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Mittwoch den 21. November
Amts- und Anzei
1883.
Vttreau: Schulstraße 7. Erscheint ILzlich mit Ausnahme des MsntaßS. Dur»^die^tzost^be',ogen viertlljShrckch s'Mark
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Amtlicher Theil'.
Betreffend: Neichsgesetz über die Krankenversicherung der Arbeiter. Gießen, am 19. November 1883.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzo glichen Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit Einsendung rubricirter Erhebungen noch im Rückstände sind, werden wiederholt an Erledigung der Verfügung vonr 4. October 1883 binnen acht Tagen erinnert.
Dr. Boekmann.
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Politische Ueberstcht.
Gießen, 20. November.
Der Kaiser unternahm am Freitag einen kleinen Jagdausflug nach Springe, wo am folgenden Tage eine Jagd auf Schwarzwild abgehalten Mnrve. Noch am Samstag Abend kehrte der Kaiser, in dessen Begleitung sich y. A. die Prinzen Wilhelm von Preußen und August von Württemberg befanden, im besten Wohlsein nach Berlin zurück.
Der deutsche Kronprinz hat am Samstag feine spanische Reise Mgctreten, auf welcher ihn die Segenswünsche der ganzen deutschen Nation Begleiten. Es ist gerade keine sehr günstige Jahreszeit, welche sich der hohe Herr zur Reise ausgewählt irnd die November-Stürme im mittelländischen Meere .geben denen in den nördlicheren Meeren an Heftigkeit nur wenig nach; um fo mehr wird man er in Spanien zu würdigen wissen, daß der Erbe des deutschen .Kaiserthrones die Beschwerlichkeiten der weiten Seereise nicht gescheut hat, um den ihm gewordenen ehrenvollen Auftrag seines kaiserlichen Vaters sofort aus- zuführen und dem spanischen Herrscher in dessen Hauptstadt einen Gegenbesuch Äbzustatten. Kronprinz Friedrich Wilhelm darf sich einer herzlichen Aufnahme in Spanien für versichert halten, selbst die fortschrittlich»republikanischen spanischen Blätter meinen, der kaiserliche Prinz müsse vom ganzen spanischen Volke als ein Freund und mit Achtung aufgenoinmen werden. Mit seltener Einstimmig- keck macht hierbei, die spanische Presse Front gegen die Hetz- und Schmähartikel der französischen Zeitungen und läßt deutlich durchblicken, daß jede gröbliche Demonstration der in Spanien lebenden Franzosen gegen den deutschen Kronprinzen ihnen übel bekommen würde.
Die Besuche des russischen Ministers des Auswärtigen in Berlin und Friedrichsruhe lassen Optimisten bereits annehmen, es handle sich um eine Wiederherstellung des Drei-Kaiser-Bündnisses. Indessen, eine förmliche -Erneuerung desselben dürfte schwerlich zu erwarten sein, dazu haben sich die politischen Coulissen doch zu sehr verschoben. Wohl aber dürfte die Reise des Herrn v. Giers mit dazu beitragen, die leichten Schatten, welche unzweifelhaft in dem Verhältniß Rußlands zu Oesterreich und Deutschland sich bemerklich machen, wieder zu verscheuchen und was Deutschland anbetrisst, so beweist die freundliche Aufnahme, die dem russischen StaatSmanne am Berliner Hofe und besonders beim Fürsten Bismarck in Friedrichsruhe zu Theil geworden ist, daß Herr u. Giers mit seinen Besuchen in der deutschen Reichshauptstadt und in dem Herbst-Domicil des Reichskanzlers vollständig reussirt hat. Auf seiner Rückkehr von Montreux gedenkt er in Wien vorzusprechen und wir zweifeln nicht, daß auch die Unterredungen Giers' mit den österreichischen leitenden Persönlich- Seiten ebenfalls ein günstiges Resultat haben werden.
Der preußische Landtag ist heute, Dienstag den 20. November, zu seiner neuen Session zusammengetreten. Seit den allgemeinen Wahlen vom 36. October 1882 haben in der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses in Folge Nach- resp. Ersatzwahlen zahlreiche Personalveränderungen stattgefunden, durch welche aber das Stärkeverhältniß der einzelnen Fraktionen nicht im Mindesten berührt wird, denn die in den betreffenden Kreisen neugewählten Abgeordneten gehören alle derselben Partei an, wie ihre Vorgänger., Hoffentlich vergeudet der neu zusammengetretene Landtag seine beste Zeit nicht mit unnützen parteipolitischen Discussionen.
Als bemerkenswerth dient aus dem in voriger Woche zusammengetretenen sächsischen Landtage die Mittheilung registrirt zu werden, daß unter den neu eingetretenen Abgeordneten der Socialdemokrat v. Vollmar der •etile war, welcher den Ew auf König und Verfassung leistete.
In dem parlamentarischen Leben Oesterreichs ist mit dem •am vorigen Mittwoch erfolgten Schluß der Delegations-Sitzungen eine Pause -eingetreten, da der Reichsrath erst am 4. December zu seiner neuen Session einberufen ist. Die politischen Parteien Cisleithaniens haben demnach Zeit, sich Zn dem bevorstehenden parlamentarischen Feldzuge zu rüsten und Compromiffe und Bündnisse abzuschließen; was dabei herauskommen wird, bleibt abzuwarten. — In diesen Tagen ist der Durchstich des mächtigen Gebirgsstockes des Arl- berges (Vorarlberg) gelungen und eine neue Straße für den internationalen Verkehr geschaffen worden. Der Arlberg-Tunnel weist eine Länge von 10,233 Metem auf und vermittelt eine neue Verbindung zwischen den Schienen- strüngen Oesterreichs und der Schweiz und werden sich weiter hierdurch auch die Häfen des südlichen Frankreichs den Producten der österreichischen Monarchie erschließen.
Der französisch-chinesische Conflict wegen Tongking scheint vorläufig in das alte Stadium der diplomatischen Verhandlungen wieder ein- treten zu wollen. Wenigstens ist Marquis Tseng von London nach Paris
zurückgekehrt und soll ganz friedfertige Gesinnungen zur Schau tragen, woraus man schließt, daß es der chinesischen Regierung mit ihrer Drohung, die Unterhandlungen definitiv abzubrechen, nicht Ernst gewesen ist. Während dessen dürften die kriegerischen Operationen in Tongking wieder begonnen haben, ba Admiral Courbet, der neue französische Oberbefehlshaber, zwischen dem 18. und 20. November einen entscheidenden Angriff auf die Hauptposition der „Schwarzen Flaggen" in Sotckay zu unternehmen gedachte. Unmittelbar hierauf soll ein. Vorstoß gegen das von den Chinesen besetzte Bacninh erfolgen, wobei es sich zeigen muß, ob die Chinesen in der That den Franzosen die Zähne weisen wollen. In den französischen Deputirtenkreisen ist man durchweg der Meinung, daß die Waffenehre Frankreichs in Tongking um jeden Preis gewahrt werden müsse und wenn der geforderte Credit von 9 Millionen nicht ausreichen sollte, werde die Kammer einen größeren Credit bewilligen. Das Cabinet Ferry braucht also wegen Annahme seiner Tongking-Credit-Vorlage, welche augenblicklich die hierzu eingesetzte Kammer-Commission beschäftigt, nicht in Sorge zn sein. — Der Senat hat für die weitere Berathung der Eisenbahn-Conventionen den Dringlichkeits-Antrag des Arbeitsministers Rayna! angenommen. — Im Ministerium des öffentlichen Unterrichts wurde am Freitag ein junger Mensch verhaftet, der mit einem Revolver bewaffnet war und angab, er sei von einem anarchistischen Comitä in Lille abgesendet worden, um den Ministerpräsidenten Ferry zu tobten.
Der Hofprediger Stöcker, welcher vom Londoner Luther-Comit« zur Abhaltung von Vorträgen eingeladen worden war, hat in der englischen Hauptstadt eine mehr als zweifelhafte Ausnahme gefunden. An zwei Tagen versuchte er es, in Memorial Hall Vorträge über Luther und den christlichen Staats-Socialismus zu halten, aber beide Male wurde die Versammlung durch die zahlreich anwesenden socialistischen Elemente gestört und somit der Zweck der Stöcker'schen Reise vereitelt. Herr Stöcker dürfte nach diesen Übeln Erfahrungen schwerlich Lust haben, sein Heil in der englischen Hauptstadt zum dritten Male zu versuchen. Namentlich die zwecke am Donnerstag Abend abgehaltene Versammlung nahm einen äußerst stürmischen Verlauf; Stöcker wurde in seinen Ausführungen von seinen Gegnern fortwährend in gröblichster Weife unterbrochen und wenig fehlte, so wären der Redner und seine Freunde auch thätlich angegriffen worden. Die überwachenden Polizeibeamten sahen sich schließlich genötigt , die Versammlung aufzulösen und unter unbeschreiblichem Tumult ging dieselbe auseinander.
Deutschland.
Darmstadt, 19. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog werden in dieser Woche, statt Mittwoch den 21., Donnerstag den 22. d. Ms. Meldungen und Vorträge entgegen nehmen. ■
Darmstadt, 17. November. Se. Kaiser!. Hoheit der Großfürst Sergius von Rußland ist heute zum Besuche der Großh. Familie eingetroffen und hat im Palais Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Alexander Wohnung genommen.
Berlin, 17. No»embcr. Das heule ausgegedene Armee.Vcrordnungsblatt veröffentlicht nachfolgende Allerhöchste Ordre:
l?J?d7m DcknstvÄältniß der SlabSofficiere btf btn 3nfantetkrE8im^nterR soll für di- Friedensformation eine Veränderung dahin eintreten, daß künftig der älteste Stabs,fficier jedes Infanterieregiments unter Entbindung von dem Kommando eines Bataillons als Stellvertreter des Regimentskommandeurs in AbwesenheitS- oder Be- hindernngSfällen zum RegimentSstabe übertritt, so daß also alSdann von den dem Regimentskommandeur unterstellten vier Stabsofficieren eines Infanterieregiments der älteste in vorerwähnter Weise und mit diesem Diensttitel alS etatSmüßiger EtabSofstcter, die drei jüngeren als BataillonSkommandeure fungiren sollen.
2. Die etatSmäßigea Stabsoffici-r- der Jnfanteri soll nkünftig grundsätzlich sämmtlich der OberstlieutenantS-Charge angehören, und soll diese Charge mit Patent nach beendetem U-bergange in die ad 1 bezeichnete Vertheilung der ©tab8o{ftdare on BataillonSkommandeure der Infanterie im RegimentSvcrbande in. der Regel nicht mehr verliehen ^e(t^t^ntnnun0 Jutn ctatsmäßigen StabSofficier erfolgt durch Meinen, für iede desfallüie Vakanz abzuwartenden Befehl. . „ , , , . , „
4. Die patentirtcn Oberstlieutenants aller Waffen sollen fortan den in derselben Charge befindlichen Regimentskommandeuren nur dann tm Range nachstehen, wenn diese ein Meres^Pattnt^h«^ ntrgnberfe Stabsofficier-Verwendung bei der Infanterie soll allmälig geschehen und bebalte Ich Mir sowohl die Bestimmung bei jedem einzelnen Falle, wie die erforderlichen Abänderungen in den bisher für die Bemthetlung der StsbSosficiere maßgebend gewesenen Grundsätzen vor.
Berlin, den 8. November 1883.
Wilhelm.
Bronsart ». Schellendorff.
An da? Kriegsministerium.
Berlin, 17. November. Die Franzosen sind unverbesserliche Phantasten. Sie reden sich ein, daß das europäische Wohlbefinden von ihrem eigenen Wohlbefinden ahr


