Ausgabe 
18.12.1883 Erstes Blatt
 
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Mr. 29<» Dienstag den 18. December 168S.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureatt t Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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AMttiHer Hheit.

Nr. 27 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 12. d. M., enthält:

(Nr. 1522.) Bekanntmachung, betreffend die Uebereinkunst mit den Vereinigten Staaten von Venezuela wegen gegenseitigen Markenschutzes. Vom 8. December 1883.

Gießen, den 15. December 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

hr. Roekmann.

Deutschland.

Berlin, 15. December. Seine Majestät der Kaiser empfing heute Vormittag den neuernannten Commandanten von Berlin, Generalmajor o. Spaugenberg, und konfertrte Nachmittags mit dem Staatssecretär Grafen Hatzfeldt.

Herrenhaus. Die Kreis- und Provinz'alordnungs-Vorlage für Hannover

wurde einer Commission von 15 Mitgliedern überwiesen. Oberbürgermeister Struck- mann referirte über die Landgüterordnuna für Schlesien und empfahl die Annahme des Entwurfs mit den von der Commission beschlossenen Aenderungen. Die Vor­lage wurde nach unerheblicher Debatte in der Fassung der Commission genehmigt.

DieWorbb. Allg. Ztg." erklärt das Telegramm der »Germania", daß der Vatikan am 11. December die osfictelle Mittheilung von der Ankunft des Kronprinzen in Rom erhalten habe, für falsch. Dem Vatikan sei bis heute noch feine osfictelle Mitthetluug von der Ankunft des Kronprinzen zugegangen. Daß dieselbe rechtzeitig erfolgen werde, sei außer Zweifel. Die »Germania" irre auch, wenn sie behaupte, die Initiative zum Besuche des Kronprinzen beim Könige und beim Papste sei nicht vom auswärtigen Amte auSgegangen. Zu den Pflichten des auswärtigen Ressorts gehöre auch die Sorge für die Beachtung dec Regeln internationaler Höflichkeit zwischen Re­gierungen und Souveränen. , ,, M ,, r

In der gestrigen Plenarsitzung des BundeSrathS fanden die Ausschuß- Anträge, betreffend Abfertigung von inländischem Tabak auf Versendungsschein II. und betreffend d'e Entwerthung der StempUmarken zur Entrichtung der statistischrn Ge­bühr, die Zustimmung der Versammlung. Der Besoldung^- und PenstonSetat der Reichsbanlbeamten für 1884 wurde genehmigt. Mehreren Gesuchen wegen auSnahms-. weiser Zulassung zur Schifferprüfung und zur Ausübung des Gewerbes als Schiffer auf großer Fahrt gab die Versammlung Folge. Eine Eingabe, betreffend die Zulassung der Gnsuhr amerikanischen Schweinefleisches in Büchsen zur Wiederausfuhr nach außer­deutschen Ländern, wurde dem Reichskanzler überwiesen. Ablehnenden Bescheid ertheilte die Versammlung auf die Eingaben, bttr. die Rückerstattung eines angeblich über­hobenen Betrags an Reichtz-Lotteriestrmpelsteuer; den zollfreien Wiedereinlaß von aus dem Zollgebiet bezog-nen Essen- und Thonfließen; den Erlaß von Verbotsbesttmmungen gegen das Taubenschießen. Nachdem die mit dem Großherzogthum Lüxemburg abge­schlossen- Uebereinkunst wegen gegenseitiger Zulassung der in der Nähe der Grenze wohnhaften Medicinalversonen zur Ausübung der Praxis die Zustimmung der Ver­sammlung erhalten hatte, machte der Vorsitzende schließlich Mtttbeiluns über die auf Grund früherer Beschlüsse erfolgte Ueberweffung mehrerer Eingaben an die zuständigen Au^s^^En, 15. Deeember. Nach einer römischen Meldung deS »Berliner Tage­blatts" sollen die Verhandlungen wegen eines Besuchs des Kronprinzen beim Papst gescheitert sein»

Dänemark.

Kopenhagen, 15. December. Dem Könige wurde heute eine Adresse mit 106 000 Unterschriften aus allen Ständen und Gegenden des Landes über­reicht welche sich gegen die Linke und deren Opposition gegen VertheidigungS- maßreqeln ausspricht. Der König antwortete bei Entgegennahme der Adresse, öieielb? sei ein sicheres Zeichen, daß die lleber-eugung durchdringe, dag Verther- digunqsmaßregeln nothwendig seien; die Adresse stärke seine Hoffnung, daß dre bisheriaen Hindernisse bald überwunden sein würden. Der König schloß mit den Worten'Ueberbringen Sie den Unterzeichnern meinen Dank, bitten Sie dieselben nicht zu ermüden in den Bestrebungen, die nothwendigen Vertheidl- aungsmaßregeln durchzuführen. Ich theile die Ueberzeugung: Opfer dürfen keine Hindernisse für die Bedürfnisse des Handes sein.

Oesterreich.

Wien, 15 December. DerPresse" wird au» Arco in Tyrol ge- ineldet, daß die Herzogin Marie Amalie von Württemberg, Tochter des Herzogs Philipp von Württemberg, heute früh gestorben ist.

Iran streich.

Daris, 15- December. Bei dem heutigen Ministerrathe wurde der Betraa der neuen Kreditforderungen für Tongking auf 20 Millionen festgesetzt, non denen 3 Millionen zur Completirung des Materials der Arsenale verwen- d-t werden sollen während 17 Millionen für den Unterhalt des Expeditlons- Clrps im ersten Halbjahr 1884, sowie für die Entsendung neuer Verstärkungen bestimirtt imö. roegen der neuen Kredite für Tongking soll heute der Kammer zugehen. In den der Vorlage beigefügten Motiven wird die Zahl der abzusendenden Verstärkungen nicht angegeben, aber hervorgehoben, daß letztere beträchtlich sein sollen. Es bestätigt sich, daß General Millot die Edtruppen befehligen werde, mit Negrier und Briöre de l'Jsle als Brigadiers. Admiral Courbet wird den Oberbefehl über die Seestreitkräfte führen.

England.

London, 15. D-c-mb-r, Ein Artikel derTimes" bespricht die g-genwärtigm

ÄZ aber diese Verminderung müsse von inneren R-sorm-n I«MM und könne nicht ausgesührt werden, wenn nicht irgend eine Macht die ^ntlialive zur

Revision des LiquidationSgrsetzes ergreift. DieTimes" hegt das Vertrauen, daß tn diesem Falle das Gonrrt her ernopasschen Mächte d'e Schwierigkeiten lohn werde.

Glasgow, 15. December. Der für den Norddeutschen Lloyd in Bre­men hier erbaute SchnelldampferEider" ist heute Mittag glücklich von Stapel gelaufen.

Italien.

Nom, 15. December. Die Vertreter des Königs und der deutsche Botschafter v. Keudell reisen heute Nachmittag nach Genua, roo die Ankunft des deutschen Kronprinzen für morgen Vormittag erwartet wird. Die Ankunft in Nom dürfte Montag Vormittag 11 Uhr stattfinden; doch ist die Stunde von der rechtzeitigen Ankunft in Genua abhängig. Der König, die Minister und die städtschen Behörden werden auf dem Bahnhöfe zum Empfange anwesend sein. Die zu Ehren des Kronprinzen stattfindende Heerschau ist für den 19. ds. festgesetzt. Die Truppen werden unter dem Obercommando des Gene­rals Mezzacapo stehen, der eigens aus Sardinien nach Rom gekommen ist; die beiden Divisionen werden von den Generälen Maraldi und Bocca, den Commandirenden in Nom und Florenz befehligt. Die Königin und der Kron­prinz von Italien werden der Heerschau zu Wagen beiwohnen.

Spanien.

Barcelona, 15. December. Bei der Einschiffung des Kronprinzen falutirtcn die demschcn Kriegs sch ff?. Sämmtttche Schiffe trugen große Flaggengala. Sobald der Kronprinz an Bord deSAdalbert" war, salutirte daS Hafenfort. Graf SolmS, der G-vc-alkavttän und der Gouverneur verabschiedeten sich auf demAdalbert-. SolmS r;)3ter den Kronprinzen bei dem von der Municipalttät gegebenen Diner und bei her TheaterfefioorfieHung. Der Bürgermeister toastete aus Kaiser Wilhelm, dessen erlauchte Familie und auf daS Gedeihen des deutschen Reichs. Solms trank auf daS Wohl des Königs von Spanien und auf das Gedeihen Spaniens und Kataloniens. Er fügte hinzu, der Kronprinz bedaure aufs Lebhafteste, den Aufenthalt in Spanten ab­kürzen zu müssen; er beabsichtige indessen, am 30. December wieder tn Berlin zu sein. Sehr warmes Witter, das Meer tst ruhig.

Telegraphische Depeschen.

WoLF'S trlegr. Eorrespondem-Brrrearr.

Bromberg, 16. December. Die fliegende Fähre auf der Weichsel zwischen Fordon und Ostrometzko ist gestern, nachdem eine Kette gerissen, mit Fahrzeugen, Pferden und Menschen beladen, stromabwärts getrieben worden.

Die fliegende Fähre von Fordon ist tausend Schritte weit sortgerissea worden. Ein Uriglücksfall tst dabei nicht vorgekommen. Der Betrieb tst ungestört-

Nom, 16- December. Der Bürgermeister von Rom, Herzog von Torlonia, ver­öffentlicht heute Morgen ein Manifest an die Einwohner Roms, in welchem er die für morgen erwartete Ankunft deS deutschen Kronprinzen anzeigt. In dem Manifest heißt es weiter-. Durch diesen Besuch würden die festen und herzlichen Bande zwischen dem deutschen und italienischen Volke noch enger geknüpft werden. AlS Dolmetscher der Gefühle des gesammten Italiens werde Rom dem deutschen Kronprinzen, dem Freunde des Königs und dem Vertreter des mächtigen Monarchen, der die Größe und Einig­keit Deutschlands zu begründen gewußt habe, einen freudigen und herzlichen Empfang

Im weiteren Verlaufe der Kammersitzung theilte der Minister des Aeußern mit, behufs der nothwendigen Arbeiten am oberen Etsch würden Schritte zu einem gemeinfamen Vorgehen mit der österreichischen Regierung eingelettet werden.

Genua, 16. December. Das deutsche Geschwader tst tn Sicht. Prinz AmadeuS trifft heute Nachmittag hier ein. , m

DaS deutsche Geschwader mit dem Kronprinzen an Bord ist um 10 Uhr hier eingetroffm. Der Kronprinz ist um 11 Uhr 20 Mm. gelandet und hat sich unter enthusiastischen Zurufen der zahlreich zusammengeströmten Bevölkerung in einer könig­lichen Eauipage nach dem Polais begeben.

Bel der Ankunft des deulschen Geschwaders salutirt-n die Italienischen Kri-gs- sch ffe, während d-r deutsche Botschafter v Keudell, General Carava, der Ober-Eere- mon'-nmeister Giannatti, Major B.s-stt, der deutsche Consul Bamberg sich mitte» Barken an Bord des .Adalbert" begaben, um den deutschen Kronprinzen zu empsangen und zu begrüßen. Die Sp tz-n der siSdtlsch-n, politischen und militärischen Behörden waren zum oificlellen Empfang- an der Trepp- versammelt, di- den Namen des Kron­prinzen führt, Im Augenblick d-r Landung erdröhnten Artillerie-Salven und ble Miltläkapell- auf dem Qual spielte die prcuß.sche Dolkshpmne, wahrend di- zahlreich anwes-nde Bevölkerung, di- M tglleder d-r deutschen Colonte, die Matrosen In den Raaen und die Insassen d-r zahlreichen f-stllch geschmückten Bargen, welche das kron- prinzltche Schiff bis zum Landungsplätze beglerteten, unaufhörlich stürmische Jubelruse ertönen ließen, Die im Hafen liegenden Schiffe hatten Galaflagg-N aufgizogeii. Nach dem Empfange d-r Behörden schritt d-r Kronprinz die Front der Truppenabthetlung entlang und fuhr alsdann, begleitet von den zu seinem Empfang erschienenen Personen und zahlreichem Gefolge, fn königlichen Equipagen durch die retchbeflaggten Straßm, in welchen die Truppen Spalier bildeten, unter fortdauernden Hochrufen der Be­völkerung na» dem Schloss-, Dort angelangt, trat d-r Kronprinz alsbald an daS Kenster um d-r hier besonders dtchtgedrängt.n Meng- für die ununterbrochenen Herz- lichkn Kundgebungen bet Freude wiederholt zu danken. Der Kronprinz wird um Mitternacht die Reise noch Rom fortfetzen

Prinz Amadeus wird sich heute Nachmittag 2 Uhr von Turin nach Genua begeben- Das Wetter ist regnerisch. . , r t _ x m

Genua, 16. December. Der deutsche Kronprinz begab sich heute Nachmittag 1 nhr begleitet von seinem Adjutanten, dem Botschafter v. Keudell und dem General Carava zu den Offizieren des deutschen Geschwaders, um dieselben nach Vollendung der Fahrt zu verabschieden und stattete alsdann dem italienischen Geschwader einen