Ausgabe 
22.4.1883 Erstes Blatt
 
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Hr. «2. Erstes Blatt. Sonntag den 22 April 1888.

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Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bttreaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Deutschland.

Darmstadt, 20. April. In dem Entwurf des neuen ELnkornnlensteuer- Gesetzes ist behufs besserer Ermittelung der Einkommensverhältnisse u. A. die Bestimmung enthalten, daß auch die Vorstände der Spar- und Leihkassen gehalten sein sollen, auf Verlangen der Steuerbehörde Auskunft zu erthellen, jedoch nicht im Allgemeinen, indem man etwa einen vollständigen Auszug über alle Einlagen der Bewohner eines bestimmten Steuerbezirks verlangt, sondern vielmehr nur über einzelne zu benennende Personen. Mit dieser Beschränkung verliert fragliche Bestimmung viel von ihrem sonst bedenklichen Charakter.

Darmstadt, 20. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 18. April den Nealschul-Director Christoph Kuhl zu Offenbach zum Director der Realschule zu Darmstadt, den Realschul-Director Dr. F. Schön zu Oppenheim zum Director der Realschule zu Offenbach, den Reallehrer Dr. August Freiherrn v. Gall zu Mainz zum Director der Realschule zu Oppenheim zu ernennen.

Amerika.

Quebec, 19. April. Das Parlamentsgebäude ist gänzlich niederge­brannt, über die Ursache des Brandes ist noch Nichts ermittelt worden.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Dureau.

Berlin, 20. April. Der Reichstag genehmigte in erster und zweiter Lesung den deursch serbischen Handelsvertrag und setzte die Berathung über das Krankenkassen- gesetz fort. Bundescommtssar Lohmann bekämpfte entschieden bin Vorschlag, die land- wirthschaftlichen Arbeiter schon jetzt obligatorisch zu versichern und sagt, die Ablehnung des Antrags Hertltng auf nur fakultative Versicherung dieser Arbeiter könne das ganze Gesetz scheitern machen. Grtllenbergcr begründet den Antrag der Soctaltften auf Ver­sicherung aller, welche das 15. Lebensjahr zurückgelegt und ein selbstständiges Ein­kommen bis zu X 7.50 täglich haben; er beklagt die Ausschließung der Landarbeiter. Lohren sprach für die Commtssionssasfung mit btm Antrag HerUmg. Schrader sprach für den Antrag Ausfeld, wonach der Versicherungszwang auf Diejenigen ausgedehnt werden soll, welche in Land- und Forstwirthfchaft Verwendung finden, mit Ausnahme des Gesindes. Sonnemann sprach für die Commission. Nachdem Büller und Gutfleisch gesprochen, vertagte sich der Reichstag bis morgen.

Das Abgeordnetenhaus beendete die zweite Berathung der Sekunbärbahn- Vorlage und genehmigte sämmtliche übrigen Positionen außer ber für ben Bau bes Dtrektionsgebäudes in Bromberg. Die Position für den Umbau des Bahnhofs in Köln wurde fast einstimmig genehmigt Die Rechnung der Ober-Rechnungskammer wurde der Rechnungs-Commission überwiesen. Der Gesetzentwurf, b<tr. die Behandlung der Schulversäumnisse, wurde nach unerheblicher Debatte der Unterrichts-Commission über­wiesen. Windthorst sprach gegen den Entwurf, die übrigen Redner für Verwerfung an die Commission.

Hierauf fand eine Geschäftsordnungsdebatte statt und wurde der Vorschlag des Präsidenten, die nächste Sitzung am Montag zur Berathung der Verwaltungsgesetze anzuderaumen, angenommen.

DerReichsanzeiger" meldet: Seine Majestät beauftragte btn Chef der Admiralität, v. Caprivi, mit der Vertretung des Re'chskanzlers tm Bereiche der Martne- verwaltung nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878.

Dem Vernehmen nach sollen von den Geldern, welche anläßlich bei silbernen Hochzeit des kronprinzlichen Paares gesammelt worden sind, je 170,000«X für Kranken­pfleger oerkine und die v. Bodelschwing'schen Arbeiterkolonten, 40,000 X einer Stiftung in Kreuznach zugewiefen und von dcm Rest jährlich Zuwendungen an bereits bestehende Vereine gemacht werden.

Nach einer Verabredung der Präsidenten des Reichstags und des Landtags hat ber R ichstag den Samstag (morgen), ber Landtag den nächsten Mittwoch für sich zur ausschließlichen Verfügung. Am Montag und Dienstag beginnen die Reichtags­sitzungen erst um 1 Uhr.

Die Gewerbeordnungs Commission lehnte in der gestrigen Sitzung sämmt­liche Anträge Richters und Gagern's ab, nachdem der Krtegsminister erklärt hatte, daß die Wünsche bezüglich der Kanttnenwtrthschaften im Reglementswege erledigt werden mürben; betreffs der Werkstätten habe er das Erforderliche bereits angeotbnct. Gegen­über Hirsch, welcher die Regelung des Kattnennnsens auf dem Wege der Gesetzgebung verlangte, bemerkt der Krtegsminister, für die Armee sei der Befehl des obersten Kriegs­herrn Gesetz; eine größere Garantie, als sie in dem entschiedenen Willen des Kaisers, solchen Mißbräuchen entgegenzutriten, gegeben sei, könne auch durch einen Akt bet Gesetz­gebung nicht geschaffen werden. Der Krtegsminister bemerkte ausdrücklich, er habe die bisherigen Erklärungen mit allerhöchster Zustimmung abgegeben und darin nur ben Willen bes Kaisers zum Ausdruck gebracht. Er erklärte sich bereit, seine desfallstgen Aeußerungen vor dem Plenum bes Reichstags zu wiederholen und war einverstanden damit, daß dieselben in das Protokoll der Commifsson ausgenommen wurden.

Karlsruhe, 20. April. DieKarlsruher Zeitung" veröffentlicht einen Erlaß des Großherzogs an den Präsidenten bes Finanzministeriums, Ellstädter, worin ber Großherzog bezüglich ber vorgekommenen großen Eisenbahnunfälle auf die Aufgabe der Regierung hinweift, ben durch bie Gerichtsverhandlung zur Sprache gebrachten Mißständen im Eisenbahnwesen abzuhelfen. Der Großherjog erwartet baldigste Unter» breitung desfollsiger Anträge.

Baden-Baden, 20. April. Ihre Maj. die Kaiserin ist heute-Nacht um 1 Uhr mit Extrazug wohlbehalten hier eingetroffen und stattete heute Mittag der Kaiserin von Oesterreich einen Besuch ab, der kurz darauf erwie- dert wurde.

Magdeburg, 20. April. Das hiesige Bezirks-Verwaltungsgericht hat heute in Sachen ber Sonntags-Polizeioerordnung eine die Ex cutivmaßregel des unmittelbaren Zwanges androhende Polizei Verfügung des hiesigen Polizeipräsidenten für gesetzlich unzulässig erklärt, habet indcß zugleich bemerkt, daß es vorläufig keine Veranlassung zur Prüfung der Giltigkeit der Sonntags-Pol'zeioerordnuna habe. Das Naumburger Landgericht hat, wie dieMagdeburgische Zeitung" mittbeilt, diese Verordnung gestern für flUtffl erklärt.

London, 20. Aplil. Die Untersuchung gegen den wegen Dynamitcomplotes vor bas Polizetgericht gestellten Bowftreet wurde heute fortgeführt, ergab jedoch nichts bemerkens erthes. Fortsetzung nächsten Donnerstag.

Dublin, 20. April. Der Prozeß gegen Thimoty Kelly wurde heute fortgesetzt. Die Jury konnte sich aber nicht einigen und wurde aufgelöst. Die neue Gerichts­verhandlung beginnt Montag.

Petersburg, 20. April. Nach einer Meldung desRegierungsboten" faßte die Speclalsession des dirigirenden Senats im Prozeß der 17 wegen Zugehörigkeit zur russischen Socialrevolutionspartei Angeklagten folgendes Urthetl: Bogdanowitsch, Tellalow, Slatopolsky, Gratschewsky, Klunenko und Butzewitsch zum Tode durch den Strang; Stephanowitsch und die Iwanowskaja zu Zwangsarbeiten in ben Bergwerken resp. in den Fabriken, ohne Fristbeftrmmung; AnnaKorba zu 20jähriger Zwangsarbeit in den Fabriken; Boretsch, Kalinsky, Prtbyleff, die Lissowskaja, Hassia Grünberg, Smirnitzkaja, Juschkowa, Raissa, Pribylewa zu 15jäbrtger Zwangsarbeit und zwar die Männer in ben Bergwerken, die Frauen in den Fabriken unter Entziehung der Standesrcchte für alle. Die allerhöchste Begnadigung wirb befürwortet für die Juschkowa und Pribylewa; für erstere wird eine Strasmtnderung auf 4 Jahre Zwangsarbeit, für letztere eine 3jährige Deportation nach den entferntesten Gegenden Sibiriens erbeten.

Petersburg, 20. April. Gestern Abend starb um IOV2 Nhr nach längerer Krankheit die Prinzessin Theresa Petrowna Romanowskaja, geborene Prinzessin von Oldenburg, vermählt seit 1879 mit dem Herzog Georg von Leuchtenberg.

Bombay, 20. April. Gestern brach in Delhi eine große Feuersbrunst aus, welche 2000 Häuser vernichtete.

New-Uork, 20. April. In einer Depesche desNewyork Herald" aus Quebec wird die Niederbrennung des > dortigen Parlamentsgebäudes als das Werk eines fenischen Brandstifters bezeichnet.

Vermischtes.

Darmstadt, 19. April. Als Präsident ber hessischen Bauernvereine ist Graf Scrlms-Laudach gewählt worden und hat die Wahl auch angenommen. (N. H. V )

Frankfurt, 18. April. Wie dasInt-Bl." mtttbdlt, erklärte ein Droschken­kutscher auf hem Paulsplatzc vier Herren (drei davon in Uniform und einer in Civil), bie auf den Rödertnrg gefahren zu werben vrlangten:Nein, meine Herren, wenn icksoas ihue, werbe ich wegen Tierquälerei angezeigt." Auf bie Fragewarum?" er­widerte er:Sie beide wiegen zum mindestens fünf Gentner, dieser Herr zwei und einen halben Rentner und der vierte zwei Centner, ich ebenfalls fast zwei Ceniner, wie soll ein Drofchkengaul elf und einen halben Centner ziehen?" Die Fahrgäste sahen das ein und gingen ihres Weges.

©ingefanbt«

Der Himmel versagt den erwünschten Regen; trotzdem werden die städtischen Gießfässer nicht 'n Bewegung gesetzt, um in den Straßen den Staub zu dämpfen, ber vom Winbe emporgewirbelt Jedem oerletbit, sich im Bereich der Stadt in der Frühltngs- fonne zu ergehen. Es märe an ber Zeit, besagte Fässer nicht längermüßig in ber Halle" stehen zu lassen. Gerade jetzt bei ber trockenen Witterung würbe man ihren Nutzen recht verspüren. Man erführe bann bei einem Gang durch die Straßen, namentlich in den äußeren Stadttheilen, nicht die Unannehmlichkeit, von Zeit zu Zeit in eine Staubwolke gehüllt zu werben, die einem das Sehen für einen Augenblick vergehen läßt. Mögen diese Zeilen zur Beseitigung des Mißstandes Anregung geben! X.

Literarisches.

Goethe's Werke. Jllustrirte Prachtausgabe (Verlag ber Deutschen Verlags- Anstalt, vormals Eduard Hallberger, Stuttgart), erscheinen soeben in 2. Auflage. Schon vor Weihnachten war die erste, 25 000 Exemplare starke Auflage vollständig abgesetzt und es mußte, um der sich stets mehrenden Nachfrage zu genügenbie 2. Auflage in Angriff genommen werden. Zur Empfehlung des von der Verlagshandlung prächtig ausgestatteten Werkes brauchen wir nicht viel zu sagen. Sollten doch in keinem Hause unsere Geistesheroen, vor allem aber Goethe und Schiller fehlen. Für die künstlerische Ausschmückung der Goethe-Ausgabe erfreut sich bie Verlagshandlung der Mitwirkung einer Reihe ber ersten beutschen Maler. Die Text-Revision ist der Hand des vielbewährten Goethe-Kenners und Biographen Heinrich Düntzer an­vertraut, der nicht nur den neuesten Forschungen Rechnung getragen, sondern auch bet der Auswahl der Werke mit sicherer Hand bas Ewigbauernbe von dem nur durch die Gelegenheit Gewordenen zu scheiden bemüht war. Die illustrirte Pracht- Ausgabe von Goethe's Werken erscheint in ca. 85 Lieferungen ä 50 Pig-

unter den verschiedenen Erdbeersorttn bie von Herrn W Vetters in Dresden gezogene und ihrer 00^1^^ ®^nfd)aften wegen stark heaebrie ff ebte Mammut h-Erdberpslanze hervor. Dieselbe gilt anerkannter« maüen als e ne der ertragfähigsten und wohlschmeckendsten Sorten und seien daher Garteitfrennde auf die in heutiger Nummer unseres Blattes enthaltene Anzeige des Herrn W- Vetters aufmerksam gemacht.

sandel und Verkehr.

Gießen, den 21.April. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund </H. 1-1.10, Hühnereier per Stück 45^, Käse per Stuck 5-8 H Kasematte 8 H Erbsen per Leiter 20 Linsen 28 Tauben per Paar 0-801.00 Hühner per Stück </& 1.201.60, Hahnen per Stück 15.02, Enten per Stück ,

Ochsenfleisch per Pfund 66-70 H, Kuh- und Rindfleisch

50 X Schweinefleisch 62-64 H, Hammelfleisch 66-^, Kar offeln per 100 Kilo X 9.00-12, Zwiebeln per Centner X 3.50-5.00, Milch per ßtter 13~j8

Gießen, 19. April. Auf dem am 17. und 18. lMts.^^dahttr^abgehaltenen

Viehmarkt waren aufgetrieben: 1094 Stück Rindmeh und 151 letzteren

Nächster Markt Dienstag den 1. und Mittwoch den 2. Mai d.^^., am re^rm Tage auch Krämermarkt (Himmelfahrtmarkt). Verlesen der 7 Uhr.

(i , 21 April, Nachmittags 2 Uhr -^Min. (Telegraphischer MtLe^'durch das B°nkgesclKst Alb-rt Kaufmann Mu a) ^tadien 2683/. W Ä',

12-/4, Dux-Bodenbach-Actien. Tendenz: ruhig. ....... ......