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18.12.1883 Zweites Blatt
 
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293 Zweites Blatt Sonntag den 16. December 18S3

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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J. Hohl

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Vorstand,

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Erscheint tLglich mit Ausnahme des

Bureanr Schulstraße 7.

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an und erklärte, die irländischen Wähler würden bei den nächsten allgemeinen Wahlen entscheiden können, ob die Negierung liberal oder conservativ sei. Hiernach zu urthellen, scheint zwischen Parnell und Gladstone das Taseltuch nunmehr vollständig entzweigeschnitten zu sein.

Die italienische Deputirtenkammer will vorläufig von einer Auseinandersetzung zwischen der Opposition und der Negierung betreffs des Gesetzesentwurfs über die Reorganisation des höheren Unterrichts mchts wfffen. Es ist von ihr beschlossen morden, die Berathung über diesen Gegenstand zu vertagen und da gerade hier die Opposition ihre Hauptkraft gegen das Cabi- net Depretis einsetzen wollte, so wird sie fich mit ihren weiteren Angriffen gegen das Ministerium wohl bis nach Weihnachten gedulden muffen.

WieimvorigenJahre durch den Aufstand Arabr Paschas so be­ginnt auch jetzt wieder das Pharaonenland durch den gefährlichen Aufstand un Sudan die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Empörmlg des Mahdi schreitet machtvoll vorwärts, er hat bereits seinen Einzug in ElObeid, der Hauptstadt Unteregyptens, gehalten, ja er bedroht schon Oberegypten, also das, eigentliche Egypten, und scheint sich mit weitausstehenden Plänen zu kragen. Er beabsichtigt nämlich, 10,000 Mann nach der Provinz Darfur und 10,000 Mann zur Unterwerfung des- Kasbabisch-Stammes abzusenden, um hierdurch auch diese an Hülfsguellen reiche Gegenden in seine Hand zu bekommen. Auf Seiten der egyptischen Regierung herrscht vollständige Bestürzung und Nath- losigkeit und es wird dem Khedive weiter nichts übrig bleiben, als ichtießlich abermals die Hülfe Englands anzurufen.

Gießen, 15. December.

Die Römerfahrt des deutschen Kronprinzen wird für die Nächste Seit ebenso das stehende Thema unserer politischen Kreffe bilden, wie dies schon in dieser Woche der Fall war. Eine Fluth von Combinationen ist über jenes bevorstehende Ereigniß aufgetaucht, die zum Th eil weit über das Siel hinausschossen und hieran trugen die ersten überaus ungeschickten Meldum aen des osficiöfen Telegraphen nicht zum Mindesten die Schuld. Jetz hat sich die Sache einigermaßen geklärt, Kronprinz Friedrich Wilhelm erscheint zunächst in der italienischen Hauptstadt, nicht um dem Papste, sonoern dem Komg Hum­bert einen Besuch abzustatten. Denselben würden schon die bekannten so freund­schaftlichen Beziehungen zwischen den Höfen von Berlin und Rom gefordert haben und dann leistet der deutsche Kronprinz auch emer einfachen Forderung der zwischen allen Höfen bestehenden internationalen Höflichkeit Folge, wenn er dem Souverän desjenigen Landes, das er zweimal in so kurzer Znl durchreist, in seiner Residenz einen Besuch macht. Dieselbe internationale Höflichkeit erfor­dert es aber, daß dann der Sohn Kaiser Wilhelms auch im Vatikan erscheint, ia wäre letzteres unterlaffen worden, so hätte man hieraus, wie die ,/^ordd. anrT " sphr richtig bervorhebt, auf eine zwischen Berlin und dem Vatikan SSW»»«"' b« «W& 2

K-rchenvolitik soll der Besuch des deutschen, Kronprinzen bei ßeo XIII. nach den Versicherungen der Berliner ossiciösen Presse gar nichts zu thun haben, das ist indeffen eine Angelegenheit, deren Verlaus noch abgewartet werden muß.

Unter dem Eindrücke, den die Nachricht von deni bevorstehenden Besuche des deutschen Kronprinzen in Nom allenthalben gemacht hat, fft das Äresse an seiner Reise im südlichen Spanien etwas zuruckgetreten. Dieselbe trua allerNngs nicht mehr denselben ossieiellen Charakter, rote die Landung m SRakncia die Fahrt nach Madrid, die Ausflüge nach Toledo und dem Escu- Lus.' w , vielmehr erschien der Kronprinz auf.derselben fast immer als Vrivatmann und nur an wenigen Punkten fand em officieller Besuch statt. Leiden gestattete die Kürze der Zeit dem hohen Reisenden nur em fluch.lges Verweilen in dem schönen Süden Spaniens, aber trotzdem wird er von feiner

Reise unverlöschliche Eindrücke mit m die Heimaih nehmen. Sevilla Zadt d?r hohen Prachtgebäude". dann das herrlich gelegene Granada, die Alhambra, die 30thürmige maurische KömgSburg, weiter Cordova die ehemals so glanzvolle Hauvtstadt der Khalifen und deren nicht minder mUtiae Burg Alcazar - es sind Alles Punkte, deren Namen m der Er- innerunq unsers Kronprinzen leben werden. Die Ankunft des Kronprinzen in SRnrrelona dürfte am Freitag, den 14. December, Bormittags, und seine Wie. ?e? n chiffuna n°ch Glnua noch im Lause desselben Tages erfolgt sem. deremMffu g Dienstag stattgefundenen Nachwahlen zur Ber­liner Stadtverordneten-Versammlung sind 5 liberale und 2 Arbeiter-Candidaten g^wähtt worden; zwischen einem Candidaten der Vürgerpartei und einem der

runfen an 6unb hatten auch die dort ankernden deutschen KriegsschiffePrmz Ä ÄCaVt in der das ungarische Oberhaus schon flein., . ^rane der Eheschließung zwischen Christen und Juden jeit ®°^enr 6e Tn Seiner wlt von 6 Stimmen lehnte das

eine Niederlage erlitt . » ,^rauf bezüglichen Gesetzentwurf ab, obwohl für Oberhaus am ®cnStag V r Ranges, wie Gras Andraffy und Minister- denselben P waren. Den Ausschlag gegen den Gesetzentwurf

Präsident Asza, cuigrholischen Geistlichen, wie des Primas von Ungarn, gaben die Reden der hohen k y Schlauch, welche sich aus kirchlichen wie Smior, und des S-athmarer t ^^rselbe dürste aber trotz

ieimrAblehmm^nach einer Ankündigung Tisza's im nächsten Jahre wieder das Oberhaus beschastigen^ ^^^^ngslager herrscht bezüglich des glän-

Jm Manzos sch ~ mit der Bewilligung des Eongftng. äenben ©te8eä, ben baä gamrner errungen hat, große Genugthuung. Es Kredits durch die Dep Urt Ministerium hiermit seine parlamentarische

ist imzweiselhaft, daß dasfr iim tro6bem ifi e8 aber zur Stärkung Stellung aus längere Z I 9 Fortgang der militärischen Operationen dieser Stellung daß über den Forlgang^^&t fo

in Tongkmg baldigst postU Nach beängstigende Stillschweigen giebt

gut wie gar von sich ° ^resfliche Handhabe, das Land bezüglich des den Gegnern des Cab,nett>ersetzen. - Admiral Lespes,

Fortgangs der Tongkmg'Ezp u n Geschwader in den chinesifchen welcher das Contmando über abgereist.

Gewässern erha , st i-Liga hat wiederum einmal von sich reden

i m&t durch eine blutige That eines ihrer Anhänger, gemacht. Diesmal aber nicht H ^alaeschenks von 38,000 Pfd. Sterling .«.ÄS6 »Ä

am Dienstag in Dublm zu Eh , genommene Rede hielt. Im Verlaufe S«'g.itSÄ W

BermifchteS.

Köln, 6. December. Ein Roman aus dem Leben, jo scheibt man derK. Z." hat sich vor dem hiesigen Schwurgerichte abgespielt. Auf der Anklagebank «ttzt die Näherin Katharine Hausen, ein noch nicht 17jähriges, bildschönes Maocyen, unter der Beschuldigung, ein junges, in ihrem Schootze keimendes Menschenleben verübtet zu haben. Wenige Schritte von ihr entfernt, auf der Zeugenbank, sitzt ein s^mucke^ Offizier, in der kleidsamen Uniform der Artillerie, und wenn sein Auge die Aermste ft- e ft deren junges Leben er verhängnißvoll durchkreuzt, die er g-liebtver- führt'urw verlassen hat und die jetzt in dieser schweren Stunde, - °nd und «ebroch-m wie geistesabwesend ins Leere starrt, dann schietzt thm wohl ^^.^/.^blle hetß in da^ verblühte Angesicht und er wendet hastig den Blick ab und uiacht sich mit dem Pallasch zu schaffen, der an seiner Seite klirrt. Da der Thatbestand im Verlauf der Verband- lunaen genügend aufgeklärt ward, so konnten die Geschworenen nicht umhin, die An- aeklaate für schuldig zu erklären. Der Gerichtshof dagegen, indem er von der Ansicht ausging, daß die bMagenswerthe Verbrecherin zur Zett der unseligen That dem Kindes alter kaum entwachsen gewesen, im Bann der Verzweiflung gehandelt und von der Tragweite ihrer Handlung nicht die nothwendige Einsicht gehabt habe, erkannt« auf Freisprechung, ordnete aber ihre Ueberführung in eine Besserungsanstalt an. Der Procedur wohnte ein höherer Offizier an.

Stuttgart, 11. December. Gestern wurde bet einer Jagd in der Rühe der Fabrikant Widemann erschossen und ein weiterer Jagdgenosse, Hauptmann Bauer, ver­wundet. Beim Nachhausegehen soll der verunglückte Witzemann ausgeglttten und auf seinen Begleiter gestürzt fern, wodurch sich dessen Gewehr entladen hatte.

sPostaltsche W-ihnachtseptstel an die Frauen.j einer solchen erinnert ein an hervorragender Stelle in Berlm befindlicher höherer Poftbeamte das Pub ikum an die rechtzeitige Beförderung der Wethnachts.endungen. Mit beredten Worten wird die Unannehmlichkeit geschildert, welche verspätet emtreffende Postsendungen mit sich bringen. Drei Tage vor dem heiligen Abend soll rede Sendung der Poft in guter- Verpackung übergeben sein. Woran liegt es, daß Kisten und Packele oft in beklageuss weither Verfassung beim Empfänger anlangen?

Wie an so Vtelem, find auch h'er, Die Frauen schuld, des Hauses Zier, O, Päckerei'n von zarter Hand, Wär't ihr so fest, wie elegant 1*

Am besten schickt man di- Weihnachtsgeschenke in einer dauerhaften Kiste mit verschiebbarem Deckel. Ein Blatt Papier, versehen mit der deutlich geschriebenen Adreffr deS Empfängers wird dann auf die Sachen gelegt:

^Daß, wenn mal die Adresse weg. Man doch zum Nothfall kann ersehen. An wen das Christgeschenk soll gehen.

Dann wird der Deckel zugeschoben, festgenagelt undwo Wand und Deckel s^ vereinen" vergesse man nicht, «ein Siegel noch zu bringen an, wer weiß, wvzn es nützen kann". Vor Allem aber hüte man sich, das Papier mit der^äußeren^Aoreffe^ welche groß, dmtlich und genau ab^W feinunfhebntm ^urd fl$ter Siegellack zu befestigen, das ist eine der schwersten Sünden. Nur suter Leim ist mürbip, den werlhvollcn Streifen Parier mit der Kiffe r» "ffbindero SchUngi man UM letztere noch kunstgerecht einen haltbaren Bindfaden,so schweigt der Secretar und nickt wenn £ das Meisterstück erblickt". Würde schließlich nach ein Hauptpuntt berücksichtigt. ^Köm' Alles vor den Feiertagen,

So wär' die große Schlacht geschlagen, Bevor der Llchterbaum bereit.

Und auch dem Postmann bliebe Zeit, Am heiligen Abend mit den Seinen <^m trauten Kreis sich zu vereinen.^ am- finfwn datz dieser Auszug aus der erwähnten Weihnachtsepistel eine Aus regung geben wird, der Postverwaltung ihren schweren Dienst zur Weihnachtszeit zu erleichtern. Die Beobachtung der gegebenen Vorschriften liegt im eigensten Interesse des Publikums. ______________