1888
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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und vielleicht auch in Egypten engagir en, desto weniger haben wir von ihnen eine Beunruhigung des europäischen Friedens zu befürchten.
Die Mörder von Lord Cavendish und Sir ThomasBourke büßen jetzt ihre grauenhafte That mit dem Galgen. Nachdem am Pfingstmontag der erste der Berurtheilten, Brady, den Tod durch Henkershand im Hofe des Dubliner Staatsgefängnisses erlitten, ist am Morgen des 18. Mai der zweite der wegen des Doppelmordes im Phönixparke zum Tode verurtheilten Fenier, Curley, hingerichtet worden. Die Ruhe wurde nirgends gestört.
Die General-Debatte in der italienischen Deputirten-
allen Seiten mit Spannung erwarteten Krönungs-Manifestes, über dessen Inhalt bis jetzt wenig mehr als Gerüchte coursiren. Petersburger Privatberichte versichern allerdings, daß dasselbe in sehr versöhnlichem Geiste abgefaßt ser. Dasselbe enthalte'eine Stelle über die Bemühungen des Czaren, den Wünschen aller Parteien, soweit sie mit dem Staatsinteresse vereinbar wären, gerecht zu werden. Auch die Hoffnung auf ein Andauern des Friedens in Europa soll zum Ausdruck gelangen; ferner wird das Manifest eine Amnestie für drei Grade von politischen Verbrechern ankündigen.
Die zweite Kammer des schwedischen Reichstages hat m voriger Woche mit 135 gegen 62 Stimmen das neue Armee-Organisationsgesetz angenommen.' Dasselbe bestimmt, daß die Stammsoldaten der Armee fortan durch Anwerbung beschafft werden sollen an Stelle der jetzigen „eingetheilten (indelta) Armee." . „ .
In den Kreisen der zur fenischen Sache neigenden Nordamen- kaner hat der Erlaß des Papstes an bie, irischen Bischöfe dieselbe ungünstige Aufnahme gefunden, wie Seitens der irischen National-Liga. Der Congreß- Deputirte Finerty, welcher der Gründung der amerikanisch-irischm Landliga in Philadelphia beiwohnte, bezeichnet in einem Zeitungs-Artikel das erwähnte Circular des Papstes als einen unerträglichen Schritt päpstlicher Emmifchung und empfiehlt, Meetings in Irland abzuhalten, um gegen die Handlungsweise des Papstes zu protestiren und die Beiträge zum Peterspsenmg emzustellen. — Letzteres hieße allerdings den Vatikan an einer wunden Stelle fassen, aber es ist trotzdem nicht anzunehmen, daß nun Leo XIII. seine Stellungnahme gegenüber der irischen Revolution verändern würde. .
Die Nachricht von dem endlichen Friedensschluß zwischen Chile und Peru» scheint sich leider wiederum nicht zu bestätigen. Wenigstens ist dem Auswärtigen Amte in Washington, welches zuerst diese Friedenskunde brachte, eine Bestätigung derselben bis jetzt noch nicht zugegangen und dies mutz man als ein bedenkliches Zeichen betrachten.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf.
kammer über den Antrag Nicotera's, dem Cabinet de Pretis ein Mißtrauensvotum zu ertheilen, ist nach fast einwöchentlicher Dauer am vorigen Donnerstag beendigt worden. Am Schluß der Debatte hielt noch der Minister des Auswärtigen, Mancini, eine mit lebhaftem Beifall ausgenommene Rede, in welcher er die Politik des Cabinets energisch vertheidigte und dabei wiederholt deutlich durchscheinen ließ, daß die italienische Negierung die Agitationen der „Italia irredenla“ unter keinen Umständen mehr dulden werde. Das Endresultat des langen Wortkampses zwischen den Radikalen und den Ministern — denn vor Mancini hatte auch de Pretis selbst schon unter großer Zustimmung der Kammer gesprochen — wird ohne Zweifel in der Ablehnung des von der äußersten Linken verlangten Tadelsvotums bestanden haben.
An diesem Dienstag, den 22. Mai, hält das russische Kaiserpaar seinen feierlichen Einzug in Moskau, wo nunmehr wohl all' die fremden Fürstlichkeiten und Abgesandten der auswärtigen Staaten, die durch ihre Gegenwart der Kaiserkrönung noch ein glänzenderes Relief verleihen sollen, eingetroffen sein dürften. Es wäre nunmehr auch die höchste Zeit zum Erscheinen des von
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In Dortmund war dieWahl des bisherigen fortschrittlichen Reichs- lags-Abgeordnelen Lenzmann aus verschiedenen Gründen annullirt und eine Neuwahl angesetzt worden. Dieselbe hat am Donnerstag stattgefunden und fit hierbei Herr Lenzmann, welcher von den Klerikalen unterstützt wurde, mit 13 4-20 Stimmen wiedergewählt worden. Der nationalliberale Candidat Kleine, welchem auch die Conservativen ihre Stimmen gaben, erhielt 11,169 und der Socialdemokrat Tölcke 696 Stimmen (siehe Dortmund).
Die bevorstehende französische Expedition nach Tong- kina zeigt wieder einmal, wie sehr noch unfern westlichen Nachbarn die Lust an kriegerischen Abenteuern trotz aller bitteren Erfahrungen, welche sie in den letzten Jahren gemacht, anhaftet. Die chinesischen und anamesifchen Flußpiraten hatten die französischen Colonisten in Anam bisher wohl öfters belästigt, aber dafü-- wurden sie auch von dem Eommandeur der in Hüö stationirten gruppen jüngst derb gezüchtigt und es hätte darum keiner besondern Expedition bebmft, um die Piraten im Zaume zu halten. Aber darum hanoelt es sich auch nicht, denn Frankreich strebt, wie wir schon manchmal hervorgehoben haben, nach der förmlichen Annexion von Tongking und in zweiter Linie auch nach derjenigen von Anam Indessen, Deutschland wenigstens kann es nur recht sein, wenn das kriegerische Feuer der Franzosen dieselbe in überseeische Unternehmungen
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ffc verstrickt und je mehr sie sich am Congo, in Hinter-Asien, auf Madagaskar .Lk Minnnir™ hpftn hflbttl TOTT non ibnen
Politische Ueberficht.
Gießen, 22. Mai.
Während der Pfingstseiertage und auch die anschließende Woche hindurch haben die Anwesenheit des Herrn Waddington in Berlin, die Scholz- Puttkamer'schen Frictionen und hin und wieder die kirchenpolttffche Frage bei uns hauptsächlich die Kosten der politischen Discussion getragen. Mtt dem Wiederbeginn der parlamentarischen Verhandlungen in dieser Woche wird selbstverständlich dieser Gegenstand wieder das allgemeine Interesse in Anspruch nehmen und ist es zunächst die Gewerbeordnungs-Novelle, über welche — was den Reichstag anbelangt — in dritter Lesung definitiv entschieden werden soll. Das Gesetz, in der Form, welche es in den bisherigen Debatten erhalten hat, erscheint nur als ein Resultat schwankender Abstimmungen; die Conservativen sollen nun entschlossen sein, Alles aufzubieten, um die Gewerbeordnungs-Novelle durchweg nach den Beschlüssen der Commffsion wieder herzustellen. Sie finden sich aber hierbei einer sehr starken und geschloffenen Minorität gegenüber und wenn den Conservativen nicht die entschiedene Unterstützung des Centrums zu Theil wird, so könnte eine Ablehnung des ganzen Gesetzes leicht als Ergebmß der dritten Lesung sich Herausstellen. Inwieweit nach der definitiven Erledigung dieser Vorlage, sowie auch des Krankenkassen-GesetzeS der Reichstag noch zujammenzuhalten sein wird, läßt sich zwar nicht ermessen, indessen nach der in den letzten Tagen vor Pfingsten sich wiederholt geltend gemachten Beschlußunfahrgkett des Reichstags zu urtheilen, wird dieselbe auch jetzt, an der Schwelle des Sommers wieder hervortreten. Jede Leistungsfähigkeit hat eben ihr Ende und nachdem unser oberstes Parlament schon so lange getagt, erscheint eine wertere Spannung seiner Arbeitskraft bis in den Sommer hinein kaum mehr thunlrch
In der letzten Sitzung des Bundesrathes ist demselben auch die zwischen dem deutschen Reich und Frankreich am 19. April d. Js. zu Berlin abgeschlossene Literar-Convention vorgelegt worden. Dieselbe ist behufs gegenseitigen Schutzes der Rechte an Werken der Literatur und Kunst vereinbart worden und bedeutet eine wichtige Annäherung beider Staaten auch nach dieser Richtung hin. Die Uebereinkunst ist vorläufig auf 6 Jahre geschlossen und dauert nach erfolgter Kündigung des einen oder andern Theiles noch em Jahr fort; sie tritt 3 Monate nach Auswechselung der Ratifications-Urkunden m Kraft. Die Denkschrift hierüber soll eventuell dem Reichstage mit vorgelegt
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Darmstadt, 21. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allerqnädigst geruht: „ rr m
Am' 12 Mai dem Buchhalter bei der Hauptstaatskasse, Rechnungsrath Karl Bader, das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.
- Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnadigst geruht.
Am 9 Mai den ordentlichen Professor an der technischen Hochschule Philipp Waibler auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Septbr. d. Js. an in den Ruhestand zu versetzen. ,
- Ihre Großh. Hoheit die Prinzessin Elisabeth sind heMVormütag 7 Uhr 45 Min. über Köln und Vliessingen zu Be uch Ihrer Maiestat der Königin von England nach Windsor abgereist. Im Gefolge befinden sich Miß Jackson und Flügeladjutant Oberstlieutenant v. Herfs.
Darmstadt, 21. Mai. Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich ist IN demselben Specialzuge, wie Se. Großh. Hoheit Prinz Alexander von Hessen, Prinz Karl von Baden und der Fürst von Bulgarien, am Sonntag Vormittag 9 Uhr 25 Min. wohlbehalten in Moskau angekommen und von den Großfürsten Wladimir, Nicolai, Michael und den anderen m Moskau anwesenden Großfürsten am Smolensker Bahnhof empfangen worden. Eme Ehren-Compagnie mit Fahnen war aufgestellt. Wohnung und Adresse des Prinzen und Gefolge: Powarskaja Dom Golaschkyna Moskau.
w Darmstadt, 21. Mat. Im Anschluß an unsere letzte Mittheilung aus dem !Beratl)un0® amial bet d.mnächst Sufamment«tenben °v°ngE-n Land-ssynob-seün noch zwei Anträge erwähnt, über roeldje bte betreffenden Ausschußb-rtcht- ebenfalls be re-ts erstattet sind. Der erste Antrag fit non dem Adgeordn-ten Dr Stabe tnmer blnbung mit 10 melkten Abgeordneten gestellt und geht dahiN" „Dl Synode IN g an Großh. Oberconftftorfum die Aufforderung Achten, dasselbe wolle den Gemeinden Hessens den Vorschlag machen, aus Anlaß des 4 j fl f .
Martin Lutheüs Beiträge zu bewilligen zur B-kUÜndung ','ahnn Stipendintenanstalt zu Gießen, welche den Namen „Luthers srung^^zu hat. Der Sitz der Stiftung tst Gießen. Sie steht untj g.-innode zu wählender De- torlums, welchem für jedes Dekanat ein ^r Decan synod i@(e6en nngcf)Brt. putirter und ein Mitglied der evangelischen theologisch n Fae DOn bem Mg.
Dieses Curatorium wählt einen Verwaltungsausschutz. Bericht empfiehlt dieser
Dr. Rieger Namens des betreffenden- Aus'»usses rst°tte.en Beacht mut^y I das Wesentliche des Antrags in folgender Fassung »u^nEm^. den Vor-
Großh. Oberconsistortum, den Gemeinden der Lande cye ’ ö Geburtstages Martin schlag zu machen daß dieselben ti« aus synodaler
Luther's Beiträge bewilligen zu einer L^ther't'ftug, m Vertreters der theologischen
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bet ihrem Studium zu Unterstützern Rieger erftatlelec Ausschußber cht über
Schließlich liegt e n »<m 'bem 'b|e Synode wolle bas Ober
den von dem Abg rDt-ssenbach gestell .AMeiner landeskirchltchen Consistortum ersuchen , dasselbe wolle roe't*cr™elne8lbelt8 alle das Leben und die C-Ntralbtbliothek veranlassen, in «el«-r e.n^^ P^llkaiionen, andern,Heils Entwickelung d-r evangel fchen Land Geistlichkeit, soweit solche nicht schon
all- literarischen Vero senil chungen de.^N''^^ufbewahrt werden. Im Falle b.r unter die erste Abtheilung fallen, b|e @pnobe wolle der Kirchenbehorde
Annahme dieses Antrages wird w it d IIMittel zur Verfügung stellen, die zur Errichtung einer fo d)eni c n 'ber antrofl, soweit er sich auf Ansamm- D-r Ausschuß war dahin elnv r ü , » « hefstsch-n Geistlichkeit bezieht, zur An- lung "üer literarischen BEvMchUNge^o^^^n^ @tfud)cn afi bag Ober Eon sisto7iÜm^ für"-ln- möglichst vollständige Ansammlung und Aufbewahrung der do«
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Mittwoch den 23 Mai
: Gießener Anzeiger
I Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.


