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Hx l98. Dienstag den 28. August 1-883.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MonlagS.

Bureaur Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Stark 20 Pf. mit Briugerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar! 50 Pf.

v. Schlotheim, einnehmen.

Baden-Baden, 25. August. Der Großherzog kommt morgen vom Schloß Mainau hierh-r, um dem Prinzen von Wales einen Besuch abzustatten. Am Montag wird der Großherzog den hiesigen Pferderennen beuvohnen, am Abend wird zu Ehren des Prinzen von Wales ein Galadiner stattstnden. Am Dienstag beabsichtigt der Großherzog nach Mainau zurückzukehren.

Hesterreich.

Wien, 25. August. Der Kaiser besuchte heute Vormittag den König von Rumänien, welcher später den Minister des Aeußern, Grafen Kalnoky, und den deutschen Botschafter, Prinzen Neuß, empfing. Mittags fuhr der Kömg nach Schönbrunn, um dem kaiserlichen Hofe einen Besuch abzustatten und machte am Nachmittag dem Grasen Kalnoky einen Gegenbesuch, der länger als eme halbe Stunde währte. Die Abreise des Königs von Rumänien ist auf Montag Nachmittag in Aussicht genommen.

Frankreich.

Paris, 25. August. Nach langem, schweren Leiden ist Graf Chambord endlich aus dem Leben geschieden. So lange er auf Erden wandelte, war es dem letzten directen Erben des legitimen französischen Königthums nicht beschre- den, Einfluß aus die Geschicke seines HeimathlandeS zu gewinnen; ob das von ihm vertretene Princip vielleicht in Zukunft auf französischem Boden eine JwUe spielen wird, ist ungewiß, aber wenig wahrscheinlich. Die Orleans, auf welche das politische Vermächtniß des letzten Bourbonen übergeht, verspüren geringe Lust, in die Fußtapfen des Prätendenten zu treten; das Lilienbanner ist für sie vollends unannehmbar. Käme es in Frankreich , überhaupt jemals wieder zur Ausrichtung eines Königsthrones, so könnte dieser sich doch nur auf der Basis des modernen Staatsbegrifies erheben. Gegenwärtig ist dieser, der moderne Staatsbegriff, in Frankreich aber durch die Republik verkörpert, und nach der Willensmeinung des Volkes mit der republikanischen Negierungsform untrennbar verbunden. Eine öffentliche Aktion, die sich von anderen als republckamschen Gesichtspunkten leiten ließe, ist heutigen Tages jenseits der Vogesen einfach un­möglich, und eine Orleanisirung des Landes auf monarchischem Wege erscheint mithin nach Lage der Umstände, absolut ausgeschlossen. Deshalv ist auch nicht im Ernste daran zu denken, daß den Orleans einfallen könnte, chre bisherige Reserve, jetzt, nach dem Tode des Grasen Chambord, in irgend einer Weise, die den republikanischen Machthabern verdächtig erschiene, zu modifictren. Das Damoklesschwert der Ausweisung aus Frankreich und der Confiscirung ihres Jmmobiliar-Besitzes hängt unmittelbar über den Häuptern der längeren Linie, und sie kennen das Prekäre ihrer Lage viel zu gut, um ein Risico zu

wagen, bei welchen der mögliche Gewinn zu dem sicheren Verlust in gar keinem proportionalen Verhältnisse steht. Der Einstust, den das Ableben des Grasen Chambord auf die fernere Entwickelung der Sache des französischen Königthums haben wird, dürfte sich daher vorerst ganz im Geheimen betätigen und äußer­lich höchstens danach beurtheilen taffen, wie sich das Verhältniß der bisherigen Anhänger des Grasen Chambord zu den Prinzen der jüngeren Linie gestaltet. Die hohe Politik bleibt ganz aus dem Spiele; das Kronprätendententhum Heinrichs V. sinkt mit der Person seines Trägers in die Gruft.

Paris, 25. August. In Bezug auf den Tod des Grafen Chambord heben die republikauischeii Blätter hervor, mit dem Grasen fei die Doctrin des königlichen Rechtes von Gottes Gnaden verschwunden. DieRöpubl. fraupaise" meint, unter den gegenwärtigen Umständen sei der Tod des Grasen kein politt- sches Ereigniß. DasJournal des Debats" bemerkt, dieser Tod könne das republikanische Regime, welches durch eine weit überwiegende Majorität des Landes angenommen sei, nicht erschüttern. Die monarchischen Blätter glauben, daß eine ausrichtige und vollständige Einigkeit der royalistischen Partei gesichert sei. DerSolell" führt aus, die Stunde sei noch nicht gekommen , zu sagen, welche weiteren politischen Folgen der Tod Chambord s haben könne. Das königliche Haus in Frankreich sei mit ihm nicht verschwunden; die ältere Lime sei zwar erloschen, die jüngere lebe aber fort. _ . m .

DerGaulois" hält es für wahrscheinlich, daß der Gras von Pans den Mächten den Tod Chambord's durch ein Schreiben notificiren werde, wie es bei solchen Anlässen unter Fürstlichkeiten üblich ist, und bemerkt, dasselbe solle den Journalen nicht mitgetheilt werden. Der Gras werde gleichzeitig erklären, daß er die ihm durch seine Geburt zustehenden Rechte übernehme. -- Die Generalräthe der Vendse und der Loire-Jnsörieure hoben gestern zum Zechen der Trauer ihre Sitzungen aus. QT

Der Marineminister erhielt die folgende, aus Sargun, 25. August, datirte Depesche: Das in Saigun eingelaufene SchiffDrac" hat die Nach­richt von dem stattgefundenen Bombardement der an der Mündung des Flusses von Hue gelegenen Forts und Batterien und von der nach einem glänzenden Landanariff stattgesundenen Belagerung gebracht. Die Operationen haben am 18 19 und 20. August stattgefunden. Die SchifteVipöre undLynx sind in die Straße Thuanan eingelaufen. Die Anamiten haben 700 Todie und zahlreiche Verwundete, die Franzosen mehrere Leichtverwundete (?'. Der Ad­miral hat einen Waffenstillstand bewilligt. Der Civilcommiftär Harmand ist am 22. August nach Hue gegangen, um mit dem sehr in Schrecken gesetzten Hof zu verhandeln. Die Blokade ist erklärt.

Zeutschland.

Darmstadt, 26. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnä^'gs^g ^m Steuercommiffär des Steuercommiffariats Darm­stadt Steuerrath Jacob Rau, das Ritterkreuz 1. Klasse, dem Kammer­musiker i P Ferdinand Bauer und dem Baumeister Ludwig Harr es in Darmstadt das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienst-Ordens Philipps des Groß- muthigen öuverleilM.b^ Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 22. Juli die Finanzaspiranten Leonhard Petry aus Groß-Rohrhemi und Georg Göbel von Dautenheim zu Hauptsteueramts - Assistenten 2. Klasse- bei den Hauptsteuerämteru Mainz bezw. Darmstadt zu ernennen;

am g Auoust den Districtseinnehmer der Distnetseinnehmerel Laubach, Karl Reinhard Frank, in gleicher Diensteigenschast in die Districtseinnehmerei Wald-Michelbach, sowie den Districtseinnehmer der Districtseiunehmerei Wald- Michelbach, Georg Friedr. Euler, in gleicher Diensteigenjchaft in die Distncts- einnehmenü^aubach^zUstversetz^n^n ftottfl(f$£n Ermittelungen über die Produktions- kästen her Steinkohle entnehmen wir folgende Daten: Die an Ort und Stelle ge- söisieNe^SMnkoble kostet per Tonne: In Frankreich 12,43 Frcs., 'n Ungarn 10 67 Frcs. tn England 10,56 Frc«., in Spanien 10,55 Frcs., in Bayern 10,40 Frcs., in Relaten 9 70 Frcs.; in Sachsen 7,96 Frcs., in Oesterreich 6 Frcs; in Preußen end­lich 5 63 Frcs- Wie man steht, halten Frankre ch und Preußen die Preis-Extreme inne, auffallend erscheint, daß bte englische Kohle relativ so beträchtliche Forderungskosten aufweist, welche im Verhältniß zu Preußen 'nahezu das Doppelte ausmachen, wahrend gleichwohl die übermächtige Concurrerlz der englischen Kohle auf dem Weltmärkte, und selbst an einigen deutschen Plätzen notorisch 'ft Keinesfalls können die Fosderungs- foften für den Marktpreis der Kohle den ausschlaggebenden Fakior bilden. Als dtesen muß man vielmehr, wie es thatsächltch auch zutrifft, die Süßere oder geringere Wohl­fahrt der Transportmittel ansehen. In England hat man überall den Wasserweg zur F>and oder doch in nächster Nähe, ein Umstand, der die Transportkosten der englischen Kohle auf ein Minimum crmedrigte und cs auf diese Weise irmoglicht, daß das werth­volle Brennmaterial noch mit Voriheil nach den fernsten Stationen der Küstenländer des Stillen Ocear s exportirt werben kann, indeß unfeic westfalische Kohle, trotzdem sie der englischen qualitativ mindestens gleichwerth-.g, diese letztere "och nicht einmal vom. deutschen Markt völlig zu verdrängen im Stande gewesen ist, weil ihr eben der um geheure Vortheil eines billigen und leistungsfähigen Wesser-Transportwegs mange.t- Milder Herstellung des Kanals Dortmund - Emshafen würde auch hierin ein der westfälischen Kohle zu immensem Nutz-n gereichender Wandel geschaffen werden.

Kaffel, 25. August. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz besichtigte heute Vormittag die hier garnisonirenden Truppentheile und empfing hieraus die Ver­treter der Stadt, die um eine Audienz nachgesucht hatten. Das Dmer wird Se. K. K. Hoheit bei dem commandirenden General, General der Kavallerie

Knglaud.

London, 25. August. Die Thronrede, mit welcher das Parlament heute ge­schloffen wurde, betont bte Fortdauer der guten Beziehungen zu dem Auslande. Die Londoner Conferenz zur Regelung der freien Donauschifffahrt habe durch versöhn­liche Haltung der dabei betheiligten Länder zu einem günstigen Resultate geführt. Das Werk der administrativen Reorganisation Egyptens habe, obwohl es inrt Punkten durch den Ausbruch der Cholera verzögert &

schritte gemocht. Die Bemühungen derKoutgin, die vertragsmäßigen Rechte, die Ruhe im Orient und die Wohlfahrt des egyptischen Volkes aufrecht zu erhalten, seien un- vnSndert bteklben Die durch die französischen Operationen in Madagaskar hervor­gerufenen Zwischenfälle bildeten den Gegenstand von Verhandlungen nut der lranzosffchen Regierung^ Dieselben würden in freundschaftlicher Weise geführt nnd ohne Zweifel befriedigende Resultate ergeben. Bet diesen Zwischenfällen sei die Aufmerkiamkei^: der Königin stets auf Alles gerichtet gewesen, was die Rechte und Fre^hesten ihrer Unte - tbanen angehe Die Hoffnungen für die Wiederherstellung der Ordnung und eines dauernden FriedcnszustLirdes im Zululande hätten sich nicht verwirkltcht; der Versuch, eine C°n°-K°n mit bcm Traas^ta-dM° ab»ufd)Ue6en, h-b-zu keinem W flenb n Resultate aefübrt Was die erste Frage angche, so werde die Königin die ^'eyeryc i bex Grenze von Natol immer im Auge behalt. 3n AunOeS^M^al

zwischen bet englischen Regierung unb ben Abgesanbten der R-g'e un» °es ^ransoor gebiels verhonbeli werben" ®ie Lag- J-lanbs sei «ne I>efrm.e Mb. nahm- bet agrarischen Verbrechen bemerkbar sei unb bie, M°rb0^M^aNen bmcy bi- Entb-ckung unb Bestrasung ihrer M-tgl'-b-r -mpftablich 0-"°st

Rest ber Rebe sührt bte Gesetze an, welche wahr-nb bet letzten <->e,,ron angenommen worben sind.

Schweden.

Stockholm, 25. August. Die von einigen Blättern verbreitete Nach- richt über angebliche Waffenverkäufe Seitens der fchwedüchen Regierung nach Ostasien^fowie in Betreff einer diesbezüglich in Stvckho m

(dien Note ist grundlos. Der französtsche Gesandte hat Lediglich das Rund schreiben über die Controle der nach Anani gehenden Schine übergeben.

Koltand.

25 Auat'st Die internationale Ausstellung wurde heute Amfierdam, 2 . g..l von bem Bürgermeister dem

Bete säsb«? w

Rußland.

25 Auaust. DasJournal de St. P^tersbourg"

welchem ein Urlaub zum Gebrauche der Kur bewilligt worden ist. Wahrend