Die Quacksalberei in Uord Amerika.
schlenderte Ich durch die Straßen von Cincinnati, als mir ein
'J? b/cJ?Uflfn welchem in großen goldenen Lettern stand: „H. K Em- mertch, Arzt Wundarzt und Geburtshelfer". - „Heinrich Karl Emmerich," murmelte 'ch - ^Heinrich Karl Emmench — sonderbar! - War nicht ein Schuster in unserem
Der Mangel an Raum oerbittet eS für heute, deS Verfassers beS Näheren zu gedenken, sowie alle die vorzüglichen Schönheiten seiner Dichtung aufzuzählen: wir wollen nur die eine Thatsache conflottrcn, daß sich während deS beinahe Zweistündigen S OktragS eine oft athemlose Spannung des Publikums kund gab, daß dieselbe bi« zum Schlüsse anhielt und daß dann der lebhafteste Beifall da« Interesse bewies, welches das poetische Werk hervorgerufen hatte
Der Vortrag der Dichtung durch Herrn Edward war ein in jeder Beziehung des schönen Werkes würdiger; die stimmungsvolle Beschreibung der Ereignisse, die vortrefftiche Eharakterisirung der handelnden Personen, die anmuthende uno prachtvolle Schilderung der Naturerscheinungen, kamen in meisterhafter Weise ebenso wahr, schön wie ergreifend, zum beredtesten Ausdruck, und müssen wir somit dem geschälten Künstler für die ausgezeichnete Wiedergabe der herrlichen Dichtung unsere gerechteste Anerkennung auSsprechen. *_______________
Vermischtes.
Darmstadt, 19 Januar. Nach einer Mitibeilung deS Kgl. Preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten hat ec. Maj. der Kaiser und Kö"ig denselben zu ermächtigen g«ruht, zur Linderung deS durch die Hochwasser im Stromgebiet deS RdeinS und feiner Nebenflüsse derbeigesührteu NothstandeS an die nothleidenden Gemeinden hi den betroffenen dculschm LandeStheilen nach Bedürsniß Steinkohlen auü den Kgl. Preußischen Steinkohleubergwerken bei Saarbrücken u entgeltlich ober zu ermäßigtem Preis verabfolgen zu lasftn und sind ru diesem Zweck im Augenblick 100,000 Gentner Kohlen zur Verfügung gestellt, deren Abgabe je zur Hälfte unentgeltlich und zum halben Grubenpreis erfolgen wird.
Seitens des Landescomite's zur Unterstützung der Wasserbeschädigten im Groß- derzogthum sind die demselben angeschlos'enen KreiS- und städtischen Comite'S ersucht worden, die Gemeinden, die hiervon Gebrauch machen wollen, demselben baldigst anzumelden, damit durch daS LandtS-Comttc das weitere Erforderliche veranlaßt werden kann. —
SB aller ft ätt en, 16. Januar. DaS Wasser zieht allmählich ab und die furchtbare Zerftorung tritt immer deutlicher zu Tage. Da daS Wetter günstig ist und der Weg von hier nach Groß-Gerau troef<ncn FußeS zurückgelegt werden kann, so sieht man ganze Schaaren von dort hierher pilgern, um daü schreckliche Elend mit eigenen Augen anzusehen. Allenthalben sieht man einzelne Familien im Oberdorfe wieder e,n- zieben, dagegen ist der ganze untere Thttl vollständig unbewohnbar und daher viele Familien obdachlos Auf dem Felde schwimmen noch Balken, Rüden. Kai löffeln, Stroh. Heu :c. Pächter Schudt aus „Rbeinfeldcrhof gebt energisch zu Werke. Gestern wurden die zwei DampsflugS-Locomcoilen vor die Brennerei gestellt, welche den durch die schnelle Abkühlung unbrauchbar gewordenen Dampfkessel zu ersetzen haben. Das Stroh wurde heute mit großer Müde auS den Stallungen geschleppt und vor den iLveichem, auf welchen die Thiere steben, aufgethürmt, damit ha« Hcrunle,nehmen der Köbe ermöglicht wurde 40 Kühe wurden heute heruntergeschafft, ebenso wurden die Schweine mittelst Seilen und schräg angestellten Breitem von ihrem Dachkerker befreit und in die Stallungen gebracht. Herr Schudt leidet enormen Schaden Wer vor drei Wochen den dortigen Piebstand gesehen und denselben sich heute anzusehen die Mühe nimmt, dem fällt unwillkürlich die biblische Geschichte von den 7 selten und den 7 mageren *üben cm.
— sZwet Zoll-Eurrosa.j Das WechnachtS- und daS Neujahrsfest baden wieder die Rubrik her Zoll-Eurtosa um etliche wundersame Fälle bereichert. Em Berliner Ehepaar wünschte sich, wie der „B. (5 " schreibt, einen ganz besonderen NeujahrSbraten zu verschaffen und ließ sich deshalb auS Paris eine getrüffelte Poularde schicken, die man allerdings in Berlin wohl eben so gut hätte bekommen können Welch ein Schreck aber, alS man die Poularde verzollen wollte. Kalt lächelnd verlangte her Zollbeamte ben hübschen Betrag von — neunzehn Mark- Höflichst um eine Aufklärung dieser eritaunlich-n Steuerforderung ersucht, erklärte der Beamte, die Poularde fei getrüffelt und deshalb müffe ibr Gewicht durchweg als „Trüffeln* versteuert werden Alle« Reclamiren half nichts, daS Gewicht der Poularde mußte als Gewicht von Trüffeln verzollt werden. — Em anderes Zoll-Euriofum erlebte eine Berliner Familie, welche zu Weihnachten einige Bonbonnieren auS Paris kommen ließ. Man hat m der französischen Hauptstadt gegenwäntg eine hübsche Art von Bonbonnieren in der Gestalt von Damen-Strohhüten, die zusammengedrückt sind und auf ben ersten Blick ziemlich chrffonirt auSsehen, bei näherer Betrachtung sich ober alS allerliebste Bonbonnieren erweisen. Einige dieser niedlichen Bonbonnieren bezog die Familie nun aus Paris " Als sie dieselben auf dem Steueramt abholen ließ, mußten die Bonbonnieren runb und nett alS „feine Damenhüte* verzollt werden. ES geht nichts über die Zoll-Logik!
— sEtn milstärischer Witz und seine Folgen ] Schon seit längerer Zeit, so wird der „Brest Ztg " au« Petersburg geschrieben, harschte speciell in dem OlfizierscorpS M dort flarnifonirenben moSkauischen Leibgarde-Regiment- eine gewisse Unzufriedenheit mit bm Eommanbeur desselben, Gripenberg, die sich neulich in drastischer Form äußerte. In den Zeitungen erschien folgende Annonce: „Em Mann, der mit Verrückten gut umzugehen versteht, wird gesucht. Reflectanten belieben sich . . ftolgte bte Adresse de« Eommandeurs Gripenberg) zu wenden." Man denke sich ben Aerger desselben al« mehrere Tage hindurch Rrflectanten aus diesen Posten erschienen und nach dem verrückten Grivenberg fragten Die Untersuchung ergab, daß der Verfasser dieser Annonce die — Frmi deS Oberft-n im seiden Regimente. Madame Sacharoff, sei, welche dieselbe unter Beihilfe d S Obersten Sapunoff und des Hauptmanns Schebwiski verfaßt hatte. Da solch ein Vorkommniß einige Tage vor der RegimentSfeier, die in der Manege abgehalten zu werden pflegt, sich ereignete, so erließ der Commandeur eine d'e beioen obenerwähnten Offiziere auS der Manege auSschließende Verfügung und bewirkte später deren Abschied. Laut einem vom Kaiser Alexander II ertheilten Privilegium besitzen ? » b<i?rmo?fau,f£nl ^^be Regiments, auch das der Schnellläufer genannt
daS Recht, in besonderen Fallen direct, ohne Vermittelung, mit ihrem Titularchef der rmmer ein Großfürst ist, zu verkehren. Die beiden verabschiedeten Offiziere wandten sich also mit ihrer .Klage an den gegenwärtigen Chef des Regiments, Großfürsten Alext Alexandrowitfch. Aber vergebens. Denn bieftr erklärte, er könne und wolle nicht alS Seemann sich in dergleichen, die Territorialarmee allein berührende An- gelegenhe ten Einmischen. ES ist bei dieser Gelegenheit zu bemerken. daß da« moskamfche Garde-Regiment an dem Militär-Aufstande gegen Kaiser Nikolai tbeil- genommen Hot °
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falte« Setter berichtet unb «S finb bereits mehrere TobeslSlle burch Erfrieren zu -er- zeichnen. Mehrere Personen finb im Schnee umgefommen, ber in Dafoto, Minnesota, Iowa unb in ben nördlichen Bezirken von WiSconsin so hoch lleat bah da» '»elfen f* erfdjmertmtrb^ Alle am Sonntag ongefommenen^Domoser melden schwer" ® kT™“) °"°"ttschen Getan. Der Dompser Neckar ' von Bremen hotte ben -lhpitän unb 7 Molrosen ber englischen Brigg „Mary Lizzie- ausgenommen. Am 3 Januar w°r auf ber eiben Feuer auggebrochen unb 7 Tage unb Nächte hatte ble Mannschasi orrgeblich versucht, dafselbe zu löschen. Als ber .Neckar" ble Leute sanb waren Ne last erschöpft. Die Borf „Lizzie Curry» von Marseilles bat ble Mannschaft bes vom Sturme arg mitgenommenen englischen Schiffes „Skerryvose" gerettet
Pasewalk. In einem Backofen zu WiSmar bd Straßburg i. U. wurde vor einigen zagen der Cürasfier Walmow von der 3. Schwadron deü hiesigen Regiments halb verhungert und mit erfrorenen Beinen aufgefunden. W-, der erst vor 7 'Jßodien bei bm Kürassieren freiwillig dnfrat, ist noch seiner Angabe am 10. Januar Abends befertirt und will hierzu durch schlechte Behandlung fetten« feines Unterofficier« ge- trteben fein; durch Ve hungern suchte er seinem Leiden zu entgehen. hu Wagen wurde hier in da« Garn'son^Lazareih abgeliefert Die Untersuchung wird hoffei.tlich den Thatbeftand feOfteUen.
Sprendlinaen, 14. Januar. Der gestrige Tag war für eine hiesige Familie ,a*L f“rd?t,b°reT UnglückStag. D-r 16jährige Sohn einer Wagnerswittwe hatte mit dem Gesellen schon mehrere Baumstämme im Sprendlinger Wolde gefällt; endlich traf einer heim Fallen den jungen Menschen, der zu spät wegsprang, so unglücklich am HinterkIpf daß er fofort eine Leiche war. — Aehnliche Unglücksfälle sind an einem Tage dieser Woche in Zotzenheim, Wöllstein, Wendelsheim vorgekommen.
Dorf -, dessen Sohn Heinrich Karl Emmerich hieß? Wanderte ber Taugenichts nicht au«?" — Während ich mein Gedächtniß anstrengte, mir die Züge des Schustersohnes zu vergegcnwäitigen, hatte mich, ohne daß ich es bemerkte, der edle Doctor von feinem Z.mmer auS betrachtet — und erkannt. Er öffnete das Fenster und ries herab:
„Peter lütt! Bist Du eS? Komm herauf, Peter."
Meine Freude kannte keine Grenzen- In so weiter Ferne ist ein Landsmann und Jugendgespiele gleich einem Meteor in dunkler Nacht. Kaum hatte ich Heinrich Karl Emmerich |um dritten Male umarmt, alS mir alle Bewohner unseres Dorfe« deutlich vor die Seele traten oom Schulzen an bi« auf den krummen Hannes, der ^k.?^?^^?^'z^benfett in die Apotheke zu verkaufen ober verkauft zu hoben, und deßhald in die Reichsacht erklärt war.
m „Bist Du aber groß gewoiden, Heinrich Karl Emmerich, unb bick und fett! Wa« machst Du denn hier? Wa4 treibst Du? Bist Du ber Doctor unb Geburtshelfer, ber da unten auf dem fürchterlich großen Schilde steht?*
^Ja, ber bin ich, mein lieber Peter."
. , $?u gekommen, Doktor zu werden? In unserem Hcimath-
dorse lerntest Du ja die Schusterei?"z ' v y
„Sprich nicht so laut, Peter; wenn daS meine Fran horte, ließe sie sich noch ?nur<«.D?A J! L ^J^en. Was Du von meinem früheren Leben weißt, da« behalte hübsch für Dich. Peter; ich habe eine ausgedehnte Praxis, bte ich augenblicklich verlieren würbe, wenn die Leute erführen, daß ich in meinen Flegeljahren ben Pechvraht geschwungen habe. Darum sei verschwiegen, Peter."
„Mein Wort darauf, eß soll kein Wort über meine Lippen kommen, was Dich kompromittiren würde, obschon ich nicht einsehe, wie es Dir h er in Amerika, wo die .Irbeit so hoch in Ebren steht, schaden kann, wenn die Leute erfahren, daß Du fiüber dem Arbeiterstunde angebSrteft.*
„O. himmlische Einfalt*, erwiderte der Doktor, „die Arbeit, meinst Du, stände hier in Ehren? £), Peter Peter, bist Du noch so dumm?"
„Ja, waß weiß ich? Ich seh- fortwährend in ben Zeitungen Männer zu ben wichtigsten Posten vorgeschlagen, welche früher baS Maurer- ober ZimmermannShand- meif getrieben baben, unb ba dachte ich denn, baß Maurer unb Zimmerleute hier zu besonders bei Besetzung von Gesandt!chastßposten unb ähnlichen Aemtern berücksichtigt würben. ES hat mir gefallen, daß ein gewöhnlicher Handlanger Mintster- rcfioent in Berlin ober Wien werden kann, und eS freut mich, baß ein Schusterjunge Doktor und Geburtshelfer wirb. Nur thue mir ben Gefallen, Fieund, mir niemals mit Deinen Reeepten in bie Nähe iu kommen; ich traue Dir ersten« keine Kenntniffe zu und zweiten« habe ich eine BoufetHc C&caUa Americana, die Wander wirkt * (6m Aufguß von dem Pestwurz-Kraute.)
„Glaubst Du an diese« Humbugmittel?*
„Wie an die sieben Todsünden!*
„Warum glaubst Du denn nicht an meine Mittel?*
"Das thue ich auch, ich glaube an sie wie an daS ewige Leben. Da ich dies aber noch kennen zu lernen wünsche, so bitte ich Dich, mich zu verschonen.*
„Peter, Du bist schrecklich! Immer noch ber leibhaftige Mittelbeutsche. Du warst schon als achtjähriger Knabe ein Philister unb Spießbürger, unb hast gute Anlagen, selbst hier im Lande irdischer Vollkommenheit Spießbürger zu bleiben Höre mich an, Peter.*
"M>t ber Schusterei ging e« hier nicht. War Dir ba erst in Massachusetts — wohnen lauter Schuster in bem Lande — scheußlich, sage ich Dir. Well, ich trete in eine Fabrik unb frage nach Arbeit. Gut, sagt ber Baas, kannst Arbeit haben, acht Dollar« bie Woche und Ueberftunben cxira bezahlt. Gut, sage ich, unb will Arbeit. Wa« geschieht?^ Dreihunbert Dutzenb Schuhe bekomme ich einzufassen; wenn ich ba« mebt gelernt hätte, sollte ich Absätze aufnageln, Absätze schneiden, blank putzen unb so weiter. Einen regelmäßigen Schuh nach der Manier zu nähen unb umzuwenden — gar keine Spur, Peter. ES gibt Dir Leute, die auf der Schusterei arbeiten und dreißig rtahre nicht« gethan haben, al« Absätze aufnageln. N'e, sagte ich, und grüßte das Handwerk. Da wurde ich denn ein Doktor. E« war gerade Cholera vorhanden; ich gab ihnen was ein, sie starben wie die Mücken — im Handumdrehen, sage ich Dir, na, und je mehr Patienten einem Doctor sterben, desto mehr Zulauf bekommt er. Am ersten läge, wo ich in Boston die Prax « anfing, starben mir neun Patienten. Da nannten sie mich den Neuntödter und machten schlechte W tze über mich in den Zeitungen bi« ich toll im Hirn wurde und nach Cinc'nnati übersiedelte."
„Und welche« Glück hattest Du hier?"
„Erst wollte es gar nicht gehen. Ich gab mich für einen Augendoctor aus wo« immer sehr rathsam ist Peter, wett die Augenkranken gut bezahlen und nie wieder gesund werden — wenigsten« sind meine Patienten bi« auf Einen stockblind geworden*
„Heiltest Du diesen Einen?*
„Nein, er heilte sich selbst; er fiel nämlich in eine offengelassene Cisterne und ward erst nach zwei Monaten gefunden. — Da es mit der Augendoklorei nicht gehen wollte, kaufte ich mir ein Skelett und stellte e« in meiner Osficin so auf, baß man es von ber Straße au« sehen konnte. Nun strömten bie Menschen herbei. J?ber, der eine alte Schwiegermutter ober einen tauben Großvater zu beerben hoffte, suchte bei mir Hülse. Mein Geschäst kam in Aufschwung; ich heirathete die Schwester eines Sargmacher«, trat mit 'hm in Compagnie und erspare mir jährlich eine hübsche Summe Geldes. Mein Schwiegervater ist Prediger, zwei Vettern meiner Frau sind Letchen- bitter unb em Neffe meiner Frau ball Trauerwagen und acht Trauerpferde, so daß wir zusammen ein ganz hübsches Armeekorps des Todes ausmachen. Schade, daß wir vor einer Woche ben TodtengrSberposten besetzt haben. Das wäre ein Platz für Dich gewesen, Peter!*
„Ich banke Dir für Deine freundlichen Gesinnungen, mein Lieber, freue mich aber zugleich Über mein günstige« Geschick, welche« mir einen besseren unb meinem Ge- fßmatre mehr zusagenden Posten anaeroiefen hat Ich bin Rechnungsführer eines reichen Pflanzers und glücklicher Gatte der unvergleichlichen Eva Schneider auS Fulda."
„Nun, das freut mich von Herzen", erwiderte ber Doktor, „vieleicht erlaube ich mir, Deiner lieben Frau einen Besuch zu machen; für jetzt mußt Du mich entschuldigen, ich habe in dem Lazareth einen Kranken, bem ich ein Bein amputtren muß."
„Na, Gott fei der armen Seele gnädig", sagte ich lächelnd, während ich bem Doktor bie Hanb zum Abschiede reichte.
„Du bist ein Narr", antwortete er — unb wir trennten uns.
Einige Zeit später spazierte ich in Saint-Louis auf ber Straße unb sah mit Verwunderung das Trottoir mit unzähligen kleinen Zetteln bedeckt. Unwillkürlich hob ich einen von der Erde auf unb la«: „Dr. med. Thompson hat feine Office in ber siebenten Straße Nr. 1108 unb bietet seine Dienste allen Denen an, welche von andern Aerzten schon aufgegeben wurden. Alle Krankh-iten roerben von ihm burch ein einfache«, aber sicher wirkenbes Mittel g heilt; selbst Lungenleiben im zweiten Stabium Bronchitis (Entzünbung ber Schleimhaut der Luftröhrenäste) unb Luftröhrenschwinbsucht werden unfehlbar furirt. Für Damen ist bte Office von elf Uhr Vormittags bis zwei Uhr Nachmittags offen.*
An den Straßenecken befanden sich große Plakate, auf benen zu lesen war „Freuet Euch, Ihr Leibenben! Er ist ba, ber lang ersehnte Doctor Thompson ist gekommen, um Eure Leiden von Euch zu n-hmen, neuen Lebensbalsam in Euer Herz zu träufeln. Kommt, Ihr Tausende, ble Ihr von Pfuschern um Eure Gesundheit und Euer Geld gebracht, seid, kommt'zu Eurem Freunde Thompson, und könnt Ihr nicht selbst kommen, so schickt eine Flasche mit Eurem Wasser, damit ich daraus den Zustand des Leidenden entdecken kann. Ich heile jede Krankheit für einen Dollar; in einzelnen Fällen, wo die Heilung wegen zu weit vorgeschrittener Krankheit nicht erfolgen sollte, wird das Geld zurückgezahlt. Ich bin ber einzig lebenbe Arzt, ber die Heilung garanttrt."
Dieser Mann schickte feine Agenten voraus, um seine Zettel vertheilen zu lassen; er beklebte alle Straßenecken mit seinen Ankündigungen, hatte ungeheuren Zulauf und verdiente gewiß innerhalb eine« halben JahreS, in welcher Seit er die Vereinigten Staaten abklopfte, ein bedeutendes Vermögen.
Uebrigens befinden sich, namentlich im Osten der Bereinigten Staaten, natürlich vollkommen gebildete amerikanische Aerzte und vortreffliche Lehiaustalten und es kann mir nicht einfallen, diesen Männern und diesen Instituten ihr Verdienst rauben zu wollen. Aber nur zu oft ist dort wie hier die Med'cin keine Wissenschaft, sondern ein Handwerk, bei bem der Patient als Rohmaterial, die Arzenei als Werkzeug und der Tod als Product auftreten. Der Doctor ist der Contractor, der für ein Gewisses die Bearbeitung beö Rohmaterials übernimmt.


