ein Anverfolgt in eine lanbes-
sinb der gewissenhaften Controle eines Pflegeamtes zu unterstellen. — Zu B. Erziehung der verwahrlosten Kinder
übergehend, wies der Referent darauf hin, daß nach § 55 des Strafgesetzes geschuldigter, welcher das 12. Lebensjahr nicht vollendet hat, nicht strafrechtlich werden kann, daß aber nach Maßgabe der Landesgesetze die Ueberbringung Erziehungs- oder Besserungsanstalt erfolgen kann, bet uns in Hessen aber diese
gesetzlichen Bestimmungen fehlten, daher die Verbringung in eine Besserungsanstalt nur mit Genehmung der Eltern zulässig sei, die aber selten ertheilt werde.
Diese unhaltbare Sachlage veranlafle ihn, folgende Resolution vorzuschlagen, die Versammlung erklärt es für ein dringendes Bedürfniß, daß auch für Hessen in Gemäß- heil der 88 55 und 56 des Strafgesetzes geeignete Bestimmungen getroffen werden, welche eine zwangsweise Verbringung tn Besserungsanstalten gestatten. Im Uebrigen wurden folgende Thesen in Vorschlag gebracht:
4) Die Pflicht, für die Sicherheit der Staatsbürger zu sorgen, ist Sache des Staats, dessen Schutzpflicht schon mit Rücksicht auf die Jugend beginnt. 5) Für die sittlich gefährdeten Kinder wird am besten und richtigsten gesorgt, wenn sie zur Pflege und Erziehung tn dazu geeigneten Familien untergebracht werden. 6) Für die sittlich verwahrlosten Kinder eignet sich weniger die Massenerziehung in den sog. Rettungshäusern, als vielmehr die Erziehung tn kleinen Famtlnnhäusern, welche sowohl bte Erziehung zu leiten, als den Unterricht zu ertheilen im Stande sind. 7) In den Familienhäusern dürfen nur Kinder von gleichem Geschlecht und möglichst gleichem Alter untergebracht werden. 8) Die Hauseltern müssen die erforderlichen Eigenschaften besitzen, um durch strenge Ordnung, wohlwollend-ernste Zucht und sorgfältige Beaufsichtigung, durch Unterricht im Hause, durch Gewöhnung an eine regelmäßige Thätigkeit und durch möglichste Einfachheit in der ganzen Lebensweise einen gesicherten Einfluß auf die Zöglinge ausüben zu können.
Redner, der scharf zwischen sittlich gefährdeten und verwahrlosten Kinder unterschied, hält die Massenerziehung solcher Kinder für ganz ungeeignet und empfahl nur eventuell für ganz sittlich verwahrloste Kinder das System der Rettungsanstalten, hie aber nicht zu groß angelegt werden dürften. — Zu 8. übergehend, wurde noch betont, daß wohl Lehrer, welche die gesetzliche Befähigung zum Lehramt besitzen, die geeignetsten Persönlichkeiten sein möchten.
Die Versammlung zollte den Ausführungen des Referenten lebhaften Beifall. — Rach kurzer Pause trat man tn die Debatte über die Thesen ein. Zunächst ergriff Funk (Marienschloß) das Wort, um auszuführen, daß hier eine der wundesten Stellen unseres socialen Lebens in Frage stehe, denn wer eine Verbrecherlaufbahn näher betrachte, werde gewiß zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Hälfte der Verbrechen durch verwahrloste Erziehung verursacht werde. Mit den Thesen 4 und 5 könne er sich einverstanden erklären, glaube aber noch einen Zusatzantrag dahin formuliren zu sollen, daß der Staat verpflichtet ist, Erziehungsanstalten für sittlich gefährdete Kinder zu erhalten und zu gründen. Mit der These 6 sei er dagegen nicht einverstanden, für solche verwahrloste Kinder, so führte Redner eingehend aus, sei die Familienerziehung ungeeignet, ein Ideal, denn wer wolle überhaupt solche verwahrloste Kinder nehmen, es bleiben schließlich nur die staatlichen Erziehungshäuser übrig. Reichs- und Landtags- Abgeordneter Dr. Schröder (Worms) bezweifelt, ob es schon aus finanziellen Grünben durchführbar sein werde, daß der Staat für sittlich, gefährdete Kinder sorge, erachtete vielmehr, daß die Kreise und Gemeinden das allergrößte Interesse hätten, hier etnzu- greifen, und verwies in dieser Beziehung auf die schönen Erfolge, welche das Mathilden- stift in Friedberg bereits zu erzielen vermocht. Anders liege die Sache mit den verwahrlosten Kindern und erscheine es absolut gehalten, auf dem Wege der Landes- pesetzgebung dem Vorgang Preußens, Sachsens und insbesondere Oldenburgs nachfolgend, Bestimmungen zu treffen, wonach Kinder, welche, weil noch keine 12 Jahre alt, nicht vom Strafrichter belangt werden dürfen, zwangsweise in Besserungshäuser verbracht werden können, in welcher Beziehung er bereits mit dem Abg. Böhm einen desfallsigen Antrag gestellt. Soweit keine solchen Besserungshäuser bereits vorhanden seien, habe der Staat für solche Sorge zu tragen.
Kreisschulinspector Krämer (Bingen) sprach mit aller Entschiedenheit gegen das System der Massenerziehung solcher Kinder. Die Familienerziehung, namentlich in nicht gut fitutrten, wo die fraglichen Kinder zur Arbeit angehalten würden, sei das vorzüglichste Mittel zur Hebung sittlicher Gebrechen. Müßiggang, bekanntlich aller Laster Anfang. Unbedingt sei es geboten, daß solche Kinder aus der schlechten Gesellschaft, dem sittlichen Sumpf herausgezogen, also an einen anderen Ort gebracht würden. Die Erfahrung beweise, daß sich Familien genug zur Aufnahme solcher Kinder fänden und habe insbesondere der in Bingen bestehende Pestalozzi-Verein in dieser Beziehung bereits viel Gutes geleistet. Nur für Kinder, deren moralische Verkommenheit gewiss-r- maßen auf eine Art Irrsinn zurückzuführen sei, empfehle sich die Verbringung in eine Rettungsanstalt, wie auch der Staat die Geistiggestörten durch Unterbringung in Anstalten für die übrige Gesellschaft unschädlich mache. Redacteur Schmidt (Darmstadt) wies darauf hin, daß er bereits im Jahre 1840 in einer Broschüre hie Nothwendigkett der Errichtung von Rettungsanstalten nachgewiesen, seit 1845 die Frage im Landtag wiederholt angeregt worden, allein stets der Mangel an Mitteln der Ausführung entgegengetreten sei. Bürgermeister Küchler (Worms) erklärte sich dafür, die sittlich gefährdeten Kinder auf Kosten der Kreise in Familien unterzubrtngen, wo sie noch gerettet werden können, verlangte bezüglich der verwahrlosten dagegen Entfernung uus der Volksschule und Verbringung in Rettungsanstalten.
Mit Rücksicht auf die weit vorgeschrittene Zeit wurde Schluß der Debatte angenommen, die vorgeschlagenen Thesen sammt der Resolution angenommen, nachdem der Funk'sche Antrag zurückgezogen war.
Ein weiter angekündigter Vortrag des Herrn Schuhmacher (Worms) über die Schule und das Elternhaus mußte ausfallen, dagegen wurde, und zwar ohne Debatte, ein von Dr. Schneider (Worms) gestellter Antrag angenommen, wonach eine Commission von Sachverständigen zusammentreten soll, um dem überhand ent^öemutreten1"0” Druck der Schulbücher durch Aufstellung besonderer Normen Versammlung"^ SefimaW "»-«niste sodann den größten Th-tl der Th^lnehmer der
lich zahlreich, von nahezu 800 Lehrern besucht und vermochte das große, sehr geschmackvoll decortrte Worret'sche Lokal kaum die Masse der Erschienenen zu fassen. Der Obmann des Landes-Lehrervereins, Backes-Darmstadt, eröffnete die Versammlung, zu der zahlreiche Begrüßungstelegramme eingelaufen waren, mit einer sehr beifällig aufgenommenen Ansprache, in der namentlich betont wurde, daß der wahre Lehrer nur tiefe Verachtung für Diejenigen haben könne, welche durch Kriecherei und Gleißneret um die Gunst der Vorgesetzten buhlen, sowie daß die hessische Lehrerschaft noch treu auf dem Boden unseres Schulgesetzes stehe und in unwandelbarer Treue zur Schulbehörde halten werden, so lange sie sich auf dem Boden dieses Gesetzes bewege. (Lebhafter Beifall.)
Hierauf ergriff Geh. Oberschulrath Becker das Wort, um an Stelle seines durch ein leichtes Unwohlsein verhinderten Collegen Gr etm die Versammlung Namens der Schulabtheilung und der Regierung zu begrüßen und zwar umsomehr, als die Liebe zum Beruf, die Treue im Amt und Beständigkeit in der Arbeit durch Versammlungen wie die heutige nur gefördert werden könnten. Weiter begrüßte Bürgermeister Küchler die Anwesenden im Namen der Stadt Worms, ebenso der Schulinspector des Kreises Worms, ein Pfälzer Lehrer aus Oppau überbrachte freundnachbarliche Grüße von dort.
Aus dem alsdann erstaiteten Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, daß der Landes-Lehrerverein etwa 1700 Mitglieder zählt, ihm also 85 pCt. der hessischen Lehrer angehören. Die Kassenverhältnisse sind befriedigend. Die Rechnung des Lehrer- Waisenstifts, das schon manche Thräne getrocknet, gab zu keiner Beanstandung Anlaß und wurde der Antrag des Obmanns, die Frage der Vereinigung mit der Ludwig- und Alicestiftung noch in der Schwebe zu lassen, kurzer Hand ohne Debatte acceptirt.
Hierauf trat man in die Berathung der Frage über die Erziehung der Waisen, resp. verwahrlosten Kinder ein. Der Referent, Seminarlehrer Buxbaum, erklärte sich zunächst entschieden gegen die Waisenhauserziehung, verwies auf bte treffliche Fürsorge, die Frankfurt seinen Waisen, für die es durchschnittlich 300 <X per Kopf und Jahr aufwendet, während es in Hessen kaum 90 JL sind, angedeihen läßt und die in der ganzen Umgegend gleichsam die Gründung kleiner Waisenkolonien zur Folge gehabt. Die Ausführungen des Referenten fanden in folgenden Thesen Ausdruck:
A. Die Erziehung der Waisenkinder:
1) Die Familienerziehung ist bte natürlichste, bie humanste unb bie zweckent- sprechenbste unb praktischste Erziehungsweise für Waisenkinber. 2) Die Waisenkinber dürfen nur in solchen Familien untergebracht werden, welche für bte Erziehung ber ihnen anvertrauten Kinber in sittlicher, ökonomischer unb erziehlicher Hinsicht bte nöthige Garantie bieten. 3) Die in ben einzelnen Familien zu erziehenben Waisenkinber
Lokales.
Gießen, 19. Mai. [14. mittelrheinisches Turnfest.) Die officielle Einladung zu biesem Feste ist btefer Tage sämmtltchen Vereine» bes Mittelrheinkreises zugestelli worben. Sie lautet: „Turner bes Mittelrheinkreises! Das 14 Turnfest unseres Kreises wird vom 14. bis 17. Juli in Gießen gefeiert werben. Wir laben Euch hiermit zum Besuche beffelben aufs Herzlichste ein, hoffend, baß Ihr unserem Rufe freudig Folge leisten werbet. Programme und Quartierliste werdet Ihr tn den nächsten Tagen erhalten, ebenso Mittheilung über Fahrpreisermäßigungen, zu deren Erlangung wir bereits bte nöthigen Schritte gethan haben. Der Festbeitrag ist in Uebereinstimmung mit dem Kreisausschuß auf 2 <AL bestimmt woroen. Turner' äum dritten Male schon wird uns die Ehre zu Theil, Euch zur Förderung unserer gemeinsamen turnerischen Bestrebungen empfangen zu dürfen. Gewiß können wir ben Schluß hieraus ziehen, baß Gießens Turnfeste aus ben Jahren 1862 und 1874 bie Feststadt Gießen zu gutem Klange unter Euch gebracht Aber es darf Euch auch ein Beweis dafür fein, daß die Bevölkerung Gietzens unserer turnerischen Sache warme Sympathie entgegenbringt. Ja, die Stadt, die sich zum zweiten Male mit hochgehender Begeisterung für ein mittelrheinisches Turnfest rüstet, sie hat schon im 2. Decennium unseres Jahrhunderts die deutsche Turnerei gastlich ausgenommen unb eine bleibenbe Stätte ihr bereitet. Unser Volk hat sie beschützt in ben Tagen ber Verfolgung unb hängt heute noch, ba sie zu Ehren gekommen, mit gleicher Begeisterung ihr an. Währenb ber langen Jahre, bie sie weilt unter uns, ist unsere Turnsache aufs innigste verwachsen mit Gießens Bevölkerung. In allen Kreisen hat bte Turneret regen Sinn für ihre Bestrebungen erzeugt der in Gemeinschaft mit ber bieberen Gemüthlichk« it Gießens Euch von echt turnerffchem Geiste unb herzlicher Fröhlichkeit getragene Festtage bereiten wirb. Es soll unser eifrigstes Bestreben fein, ein Fest Euch zu schaffen, würbig ben Erwartungen, bie Ihr von ihm hegt, damit wir ber Pflicht ber Dankbarkeit genügen für bas Vertrauen mit dem Ihr abermals unsere Stabt zum Festorte gewählt, bamit wir ferner aufs Neue unseren Ruf bewähren. Turner bes Mittelrheinkreises, rüstet Euch also zum Zuge nach bem Lanbe ber Kasten! Ihr werdet heute noch ein Volk hier finden, wie es ehedem tn unserem Gau gewohnt, ein Volk frischen Muthes, frommen Willens, fröhlichen Herzens, freien Geistes. „Gut Heil" zum 14. mittelrheinifchen Turnfest. — Gleichzeitig wurden ben Vereinen bie für ben turnerischen Theil bes Festes vo^zuführenben Freiübungen mitgetheilt unb deren gewissenhafte Einübung anempfohlen; auch würbe habet auf die bei bem Zuge einzuhaltende Ordnung aufmerksam gemacht. Es wird derselbe in Vierreihen, die Vereine alphabetisch in ihren Gauen geordnet, ausgestellt. Während des Zuges ist jedes unnütze Beiwerk, wie Trinkhörner, gestickte Turngürtel, Spazier- ftöcke, Sonnenschirme, brennende Cigarren u. s. w. wegzulassen. Auch werden einzelne Tambours nicht zugstassen. Der Aufmarsch zu den Freiübungen erfolgt in Sechszehner' reihen. Deputationen u. f. w., bie sich daran nicht beteiligen, haben vorher nach der Festhalle abzuschwenken. Doch wirb cs jebem Turner zur moralischen Pflicht gemacht bie Freiübungen nicht zu versäumen.
Vermischt - 4.
Berlin, 15. Mai. Wir entnehmen einem Berliner Blatte: Das beliebte Schaukeln hat schon wieder ein Opfer gefordert, welches hoffentlich zum Wohle ber übrigen Menschheit gebracht worben ist, insofern es bte Zahl berjentgen verringern bürste, bie sich an jenem gefährlichen Spiel mit wilder Luft ergötzen. Am ersten Festtage zwischen 5 unb 6 Uhr vergnügten sich in Kliem's Volksgarten in der Hasenhaibe vier junge Leute, zwei Herren und zwei Damen, mit Schaukeln. Einer ber Damen würbe habet unwohl, sie rief ängstlich: „Es ist genug!" aber „immer weiter, immer weiter!" schrieen bie Anderen unb immer toller zogen bte Leute unten an den Stricken, immer höher schwang sich bie Gonbel und immer lauter kreischten bie Insassen. Da würbe es plötzlich still, ein bumpfer Schlag war ertönt, Blut spritzte nach allen Seiten, ein zweiter, dritter Schlag folgte, immer dichter spritzte das Blut; jetzt sahen die Insassen der schaukel, daß das Mädchen, dem zuerst unwohl geworden, fast ohne Kopf in der Gondel lag. Jetzt bemerkten auch bte Leute unten das Unglück, aber ehe bie Gondel angehalten werden konnte, erfolgten noch vier Schwingungen, so daß der Kopf, den die Verunglückte seitwärts über den Rand der Gondel hatte hängen lassen, etwa siebenmal an dem Querbalken angeschlagen war. Der Kopf war zur breiartig n Masse geworden, bas Gesicht war unkenntlich, in Folge besten konnte bie Leiche auch momentan nicht recognoscirt werden, es wurde nur festgestellt, baß bas Mäbchen in ber Alexa» brinenstraße wohnt. Die Leiche würbe nach bem Odbuctionshause gebracht. — Wie wir von anberer Seite vernehmen, war bie Verunglückte ein sechszehnjähriges Kindermädchen, welches sich dem Vergnügen des Geschaukeltwerbens hingab, währenb bie ihrer Obhut übergebenen Kinber von unten zusahen unb Zeugen des Todes ihrer Hüterin wurden.
Berleburg, 9. Mai. Durch eine sensationelle Neuigkeit wurden heute Morgen die Bewohner eines Theiles unseres Kreises in Aufregung versetzt. Man erzählte sich, am gestrigen Abend sei eine Zigeunerbande beim Wirth Treude am Köpfchen etngekehrt, hätte dort alles bemolirt, einen Mann aus Birkelbach tobtgeschossen unb ben Wirth Treude so geschlagen, daß er heute noch besinnungslos baläge. — Nach den von uns eingezogenen Erkund gungen von glaubwürdiger Seite verhält sich bie Sache folaenber- maßen: An gedachtem Abend bringt eine Bande Zigeuner mit 4 Wagen unb 30—40 Köpfe stark in bie Wirihschast des Herrn Treude am Köpfchen ein unb verlangt Ein- ftaUung ber Pferbe, welche verweigert wirb. Sodann fordert bie Banbe mehreremale 5 Flaschen Bier, bie nur gegen jedesmalige sofortige Bezahlung verabfolgt werden. Das Verfahren des Wirths mißfällt den Z'geunern, dieselben fangen zum Schein unter sich. Streit an und als nun ber Wirth wiederholt Feierabenb bietet, werfen sie mit Gläsern unb Flaschen nach ihm unb schlagen ihn. Nur mit großer Mühe gelang es Treube, bte Banbe aus bem Hause zu werfen. Doch jetzt ging der Skandal erst recht los; alle Fenster würben eingeworfen, bte Rahmen zertrümmert, b'e Steine sausten mit solcher Wucht burch bie Scheiben, baß bas Glas in bcn gegenüberltegenben Wänben stecken blieb. Nach und nach zog bie braune Rotte auf Womelsdorf zurück, und um sie ber verdienten Strafe zu überliefern, beschloß Herr Treude, sie zu verfolgen und so lange aufzuhalten, bis polizeiliche Hülse käme. In Begleitung seines Bruders, eines Arbeiters Ludw. Grebe aus Birkelbach und des Wildhirten Ehr. Lange eilt er ben Zigeunern nach unb trifft sie in Womelsbors. Seine Aufforberung, stehen zu bleiben, wirb mit vier ober fünf Schüssen beantwortet. Rasch läuft er nun, um ben Vorsteher zu wecken, aber bei feiner Rückkehr findet er ben L. Grebe mit flaffenber Wunbe am Kopfe am Boden liegen. Nun stiebt bte Bande nach allen Ri^tnngen auseinander und fast wäre ihr die Flucht völlig gelungen, hätte nicht in Womelsdorf wegen des „Rekrutenballes" noch reges Leben geherrscht. Unterdessen waren aber schon Boten nach Erndtebrück geeilt unb hier gelang es, noch 3 ber braunen Gesellen zu verhaften Sobalb ber Tag graute, spielte ber Telegraph nach allen Richtungen und war es nun Aufgabe ber Genbarmen und Polizeidiener, die ganze Brut einzufangen, was auch bis auf zwei Hauptkerle gelungen ist. Die Bande halt mit ihren vier Wagen in ber Nähe unserer Stadt und bte männlichen Persönlichkeiten berfelben, 8 an ber Zahl, sind in Nummerosicher gebracht. Grebe von Birkelbach ist im Laufe bes folgenben Tages gestorben unb heute, Donnerstag, finbet bte Sectio» ber Leiche statt. Es wirb nicht gar so leicht sein, ben wirklichen Mörber ausfindig zu machen, da sich die Bande unter einander schwerlich verrathen wird. Hoffentlich wirb aber boch bie gerichtliche Untersuchung ben Uebeltbäter herausfinden und er seiner wohlverdienten Züchtigung nicht entgehen. Die stattgehabte gerichtliche Section ber Leiche hat ergeben, baß Grebe nicht erschossen, fonbern tobtgeschlagen ist. Er war verhetrathet unb hinterläßt Frau unb 2 Kinber.
— [Geschickt entkommen.) Aus dem Gefängn ß in Kutais (Rußland) entfloh der Arrestant Matschawartani auf folgende schlaue Weise. Es war, wie die Zeitung „Schroma" berichtet, ein Insasse des Gefängnisses gestorben und sollte zum Begräbniß- platz gebracht werden. Matschawartani entfernte kurz vorher ben Leichnam aus bem Sarge unb legte sich selbst hinein; so würbe Matschawartani aus bem Gefängniß zum Begräbniß fortgetragen unb als ber Sarg in bie Gruft herabgelassen werben sollte, warf Matschawartani eiligst ben Sargbeckel ab, sprang auf unb — war davon- geloufen.
— [Ein mathematisches Problem.) „Ich hätte doch auf der Mädchenschule fleißiger Mathematik treiben sollen", sagte bte neulich verhetrctthete Hermine. „So könnte ich mir erklären, warum Hugo mtch vor ber Hochfest fein Alles nannte und jetzt feine Hälfte, während ich doch in gar keiner Beziehung abgenommen habe."
— [Der diplomatische Frack.) Ein neugebackener Attachö bestellte sich einen Frack. Als der Schneider ihn fragte, ob ber Herr ihn nach englischem, französischem ober deutschem Schnitt gemacht haben wolle, antwortete ber von ber Wichtigkeit feiner diplomatischen Bebeutung ganz erfüllte junge Mann: „Wissen Sie was? Da ich bet keiner der Großmächte anstoßen möchte, machen Sie ihn nur neutral.*
,Ot pti‘nbt iji«, birA ht-i
sDie 66t‘rnod
LW" SÄ» »Ss« Wnürnli» ein« flffanbert an der 5
Sb
Gießen, den 19. 41,20-1.50. »rt.er S7Ä; Ws« P-r A (ääweinefleilä i 8.00-9, Zwiebeln pei
Frankfurt a. V Kursbericht. Mitgecheil (rebitaetten 2611/?. &ta( pchahnactien 172 v«, 1 Skonto Connnandit 20
1880er Russin 73u, wr 63%, 5°/o Ru'
ÜW an8 bcni
Mai 17. Äauin ÄS Kausmanntz Mas
Mai. 16. Psan £unt, Tochter des pen1
Mai. 2. EiueT Rin Sohn. 5. Dem T Heinrich. 6. Eine Toc ^ermann ßubwig. 8. Wt. 8. @in SM di Mf tln (Sofa, &ufta\ Tochter. 12. Dem Gel Wilhelm Franz. 14. Dr hrl Mette ein Sohn. M" von auswärts, Jo
, Mai. 11. flarl $1 Monjetr. u. jWern *™b, 5 Ich- oi, Aul, 44 gibt, ÄfnrttaMot 1j An d-s ffuifters
SNmoiirg Aon,
i Ä ?tä ®atolrt65 Soin beb
Nng aus
E v
||en h
Utzk
0504
3500
rXflUt
NhDiri


