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chlagende Verurteilung jener gehässigen Polemik, die gegen die sog. „Reichs- einde" noch immer im Schwünge ist und neuerlich in Süddeutschland fast zu rischen Kräften zu kommen scheint.
Der Wortlaut der von China mstgetheiltemNote ift noch nicht bekannt ; den Inhalt derselben kann man sich aus den verschiedenen Mittheilungen, welche die Zeitungen gebracht haben, mit Leichtigkeit zusammenstellcn. Die Chinesen beharren auf ihren Oberhoheits-Ansprüchen über Anam, erklären die von den Franzosen ohne Zustimmung Chinas mit Anam abgeschlossenen Verträge für nichtig, bezeichnen ein etwaiges Vorgehen Frankreichs gegen Bacninh als einen casus belli und weigern sich, auch nur ein Tttelchen von dem zurückzu- ziehen, was ihre Vertrauensperson und ihr Vertreter, der Marquis Tseng, seit Monaten zur Ueberraschung aller zunstmäßigen Diplomaten in französischen und englischen Blättern gegen die Regierung hat drucken lassen. Die Franzosen ihrerseits bestehen darauf, daß die mit Anam abgeschloffenen Verträge rechtskräftig sind, und daß sie die chinesische Oberhoheit über jenes Königreich somit ui cht anerkennen. Sie haben Truppen nach Tongking geschickt, um Bacninh zu nehmen, und dem Marquis Tseng einfach mitgetheilt, die chinesischen Vorschläge seien nicht annehmbar. Ein vollständigerer Widerspruch, als er zwischen den französischen und chinesischen Ansprüchen zu Tage tritt, ist kaum denkbar, und die Erkenntniß dieser Thatsache war geeignet, große Beunruhigung zu erregen. D ies ist aber bisher wenigstens mit großer Kunst vermieden worden. Daß die Ruhe aber eine unnatürliche und oberflächliche ist, ist leicht erkennbar. Wirkliche Beruhigung kann in Frankreich erst eintreten, wenn die Widersprüche zwischen China und Frankreich gelöst sind und ein Verständniß zwischen den beiden Rationen herbeigeführt worden ist. Ob Ferrr, und Tseng sich aber überhaupt noch verständigen können, erscheint zum mindesten zweifelhaft.
Die Nachrichten aus den übrigen europäischen Großstaaten lauten in dieser Woche recht dürftig. Nur bezüglich Italiens ist nochmals der so überaus herzliche und glänzende Empfang hervorzuheben, welcher dem deutschen Kronprinzen in Genua zu Theil geworden ist und der für die freundschaftlichen Beziehungen Italiens zu Deutschland thatsächlich von hoher Bedeutung ist, wie er anderseits auch von der außerordentlichen Beliebtheit zeugt, deren sich der Erbe des deutschen Kaiserthrones im italienischen Volke erfreut. Die tausendstimmigen Evivvas, mit denen die Genueser dem ihnen so sympathischen „principe imperiale di Germania“ bei seiner Ankunft und Abreise zujubelten, sie haben in ganz Italien einen mächtigen Widerhall gefunden, sie haben auch jenseits der Alpen, bei uns in Deutschland, ein lautes Echo geweckt und die Sympathien gesteigert, welche im deutschen Volke unzweifelhaft mehr und mehr für Italien erwachen.
Unmittelbar an die nunmehr erfolgte Ankunft des deutschen Kronprinzen in der Hauptstadt Spaniens knüpft sich die Reihe glänzender Festlichkeiten an, welche König Alfonso zu Ehren seines hohen Gastes veranstaltet. Den Reigen derselben eröffnet am Samstag den 24. November eine große militärische Revue, an welcher 22 Bataillone Infanterie nebst entsprechender Cavallerie und Artillerie theilnehmen; hieran reihen sich Bankets, Diners, Ausfahrten und Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung von Madrid, auch ein Stiergefecht ist in Aussicht genommen. Die Festlichkeiten währen bis in die erste Decemberwoche hinein und dürften durch einen größeren Ausflug des Kronprinzen nach Andalusien ihren Abschluß finden. — Von Spanien aus wird der Kronprinz nicht auch, wie ursprünglich geplant, dem Lissaboner Hof einen Besuch abstatten, sondern auf demselben Wege nach Deutschland zurückkehren. Es ist aber wahrscheinlich, daß der Kronprinz von Portugal auf seiner Rückreise von England nach Lissabon auch Spanien berühren und hierbei in den ersten Decembertagen eine Zusammenkunft mit dem Kronprinzen des deutschen Reichs haben wird.
Bis zum Dienstag, den 20. November, war in Kairo noch kein Beschluß darüber gefaßt worden, ob von der unter General Wood stehenden egyptischen Armee Verstärkungen nach dem Sudan geschickt werden sollten, um der durch die Schaaren des falschen Propheten arg bedrängten Expedition unter Hicks Pascha Hilfe zu bringen. Man wartete auf directe Nachrichten von diesem selbst — statt derselben ist aber Mittwoch früh in Kaito die Meldung eingelaufen, daß die Armee Hicks Paschas vernichtet ist. Die Nachricht dürfte auch in Deutschland peinlich berühren, da sich 6—8 deutsche Officiere bei der Expedition befunden. Daß die englische Regierung jetzt sich für eine energische Fortsetzung des Kampfes aussprechen wird, ist sehr wahrscheinlich- Als Mohamed Ächmet im Juli 1881 sich selbst als Mahdi, als Prophet, ankündigte, hielt man den Mann, welcher sein ganzes Leben bis dahin in einer Höhle nahe dem Dorfe Aba, am Weißen Nil verbracht hatte, für einen harmlosen Narren, welchen ein einziger Polizist hätte gefangen nehmen können. Bald fand er
jedoch Gläubige und Anhänger und die ungeschickten Versuche der cgyptiMn. Beamten, ihn unschädlich zu machen, trugen nur dazu bei, seinen Einfluß erhöhen. Im November des genannten Jahres zog eine Truppenabthellunq gegen den Mahdi, allein dieselbe wurde mit einem Verluste von 400 Manu geschlagen und seitdem hat der blutige Religionskrieg, in welchem die egnp- tischen Soldaten zwar besser bewaffnet wie ihre Gegner sind, aber aus religiös Gründen nicht gegen den Mahdi kämpfen wollen, ungeschwächt fortgedauert. Am 14. Juni 1882 wurden 2000 Mann Egypter unter Jussuff Pascha nächtlicherweile überrascht und vollständig vernichtet, wobei die Araber 4 Kanonen und 1500 Remington - Gewehre erbeuteten. Rechnet man hierzu nun noch die Verluste, welche die Egypter zweimal in der Nähe von Suakim erlitten haben, dann muß man allerdings gestehen, daß bereits viel Blut wegen des Mahdi geflossen ist. Es scheint, daß namentlich die mächtigen Sklavenhändler mit ihm gemeinschaftliche Sache machen — vennuthlich ein Grund mehr für England, nun selbst auf den Kampfplatz zu treten und die Ermordung des Consuls Moncrieff zu rächen.
Vermischt-».
Rohrbach, 19. November. Hier und in der Umgegend sind in letzterer Zeit öfters VerauSgabungm von falschen Einmarkstücken vorg-kommcn. Am Sonmag wurde nun der „H.sj. Ldztg." zufolge durch die Geusdarmene ein hiesiger Einwohner NamenS Friedrich Helserich dieserhalb sestgenommen. Noch am {Oben Tage sand auch durch die Großh. StaaiSanwaltschast Darmstadt eine Untersuchung dahier statt, der zur Folge die Münzformen in einem Brunnen aufgesunden woiden sind. Heute früh wurde nun auch die Ehefrau Helferich's und ein bei ihr wohnender Agent und Weinreisender, nickt von hier gebürtig, sestgenommen und nach Darmstadt abgeliesert.
— (Die Kriegskasse des Marschalls Nry.j Das „D. Tgbl." berichtet: Eine uns von befreundeter Seite zugänglich gemachte Privatmiitheilung enthält de» Stoff für eine reizende Dorfhumoreske. Ort der Handlung: Ein Dorf in der Nähe von Magdeburg. DaS Dors ist so glücklich, einen % Morgen großen, sehr fischreichen Gemeindeteich zu besitzen, von dem die Sage geht, daß tm Javre 1812 Marschall N>y auf dem Rückzüge tue KriegSkasse dort versenkt habe. Unglücklicher Weise aber war der sagenhafte Schatz, an den übrigens k-in Mensch mehr recht glaubte, ebenso unerreichbar wie die Fische in diesem Teiche, well eine Menge aus dem Grunde liegender alter Baumstämme und ein starker Schilfbestand jeden Durchzug mit dem Netz unmöglich machten. Drei unternebmungslust'ge Herren aus dem benachbarten Städtchen, ein Zimmermcister, ein Fabrikbesitzer und ein GasthosSinhaber, faßten im Monat Ociober den Entschluß, den unzugänglichen T-ich auszupumvm, um auf diese Weise dec Ftsche Habhast zu werden. Der Eine liefert die Locomobile, der Andere eine Pumpe, der Dritte 120 Gentner Kohlen und viribus unitis wird das große Werk in Angriff genommen. Aber sie pumpen und pumpen und der Teich wird nicht leer. Höchsten», daß der Wasserspiegel sich um ein paar Fuß gesenkt bat. Im Dorfe darüber natürlich große Schadenfreude, deren Kosten die drei Unternehmer zu tragen haben. S'e beschließen, sich zu rächen. Der Zimmermeister hat seit langen Jahre» aus seinem Boden unter altem Gerümpel einen kupsernen Kirchthurwknopf von urnenartiger Form und beträchtlichen Dimensionen liegen. DaS Ding wird mit Glasscherben gesüllt, die Oeffnung, welche einst für die tragende Eisenstange bestimmt war, mit einer alten Gießkannenbrause verschlossen und dann zu stiller Stunde von den drei Verschworenen in den Teich versenkt. Der Fabrikbesitzer fährt nach Magdeburg, um schnell einige sranzösstche Goldstücke einzuwechseln und die Vorbereitungen sind beendet- Die Nachricht, daß noch eine zweite Pumpe ausgestellt werden solle, treibt die Dorfbewohner In Schaaren nach dem Teiche hinaus. Em in das Geheimniß gezogener Mitverschworener rudert dort in einem Kahn umher und plötzlich schreit er auf: „Hier liegt etwas Eisernes, holt einen Haken, ich habe eben mit der Ruderstange dran gestoßen!" Blttz- schnill taucht in Allen di- verklungene Sage von der Kriegskasse des Marschalls Ney wieder auf. Zwanzig Beine laufen nach dem Dorse, um Werkzeuge zu holen, und bald sind Kundert Arme damit beschäftigt, den »Schatz" aufs Trocken zu bringen. Der Fabrikbesitzer hält seine französischen Goldstücke in Bereitschaft; sobald die „Urne" an stand erscheint, buddelt er die Gießkannenbrause weg und zeigt triumphirend die Goldstücke, als hätte er sie in der Urne gesunden. Em allgemeiner Jubelschret durchzilleft die Lust: „Der Schatz! der Schatz!" Aber mit einer einfachen Mystifikation ist den Mitverschworenen nicht genügt. Der Fabrikbesitzer verschließt die Urne wieder und nun müssen ihm die Leute Helsen, das centnerschwere Ding auf seinen Wagen zu laden. Ja dem Glauben, daß er den Schatz, an d-m jeder von ihnen seinen Theil beanspruckt, zum Amtsvorsteh-r fahren werde, helfen sie willig und sie sind bereit, ihn im Triumphzuge zu begleiten. Aber sobald der „Schatz" »den liegt, springt der Fabrikbksitzer auf den Wagen und haut wie wahnsinnig auf die Pferde ein. Der Wagen verschwinde!, — nicht nach dem Dorfe zu, sondern nach dem Städtchen b<§ Fabrikbesitzers. E nm Augenblick starrten die Dörflw ihm wortlos nach, bann erhebt sich ein wildes Gesckrki: Haltet den Kerl, den Spitzbuben, den Räuber! Er will unfern Schatz um die Ecke bringen! Ein Bauer spannt seinen abgetriebenen Gaul aus und setzt dem Wagen zu Pferde nach, vergebens! Man sammelt sich vor dem Hause des Fabrikbesitzers an und als er erklärte, daß er die Urne untersucht und nichts gesunden, glaubt man ihm natürlich nicht und — wirst ihm die Scheiben ein. Man läuft zum Landratb und erzählt ihm die Schohgeschichte — er lächelt ungläubig. Ein Bäckerlehrling, der den Schatz hatte heben helfen, kündigt seiu-m Meister k conto des Fundantheils, und als dieser ihm sagt, daß er verrückt sei, prügeln sie sich und er wird hinausgeworfen. Das W.....er Kretsblatt beschreibt den Fund und vergißt nicht, neben dem Geldwerthe
desselben auch den historischen hervorzuheben. Die ganze Gegend ist in Aufregung. Nachdem sich die Verschworenen lange genüg ins Fäustchen gelacht, bringen sie endlich die historischen Beweise für die Vorgeschichte des — Kirchtburmknopses! Homerisches Gelächter! Die Bauern von F. aber kratzen sich hinter den Ohren und seufzen: „Hätten wir wenigstens nicht geholfen, den „Schatz" zu heben!"
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