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19.12.1883 Zweites Blatt
 
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politische Ueberfkcht.

Gießen, 18. December.

Nach dreiwöchentlichem Aufenthalte in Spanien hat der deutsche Kronprinz dieses Land, in welches ihn Der ehrenvolle Auftrag feine» kaiserl. Vaters geführt hatte, wieder verlassen, um sich in der Hauptstadt Ita­liens einer nicht minder bedeutungsvollen Mission zu entledigen. Der Besuch des deutschen Kaisersohnes am Hofe von Madrid wird die freundschaftlichen Beziehungen, welche sich in Folge der Anwesenweit des Königs Alfonso bei den Homburger Manövern zwischen Deutschland und Spanien geknüpft, haben, nur noch inniger gestalten und der so herzliche Empfang, den Kronprinz Friedrich Wilhelm allerwärts im Pyrenäenlande gefunden, beweist, wie rasch es demselben gelungen ist, sich die Sympathien des sonst gerade nicht so leicht zugänglichen spanischen Volkes zu erobern. Mit Genugthuung kann daher der hohe Herr auf seine spanische Reise zurückblicken und die herrlichen Punkte, die er auf derselben gesehen, die historischen Stätten, aus denen sein Fuß geweilt, sie wer­den in seiner Erinnerung eine hervorragende Stelle einnehmen. Barcelona bildete das letzte Glied der Reihe der spanischen Städte, welche die Ehre hatten, den erlauchten Gast König Alsonso's in ihren Mauern zu. begrüßen und der Kronprinz wurde in der katatonischen Hauptstadt mit denselben Sympathie- Bezeugungen empfangen, die ihm an allen andern Orten Spaniens zu Theil geworden sind. x r r a

Die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses boten in der vorigen Woche, abgesehen von der Freitags-Sitzung, wenig bemer- kenswerthe Momente dar, so daß wir uns hierüber ziemlich kurz saffen können. Nachdem am Mittwoch der Antrag der Fortschrittspartei auf Abänderung der Städteordnung an die Gemeinde-Commission verwiesen worden mar, setzte das Haus am Donnerstag die Specialberathung des Justizetats fort, der schließlich in allen seinen Theilen angenommen wurde. Am Freitag gelangte der Etat des Ministeriums des Innern zur Berathung und drehte sich die Debatte haupt­sächlich um frühere Erklärungen des Ministers v. Puttkamer bezüglich der Hal­tung Der Beamten bei den Wahlen. Wiederholt wies der Minister den ihm von liberaler Seite gemachten Vorwurf der Parteiregierung zurück - Namens der Freiconservativen erklärte Abg. v. Aedlitz, daß dieselben gegen die Abschaffung der geheimen ReichStagswahl seien. Der nationalliberale Abg. Enneccerus be­klagte die Aeußerungen des Ministers über die politische Stellung der Beamten und ebenso erklärte von der Centrumspartei Abg. v. Schorlemer-Alst seine Miß­billigung mit den betr. Aeußerungen Herrn v. Puttkamer's, während von con- servativer Seite Abg. v. Minnigerode für denselben eintrat. Abg. Eugen Richter brachte eine lange Reihe von Wahlcuriosa aus dem Jahre 1858 zur Sprache, bei denen angeblich die Conservativen Wahlbeeinflusiung ausgeübt haben sollen; auch sprach der fortschrittliche Redner seine Mißbilligung über das Socmlrsten- aesetz aus. Nach einer Entgegnung des Ministers v. Putkamer endete die De­batte welche von Anfang bis Ende einen äußerst animirten Charakter trug, mit einer langen Reihe scharfer persönlicher Bemerkungen. Der eigentliche Gegenstand der Tagesordnung, der Etat des Ministeriums des Innern, gelangte am Montag ^^rathung Donnerstag eine Plenarsitzung ab, in

welcher verschiedene Ausschußanträge angenommen und mehrere Petitionen von beschränktem Jnteresie erledigt wurden. s

Bei der im Reichstagswahlkreise MörS-ReeS für den bis- bermen Aba. Grütering, welcher fein Mandat niedergelegt hatte, stattgefundenen Ersatzwahl ist Graf Hoensbroech (Centrum) mit 10,663 Stimmen gewählt worben; 4773 Stimmen fielen auf den nationalliberalen Candidaten, Professor

*b a9?Hfb9georbnetenUmmer trat am Freitag in die Generaldebatte über den Eisenbahnetat ein. Minister v. Crailsheim erklärte hierbei daß die bayerischen Staatsbahnen durch die Gotthardbahn durchaus n L aefchädiat würden, da der kleine Ausfall, den die altbayerischen Bahnen ersitten durch die Mehreinnahmen der pfälzischen Bahnen gedeckt werde. 7ea n aab er zu, daß bei der Arlbergbahn für Bayern erhebliche Jnteressen m Fwae Mnden $ Bayern habe ferner geographischen Lage nach Anspruch au^ den Kmstt nach der Schweiz und Frankreich und sei deshalb die bayerische Regie- rUtI9 Auf $TngHn"g lind^üb^r^Nachsrecht bedrohliche Nachrichten ein- aetroffen welche die Aufmerksamkeit der französischen Regierung m hohem Grade in Anbruch nehmen. Der König von Anam soll durch dut anti- ; rZL ffZrn öofe von Sue vergiftet worden fein und gerüchtweise

französische Partei a ) U ^n^ Kriegserklärung Anams gegen Frankreich.

öen und treffen an wm 45 e i v Stillschweigen über die nult. SSfiSffÄÄ ««- Ä« >° M M W Start S traft be» glänzenden parlamentarischen Sieges, den es m der ^0*5»®

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16. December. [17. Sitzung der Großh. Handelskammer «m 30. No»br [ Anwesend die Herren Ed. Sildereisen, Vorsitzender, ß. Georgi, S. H-tch-t» heim, A. Katz, A. Kraatz, F. C. B. Koch, Ad. Zintz-r, H. Schirmer

Nach Erledigung der EingSnge 403-428 »erliest der Herr Vorsitzende eine izuschris! der Königlichen E,senbahndireciion Hannover, in welcher dieselbe darmis bm- w-!st, daß vor dem Eintritt des Winters in der Regel ein-b-d-nt-nde Inanspruchnahme der Eisenbahnwaggons erfolgt-, wa? früher zur z-itweis-n B-schrSnkung> der >Sm- und Buslad-sitst-n geführt habe. Um jedoch den damit verbunden n> B-lLstigung-n des Verkehrs auszuwe^chen, soll nur im äußersten Falle zu diesem Mitte, gegrist-n werden. Die wirksamste Unterstützung könne aber der Handelsstand leihen, wenn1 er bet bec Ein- und Entladung von Waggons jede Verzögerung vermeide. An die H-nd-l». kammern ergeh- deshalb das Ersuchen, die Jnterestenien darauf aufmerksam zu machen. Die Kammer beschließt, dies in üblicher Werse zu lhun.

Großherzoaliches. Ministerium des Innern und der Justiz macht in einem R-script wUter- MstlhUlungen von neu entstandenen Schwind-lfirmen in Ro t-idam, dem Haag und anderen ho^ändffchen Orten. Auch davon soll in üblicher Weise Vor

^"Dt^Handelskamm» Osnabrück bittet um Anschluß an ^n-von ihr ta Sachen des Unfallversicherungsgefttzes an den Reichskanzler entworfenen Eingabe. Die letztere "'tb ,$a^eomitG6l,fürQitin? in P^-sth für 1884 rrojectirte ^"«b-ausst-llung -rsuchi UM Unterstützung des Unternehmens. Die Kammer beschließt, die Prospekte zur Kenntnißvahme der hiesigen Gewerbetreibenden offen zu legen. «afAnfi kra

DaS Prösidlum des deutschen Handelstages theilt m.t, daß der Ausschuß des d-utsch-u Handelstages beschloss-n habe, den neuen Acti-ng-sltzmtwurs zumGegen- stand- der Verhandlung der nächsten Plenarversammlung zu mach n. Um die Dts- cussion des umsangreichm Entwurfs auf dte Hauptpunk - zu c°ncentrir-n, hat der Ausschuß eine Anzahl Fragen formulirt, um deren morivtrte Beantwortung die HandelS- kammer^tt^u^weidm.^^ ^se Fragen der bereits früher zur Begutacht^« de» Gesetzentwurfs eingesetzten Commission zur Vorberathung Und weiteren Bericht­erstattung. , m ,

[18. Sitzung der Großh. Handelskammer am 12. December.) Anwesend die Herren Ed. Silbereisen, Vorsitzender, L- Georgi, S. A. Katz,

ck m n* ys. j?raati, R- Scheel, H. Schirmer und Ad. Zinßer.

' Nach Eröffnung der Sitzung weist der Vorsitzende auf ein in Nr. 289 des Gießener Anzeiger" erschienenes, von dem ehemaligen Mitglied der Kammer, Herrn Commerzienrath Adolf Noll unterzeichnetes Inserat hin und fragt, ob die Kammer etwas dagegen zu thun gedenke. Nach kurzer Discussion wird folgender Antrag ein- stimmig angenommen:

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Schwatz, ibach.

3000 Mann unter den Befehlen des Generals Stiere des l'Jrle nach Tongking abgehen sollen. Die Deputirtenkammer genehmigte am Freitag das Budget des Ministeriums des Auswärtigen.

Im englischen Parteileben bereitet sich eine Neubildung vor, welche möglicherweise der ministeriellen Mehrheit, über die das Cabinet Gladstone bis­lang im Parlamente verfügte, ein Ende machen kann. Dem Anschein nach ist eine Mittelpartei im Entstehen begriffen, welche sich aus den mit der seitherigen Gladston-'schen Politik unzufriedenen Elementen der liberalen Partei und den gemäßigten Conservativen zusammensetzt und sogar schon Sitze im Cabinet in Anspruch nimmt. Das englische Weltblatt, DieTimes", soll bereits für die neue Partei gewonnen sein und hat dieselbe dem einflußreichen Besitzer, Mr. Walter, ebenfalls einen Sitz im Ministerium versprochen. Wenn nur hier nicht das Sprüchwort von dem verteilten Fell des Bären, den man noch nicht erlegt hat, gilt! _____________________________ __________

Beielin, 14. December. Der PariserTempS" veröffentlicht einen vom 5. October datirten Brief aus Peking, der sich vorwiegend mit der Aus- bildung chinesischer Truppen durch europäische Jnstructoren beschäftigt und natürlich ein Hauptgewicht darauf legt, was unter deutschen Auspizien in dieser Hinsicht geleistet worden ist, resp. noch geleistet wird. ES hat den Ge- währSmann des französischen Blattespeinlich berührt", zu sehen, daß nach dem Beispiele Englands, Frankreichs und anderer Staaten, auch Deutschland seine Angehörigen nach China entsendete, und es giebt dabei zu verstehen, daß es Den Deutschen in letzter Instanz weniger darauf ankomme, an China einen Abnehmer ihrer Erzeugnisse zu gewinnen, als vielmehr daselbst eine quasi- militärische Position zu erlangen, die einer streitenden Politik im außersieu Osten zur Grundlage dienen könnte. Es verlohnt sich nicht der Mühe, auf diese Hirngespinnste des Pekinger Correspondenteu näher einzugehen; erwähnt mag sein, daß, seinem Berichte zusolge, im Juli dieses Jahres 4000 Manu chinesischer Soldaten, welche durch einen ehemaligen preußischen Untersssicier, Namens Schnell, ausgebildet wurden, nach Tongking gesandt sein sollen. Aus dem Quai in Tientsin, gegenüber dem Arsenal, würden ferner seit Monaten große Quantitäten von Waffen und Munition deutscher Provenienz ausgeladen. Ein Agent der Krupp'scheu Geschützgießerei, Namens Schmidt, habe seinen stän­digen Aufenthalt in China genommen und macht häufig die beschwerliche Reise von Tientsin nach Peking. Dieser Agent unterhalte birecte Beziehungen zu dem Vicekönig Li-Hung-Tschang. Die Artillerie, über welche Letzterer versügt, besteht zum Theil aus Krupp'scheu Geschützen. DerTemps"-Correspondent hat selbst zwei solcher Batterien, jede zu 8 Geschützen, sehr genau besichtigt und kann nicht umhin, seine volle Anerkennung über das Geschehene auszusprechen. Jedes Geschütz ist mit sechs kleinen aber kräftigen Ponnys mongolischer Race be- spannt Das rollende Material der Batterien sei zwar von grober Bauart und altem Modell, aber von erprobtester Solidität. Ueberhaupt seien Bewaff­nung und Ausrüstung sowohl der von deutschen, als von englischen Jnstruc­toren ausgebildeten chinesischen Truppen von vorzüglichster Beschaffenheit und im Zustande vollkommenster Brauchbarkeit.