Einzelbild herunterladen

188S.

Freitag den 28. September

Rr, 22s

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

---------------- ~ o , "TZ I 2 PreiO vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Virreau r Schulstraße 7. Erscheint täglich nut Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Bekanntmachung.

Unter dem Rindvieh des Pachters von Oven in Hungen ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Gießen, den 25. September 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. _________

Betreffend: Die regelmäßige Ergänzungswahl des Kreistages des Kreises Gießen durch die Bevollmächtigten der Gemeinde-Vorstände.

Bekanntmachung.

Nach Vorschrift des Art. 26 der Kreis-Ordnung haben mit Ende dieses Jahres die Kreistags-Abgeordneten des

l. Wahlbezirks (Gießen), nämlich die Herren Bürgermeister Bramm, Beigeordneter Keller und Meyer Homberg er von Gießen, IV. Wahlbezirks (Alt-Buseck), Herr Bürgermeister Lang von Wieseck;

V. Wahlbezirks (Groß-Buseck), Herr Bürgermeister Ranft von Beuern;

VII. Wahlbezirks (Eberstadt), Herr Christian Leidich in Grüningen;

VIII. Wahlbezirks (Lich), Herr Bürgermeister Mengel in Hattenrod

mierzeichneten Kreis-Ausschuß vorzubringen sind. Gießen, den 25. September 1883.

Dr. Boekmann.

Namens des Kreis-Ausschusses des Kreises Gießen.

W dem Kreistage^auszutreten^^ ^^hend das Verzeichniß der Gemeinden, welche zu den genannten Wahlbezirken gehören, 'mt Angabe der Zahl der Bevollmächtigten, die von jeder Gemeinde nach ihrer Einwohnerzahl zu wählen sind, mit dem Anfügen öffentlichen Kenntmß gebracht, daß g «es Berichtigung dieses Verzeichnisses binnen einer unerstrecklichen Frist von vier Wochen, von dem Tage der Ausgabe dieses Blattes an gerechnet, bei dem

Zahl der zu ernennenden

Wahlbezirke.

Gemeinden. Seelenzahl.

Bevollmächtigten.

L (Gießen)

1. Gießen

17168

Gesammtzahl des Stadt­vorstandes

2. Heuchelheim

1779

7

IV. (Alt-Buseck)

1. Wieseck

2304

9

2. Trohe

155

1

3 Alt-Buseck

1253

5

4. Rödgen

600

2

5. Annerod

514

2

V. (Groß-Buseck)

1. Groß-Buseck

1638

7

2. Beuern

999

4

3. Bersrod

372

1

4. Winnerod

30

1

5. Reiskirchen

675

3

6. Allertshausen

246

1

7. Climbach

224

1

8. Lindenstruth

302

1

Zahl der zu ernennenden

Wahlbezirke.

Gemeinden.

Seelenzahl

. Bevollmächtigten.

VII. (Eberstadt)

1. Ober-Hörgern

337

1

2. Eberstadt mit Arnsburg

530

2

3. Muschenheim mit Gill

Hof-

667

3

4. Birklar

443

2

5. Grüningen

774

3

6. Dorf-Gill

403

2

7. Holzheim

1186

5

VIII. Lich)

1. Lich

2522

9

2. Ettingshausen

3. Münster

609

329

2

1

4. Nieder-Bessingen

348

1

5. Ober-Bessingen

404

2

6. Hattenrod

392

2

Bekanntmachung.

Die am 17. d. Mts. angeordnete Sperre des Schwarzlachweges wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 27. September 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

__Fresenius.______

Zur Uationalfeier auf dem Niederwalde.

Es war ein sinnreicher, glücklicher Gedanke von Deutschlands Patrioten, ton Platz für das Nationaldenkmal an den Krieg von 1870/71 auf dem Aederwalde zu wählen. Keine Stadt, mochte sie auch noch so einen oe- chinten Namen haben, sollte das Nationaldenkmal des gemeinsamen dank­baren Vaterlandes besitzen, sondern im herrlichen, deutschen Walde, der Urstätte brutschen Lebens und Schaffens, wo bereits in grauer Vorzeit unsere Ahnen brutsche Kraft und deutsche Freiheit üben und schätzen lernten, sollte das groß­artige Erinnerungsmonument stehen. Und wo konnte ein herrlicherer, bedeutungs­vollerer Waldplatz für das Denkmal gefunden werden, als aus dem Nieder- mlde, wo in der Nähe des viel bestrittenen Vater Rhein von prächtigen Eichen und Buchen gekrönte Bergeshäupter kühn und stolz zum Himmel empor- rrgen und 'sich eine reizende Aussicht auf das von den grünen Rheinfluthen umasäumte Rheingau mit seinen Burgen und Ruinen, Bergen und Reben- gelÄnden darbietet. Keine weihevollere Stätte konnte für das Denkmal, welches nir.it am 28. September zum Andenken an die Großthaten und Errungen­schaften des Krieges von 1870/71 auf dem Niederwalde feierlich enthüllt wird, gefunden werden und bis in die fernsten Zeiten wird dieses Monument im deintschen Eichenwalde Zeugniß ablegen von der Dankbarkeit der deutschen Mion für die ruhmreichen Helden, die im Kriege 1870/71 für Deutschlands nationale Größe mit hehrem Opfermuthe fochten und bluteten, Schlachten schlugen wie Weltgerichte und der Welt in Schwertes- und Flammenschrift verkündeten, daß sich die deutschen Volksstämme ihre nationale Einigkeit und Zoelbstständigkeit ungestraft nicht mehr streitig machen lassen.

Die Enthüllung des Nationaldenkmals auf dem Niederwalde, die streit­bare und siegreiche Germania umgeben von den Emblemen des Kriegs und zmedens und Monumenten der ruhmreichen Helden, ist aber auch gleichzeitig einne erhebende nationale Feier. Unser ehrwürdiger Kaiser hat es sich trotz betn Last seiner Jahre und den Anstrengungen der vorhergegangenen Manöver- tagge nicht nehmen lassen, der Enthüllung des Denkmals in Person beizuwohnen uimb neben dem kaiserlichen Helden befinden sich bei den Feierlichkeiten auch biee Prinzen ftines erlauchten Hauses, sowie die übrigen deutschen Fürsten oder ihne Vertreter, ferner Deputationen der Regierungen, des Reichstags, der Wegsministerien und der Hauptstädte.

Was aber der Enthüllungsfeier des Nationaldenkmals noch eine er­hebende, volksthümliche Weihe geben wird, ist die Betheiligung von Deputationen der Kriegervereine aus allen Gauen des Reichs. Die auserwählten Kampfes- genossen der vielen Helden des letzten deutsch-französischen Krieges stehen neben ihrem Kaiser, Fürsten und Führern bei der Enthüllung des Siegesdenkmals auf dem Niederwatde und sind vor der ganzen Nation Zeuge von der unerschütter­lichen Wahrheit, die in den Dichterworten liegt:

Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen und Gefahr!"

Politische Ueberficht.

Giepen, 27. September.

lieber den Verlauf der Kaiser-Manöver bei Homburg und den damit zusammenhängenden Festlichkeiten liegen so viel Telegramme un Be­richte vor, daß eine Wiedergabe derselben an dieser Stelle unmöglich e^ernt. Aus allen diesen Berichten läßt sich aber constaf.ren, daß sowohl die Festlich­keiten in Homburg, als auch die Manöver des 11. AnE-Corps m harmonischer Weise verlaufen sind, trotzdem daß die regnerische Währung der letzten zage den Truppen-Uebungen gerade nicht günstig war. Am Mittwoch erreichten die­selben ihr Ende und begiebt sich der Kalter am heutigen Tage in Begleitung der deutschen und *061111^ gürftli<#ettenon

zunächst nach Frankfurt, wo auf dem Bahnhofe feierlicher Empfang stattyndet. Nach ersolgter Ankunft gießt die Stadt ihren fürstlichen Gasten im Palmengarten ein Diner, an dasselbe schließt sich eine Festvorstellung im ^Heater an, woraus um 9 Uhr Abends die Weiterreise des Kaisers und höchsten Herrschasten nach Wiesbaden erfolgt. Mit der am Freitag den 28. September stattstndenden feierlichen Einweihung des National-Denkmals aus dem Niederwab. werden so­dann oie Kaisertage am Main und Rhein ihren würdigen und glänzenden Ab-

schluß erhaitem^b nunmef>r ins Sanb gezogen unb mit dem Eintritt der kühleren Jahreszeit macht sich auf dem Gebiete der inneren Politik wieder eine erhöhte Thätigkeit bemerklich. Vor Allem durfte zu Ansang des nächsten Monats das Staatsministerium wieder vollständig in Berlin versammelt sem, um die dem preußischen Landtage, welcher Ende October oder Anfangs Novem­ber zusammentreten wird, zu machenden Vorlagen nochmals durchzuberathen.