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1883

Donnerstag den 30. August

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

vttkraor S.chulstraße 7.

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uvar zunächst nach Kopenhagen dürste es nun doch Ernst werden. Nachrichten aus Peterhof besagen, daß in der Umgebung des Czaren bereis alle Lor- bereilungen für die Reise getroffen würden und heißt es, daß das Kafferpaar dieselbe in der ersten Hälfte des September antreten würde.

König Alfonso ist am Sonntag von seiner Rundreise durch das nörd­liche Spanien nach Madrid zurückgekehrt, von wo aus er sich den neuesten Dispositionen gemäß am kommenden Freitag nach Coruna begiebt, um seine Reise nach Deutschland anzutreten. Vor seiner Rückkehr nach Madned nahm König Alfonso in Mttoria die Vorstellung der Offenere der Nordarmee durch General Quesada entgegen, auf dessen Ansprache der Komg erwiderte, daß er der Erste sein werde, eintretender Gesahr die Spitze zu bieten. Er ,e> ent­schlossen, sein Blut zu vergießen sür die Interessen des Vaterlandes und des spanischen Volkes; er werde um jeden Preis die öffentliche Ruhe aufrecht erhalten.

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Politische Ueberficht.

(Sietitn, 29. August. .

Die außerordentliche Session, zu welcher der Reichstag jetzt liilbcrusen worden ist, dürste in Bezug aus ihre Dauer einen nicht minder ankerordentlichen" Gegensatz zu der ihr vorangegangenen Session bilden. Letz- ,'m ist bekannllich die längste Session, zu welcher der Reichstag seit semem Be­stehen bis jetzt versaminelt gewesen ist, denn sie hat, Alles in Allem genommen, der anderthalb Jahre gedauert, während der heute Mittag zusammengetretene Kjchstag voraussichtlich nur wenige Tage in Anspruch nehmen wird, soweit tonnt wird der deutsch-spanische Handelsvertrag den einzigen Gegenstand der Mhandlunqen bilden; die Annahme des Vertrags erscheint >m Voraus gesichert, d» di- schleunige Sicherstellung unserer handelspolitischen Beziehungen zu Spanien jm allgemeinsten Wunsche liegen muß. Die Frage ist nur , ob der Reichstag tort beschlußfähig sein wird, denn die gegenwärtige Jahreszeit quaUsinrt sich vorzüglich zum Reisen und es ist sehr wahrscheinlich, daß dieEinberufungs- Ordre" nur den kleinsten Theil der Abgeordneten zu Hause angetroffen hat. Nleichwohl ist schon um des Ansehens des Reichstages willen im höchsten Stabe zu wünschen, daß die Reichsboten sich möglichst vollzählig m Berlin em- hiiden,5 so schwer auch die Zumuthung nach einer kürzlich erst abgelaufenen kelsion ist. ' Daran, die Session über das unumgänglich Rothwendige Hinaus mMdehnen oder große parlamentarische Actionen an den vorliegenden praktischen Kcaenstand zu knüpfen, wird wohl Niemand ein Interesse haben, und so kann man hoffen, daß der Reichstag schon in nächster Woche wieder ausemander-

Aeutschkand.

Darmstadt, 28. August. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Alleranädiast geruht: , . . x

Am 7 August den Assistenten und Privatdocenten an der technischen Hochschule zu Berlin, Ernst Brauer, zum ordentlichen Professor an der tech­nischen Hochschule, insbesondere für das Fach der Maschmenkunde mit Wirkung vom 1. October d. Js. an, zu ernennen und in der gedachten Elgenschast zu berufenQm g ( Mts. Seitens der Stadtverordneten zu Alzey erfolgten Wahl der Mitglieder der Stadtverördneten-Versammlung, Kar Römer und Christian Eller, zu Bürgermeisterei-Beigeordneten der Kreisstadt Alzen die Allerhöchste Bestätigung zu ertheilen.

_ Die Verhandlungen der evangelischen Landessynode können nicht, wie bereits angeordnet war, am 4. September d. Js., sondern voraussichtlich erst am 2 October beginnen, da die baulichen Veränderungen m dem Sitzungssaale ».««Wtoi« Ärti b iA b, »

Berlin für Ischia eingelaufenen Gaben weist zusammen bie Summe von 14C,Ü^ auf^6 Folgende, wie es scheint, aus orleantsttschm Weisen

stammende Darstellung der Umstände, warum Graf Chambord nicht König von Frank- -eick aeworden macht jetzt die Runde durch alle Zeitungen. Es wird darin wohl em roenia Wahrheit zu sehr viel Dichtung gemischt sein:Die wahr^ Ursache, warum zurQt (5bambord nicht König von Frankreich wurde, ist bisher noch nicht aufgeklart worden. Jetzt, nachdem ^er die Augen geschlossen, besteht kein Grund mehr zu ihrer Verheimlichung. Fürst Bismarck hatte erfahren, daß für die Monarchie nicht drei, sondern acht Stimmen Mehrheit in der Nationalversammlung gewonnen waren. Den Augenblick benutzend, schickte er eine Vertrauensperson zum Grafen Chambord mit der Aufgabe, den Grafen zur Annahme folgender drei Punkte zu bestimmen. 1- Aner- kennuna aller seit 1859 geschaffenen Verhältmste, 2. Anerkennung des Versailler ^riedensvertraas - 3. Allianz Frankreichs in t Deutschland auf solider und dauernder Grundlage. Darauf run hatte Graf Chambord geantwortet, da er nicht mttgeholfen dtide die Verhältnisse von 1859 zu schaffen, so könne er dieselben auch nicht von Dorns berein anerkenn n Die Ve. saMer Fricd^nsverträge müsse er einer Prüfung unter- Kn- wenn d,e Lage d.s Landes eine Aenderung -r!°rd-rn würde, konnte -r sich durch ein vorder aeaebenes bindendes Versprechen in einer politischen Thatigkett zu Gunsten des Landes'nicht behindern lassen. Was die Allianz mit Deutschland betreffe, so ver- muthe er zwar? daß sie beiden Reichen zur Wohlfahtt gereichen würde; eT bte' felbe ein so würde er sie auch ehrlich halten; doch konnten vielleicht Bedingungen gestellt werden^ üb^r ?die er sich erst äußern könnte, nachdem er den Königsthron be­stiegen habe 'Fürst Bismarck fand diese Antwort nicht befriedigend und richtete an Ultimatum: Entweder Gras Chambord nimmt di

Redinouna-Ii an die wir ihm gestellt haben, dann ist er der An-tkennung des Konig- ®6um§unf=mfdl§fi6t, odernicht, dann wird Deutschland sofort di- sranzo.sch- Grenze be etzen. Dieses Ultimatum brachte große Bchü.zung 'n den eingew cht n Kreisen hervor. Gras Chambord halte s-rad- noch Zeit «men Bries N«d°n,^r verlange die weiße Fahne, ein sonst Unerklärlicher Dorwand f entftant) die be- ohne die wahren Gründe derselben emgestehen zu müssen. ? orleanistischen

kannte Spaltung und oerblieb Chambord im Exil." Der Z^eck dieser orttam Enthüllung" springt in die Augen: es soll glaubhaft «-macht werd CH dH die Tricolore im Grundsatz angenommen und nur darum den ^r ,, er sie ablehnt, geschrieben, um

sparen. DieEnthüllung will nur die Legitimisten fu (Köln. Ztg.^

v-ranstalt-t- Enquete wegen Emsührung von Schutzzoll-Petitionen und Vor- nicht im Sinne derzenigen ausgefallen: sein, welch * Ausnahmen haben

st-llung-n die erste Anregung dazu E ffenten gegen Ue Einführung von Schutz- stch, wie schon theilweise früher die!N'^f'^Körperschaften, denen man mangelnde zollen ausgesprochen, so noch in lüngster Ben zw x v ber ätzten Sitzung der

Sachkenntniß gewiß nicht zum Vorwurf mach kann vaterländische Cultur

S-ction für Obst- und G«r'-nb°u^ und dem landwirth-

berichtete der Sccretar, daß deVorstanv vom^ sich nach Anhörung von Vertrauens- schastlichen Genttal-Verein aufgeford ^orb 'a^j Breslauer und auswärtige Mit­personen gutachtlich über die Frage zu auye n. w tj5tten einstimmig sich gegen jeben «l'-b-r. welche -r zur Bera.hung. . n laden jeder Einfuhrzoll

Schutzzoll auf Gr-eugnis^deS Gartenbaues au ber bam(t zusammenhängenden

würde eine wesentliche Schädigung der o welchen Vortheil zu bringen;

Gewerbe herbeiführen, ohne den.Blum z «rnn verwerfen. Die in der Sitzung

auch ein Einfuhrzoll auf Baumschular s avw z Zustimmung zu dem Gut- anwesenden Mitglieder^d-rVerbandes deutscher selbstständiger »ra ü- - >'«

) gegen einen Schutzzoll ausgesprochen.

Di?deutsch-französische Preßcampagne scheint wieder aller- dmd kriegerische Allüren hervorgerusen zu haben. So weist letzt dieKreter Nnna" auf den Umstand hin, daß verschiedene deutsche Armee-Corps erne beschleunigte Mobilmachungs-Ordre besitzen, in Folge deren die betr. Armee- Lorvs in 3 bis 4 Tagen auf den Kriegsfuß gesetzt werden können, wahrend sonst zu der seldmarschmäßigen Ausrüstung eines Armee-Corps in der Regel eine Zeit von 8 bis 10 Tagen gehört. Im Falle einer erforderlichen Mobll- «chung werden die mit beschleunigter Mobilmachungs-Ordre versehenen Armee­korps natürlich zuerst auf den Kriegsfuß gesetzt.

Die jüngsten Unruhen in Kroatien haben unter den Mitgliedern lei kroatischen Regierung bereits ihr Opfer gefordert. Der Banns von Kroa­tien Pejascevich, hat seine Demission eingereicht und auch vom Kaffer erhalten, loch' wird Pejascevich bis zur Ernennung seines Nachfolgers im Amte bleiben uni; die von der Wiener Minister-Conferenz beschlossenen Diaßregeln durchfuhren. Es deutet die Demission Pejascevich's darauf hin. daß in den betr. Conferenzen der ungarische Ministerpräsident Tisza mit seinen beabsichtigten verschärften Maßregeln gegen Kroatien durchgedrungen ist und wird man >n letzterem Lande bie straffere Anziehung der Zügel der ungarischen Regremngsgewalt wohl batb spüren Der König von Rumänien machte während felnes Wiener Aufent­haltes'dem österreichischen Minister des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, wieder- holle Besuche, was in diplomatischen Kreisen sehr bemerkt wurde.

Der Tod des Grafen Chambord hat in Frankreich, abgesehen von den leqitimistischen Kreisen, keinen allzugroßen Eindruck hervorgebracht. Die lepublikanischen Blätter erkennen die Charakterfestigkeit und Prmclpientreue des verstorbenen an, iin Uebrigen aber meinen sie und nicht mit Unrecht laß Frankreich durch dieses Ereigniß nicht im Geringsten alterirt werde. Die tegitimistischen Organe natürlich legen alle die tiefste Trauer an den Tag, ohne mdeffen große Entmuthigung durchblicken zu lassen. DerFran^ais _ weist die Annahme verschiedener republikanischer Blätter, daß der Tod des Gra,en Cham­bord eine schärfere Trennung unter den Royalisten in Frankreich Hervorrufen werde, entschieden zurück, im Gegentheil würden die Orleans und Bourbonen, ausgeklärt über die von ihnen begangenen Fehler und durch das erlittene Un- glück, sich nur noch enger aneinander schließen. In Anam haben die Fran­zosen ihre Schlappe bei Phukai durch die Einnahme der die anamitffche Haupt­stadt Hue schützenden Forts wieder wett gemacht. Hue ist hierdurch den Franzosen preisgegeben und soll sich auch Kaiser Phüdac und fem m großer Bestürzung befinden und in Unterhandlungen mit dem französischen Dv^r- befehlshaber eingetreten sein. Da die Besetzung der Forts von Hue einen Dheit des französischen Expeditions-Corps in Anspruch nimmt, so werden in nächster Zeit von Toulon ein Bataillon Infanterie und eine Batterie nach Cochinchina abgehen. Wegen unzureichender Mittel wird der in den ostasiatischen Gewässern commandirende Admiral Courbet sich darauf beschränken, Turan, Hue, das Delta des Rothen Flusses und Hako zu blokiren.

Die Thronrede, mit der das englische Parlament am vergangenen Sonnabend geschloffen worden ist, trägt eine sehr optimistische Färbung zur Schau. Die Beziehungen zum Auslande werden als vortreffliche geschildert und was speciell Frankreich anbetrifft, so ist nach der Thronrede die Affäre von Madagaskar nicht im Mindesten im Stande gewesen, das freundschaftliche Berhältniß zwischen Frankreich und England zu trüben. Auch bezüglich der Nischen Verhältnisse schaut die Thronrede Alles in rosigem Licht, namentlich mrd der Umstand, daß die agrarischen Verbrechen im Abnehmen begriffen find, gebührend 1 beleuchtet. Ob freilich in Irland wirklich sich Alles so 9^deisert hat, wie man in den Londoner Regierungskreisen anzunehmen scheint, bleibt ollerdings noch abzuwarten. . f .

Mit der Reise des russischen Kaiserpaares in's Ausland und

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