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Nr. 297, Erstes Blatt. Freitag den 21. December L88D

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bttreaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

ikst Einladung zum Abonnement -test

auf den

Gießener Anzeiger

Amts- unö Llnzeigeblatl für heu -Kreis fließen.

DerGießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, incl. der BeilageGießener Familienblätter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger bcigelegt werden.

Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei in s Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark ercl. Postgebühr.

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im I. Quartal 1884 zusenden und den Abonncmentsbetrag durch Quittung erheben lassen.

Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgebcn zu wollen, damit wir vollzählige Exemplare liefern können. &te Expedition.

......

Amtlicher HHcil. Bekanntmachung.

Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat die Genehmigung zur Vornahme einer mit dem nächstjährigen Frühjahrs-Faffelmark in Butzbach zu verbindenden Verloosung von Fasseln, Rindern, Schweinen und landwirthschastüchen^Gerathen ertheilt,.J0^. ^.e.n

Großherzogthum gestattet, unter den Bedingungen, daß höchstens 10000 Loose ä 1 <74 ausgegeben und (abzüglich 300 JL für Pramnrung) < J /0 des Brutto­erlöses zum Ankäufe der Gewinngegenstände verwendet werden.

Gießen, am 19. December 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

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Jagdschein, daß dieselben 20 M. betragen sollen. Endlich wurde noch ein An­trag des Grafen Zieten-Schwerin, Jagden mit Schußwaffen und Hunden an Sonntagen gänzlich zu untersagen, mit 55 gegen 44 Stimmen angenommen. Das Abgeordnetenhaus setzte am gleichen Tage die Spccialdiscusston über den Etat des Ministeriums des Innern fort. Eine ziemliche Anzahl von Postlionen wurde ohne weientiche Debatte genehmigt, so z. B. die dauernden Gesammt- ausgaben für das statistische Bureau im Betrage von 386,740 M.. Eine ein­gehende Diskussion entspann sich über die Forderungen für das meteorologische Institut, wobei Abg. Dr. Reichensperger den praktischen Werth der meteorologi­schen Beobachtungen bestritt und namentlich auf die sehr fraglichen Wetterprog­nosen des Dr. Overzier hinwies. Beim Etat des Standesamts erneuerten die polnischen Abgeordneten v. Wierzbinski und Kantak die alten Klagen über Germanisirung polnischer Namen; indeß ihnen Abg. Tiedemann die Umwand­lung des deutschen Schumann in das polnische Szuman und das Wollschläger in Wollslegier entgegenhielt. Eine ganze Reihe fernerer Positionen wurde in durchaus sachlicher Weise erledigt und schließlich ein Antrag des Abgeordneten v. Eynern, die Regierung zu veranlassen, in dem Gesetzentwürfe über die ört­liche Polizciverwaltung auf eine gerechtere Vertheilung der Kosten derselben Be­dacht zu nehmen, an die Gemeinoe-Commission verwiesen.

Das Hamburger Secamt hat am Montag seinen Spruch in Sachen der Collission zwischen üerCimbria" und demSultan" veröffentlicht. Der Spruch läßt die Hauptsache, die Schuldfrage, unentschieden und bezeichnet als Ursache der beklageuswerthen Katastrophe, welche dieCimbria" mitsammt dem größten Theile ihrer Passagiere und Mannschaften zum Opfer fiel, den Umstand, daß beide Schiffe es unterließen, sofort die Maschinen in Vollkraft rückwärts gehen zu lassen.

Der wiedereingesetzte Bischof von Limburg, Dr. Blum, ist am Montag mittels Ertrazugs in Limburg eingetroffen, begleitet von der katho­lischen Geistlichkeit Frankfurts und Wiesbadens. Am Abend fand anläßlich dieses festlichen Ereignisses Fackelzug und allgemeine Illumination statt.

Mit dem Anfang dieser Woche Iroieber erfolgten Zusammentritte des kroatischen Landtags kann man den Ausnahmezustand, in welchem sich Kroatien infolge der antiungarischen Demonstrationen befand, als beendigt be­trachten. Der neue Bonus von Kroatien, Graf Khuen, hielt eine im versöhn' ljchen Sinne sich äußernde Ansprache, die von wiederholtem Beifall unterbrochen wurde, woraus man den erfreulichen Schluß ziehen kann, daß die Mehrheit des croatischen Landtags sich in friedlicher Weise mit Ungarn auseinandersetzen will. In Wien hat die Ermordung eines Polizeibeamten durch Arbeiter große Aufregung hervorgerufen; die Polizeidirection setzte eine Belohnung von 1000 fl. auf die Ergreifung der Mörder. Vor dem 5-Richter-Collegium des obersten ungarischen Gerichtshofs zu Pesth hat am Montag die Verhandlung des Tisza- Eszlarer Proceffes in zweiter Instanz begonnen.

Die französische Regierung ist endlich zu der Ueberzeugung ge­langt, daß ihre bisherige Zauderpolitik in Ost-Asien zu keinem Resultate führen kann. Der Beschluß, weitere 20 Millionen für die Tongking-Expedition von den Kammern zu fordern und sofort neue Verstärkungen, wie es jetzt heißt,, 9000 Mann, unter dem Befehle des Generals Millot nach Tongking zu senden, zeugt dafür, daß das Cabiuet Ferry nunmehr mit vollster Entschlossenheit in

Politische Ueberficht.

Gießen, 20. December.

Allmälig wird es licht über die Vorgeschichte der Rom- reife des Kronprinzen, und es gilt jetzt als sicher, daß ihr Urheber Nlemand anderes als der Reichskanzler ist, der den Vorschlag machte, als der Kronprinz schon in Spanien war. Fürst Bismarck stellte dem Kaiser vor, daß ein Höflich­keitsbesuch im Vatikan der gegenwärtigen Lage entsprechen würde. Dem Kaiser wollte der Plan nicht recht einleuchten, doch theilte er ihn seinem Sohne, wäh­rend er sich in Madrid aushielt, mit. Der Kronprinz war völlig überrascht über diesen Vorschlag, und zwar gerade nicht angenehm. Indessen mochte er bie Verantwortlichkeit nicht aus sich nehmen, dem Vorschläge des verantwort- lichen Leiters der auswärtigen Angelegenheiten entgegenzutreten. Er übernahm also die Reife- in welcher Stimmung, darauf kann man fchließen aus einer gteuüeruna die er in Madrid that, er werde, ehe er nach Berlin zurückkehre, wohl noch 'die halbe Welt durchreisen müssen. Ob die Begegnung zwischen dem Könia Humbert und dem Kronprinzen ohne das Eintreten des Retchskanzlerö in Rom oder aber in Genua erfolgt wäre, das wird wohl nicht aufgeklärt werden Der Aufenlhalt des deutschen Kronprinzen in Spamen tst nicht blos ein versönlicher Erfolg für ihn gewesen, sondern er hat auch die monarchischen Vartestn im Lande gestärkt. Das gegenwärtige Ministerium Posada Herrera ist allerdings ein sehr radikales und hat in der jüngsten Thronrede bereits bte SIusMit auf Einführung des allgemeinen Stimmrechts eröffnet. Dabei hat der Kriegsminlster General Lope, Domingue; nach Kräften dafür gesorgt, seine Parteigenossen in einflußreiche Stellungen im Heere zu bringen. Es wird in S L eber besser werden, als bis die Politik aus der Armee ganz mrbannt S. König Alfonso ist' sich seiner bedenklichen Lage völlig bewußt. Er schesiit ein ebenso tapferer als kluger Regent zu sem und man muß von Her-en wünschen, daß es ihm gelingen möge, mit starker Hand Ruhe und Ordnung in Spanien wieder herzustellen und die Republikaner bte schon fürs mit eher neuen Emvörnng drohen, zu fßaarenju treiben. Dann ist au? auf eine Herstellung der spanischen Finanzen zu hoffen, zu der em Anfang r, >r. (Knütttt baQeucrt in Spanien bie Republikaner ftd) noch emmak ÖJXW W » t-d.---» I«. I--V W8* ielbs? welches sich neuen Wirren und blutigen Kämpfen preiägegeben fahe, die für» oDer lang wieder mit einer Aufrichtung des Königsthrons end,- a n en als Uch wegen des Einflusses, welchen die spanische Republtkm Italien ausüben würde, wo bis jetzt die Republikaner nur e.ne schwache Mm- bertjeit bilben ^s preußischen Landtages hielten am Montag

--oeide Häufe beschäftigte sich lediglich mit der Vorlage über

k^aLun? an welcher die hoc gewählte Commission (Referent: Dr Stephan) nur einige redactionelle Aenderungen vorgenom- ?satt