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weit das Auge reicht, vom Wasser überflutet sind, so daß die verscheuchten Krähen und Dohlen außer auf den aus dem Wasser hervorragenden Wipfeln der Bäume kein trockenes Plätzchen zu finden vermocht«n

;r hatten ungefähr noch eine oteitelstünbige Fahrt nach Astheim zurückzulegen, als wir auch schon einzelnen daher schwimmenden Möbelstücken und Ackergeräthen begegneten, welche sich an Baumästen festhtngcn, zu denen sich noch Grabkreuze gesellten, welche zum Theil durch die Wellen an den Baumästen 'n eine solche Stellung gebracht worden waren, daß sie wie ehedem auf ihren Gräbern kcrzengrade dastanden. Bonder 2 Meter hohen Friedhofsmauer bei Astheim war nichts mehr zu sehen und dieselbe sogar noch einige Fuß unter Wasser, so daß die Kreuze, ja selbst Särge mit Leichen vom Wasser gehoben und stundenweit fortgeschwemmt wurden; nur ba<3 in der Mitte j>eS Friedhofs stehende große steinerne Kreuz ragte noch um einige Fuß aus dem Wasser zum Wahrzeichen, daß sich hier diese geheiligte Stätte befindet.

Die Gesichter der Insassen unseres Fahrzeuges wurden ernster, als wir in das Dorf einfuhren, von dessen Häusern viele noch bis zum zweiten Stock im Wasser standen. Schon die ersten Häuser machten einen schauerlichen Eindruck, die unteren Stockwerke derselben sind des Mauerweiks ganz beraubt, indem die Fluth die Gefache eingedrückt hat und nur noch die Balken ragen aus dem Wasser als verfallene Holz- ßerippe und harren des Einsturzes.

Die Feder ist nicht im Stande, die Gefühle zu beschreiben, die Einen überkommen, wenn man zum erstenmal eine solche Stätte der Verheerung besucht. Bleich und traurig schauten die sonst fleißigen und friedlichen Bewohner des Dorfes, welche noch in ihren Wohnungen weilen, aus den Fenstern des zweiten Stockes und von den Speichern der nicht zu sehr vom Einsturz bedrohten Häuser, welche zum Theil nur wie kleine Schilderhäuschen aus dem Wasser heroorragen. Die Hauptstraße ist zwar für die Passage frei und selbst für das größte Schiff fahrbar, aber links und rechts in den Gehöften und tn engen Gäßchen herrscht die größte Verwüstung- da liegen in buntem Durcheinander die vom Wasser an der Oberfläche gehaltenen Möbelstücke, Haus- und Ackergeräthe, Stroh- und Misthaufen, darauf verendetes Vieh, gaben dem Ganzen einen nicht zu schildernden Eindruck. Eingestürzte Scheuerthore und Wände lassen einen Blick tn die zwar mtt Frucht, Heu, sowie mit Stroh und Futtervoträthen gefüllten Scheuern werfen, weich' Dorräthe aber j tzt werthlos herumschwimmen und schließlich als schmutzige und übelriechende Masse zurückbleiben.

Es tst schaudererregend, wenn man sieht, wie die unteren Stockwerke der Häuser nur noch als einzelne Balken dastehen, beladen mit dem oberen Stock und Dachwerk, worin zum Theil noch die Eigenthümer weilen und wie die Gänse und Enten zwischen den Trümmern herumsckw mmcn.

Bet Herrn Pfarrer H., wohin die Liebesgaben verbracht wurden und welcher jeder Zeit, selbst in feiner eigenen bedrängten Lage nicht ermüdet, der ihm anvertrauten Gemeinde mit Rath und That hilfreich zur Sette zu stehen, erfuhren wir denn alle Einzelheiten, von der Entstehung des Unglücks an bis zur Stunde.

Unter Blitz und Donner und Alles mit sich fortreißend, was ihm im Wege lag, drang das Wasser am Abend des 3. Januar tn das Dorf ein, der heulende Sturm, das Aufspritzen der von demselben gepeitschten Wellen, bann das Wehklagen der Be­drängten und die Nothschüsse und Rufe derselben um Hülfe, all dieses zusammen waren ganz dazu geschaffen, daß sich Jeder seinem letzten Stündlein nahe glaubte. Was von Hansaeräthen und sonstigen Werthsachen noch nicht tn Sicherheit gebracht war, mußte dem Elemente übetlafltn bleiben, da ein Jeder nur auf Rettung des eigenen Lebens und des Lebens feiner Familie Bedacht nehmen konnte. Obschon das Rlersteiner Marktschiff für den Fall der Roth bereit stand und die Schiffleute und die anderen Tags ankommenden Pioniere Uebermenschliches leisteten, konnte doch nicht einem Jeden die ersehnte Hülfe sofort gebracht werden- Das Pfarrhaus, die Schulen und selbst die I tzt meterhoch im Wasser stehende Kirche wurden als Unterkunft von der hülfesuchenden Menge biS zum Erdrücken überfüllt, die alle der Erlösung auS ihrer bedrängten Lage harrten, welche denn auch, Dank des tapferen Eingreifens der Pioniere und Schiffs­mannschaft N'cht lange auf sich matten ließ, so daß Menschenleben glücklicherweise nicht zu beNagen sind. Wir hatten genug des Entsetzlichen gesehen und gebart und verließen mit innigem Mitleid den Ort der Verheerung Wir ruderten diesmal der Station Nauheim zu, welche wir früher wie Groß Gerau erreichen konnten und waren froh, olS wir w'eder festen Boden unter den Füßen verspürten.

Für den Augenblick ist zwar der Roth nach Kräften gesteuert und keine Klagen werden seitens der Überschwemmten in Bezug auf die Verpflegung laut, denn Alle sind voll des Dankes für die ihnen reichlich gespendeten Gaben; aber um so schrecklicher wirb sich die Zukunft dieser armen Menschen gestalten, wenn ihnen nicht eine umfassende Hülfe zu theil wird. Möchten daher Alle und besonders die besser Situirten ihre Herzen und Hande öffnen, um die Roth der armen Bedrängten zu lindern.

Wetter, 16. Januar. Gestern ist in UnterroSphe ein schreckliches Unglück pnffirt, indem im Walde zwei Holzmacher von einem umfaUenben Baume erschlagen warben. Der eine davon hinterläßt eine Frau mit fünf Kindern in dürftigen Ver­hältnissen. iM. Tgbl.)

LudwigShafen. Die Zahl der Ertrunkenen beträgt außer den dreißig, welche der Rhe n bei Oppau verschlang, einundzwanzig, darunter ein Bahnwärter mit Frau unb sechs Kindern. Die Ortschaften Oppau, Edigheim, Mörsch, Badenheim, Roxheim und Studernheim sind als untergangen zu betrachten, ein Haus nach dem andern stürzt zusammen. Der Jammer ist herzzerreißend, wenn man die unglücklichen Flüchtlinge sieht, die meisten zu Tode erschöpft, viele krank durch die Unbill der Witterung und tn Folge der entsetzlichen Aufregung und ausgestandenen Angst. Hier sind über 3000 untergebracht, über 6000 in Frankenthal und hinauf bis Grünstadt. ES herrschte bitterer Mangel an Allem, da ja von bei ganzen Habe dieser vielen Menschen nichts gerettet würbe. Die ganze Gegenb von Mainz biß Mannheim war ein enblofer schmutzig» Selber See. In Speyer ertrank ber Schiffer Dütsch beim RettungS "erk Die Auf­opferung der P.oniere verdient alles Lod. Der Ausdruckdie Ortschaften sind untergegangen" ist buchstäblich zu nehmen. Friesenheim ist bis auf wenige Ruinen verschwunden, von dem blühenden Edigheim stehen höchstens 11 Häuser, nicht besser ist es mit dem so stattlichen Oppau. In Ludwigshafen selbst sind noch fünf Häuser eins fleftürjt nebst zwei Nebengebäuden, mehrere andere sind dem Einsturz nahe. In der Anilinfabrik sind 1400 Flüchtige untergebracht, 429 lagern im Schulhaufe. Die Gemeinden Neuburg. Psvrtz mit Maximiliansau, Wörth, Neupfortz. LeimerSbeim standen unter Wasser. Biele Häuser sind eingestürzt, namentlich in Sonderheim, ober gänzlich n* ot $n GerinerSheim gelang e8 nur burch Dammarbeiten, die mit übeimenfck- "chen Anstrengungen außgeführt wurden, den Rheindammbruch zu verhüten und dadurch untere Stadt zu retten. Inmitten dieser SchreckenSscenen gab verkommene Individuen, die die Gelegenheit zum Raube benutzen wollten. In Edigheim würben drei biß vier solcher Scheusale erwischt, aber viel zu gelinde behandelt, nur J unb tn8 Wasser geworfen, woraus sie tüchtig durchnäßt auftauchten und

das Weite suchten.

Wsen. 17. Zanuar. Im Theater an ber Wien entstand heute Abend bet über» vollem Hause dadurch, baß im Stehparterre Jemanb seinen Hut auf eine Noihlampe hing, woburch ein Brandgeruch verbreitet wurde, blinder Feuerlä'M. Daß Publikum wurde, namentlich als eine Schauspielerin in wirrer Hast uncoftümirt auf die Bühne kürzte, von Panik ergriffen und strebte in wilder Flucht den Tbüren zu. Der Lärm dauerte fast zehn Minuten. Die Schaufpieler suchten daß Publikum vergeblich zu be- ruhigen. ES gelang dies erst bem bienstthuenden Eommissär. Obgleich beim HlnauS-

bränjen zahlreiche Quetschungen vorkamen, ist doch bisher keine ernste Verwundung gemeldet. °

(3«r Heilung ber Lungentuberculofe.) In ber Sept.-Okt.-Nummer des m Leipzig erscheinendenNeichs-Medicinal-Anzeiaers" befindet sich ein bemerkenswerther Aufsatz über ein neues, der Pflanzenwelt angehöriges Mittel zur Heilung der Tuber- culose, welches berufen zu sein scheint, in der nächsten Zeit in der Heilkunde eine be- beutende Rolle zu spielen. Bekanntlich gelang es vor einigen Monaten dem Regierungs- rath Dr. Robert Koch in Berlin, den Nachweis zu führen, daß die Erreger der furcht­baren Krankheit mikroskopische Parasiten, die sogenannten Tuberkel-Bacillen seien. Weitere von Dr. Ehrlich und Prof. Baumgarten in Königsberg auf Grund der Koch'schen Armaden verfolgten Experimente haben das zweifellose Eraebniß geliefert, daß die Schwindsucht eine infectiöse d. h. ansteckende Krankheit ist. Durch diese Entdeckungen wurde ber Therapie ber Weg gewiesen, auf bem sie sich bewegen muß, um diese tückische Krankheit mit Erfolg bekämpfen zu können.

Wir entlehnen nun dem Referat derReichs-Medicinalzeitung", daß bereits vor längerer Zeit durch den griechischen Kaufmann Homero in Sibirien eine Pflanze ent­deckt worden ist, die die sibirischen Steppenbewohner alsgut für die Brust- vezeich- neten. Tie Pflanze ist in bem Institut des Professors der Chemie Franzesco Ciotto in Padua durch den Dr. Ranconi analysirt und festgestellt worden, daß dieselbe aus den Substanzen: Gummi, schleimiger Saft, Eiweiß, Alcali, Tannin, Chlorophylla und Cellulosa besteht, dass aber alle diese Körper mit einem grünen Del so innig geeint sind, dass letzteres trotz aller Versuche und selbst unter Anwendung des Prozesses der Verseisung und der Behandlung mit Chlorbaryurn ab­solut untrennbar und in seinem specisischen Charakter nicht festzusteüen gewesen ist. (Die Wiener medicinische Presse ist im Besitz der Analyse und erklärt sich zur Vorlegung an Aerzte unb sonstige Interessenten bereit.) Zu dieser neuen und interessanten Erscheinung gesellt sich die Thatsache, daß die Pflanze selbst eine zur Zeit vollständig unbekannte ist und officiell mit dem Namen des Finders »Horneriana* belegt wurde

Es wird sodann über die Resultate der auf den Arznei- resp. Heilwerth ge­richteten Prüfungen berichtet, die ein geradezu überraschendes Ergebniß geliefert haben. Der Chefarzt sürnrntlicher Odessaer Spitäler, wirkt. GeheimerathDr. Dalles, bekundet, daß von den unter seiner Leitung und unter Assistenz der Aerzte Lattri und Wdowikowsky, in dem Spital der barmherzigen Schwestern, dem Armenkrankenhaus, der Krankenabtheilung der adeligen Jungfrauen und der Deo kaiserlichen Knabengymnafiums, einer Kur mit dieser Pflanze unterzogenen 74 Lungenleidenden innerhalb 60 Tagen 33 vollständige Heilung erfuhren, 27 eine bedeutende Besserung empfanden, während 14 im zweifelhaften Zustand verblieben. Der königi. Marinearzt Dr. Scrofani in Vcncbig erklärt, baß er bas ihm zur Verfügung gewesene Pflanzenmaterial in zwei Fällen von Lungenschwinbsucht unb chronischem Lungencatarrh angewanbt unb in beiden Fällen während zweier Monate vollständige Genesung ber qu. Kranken er­zielte. In Folge ber weiteren Bestätigungen bes eoibenten Heilwerthes bieser neuen Pflanze bat die unter bem Protectorat bes Königs von Italien ftehenbe königi. Ge­sellschaft für Wissenschaft unb Kunst in Palermo unter bem 22. April b. I. bem Ent- beefer ber Pflanze jetzigem Privatier Homero in Triest bie golbene Medaille 1. Klasse verliehen, und ferner wurde derselbe zum Ehrenmitglied der unter der Prä­sidentschaft des Professors Dr. Mergiotti in Florenz stehenden philantropischen Gesell­schaftAreopago" ernannt. Zur Zeit sind in Leipzig mehrere ärztliche Capacitüten in Kurexperimente eingetreten, während sich der Herr Sanitätsrath Dr. Cohn in Stettin über dieselben günstigen Heilungssymptome der von ihm angetretenen Kuren äußert, die in allen anderen ärztlichen Berichten betont werden.

Durch diese thatsächlichen Ergebnisse unb burch bas vielseitig von Aerzteu ge­äußerte Verlangen nach Pflanzenmaterial, hat sich Herr Homero im Juni b. I. aber mals nach Sibirien begeben, und ist es ihm gelungen, unter wirksamer Unterstützung des in jener Gegend zuständigen kaiserlich österr. Consulats und der seitens der russischen Behörden gewährleisteten Erleichterungen und Förderung dieser Mission, eine größer? Partie der Pflanze einzuholen, die zum Theil bereits in Triest eingetroffen ist.

Der Versandt der als Thee präparirten Pflanze ist in Portionen für je 2 Tage der centralen Vertriebsstelle diätetisch-hygienischer Erzeugnisse, I. Kirchhöfer in Triest, übertragen.

Bel ber anscheinend» hohen Wichtigkeit bicses nenentdeckten Mittels und in Folge ber bisher günstigen Resultate eröffnet sich ben zahlreichen Lungenleibenden eine neu. tröstliche Perspective, auf die die Le ser unseres Blattes hinzuweisen wir für unsere Pflicht halten- 465

731) Ueber die Höbe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in ein« oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals «'nttiiusoht sehen, wenn maj von der Annoncen - Expedition von H<STE11V «f? VOQJLER h Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordort, die auch hinsiohto der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt

Kirchliche Anzeigen der Stadt Giessen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst:

Sonntag, den 21. Januar (Septuagesimä).

Vormittags 9>, Uhr: Pfarrer Schlosser.

^Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingelbey.

Am Donnerstag, den 25. Januar, Abends 8 Uhr, im Gymnasium: Bidel- stunde, Brief Pauli an die Galater Kap. 6. Pfarrer Dr. Naumann.

Am Sonntag, de n 28.1anuar, wirb baS heil. A benbmahI gefeiert werden im VormittagSgottesdienst. Die Beichte findet in Verbindung mit dem Abendmahl unmittelbar vor demselben statt.

Die P f a r r g e s ch a f t c in der Woche vom 21. bis 27. Januar besorgt Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemeinde.

Sonntag S e p t u a g e s i m a.

Von 7 Uhr an: Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Ausheilung der h. Eommnnion V2IO Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Sakramentalische Andacht.

Gottesdienst in der Sgnayoge.

Freitag Abend 4" Uhr, Samstag Morgen 8" Uhr, Samstag Mittag 3 Uh Samstag Abend 580 Uhr. _____ __________

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