Ausgabe 
25.8.1883
 
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198. Samstag den 25. August L88S

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MSNtaO».

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Frankreich gerichtete Bismarck'sche Jntngue, bestimmt, Frankreich gänzlich zu isoliren und ein Theil der tonangebenden Pariser Preffe strotzt geradezu von beleidigenden und maßlosen Angriffen gegen Deutschland. An leitender Stelle in Berlin macht diese chauvinistische Sprache begreiflicherweise einen sehr Übeln Eindruck; so sagt dieNordd. Allg. Ztg." in ihrer Morgenausgabe vom 22. August, daß die maßlosen Hetzereien der französischen Preffe gegen den deutschen Nachbar und die Heftigkeit seiner Revancheprediger Frankreich als den einzigen Staat darstellten, welcher den Frieden Europas bedrohe. Das osficwse Organ bemerkt, ein solcher Zustand könne nicht andauern, ohne den Frieden schwer zu schädigen, denn je höher die Fluth der Leidenschaften anschwelle, welche eine gewiffenlose Agitation für ihre verschiedenartigen Zwecke anzufachen nicht ermüde, um so weniger lasse sich vorhersehen, ob und wie lange dieselbe noch innerhalb der Dämme des äußerlichen Friedens zurückgehalten werden könne. Hoffentlich beachtet man in Paris diese ernste Mahnung.

Der enthusiastische Empfang, welcher König Alfonso auf 1 einer gegenwärtigen Rundreise durch das nordöstliche Spanien allerorten zu Thell wird, beweist zur Genüge, daß die Pronunciamentos der Anhänger Zonlla s durchaus keinen Rückhalt in der breiten Masse des spanischen Volkes gefunden haben Selbst in Barcelona, das von jeher als der HaupMtz der spanischen Radikalen, sowie der Socialisten gegolten hat, und von wo aus mehr als ein­mal erfolgreiche Aufstände gegen das bestehende Regierungs-System ausgegangen sind ist der König von allen Klassen der Bevölkerung sympathisch begrüßt worden. Man darf daher wohl nicht mehr an der Wahrheit der ofsicielleu Madrider Depeschen zweifeln, denen zufolge die Ruhe in ganz Spanien nun» mehr vollständig wieder hergestellt ist. .

Politische Ueberficht.

Gießen, 24. August.

Die in unserer inneren Politik schon seit längerer Zeit einge- tttfene Ruhepause ist in unerwarteter Weise unterbrochen worden. Durch kaiserliche Verordnung wird der Bundesrath auf den 27., der Reichstag auf e 29 August einberufen und als Grund für die so frühzeitige Einberufung dec gesetzgebenden Körperschaften giebt man osficiöserseits die Ratification des deutsch - spanischen Handelsvertrages an, welcher der Reichstag seme Geneh- maunq ertheilen soll. Bekanntlich ist der genannte Vertrag provisorisch schon in Kraft getreten, nachdem die spanische Regierung ihre Bedenken gegen die einst- nnilme Durchführung der Bestimmungen desselben ohne die Sanctwn der beiderseitigen Parlamente"^ hatte fallen lassen; die plötzliche Cinberufung beä Bundesraths und des Reichstags ist daher jedenfalls dem Bestreben der Reichs- reaierung zuzuschreiben, den deutsch-spanischen Handelsvertrag auch verfassungs- Mßig zu erledigen. Ob den Reichstag in seiner außerordentlichen Session auch aridere Vorlagen beschäftigen werden, ist noch unbekannt.

Die Kaiser-Zusammenkunft in Ischl scheint gleichsam der Vor­läufer von einer ganzen Reihe von Monarchen-Reisen und Begegnungen gewesen m sein, welche fast sämmtlich mehr oder weniger einen politischen Hintergrund hoben. Den Reigen hat König Karl von Rumänien mit feiner Berliner Reise öffnet, welcher hiermit zwar zunächst nur einer Einladung Kaiser Wilhelms m den jüngsten Tauffeierlichkeiten am Berliner Hose Folge leitete, messen Reise aber auch bezüglich einer Annäherung Rumäniens an das deutsch- österreichische Undniß von hoher politischer Bedeutung ist. Von Berlin begiebt sich der ruma- miche Herrscher nach Wien, wo er mit König Milan von Serbien zusammentrifft, Micher schon seit Montag in der österreichischen Hauptstadt wellt. Wahrend bann König Karl direct nach Bukarest zurückreist, begiebt sich König Milan un Laufe des nächsten Monats weiter nach Homburg v. d. H., um hier Kaiser Wilhelm zu begrüßen und den Kaiser-Manövern beizuwohnen. In Homburg trifft endlich auch König Alfonso von Spanien ein, um ebenfalls'als Gast des Kaisers den Manövern beizuwohnen, und zwar gedenkt König Alfonso vom 2U. bis 26. September in Homburg zu verweilen. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß König Fernando, Vater des regierenden Königs von Portugal, Anfangs biejer Woche zu einem Besuche seiner Tochter, der Prinzessin ®eorg zu Sachsen, in Dresden eingetroffen ist. Auch die Reffe des Serbenkönigs wird gl. ich derjenigen des rumänischen Herrschers mit der deutsch-österreichischen Allianz m Verbindung gebracht, man schließt hieraus, wohl nicht mit klnrecht, daß Serbien, gleich seinem rumänischen Nachbar, bestrebt ist, sich dem rusiischen Oinfluste zu entziehen und in das Fahrwasser der deutsch-österreichischen Politik einzulenken un6 daß dieses Bestreben in Berlin gewürdigt wird, zeigt klar die Verleihung des GroßkreuzeS des Rothen Adler-Ordens an den serbischen Ministerpräsidenten Pirotschanatz. Was endlich den Besuch des Königs von Spanien in Deutsch­land anbelangt, so erhält derselbe durch den Umstand, daß der spanische Minister des Auswärtigen, Marquis Vega de Armijo, den König Alfonso begleitet, seinen politischen Stempel. Vega de Armijo gilt als ein eifriger Befürworter eines engeren Anschlusses Spaniens an Deutschland und es ist nicht gerade unwahr­scheinlich, daß die Anwesenheit König Alfonso's bei den Kaiser-Manövern m dieser Beziehung ihre Früchte tragen wird.

In den höheren Co mm and o stellen unserer Ria n ne sind mehrfache Beförderungen erfolgt. Durch kaiserliche Ordre sind die Contre- Admirale Graf v. Monts und v. Wickede zu Chefs der Marmestattonen der Nordsee bezw. der Ostsee ernannt und die Kapitäne zur See, r^rhr. v. Reibnitz, Frhr. v. d. Goltz und Knorr zu Contre-Admirälen befördert worden.

Im österreichischen Kaiser st aate haben sich während der letzten Tage wieder einmal jene nationalen Eisersuchts-Scenen abgespielt, welche nach­gerade ein fester Bestandtheil des österreichisch-ungarischen Völkerlebens geworden M sein scheinen. In Triest benutzten die Irredentisten Den Geburtstag des Kaisers Franz Josef, um durch Werfen einer Pulver-Petarde ihren antioster- ^ichijchen Gefühlen Luft zu machen und der_ italienische Turnverein in Triest We diese Demonstration durch einen argen Exceß in der Nacht vom 19. zum 20. August fort, wobei mehrere Wachmänner und der Redacteur des deutsch- liberalenTriester Tagblattes" mißhandelt wurden. Auch die antimagyarijchen ^ceffe in Agram haben an anderen Orten Kroatiens ihre^ Fortsetzung gefun- ben, wie in Zengg und Karlsstadt, wo gleichfalls die Amtsschilder mit ungari- I lher Sprache heruntergerffsen wurden. Man scheint in Wien die kroatifchen Unruhen sehr ernst zu nehmen, denn der Minister für Kroatien und Slavonien, Äedekowitsch von Komor, und der BanuS Pejacsevics, sowie der ungarische Ministerpräsident TiSza und der Finanzminister Szapary sind in Wien eilige» troffen und haben einem am Dienstag unter dem persönlichen Vorsitze Kaiser Franz Joses's stattgefundenen Ministerrathe beigewohnt, welcher sich dem Ver­nehmen nach mit den Tumulten in Agram, Karlsstadt u. s. w. beschäftigt hat. Die Nachrichten aus Frohsdorf über das Befinden des Grafen Chambord l mten durchaus hoffnungslos; der Graf hat bereits Abschied von seiner Familie und seiner näheren Umgebung genommen. .

Die französische Presse widmet der bevorstehenden Reise des Königs Alfonso nach Deutschland eine Aufmerksamkeit, welche weder durch das zu erwar- 'lende Bombardement von Hue, der Hauptstadt AnamS, noch durch oie am Dienstag begonnene Session der französischen Generalräthe beeinträchtigt wird. Die Pariser Blätter erblicken in der spanischen Königsreise lediglich eine gegen

Deutschland.

Darmstadt, 23. August. Gestern Abend 8 Uhr sand im Großh. Schloß Tafel statt, zu welcher außer der Großh. Familie der Großh. Staats- minifter, die Mitglieder des diplomatischen Corps und die Großh. Hofstaaten Emladungen erhalten hatten. ,

Nach der Tafel begaben Sich die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften auf den Wall, um die Serenade zu hören, und wurden Se. Kafferl. Hoheit der Kronprinz beim Vortreten aus die Bastion mehrmals von der versammelten Volksmenge mit enthusiastischen Hochrufen begrüßt.

Heute Nachmittag wird der Kronprinz nach der Rückkehr von Wiesbaden und Homburg, welche um 5 Uhr 10 Min. zu erwarten steht, den Oberbürger­meister Ohly und den Hauptmann ü la suite Zernin, Redacteur derAllge- meinen Militär-Zeitung", empfangen. . .

Des Abends beabsichtigen Se. Kaiser!. Yohett der Kronprinz und Se. Se. König!. Hoheit der Großherzog die Osficier-Veremigung t Militar-Castuo mit Allerhöchstthrer Anwesenheit zu beehren.

Darmstadt, 23. August. Se. Kömgl. Hoheit der Großherzog haben Allerqnädigst geruht: , ,.

Am 7 August den Director und ersten Lehrer des evang. Prediger- Seminars zu Friedberg, Geh. Kirchenrath Dr. Franz Alexander Schwabe, aus sein Nachsucheu und unter Anerkennung seiner langjährigen, mit Auszeich- nung geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. October d. Js. an ui den Ruhestand zu versetzen; t r pr . m

an dems. Tage den zweiten Lehrer und Professor an dem evang. Prediger- Seminar zu Friedberg, Dr. Gustav Diegel, zum Director und ersten Lehrer und den dritten Lehrer und Professor an dem evang. Prediger-Seminar zu Friedberg, Dr. Wilhelm Weiffenbach, zum zweiten Lehrer und Professor an diesem Seminar mit Wirkung vom 1. October d. Js. an,

an dems. Tage den dritten Pfarrer an der St. JohanniSkirche zu Stutt­gart, Dr. Heinrich Adolf Köstlin, zum dritten Lehrer und P^elsor an dem evang. Prediger-Seminar zu Friedberg mit Wirkung vom 1. October d. ^s.

anVmMEage dem zweiten evang. Pfarrer Karl Baur S" Fnedberg die erste evang. Psarrstelle daselbst, dem dritten evang. Pfarrer Dr Gustav Dieg el zu Friedberg die zweite evang. Pfarrstelle daselbst demD.a onus Pfarrer Ludwia Meyer zu Friedberg die dritte evang. Pfarrstelle daselbst, Adolf Köstlin, die fünfte evang. Pfarrstelle zu Fnedberg mit Wirkung vom 1. October d. Js. an - zu übertragen und dem ersten evand- Pfarrer Karl Baur zu Friedberg den Charakter alsKirchenrath zu verleihen.

Krauüreich.

22 Di- Ag-ncc Havas" o-röff-nilichl eine Depesche über den

~ u s?U0Qt Lr s)?orbb Alla. 81ß-" mit folgenden Bemerkungen:

Mg- Z g- . obwohl wir für dte .Seuyuia g fönnen. Dasselbe gilt von

französischen Presse bothalt, g. c^er Artikel hat hier große Erregung und einem heutigen Artikel derDmiy N-ws d°er Artikel erst durch

se« Istzt von Rubland aussr^krerch.überttag^n b('m e§ flelungen fef,