen Bisthums abgesehen und wird sich damit begnügen, daß der frühere Bischof Lachat als provisorischer Administrator fungire. Als Bischof von Basel soll, wie es heißt, der Domprobst Fiala in Aussicht genommen sein.

Wien, 28. October Das bulgarische Amtsblatt publicirt die fürstlichen Dekrete, feetr. die Enthebung des Obersten Rüdiger von der Leitung der Ge­schäfte des Kriegsministers und die Entlassung desselben aus dem Dienste der bulgarischen Armee, sowie die Ernennung des Oberstlieutenants Komanikoff zum Gereuten des Kriegsministeriums. Ferner wird folgende Ordre publicirt. In Anbetracht, daß ohne meine Zustimmung die Rückberusung der Adjutanten Leo- sovoy und Polskov nach Rußland erfolgte, schließe ich aus meiner Armee die Officiere aus, welche russische Unterthanen sind, nämlich Oberst Lewignon, Ka- pttän Messolon, Dienstarzt Grün. Ferner ordnet der Fürst Alexander an, daß 35 bulgarische Officiere, welche russischen Truppen attachirt sind, telegraphisch nach Sofia zurückberufen werden.

Paris, 28. October. DerTernps" dementtrt die den französischen Soldaten in Tongktng zugeschriebenen Grausamkeiten, ebenso erklärt derselbe die Nachricht von einem angeblichen Tagesbefehl des Generals Bouet, in welchem die Niedermachung aller Annamtten anbefohlen worden sei, für unbegründet.

Rouen, 28. October. Der Kardinal Bonnecchose ist gestorben.

Alexandrien, 28. October. Gestern starben hier 12 Personen an der Cholera.

New-Aork, 28. October. Nach Berichten aus Jamaika ist der Ort Port Antonio am 18. d. Mts. durch eine Feuerstbrunst fast gänzlich zerstört worden. Der Verlust übersteigt eine Million Dollars.

Lokales»

Gießen, 29. October. Heute Morgen Schlag sieben Uhr wurde das Todes- urtheil an dem vom letzten Schwurgerichte zum Tode verurtheilten Sebastian Schneider von Willofs durch den Königl. Sächsischen Scharfrichter Brand von Pfaffenroda bet Dresden vollzogen. Die Executton dauerte nur wenige Minuten. Vom ersten Stadtpfarrer Herrn Dr. Naumann aus der Zelle geleitet, wurde, nach kurzem Gebete vom Ersten Staatsanwalt Herrn Zimmermann, das Todesurthetl für vollstreckbar erklärt und der Delinquent dem Scharfrichter mit dem Befehl übergeben, den Verurtheilten vom Leben zum Tode zu befördern." Mit den Worten:Adieu, ich bitte um Entschuldigung, meine Herren", bestieg der arme Sünder unter Assistenz des Geistlichen und der zwei Gehülfen des Scharfrichters das Schaffot. Dortselbst rief er:Herr Jesus Christ, in Deine Hände befehle ich meinen Geist" und innerhalb weniger Secunden war der Gerechtigkeit Sühne geleistet. Während der Execution ertönte vom Friedhöfe das Armensünderglöckchen. Die Verbindung vom Provinzial-Arrefthause mit der Friedhofscapelle war mittelst einer Signalkette, von Mannschaften des hiesigen Regiments gebildet, hergestellt. Eine zahllose Menschen­menge umstand das Justtzgebäude, welches von Militär, Gendarmerie und Schutzleuten abgesperrt wurde.

Gießen, 28. October. (Theater.) Der Pfarrer von Ktrchfeld von L. Gruber. Ein Tendenzstück im eigentlichsten Sinne des Wortes, aber nicht ohne gute Seiten. Dahin rechnen wir vor allem die treffliche Zeichnung einiger Figuren, die Geschicklichkeit und fließende Leichtigkeit im scenischen Aufbau und die glückliche meist kernhaft-volksmäßige Sprache. Ein junger katholischer Geistlicher, Pfarrer Hell von Kirchfeld, ein vortrefflicher Character, der den segensreichsten Einfluß auf seine Gemeinde ausübt, nimmt auf Bitten eines Amtsbruders die muntere, schöne und rechtschaffene Anna Birkmeter, ein armes Waisenkind, als Beistand seiner alternden Dienerin in sein Haus auf. Zwischen beiden entkeimt eine stille Neigung, ihnen selbst so unbewußt, daß erst dritte Personen ihnen die Augen öffnen müssen. Noch ist das WortLiede" nicht zwischen ihnen gefallen; aber ein Bauer, der sie bei einem Zwiegespräche belauscht, erkennt ihren Gemüthszustand, bringt sie im Dorfe ins Gerede und erschüttert dadurch das Ansehen des Pfarrers aufs Ernsteste. Anna erhält davon Kunde, und um'den Pfarrer zu rehabilitiren und alle Lästerzungen zum Schweigen zu bringen, reicht sie einem braven Burschcn die Hand, der sie schon längst im Stillen liebt Mit blutendem Herzen läßt der Pfarrer sie von sich, findet aber Trost, Beruhigung und Halt in seinem heiligen Berufe, zumal es sich fügt, daß er dem nämlichen Bamr, demWurzelsepp", der seinen Ruf untergraben hat, Böses mit Gutem vergelten kann-

So wett wäre nun Alles gut; die Handlung hat einen innerlichen Abschluß erreicht und das Stück könnte damit zu Ende sein. Allein der Dichter, mcht zufrieden damit, seinen Helden den schweren Seelenkampf auskämpfen zu lassen, verwickelt ihn noch in einen Kampf mit feinem kirchlichen Oberen. Plötzlich nämlich trifft ein Ab- fttzungs-Decret für Pfarrer Hell ein nebst einer Vorladung vor em geistliches Gericht und man erfährt, daß dieser harte Schlag ein Werk des Fürstbischofs Grafen Finster­berg ist. Der unglückliche Pfarrer denkt einen Augenblick an Selbstmord, doch auf das Zureden Annas, die er soeben ihrem Gatten angeiraut hat, beschließt er, das Leben zu ertragen und sich dem geistlichen Gerichte zu stellen- Was nun aber weiter? Was wird sein ferneres Schicksal sein? Wird er unterliegen, oder den Kampf siegreich bestehen? Der Himmel weiß es; das Stück ist zu Ende, es schließt m t dem Wunsche, daß, wie ein einiges und freies deutsches Reich erstanden sei, so auch eine freie und einige Kirche darin erstehen möge!

Die Hauptpartien der Anna und des Pfarrers ruhten in den bewährten Händen des Fräulein Kohrsen I. und des Herrn Schölermann. Fräulein Kohrsen I. war im Spiel vortrefflich; den Dialect, in dem sie zu reden hat, beherrschte sie mit Sicherheit. Herr Schölermann spielte edel und gemessen und wußte selbst in die zum Theil langen Reden seiner Rolle Farbe und Leben zu bringen. Herrn Muff lag als ^Wurzelsepp" die Aufgabe ob, einen Menschen zu zeichnen, dem geistliche In­toleranz und bigotte Beschränktheit das Lebensglück vernichtet haben; er ist bitter und pessimistisch; nur eine schöne Regung ist ihm geblieben, die Liebe zur Mutter, und an diesem Faden wird er wieder zur Seelenruhe und zum inneren Frieden zurückgeleitet. Herr Muff entledigte sich dieser Aufgabe in ausgezeichneter Weise, er hatte die Partie in allen ihren Nüancirungen klar erfaßt und erzielte lebhafte Wirkung- Herr Rickel t verkörperte den Pfarrer von St. Jakob aufs Beste: ein kindlich-einfältiges Gemüih von beschränktem Gesichtskreis und gutmütiger Resignation- Voi den übrigen Mit- spielenden haben wir besonders Frau Brede (Haushälterin B-igltte), Herrn Voigt (Michel Berndorfer) und Herrn Sauermann (Schulmeister von Alt-Oettling) mit Lob zu nennen.

Das Publikum nahm die Vorstellung mit lebhaftem Beifall auf.

Gießen, 29. October. Heute Vormittag wurde in der Lahn, in der Nähe der Burck'scken Mühle, die Leiche eines Unbekannten geländet.

Morgenztg." hier folgen: Angeklagt, durch fortwährende Jrrthumserregung sich einen rechtswidrigen Vermögensvortheil verschafft zu habrn, erschien die 40 Jahre alte Ehe­frau des Th. Kersting, Gertrude, geb. Hagesieb, von hier vor den Schranken. Dieser vielfach vorbestraften Kartenlegerin wird zur Last gelegt, durch die falsche Vorspiegelung sie könne den Teufel bannen, Hellsehen und Wahrsagen rc., im August d. I. aas Ver­mögen des Fabrikarbeiters H. El. geschädigt zu haben. Auf welch unglaubliche Art die Kersting die Frau El. zu bethören wußte, so daß dieselbe ein völlig willenloses Werkzeug des gewiss nlosen Weibes wurde, ist bereits früher erwähnt- Die Aermste glaubte völlig vom Hexenspuk und Zaubereet umstrickt zu sein. So schleppte denn die Frau El. Teller, Töpfe, Messer, Gabeln, Kannen, Schüsseln, Fleisch, Brot, Kaffee, Kleidungsstücke rc. hmter dem Rücken ihres Mannes der Kartenlegerin zu. Diese oer- stand das Ausziehen meisterhaft, nahm ihr die Schürze vom Leibe weg und l- sich die silbernen Oh gchänge nushändigen. Und alles unter dem Vorwande, die Sachen seien behext. Weiter forderte sie ein Stück Leinen um es in der Kirche um den Altar zu häng-'n, einen Strumpf von dem linken Bein, Wollgarn u. s. w., befahl der be, thörten Frau, das Haus von oben bis unten zu räuchern, sowie ein leckeres Mittags­mahl zuzubereiten, da, durch der Hellseherin geheime Zauberkräfte gezwungen, die Hexe" bei der Rathsucherin zu Gast erscheinen werde. Als dieHexe" sich jedoch n cht etnstellte. mußte Frau El- das Essm der Kerst ng bringen, die sich denvom Teufel besessenen Hahn" sehr gut munden ließ. Frau El. führte auch alles getreulich aus- Als ihre H^xenbannerin aber immer noch mehr verlangte, wie z. B- den besten Anzug ihres Bruders, Tücher, Federkissen rc., ohne daß die Hexe erschien, gingen der Wahn­bethörten in Folge Dazw schentretens ihres Mannes und der Nachbarsleute die Aug-n auf. Sie erkannte den Schwindel und machte Anzeige. So wurde denn dieH-?xen- bannerin" heute wegen ihres gemeingefährlichen Treibens zu 7 Monaten Gefängniß, 30 Geldbuße, eoent. weitere 10 Tage Gefängniß und zweijährigem Ehrverlust vcr- urtbellt Erwähnt muß noch werden, daß die Kresting sofort nach erfolgter Anzeige den größten Theil der erhaltenen Sachen theilwetse waren sie schon verbraucht wieder herausgerückt hat. Vor Gericht spielte sie sich als die selbstloseste Person von der Welt auf, sie glaubte an die Macht ihrer Mittel und habe alles aus purem Mitleid gethan, um die Frau aus dem H-xenbanne zu erlösen.

Witterungskrrnde.*)

30. October. Dienstag. Frühmorgens und Morgens kühl und bedeckt, dabei windig, örtlich zumal an den Küsten stürmisch aus Nordwfft, auch droben Niederschläge; nach Osten zu Vormittags etwas aufgebessert, Mittags dagegen wieder mehr drohend zusammengezogen, Nachmittags aufgeheitert bis zu schönem Abend; Nachts bedeckt mit Niederschlägen, dabet windig, an den Küsten stürmisch, wahrscheinlich aus Südwesten.

31. October. Mittwoch. Die Witterung ist noch unruhig, Morgens aus Mittag zu bedeckt, örtlich Hagelböen, Nachmittags aufgeheitert bis zu gutem Abend; Nachts windig mit Niederschlägen, die nach Nordwesten zu gewitterhaft auftreten. Jenseits der Alpen dürften die Niederschläge jetzt und in den folgenden Tagen, zumal Nachts, bedeutender fallen. Das Minimum liegt zwischen 2 und 4° C-, in günstigeren Lagen etwas höher; in cxponirten Lagen dagegen mäßiger Nachtfrost (in Süddeutschland Föhn?)

*) Aus Dr, L. Overzter's Wetter-Prognose für den Monat October abgeschlossen am 20. September (Verlag der M-Lengftld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 JLY Nachdruck verboten.

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Kassel, 24 October. Ein moderner Hexenproceß spielte sich heute vor dem hiesigen Schöffengericht ab; zur Warnung für Andere lassen wir den Bericht derHess.

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Dienstag den 30. October: Martha.

Mittwoch den 31. October geschlossen.

Donnerstag den 1. November: Die Maccabäer.

Freitag den 2. November geschlossen-

Samstag den 3. November: Lucia-

Sonntag den 4. November: Fidelio-

Schauspielhaus.

Dienstag den 30. Octoder: Zum ersten Male wiederholt: Frau Scarron. Hierauf: Die Bekenntnisse. (L tzte Voist-'llung im Abonnement A.)

Mlltwoch den 31. October: Graf Essex Im Abonnement.

Donnerstag den 1. November geschlossen-

Freitag den 2. November: Zum eilten Male: Das Gnadenbrod. Schau­spiel in 2 Acten von Turgeniew. Deutsch von L- P etsch. Hierauf: Zum ersten Male: Iw Bunde der Dritte. Lustspiel in 1 Akt von Paul Heyse.

Samstag den 3. November: Der Be11elstudent.

'Sonntag den 4 November: Fedora.

Mittwoch den 7. November: Graf Königsmark von Paul Heyse.

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Handel und Vermehr.

Grün berg, 27. October. (Frnchtpreise.) Weizen 20.10, Korn 18.00, Gerste 14.40, Hafer «X 14.20, Erbsen Jt. 18.40, Lein «X 00.00, Samen «X 00.00, Kartoffeln JL 3.00.

Frankfurt, 27. Oktober. Auf dem heutigen Markt kostete der Centncr Heu 3.50-4.00, Stroh 3.203.50, Eier das Hundert JL 6 007.00, Stück 7 H, Butter 1. Qualität Jt. 1.20, 2. Qualität X 110, Kartoffeln per Ceutner A 2.002.50, Kohlrabi 3-5 H per Stück, Erbsen per Pfd. 00-00 Rothkraut per St. 1230

Poularden JL 00, Huhn 1.502.20, 1 Ente Jt *4003.00, 1 Taube 5060 Hah.l 0.751.30, Gans JL 57.00, Welsche 8-9.

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