ist der Art, daß die Vormittagsstunden dem Abgeordnetenhaus, die NachmittagS- stunden dem Reichstage reservirt sein sollen, stößt jetzt auch auf den Widerspruch der Rationalliberalen, denn es ist schon von dieser Seite erklärt morden, daß sich ein weiteres Rücksichtnehmen auf das Abgeordnetenhaus nur unter den schwierigsten Umständen würde durchführen lassen; man darf wirklich begierig sein, wie sich dieses Delemma lösen wird.
Vom Reichskanzler ist angeordnet worden, daß für Rechnung des Reichs von den Zwanzig-Pfennigstücken ein Betrag von 3 Mill. einzuziehen und je zur Hüfte in Ein- und Zweimarkstücke umzuprägen sei, und daß bei Vertheilung dieser Prägung auf die einzelnen Münzstätten die in dem Bundesrathsbeschluß vom 19. Februar 1877 Punkt 3 bestimmten Procentsätze mit der Maßgabe zu Grunde gelegt werden, daß der bisher der Münzstätte in Darmstadt zugewiesene Procentsatz den übrigen Münzstätten nach Maßgabe ihrer Verhältnisse zuwächst.
Der bisherige Verlauf der Specialdebatte im österreichischen Abgeordnetenhause über die Novelle zum Volksschulgesetz läßt die schließliche Annahme derselben in der Schlußabstimmung kaum mehr zweifelhaft erscheinen. Freilich wird die Rechte nur mit sehr wenig Stimmen-Majorität siegen, aber was schadet das? Das Werk der klerikalen Partei ist dann doch gerettet! Höchst unangenehm ist es für die Rechte und speciell für den Czechen-Club, daß ein Mitglied desselben, Professor Tilscher, sich entschieden gegen die Novelle erklärt und consequenter Weise auch für den Antrag der Linken auf Uebergang zur Tagesordnung gestimmt hat. Dem genannten Abgeordneten sind dafür aus seinem eigenen Wahlkreise wie auch aus den übrigen Theilen Böhmens Anerkennungs-Zuschriften eingesandt worden, eilt Beweis, daß ein großer Theil der czechischen Bevölkerung mit der Haltung des Czechen-Clubs in der Frage der Schulnovelle gerade nicht ganz einverstanden ist. In Folge der „Widerspenstigkeit" des Abg. Tilscher plant man dessen Ausschließung aus dem Czechen-Club.
Die von der französischen Deputirtenkammer zur Vorbe- rathung des Renten-Convertirungs-Gesetzes eingesetzte Commission hat dem betr. Projecte ihre Zustimmung ertheilt. Trotzdem ist hiermit noch nicht gesagt, daß das Gesetz auch in der Plenarberathung glatt durchgehen wird, denn namentlich auf radikaler Seite ist die Umwandlung der vom Finanzminister Tirard geplanten großen Anleihe in eine 4'/2procerttige Rente auf lebhasten Widerspruch gestoßen und dürfte man hier diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, Herrn Tirard etwas am Zeuge zu flicken. Von der Durchführung dieses Pro- jectes hängt überhaupt die Stellung Tirard's ab und ein Scheitern des Gesetzes müßte auch den Rücktritt des Finanzministers nach sich ziehen, dessen Ersetzung durch Leon Say ja ohnehin als eine Frage der Zeit gilt.
Die Engländer haben in letzter Zeit zwei neue „Colonien" gegründet. An der Westküste Afrikas ist von ihnen unweit der Neger-Republik Liberia ein großer Strich Landes in Besitz genommen worden und in der Südsee hat die englische Regierung in aller Form Besitz von der Insel Neu- Guinea ergriffen. Um die neue afrikanische Erwerbung braucht man die Engländer gerade nicht zu beneiden, da das Klima in der dortigen Gegend eines der mörderischsten in ganz Afrika ist. Was aber Neu-Guinea anbelangt, so kann man dessen Annexion nur als m jeder Beziehung vortheilhaft für England bezeichnen und namentlich wird die günstige maritime Lage Neu-Guinea's dem englischen überseeischen Handel neue Chancen eröffnen. Dabei hat aber die englische Regierung fortwährend die Bestrebungen der Franzosen, ihre Colonien in Ostasien und auf Madagaskar zu erweitern, im Auge und erst kürzlich ist ein englisches Kriegsschiff nach Madagaskar abgesandt worden, um hier das Vorgehen der Franzosen zu überwachen.
In Norwegen befindet sich der Conflict zwischen der Regierung und dem Storthing noch immei in der Schwebe. Die Aussichten auf einen Com- promiß sind jedoch nicht sehr günstig, denn auf einer in voriger Woche in .Christiania abgehaltenen Versammlung der Mitglieder der Rechten des Stor- 'things erklärten sämmtliche Mitglieder, daß sie dem von der Linken vorgeschlagenen Compromiß nicht zusummen könnten. Die Rechte will durchaus Art. 12 des norwegischen Grundgesetzes, welcher die Bestimmungen über das königliche Veto und über die Verantwortlichkeit der Minister enthält, aufrecht erhalten wissen, während man auf der Linken die Beseitigung desselben anstrebt. Vorläufig hält die Majorität des Storthings das Anklageverfahren gegen die Mitglieder des Staatsrathes aufrecht und falls auch der Reichsrath dem Anträge des Storthing's, das Ministerium in Anklagestand zu versetzen, zustimmt, so erscheint die Demission des Ministeriums unausbleiblich.
Fürst Alexander von Bulgarien hat am Sonnabend die türkische Hauptstadt, wo er Seitens des Sultans sich einer so zuvorkommenden Aufnahme zu erfreuen hatte, wieder verlassen und sich nach Jerusalem begeben. Jedenfalls hatte der Besuch des Bulgarenfürsten in Konstantinopel in erster Linie den Zweck, die Beziehungen zwischen der Pforte und Bulgarien zu klären, welche durch die Agitationen der großrussischen Partei in Sofia in der letzten Zeit eine ziemlich bedenkliche Trübung erfahren hatten. Der jüngste Wechsel im bulgarischen Ministerium, welcher in ruffenfreundlichem Sinne erfolgte, hat auch in Stambul großes Mißtrauen erregt und so hat Fürst Alexander jetzt die beste Gelegenheit gehabt, den Sultan über sein Verhältniß zur großrussischen Partei aufzuklären. Inwieweit dies dem Herrscher der Bulgaren gelungen ist, dürfte wohl die allernächste Zeit lehren.
Die Einäscherung des Parlamentsgebäudes inQuebec, der Hauptstadt von Canada, soll nach neueren Nachrichten keineswegs em fenisches Bubenstück, wie ursprünglich vermuthet wurde, sein. Vielmehr ist der Brand durch electrisches Licht entstanden und somit sind auch alle jene Combinationen hinfällig geworden, welche bereits an dieses Ereigniß geknüpft woroen waren. Trotzdem ist kaum zu bezweifeln, daß die fenische Agitation gerade von amerikanischem Boden ihren Ausgang nimmt und daß sie hier wie in Irland aus das Sorgfältigste organisirt ist. Wenn ungeachtet dessen von fenischen Ausschreitungen auf amerikanischem Boden noch nichts bekannt geworden ist, so scheint dies eben dafür zu sprechen, daß vorläufig das englische Mutterland den ausschließlichen Gegenstand der fenisch-irischen Angriffe blldet.
Aeutschrand.
Darmstadt, 24. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 18. April den Hauptsteueramts-Assistenten 1. Klaffe, Georg Batten- seld zu Mainz, zum Districtseinnehmer der DistrictSeinnehmerei Mainz II zu
Berlin, 21. April. lieber bte BundeSrathssttzung, in welcher beschlossen wurde, den Eingaben wegen Beseitigung der postalischen Berschtedenheiten im deutschen Reiche keine Folge zu geben, verlautet noch, daß Seitens des hessischen Bevollmächtigten beantragt war, die Verhandlung noch auszusetzen, weil die zwischen der Ausschuß- und der Plcnarberaihung des Gegenstandes verstrichene Frist zur Einholung von Instruktionen nicht ausrelchend gewesen fei. Der Antrag wurde indeß mit allen geg n die Stimme Hessens abgelehnt. Nach den Ausführungen d:s Referenten. Mintsterresidenten Dr. Krüger, geht das Uebereinkommen zwischen der PoftverwaUung des Reiches einerseits und den Postvermaltungen Bayerns und Württembergs andererseits dahin, daß Postkarten innerhalb des Reichsgebiets, welche nt-it mit den Werthzeichen des Aufgabe- gebiets, sondern mit dem einer andern deutschen Postverwaltung versehen sind, gegen Erhebung von 5 H Porto und 5 H Zuschlagsgebühr befördert werden, wobei die unrichtig verwendeten Postwerthzeichen des Besttmmungsgebtetes dem Empfänger gut gerechnet werden.
— Die Londoner internationale Fischerei-Ausstellung, deren Eröff ung demnächst bevorsteht, wird sich zugleich auch als eine EUktric iäts-Ausstellung präsentiren. Ein Motor von tausend Pferdekräften soll nämlich daselbst etabl>rt werden, und verschiedene Gesellschaften schicken sich an, größere Abthetlungsräume des Ausstellungsrayons nach ihren resp. Systemen zu beleuchten. In erster Linie nennen wir die bekannte deutsche Firma Siemens, welche eine große Gallerte mit einer entsprechenden Anzahl Glühlampen beleuchten wird, wovon die Londoner sich einen prachtvollen Effekt versprechen. Man nimmt an, daß bis zum 12. Mai die Ausstellung eröffnungsberett sein dürfte.
— Das von den französischen Interessenten eifrig befürwortete Projekt der Simplonbahn findet in Italien eine mehr als kühle Aufnahme. Daß Frankreich danach strebt, sich eine Mittelbahn zwischen dem Mont-Cenis und dem Gotthard zu eröffnen, in der Absicht, dem Gotthard eine Concurrenz zu bereiten, ist ebenso bekannt, wie die Befürchtung, welche es dazu veranlaßt, nämlich jene, die französischen Produkte auf dem italienischen Markte durch die deutschen verdrängt zu sehen. Halten die Franzosen und Schweizer d-esen neuen Verbindungsweg für nothwendig, so mögen sie ihn — räch die „Opinione" etwas maliziös — getrost mit ihrem eigenen Gelbe bauen. Wie von Ameisen im Rasen wimmele es gegenwärtig tn Italien von deutschen Handlungsreisenden, welche schaarenweise durch den Gotchard Italien überschwürmen. Wolle Frankreich diese deutsche Concurrenz absolut aus Italien verdrängen, so sei dasselbe ja reich genug, um das für den Simpion zu thun, was Italien für den Gotthard that. Vom wirthsckaftlichen Gesichtspunkte aus kann Italien einstweilen mit den drei großen Bahnen des Mont-Cenis, des Gotthard und des Brenner mit der Nebenlinie deS Pontebba, deren Thätigkeit immer mehr durch die neuen Bahnen von Ventimiglia und Cormons eingeschränkt wird, zufrieden sein und es mit Ruhe abwarten, daß sich das Leben auf diesem immensen Eisenbahnsächer in nutzbringender Weise entwickelt.
Frankreich.
Paris, 21. April. Gestern Abend hielt der deutsche HÜlfsverein seine Generalversammlung unter dem Vorsitze seines Ehrenpräsidenten, des deutschen Botschafters Fürsten Hohenlohe, ab. Der wirkliche Präsid nt des Vereins, v. Reicher, bayrischer Geschäftsträger, trug dm Jahresbericht vor. welcher ziemlich günstig lautete, obgleich sich ergab, daß die Zahl der Deutschen, dir beim HÜlfsverein um Unterstützung nach- suchen, in erschreckender Weise zun mmt. Die Zahl der Deutschen, die auf gut Glück nach Paris, wo heute alle Geschäfte barnieberltegen, gekommen sind und sich tn der höchsten Noth befinben, nachdem sie ihr letztes Geld verzehrt haben, ist sehr groß und man kann denen, welche sich nicht 'm Voraus eine Beschäftigung in Paris gesichert haben, oder nicht über bedeutende Geldmittel verfügen, nicht genug von PariS aorathe«. D-e deutsche Colonie thut sehr viel, um ihren hier in's Elend geratenen Landsleuten unter die Arme zu greifen, aber cs ist ihr geradezu unmöglich, alle Noth zu lindern und namentlich jenen Leichtsinnigen zu helfen, welche, nachdem sie ihr mitgebrachteS Geld schnell durchgebracht, von der deutschen Mtldthätigkett leben möchten, bis sie Beschäftigung gefunden haben. Eine Unterstützung dieser Kategorie von Deutschen würde nur die Deutschen, die ohne ihr Verschulden m Noth und Elend grrathen sind, beeinträchtigen. Nach dem Vortrage seines Berichtes kündigte Herr v. Reicher an, baß er aus Gesundheitsrücksichten dem Vorsitze des Deutschen Hülfsvereins entsagen müsse. Er hat dieses Amt mit großer Aufopferung fünf Jahre hindurch verwaltet und die. Versammlung beschloß ihm ein warmes Dankesvotum. Fürst Hohenlohe ergriff hierauf das Wort, um anzukündigen, daß er bereit fei, vor der Hand die G-schäfte deS Vereins selbst tn die Hand zu nehmen. Die Versammlung nahm diese Mittheilung mit etnflimmfgem Beifall auf. Nachdem hierauf der Ausschuß und die übrigen Vorstandsmitglieder ernannt worben waren, würbe die Generalverfammlung ausgehoben. Die Uebernahme der Präsidentschaft des Hülfsvereins durch den Fürsten Hohenlohe erregte in der deutschen Colonie große Befriedigung, da man hofft, daß uvt-r feiner Leitung der HÜlfsverein viel Elend lindern, aber auch mit scharfer Prüfung etwa verschuldeter Noth vorgehen wird.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs lelegr. Correspondenr-Birreair.
Berlin, 23. April. Reichstag. Der Reichstag erledigte nach unerheblicher Debatte bie erste Bercsthung der Vorlage über die Reichskriegshäfen und NachtragS- etats und verwies dieselbe an die freie Commission zur Vorberathung, nahm bann die 88 13, 14, 14a (Ortskrankenkassen) in ber Commissionsfassung an. Bei S 15 deS Krankertkassengesetzes unterzog Lohren bte Hirsch-Duncker'schen Gewerkt)ereme tmer sehr abfälligen Kritik. Lasker unb Hirsch w'esen Lohren's Angriffe zurück. Nachbem noch Lohmann, Eberly und Hirsch gesprochen, wurde 8 15 mit dem Antrag Gutfleisch angenommen, wonach ber Beitritt zu ben Ortskrankenkassen keinen Anspruch auf Unterstützung gewährt, wenn bei ber Beitrittsanmeldung die Erkrankung bereits eiu- getreten ist
Fortsetzung Donnerstag.
— Abgeorbnetenhaus. Bei der zweiten Berathung der Verwaltungsgesetze sprach Hänel gegen die Commissionsbeschlüsse, welche die Regierungsvorschläge auf ben Kopf gestellt hätten unb feine Dauer haben würben. Er empfahl die Anträge feiner Partei. Minister v. Puttkamer conftatirte, baß die Divergenz zwischen ber Regierungsvorlage unb den Commissionsbeschlüssen keineswegs unüberbrückbar sei, da die Commission den Kernpunkt, nämlich die Vereinigung der Bezirksbehörden, acceptirt hätte. Der Minister weift die Befürchtungen zurück, daß ben Regierungspräsidenten durch die Vereinigung unb die Uebertragung bes Vorsitzes unerfüllbare Aufgaben zuertheilt würben und bittet, 8 27, welcher das Princip der Regierung enthält, anzunehmen und die Vorlage ohne Rücksicht auf die parlamentarische G'schäsislage durchzuberathen. Bruel erklärt, daS Centrum sei bereit, auf der Basis der Commissionsbeschlüffe das Gesetz zu berathen. Hierauf wurden die 27, 27aa, 27a nach den Beschlüssen der Commission angenommen. — Morgen: Die Winbthorft'schen Anträge.
- Ein partieller Strike hiesiger Droschkenkutscher ist ausgebrochen. Etwa 1500 bis 1800 Kutscher ftriken.
Wiesbaden, 24 April. Bei der heutigen Neuwahl eines I. Bürgermeisters wurde der Rechtsanwalt v. Jbcll auS Frankfurt a. M. gewählt.
Bremen, 24. April. Die Station Kuxhaven der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 24. April von dem deutschen Ewer „Emanuel", Kapitän Hauschildt, gestrandet auf Kleinvogelsand, drei Personen, darunter eine Frau, gerettet durch das Rettungsboot des 3. Elbleucht- schiffes. Wind stürmisch. Schiff unter Wasser.
Christiania, 24. April. Das Odelsthing hat in der vergangenen Nacht den Antrag des Protokoll-Comitös, sämmtliche Staatsräthe in Anklagestand zu versetzen, mit 53 gegen 32 Stimmen angenommen.
Marseille, 24. April. In Ajaccio haben die Hafenarbeiter die Arbeit eingestellt; dieselben verlangen eine Lohnerhöhung von 1 Frcs. pro Tag. Die Quais werden von Militär bewacht.
Belgrad, 24. April. Die Wittwe des Obersten Markovic, welche am 23. October v. Js. in der Kirche mit einem Revolver auf den König schoß, ist heute zum Tode verurtheilt worden.
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