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Politische Ueberflcht.

Gießen, 26. Januar.

Das Interesse an unseren innerpolitischen Angelegen­heiten beschränkt sich jetzt der Hauptsache nach ans die Verhandlungen des Reichstages, die seit vorigen Sonnabend der Fortsetzung der Berathung des Reichshaushalts-Etats gewidmet sind. In dieser Woche beschäftigte sich der Reichstag zunächst mit dem Specialetat des Reichsheeres, dessen Berathung die Montags-Sitzung gewidmet war. Die verschiedensten Dinge kamen in der Debatte, die hauptsächlich zwischen den Abgg. Schott (Volküpartei), Richter- Hagen, Dr. Windthorst und Kayser (socialdem.) einer- und den conservativen Abgg. v. Minnigerode und v. Maltzahn-Gültz, sowie dem preußischen Kriegü- mintster v. Kamele anderseits spielte, zur Erörterung- die militärische Straf­rechtspflege, die Mißhandlungen der Soldaten, das Ueberwiegen des adeligen Elementes im Osficier-Corp- des Reichsheeres, die Kostspieligkeit der Kürassier- Regimenter und des Garde-Corps, die bekannten Fälle von Schleinitz und des Füsiliers GLrntner u. s. w., wobei sich namentlich zwischen dem fortschrittlichen Abg. Richter-Hagen und dem Kriegsminister v. Kameke eine ziemlich gereizte Controverse entspann, schließlich würben jedoch sämmtliche Etatspositionen be- willi^t. Am Dienstag genehmigte der Reichstag zunächst die noch übrigen Theile des ^eeresetats, sowie den Marine-Etat und ging dann zur Berathung des Etats des.Reichsjustizamtes über. Derselbe gab zu verschiedenen Beschwerden und Wünschen aus dem Hause und zu Repliken vom Bundesrathü-Dische Anlaß. Doch wurde schließlich auch der Reichsjusnz-Etat genehmigt- die weitere Be- rathung des Reichshaushalts-Etats setzte das Haus m seiner nächsten Sitzung am Donnerstag fort und wird dieselbe wohl noch in dieser Woche zu Ende geführt werden.

JnOesterre ich-Ungarn tagen gegenwärtig die Parlamente beider Reichshälsten, deren Verhandlungen in vieler Woche auch für weitere Kreise BemerkenSwerthes boten. Im Sprachenanüschusse des österreichischen Abgeord­netenhauses gelangte am Montag der Antrag des liberalen Abg. Wurmbrand zur Berathung, hie Regierung auszufordern, auf Grund von Artikel 19 des Gesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger einen Gesetzentwurf ein­zubringen, wonach unter Festhaltung des Deutschen als Staatssprache der Ge­brauch der landesüblichen Sprachen in Amt, Schule und öffentlichem Leben geregelt werden soll. Der Antrag wurde jedoch nach kurzer Debatte abgclehnt und bei der den Deutschliberalen ungünstigen Zusammensetzung des Abgeordne­tenhauses ist keine Aussicht vorhanden, daß der Antrag im Plenum zur An­nahme und somit die Sprachensrage zur definitiven Regelung gelangt. Das ungarische Unterhaus dagegen hatte am Montag und Dienstag wieder einmal seineJudendebaUe", zu welcher die Interpellation des Tapolczaer Wahlbe­zirkes um Aufhebung der Juden - Emancipation Anlaß gab. Abg. Jstoczy « Antisemit) trat für diesen Vorschlag unter maßlosen Ausfällen gegen das Judenthum ein, während namentlich Abg. Jokai unter lautem Beifall des Hauses »ich entschieden für die volle Gleichberechtigung der Juden erklärte. Auch Ministerpräsident Tisza stellte «ich in seinen Amtsführungen im Ganzen auf den Standpunkt des Abg. Jokai und betonte, daß der Antisemitismus auf gesellschaftlichem Wege zur Austragung gelangen werde. Die weitere Debatte über diesen Gegenstand wurde auf nächsten Sonnabend vertagt.

Das französische Cabinet Duclerc hält einen Ministerrath nach dem andern ab, was von der Rathlosigkeit des Ministeriums in der Affäre des noch immer verhasteten Prinzen Napoleon und der Prinzen von Orleans zeugt. Daß unter diesen Umständen die Gerüchte von der bevorstehenden De- Mission des Eabinets Duclerc immer bestimmter auftreten, erscheint erklärlich und die Lago des Ministenums, welches einerseits in Besorgniß vor bonapar- tistiichen und royalistischen Putschen, andererseits vor radikal-anarchistischen Be­wegungen schwebt, ist allerdings keine beneidenSwerthe. Die Entscheidung in dieier ganzen Angelegenheit liegt bei der Deputirtenkammer, welche unter drei Anträgen zu wählen hat: den der Regierung, nach deren Vorlage es im Allge- memen dem Präsidenten der Republik anheimgestellt wirb, die Ausweisung von Prätendenten aus den französischen Dhron nach seinem Ermessen anzuordnen den des Deputirten Floquet (sortgeschr. Republ.) aus Ausweisung sämmtlicher Mitglieder ehemaliger Regentensamilien Frankreichs und den Antrag des radi- kalen Deputirten Ballue auf Entfernung der Prinzen Orleans aus der Armee. Da bei der am Dienstag in den Kammer-Bureaux stattgefundenen Wahl von Mitgliedern der Commission, welche sich mit der Vorberathung dieser Anträge zu beschäftigen hat, die meisten Stimmen aus die Anhänger des Floquet hchen Antrages fielen, so erscheint dessen Annahme auch im Plenum der Kammer als ziemlich gewiß und letzterer Umstand würde dann wohl die Demission des Cabi- netS Duclerc nach stch ziehen.

Das Rencontre, welches der italienische Consul in Tripolis jüngst MU einer türkischen Schildwache hatte, hat die Pforte zu verschärften In- ilructwnen an alle Schildwachen und Wachposten veranlaßt. Demzufolge können die Posten gegen Jeden, der ihren Instructionen entgegenhandelt, nach erfolgter Aufforderung von den Waffen Gebrauch machen. Die Pforte theilte dies den Botschaftern rn einer besonder« Siote mit.

Telcstrnphische Depeschen.

Wolff« telegr. (correspondenz-Bureau.

Berlin, 25. Januar. Heute, am SUberhvchzeitstage, bejeunirte bas kronprinzliche Paar uni 9 Uhr mit den Baden'schen und ben Ebinburgh'schen Herrschaften, nut dem Prinzen und der Prinzessin Albrecht, dem Prinzen Wil- Helm und der Erbprinzessin von Meiningen und empfing um 10 Uhr die Gra- tulation der Majestäten. Um 11 Uhr statteten der Kronprinz und die Kron- Prinzessin den Majestäten einen Gegenbesuch ab und empfingen uni 12 Uhr bie Gratulation ber Mitglieder der königlichen Familie. Die Linden und die an­grenzenden Straßen waren festlich beflaggt, eine dichte Menschenmenge bildete zwischen dem Palais des Kaisers und des Kronprinzen Chaine und empfing die Majestäten und Höchsten Herrschasten mit enthusiastischen Kundgebungen.

~ Unter den dem kronprinzlichen Paare heute zugegangenen Glückwunsch- Adressen befindet sich auch eine von dem Breslauer Fürstbischof Namens des preußischen Episcopats übersendete.

Die in heutiger Stadtverordneten-Versamnüung verlesene Antwort des Kaisers auf das Beileidschreiben des Magistrats und der Stadtverordneten lautet:

Deutschland.

Mainz, 23. Jan. Der Großherzog hat in einem Schreiben des Herrn ^taatsmmisters v Starck der gesammten hiesigen Garnison Officieren und Mannschaften seine höchste Anerkennung über die der Stadt Mainz während der jüngsten WafferSnoth geleisteten Hülse aussprechen lassen. Das Schreiben welches dem hiesigen Gouvernement zugesendet worden war, wurde der gesamm- t<n Mannschaft der Garnison aus der Parade zur Kenntniß gebracht.

^nuar. DieBerl. Polit. Rachr." schreiben: Frank- rei$ steht am Vorabend wichtiger Ereigniffe. Das Cabinet Duclerc kämpft um leine Existenz, aber alle Symptome deuten daraus hin, daß es den Einsatz ver- lieren werde. Die gouvernementale Kammermehrheit hat sich über Nacht in ihr Gegentheil verwandelt, und wie es scheint, ist die vom Ministeriunl ver­langte Bewilligung diScretionärer Machtbefugnisse gegen das Prätendententhum dftr Stein des Anstotzes gewesen. Ob man die der Republik von Seiten ehr- geiziger Thronbewerber drohende Gefahr für real anerkennt, ober sie nur als 1 orwano benutzt, um einer gründlich abgewirthschafteten Geschästüleituna ben biufpafc zu erthellen, wirb sich ehestens Herausstellen müssen. Was die An- Ichauungen der hiesigen, politisch informirten Kreise über die jenseits der Vogesen iich anbahnniden Vorgänge betrifft, so gehen fie dahin, daß dies eine innerste

»ES ist eine traurige Veranlassung, welche den Magistrat und die Stadt- verordneten in liebevoller Anhanglichkeit bewogen hat, mir mit der Zuschrift vom 22. Januar zu nahen. Das darin bekundete Mitgefühl mit meinem Schmerze um ben Verlust meines mir noch verbliebenen einzigen Brubers bes treuen Gefährten meines Lebens, hat burch ben herzlichen Eindruck mir beson- berö wohlgethan. Rheinen innigsten Dank spreche ich ben Vertretern meiner Haupt- und Residenzstadt für ihre Theilnahme aus,"

. f^anar N^ichStag. Der Präsident gedenkt deS heutigen Tages der silbernen Hochzeusseier deö kronprinzlichen Paares. Daü Haus erhebt stch von oen öihen.

bcr<i?aflmorbvnunfl bu Interpellation Schulze-Delitzsch'« bezüglich deS NebverkehrS. Der öundeScoinmissar antwortet, die bezügliche Gesetzes­vorlage werde dem Vundeörath baldigst zugehen. Da« HauS setzt sodann die Etat«' berathung fort - Der Direktor im Reichüetsenbahnamt, Körte, erwidert auf die Be­merkungen v- Goler S, bezüglich der Einschränkung deS Sonntag«.BahnverkehrS, deS ^aer «n*nb^b^ Dauer de« Dienste« für die Subaltern - Etsendahnbeamten, die« sei wesentlich Sache Der Einzelstaaten. Die Bahaunfälle zu Heidelberg und Hugstetten ? e. ergeben, durch eine UeberbÜrdung der Bahnbeomten nicht herbci- ?Cj abru* Revision der Tarife würden die Interessen der Landwtrtdschaft mög-

berückstcht'gt werden. Der Reichstag genehmigte schliehlich den Etat dr« Rctchtz- I Eisenbahnamts unter Streichung einer Sekrctärstelle und unter Ablehnung der beantragten Verstärkung Dcfi Dispositionsfonds, ebenso den Etat de« Rechnungshöfe«

Angelegenheit ber Franzosen und für Europa bie Rolle beö zwar aufmerksamen aber strengstens referoirten Zuschauers die allein correcte ist.

24. Januar. Das (Somite ber Abgeorbneten aus ben über­schwemmten Gegenden hat in Folge seines früheren Ausrufs gegen 40,000 Je Es hielt heute eine Sitzung ab und beschloß, mit ber Vertheiluna ber (Selber bis auf Weiteres zu warten, um bessere Übersicht beö Standes ber J otb zu^ erhalten. In bas Executiv-Eomitv würben gewählt: Reichensperaer Groß, ^chröber-Friedberg, Köpfer, Büchner, Reinhard.

.. Wie weit verbreitet in ber Provinz Sachsen bie Mißstimmung über bie vom Obeiprasideilten v. Wolff erlassene Polizeiverorbnung betreffs ber Sonn- tagsfeler ist, geht aus bem Umstande hervor, daß bereits aus 246 Städten und Ortschaften der Provinz an das Magdeburger Eentral-Comilö die Mittheilunq gelangt ist, daß man der Petition gegen bie Verordnung beitreten will.

, . . Januar. Von dcu milden Sti^lrngen, die zu Ehren de« fronpnni;

,^cn silbernen Hochzeusfeste« gemacht wurden, nennen wir die folgenden: Die von ^orntkE! durch ganz Deutschland gemachten Sammlungen'haben den i^rmrnhf? ^A1^00 ^.Aoeben. Dieselben lollen zu einem wohltbätigen Zwick

verwendet werden dessen Bestimmung dem kronprinzlichen Paare überlassen ist. »Zur ( riuirbung dne« Grundstück« sür da« V ktoria r!yceum ist durch ein Comite an denen ^at.bor steht, eine namhafte Summe

tMr!h^Oünn<r2t,^?n hl Dt' ^K1 ^r5b-Cr bat alä-ö<itrafl zur Erbauung einer englischen b!^b;V'bti benutzten Räumlichkeiten hn Monbijoupalai-r D b l iS'* für b,e 200,000 JL gegeben.

5,. 00N 118,000 soll zur Errichtung eine« ^rankenpflegerinstltuts dienen

Die Urkunde dazu wird dem kronprinzlichen Paare in den nächsten Tagen durch eine 7H(^n Oderretcht werden. Zu d.m Geschenk der zehn Städie, dem Speisesaal, sind

Xnült btUUrfttM 6um,nt °°n 800,000 ^flnbunaeU hrifl. Januar In britischen Martnekreisen wird das Unglück der .Ctm:

bria , welche- übrigen« auch von der gesammten Londoner Presse die theilnehmendste Besprechung krfahrt, namentlich auch unter fachmännischen Gesichtspunkten eifrig er- S? ieb;nfQt19 bcr Ulnnanb beiträgt, daß der in so entsitzl.cher We.se verun glückte Pastog erdamprer auf den Clydewcrften vom Stapel gelassen, mithin ein Pro dukt der englischen ^chiffSdaukunst ist. Bekanntlich hatte auch bei der($imbrtaN Dao ThflÄrh ?ten .^"z'lcibtbeilung Anwendung gesunden und z'eht man nun auö ba ^datsache de« rapiden sinken« derCimbrta- den Schluß, daß jene« System unh Lnfc H'"ltcht d.e erwarteten Garantiecn wider die Gefahr des Sinkens g^)ähre f solide konstrutner moderner Oceandampfer von einem anderen

Schiffe l^^uer Art so leicht in Den Grund gebohrt werden könne, als seien seine »JBanD- unic.nfaB 3*nn dergdtellt. ferner müsse heutzutage der Rebel auf See al« der gesährlichiic ^eind deü SchtffverkehrS bezeichnet werden, gegen den auch die minutiösesten und vervollkommneisten Vorsichtsmaßregeln fdnen durchweg ausreichenden Schutz zu

DSrm06en* . ^Q bie Gefahren de« Rebel« würden in Zukunft noch wachsen, maI hm?n Hauptverkehrsstraßen würden und je widerstandSloier die OMferlinVc6rnnjicrt mObn< gegen Verletzungen unterhald der

. verläßlichen Pariser Insormationrn geht hervor, daß der ^mvort

auTb^m £tU l<hnfl? ®AhnffrCt<6 ""obläsfig in Zunahme begriffen ist und daß auch mLni I V Ä bMk( 1\b,rlleflCrl< Concurrenzfahlgkeit der deutschen vor der sranzö- Sn*? bUnr e da« Absatzgebiet der ersteren aus Kosten der letzteren stetig vergrößert D ^gunst und Empstndltchkdt unserer westlichen Rachbarn sucht den Grund dieser Erscheinung einmal darin daß der billigere Pre.« der deutschen Fabrikate, trotz ihrer qualitativen M'nderwerthtgkett, entscheidend in'« Gewicht falle, Dann aber auch in dem Umstande, daß die deutsche Industrie gleichsam unter falscher Flagge segle sofern si- gewisse Jffaleflonen ihrer Artikel, wie z. B. Knöpfe, Franzen, Bänder rc als nnou- de ' -yu,clM d® p*ri8 verkaufe, jedenfalls auer durch ihre ganze Ge- chättSpraxi« .den Markt Derberbe*. So erfreulich auch die au« voistehenden Mit- ibeilungen sich wieberum ergebrnbe Thatsache ist, daß der deutsche Gewerdfleiß tm ^üelkverkehr zu neuen Ehren gelangt, umsomehr sollte unsere heimische Industrie Die mir erft oor «urjetn unter fpedeUem Hinweis auf die Gonjuntturen ber Hui- m i °" D-inenkonseklwn betonten - stch oon all' und jedem undeutschen Gebahren, besonders auch von der Anwendung fremdländischer Etiketten rc gründlich emanc'plren. Auch hierin müssen wir un« auf streng nationale Grundlage stellen.

Amerika.

New.Aork, 24. Januar. Macpherson ist zum Senator für New- Persey wieder qewählt worben. Bei Curnberlanb ,'Ntarylanb) entgleiste ein Kohlenzug und stürzte bie 100 Fuß hohe Einfriebigung hinunter. 4 Personen würben getübtet, mehrere verwunbet.

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