wurden betroffen 6 erwachsene Personen und 2 Kinder. Von den letzteren starb das eine, nur einen Monat alt, an Darmcatarrh, daS andere tm Alter von 2 Jahren an Scharlach- Bet den Erwachsenen war Todesursache: Lungenschwindsucht 2mal, Wochenbettkrankheiten 2mal, KrebS Imal, organische Herzkrankheit Imal.
Gießen, 17. October. Von Großh. Strafkammer wurde gestern ein vor 3 Wochen wegen Majeftütsbeletdtgung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verhafteter hiesiger Einwohner zu 5 Monaten Gefängntß verurthetlt-
— Ein Einwohner von Alten-Buseck, welcher tm Sommer d.J. junge Bäumchen an der Marburgerstraße in frevelhafter Weife beschädigte, wurde von demselben Gericht mit 6 Monaten Gefängniß belegt.
— Heute Morgen wurde ein sechsjähriger Junge von einem Frachtfuhrwerk in der Marktstraße überfahren und am Hinterkopfe, Hals und Gesicht nicht unbedeutend verletzt. Der Junge, welcher über die Straße gehen wollte, wurde von den Hufen der Pferde des betr. Fuhrwerks niedergetreten. Der Kutscher, welcher zu stark gefahren haben soll, wird seiner verdienten Strafe nicht entgehen.
Vermischte-.
Friedberg, 15. October. Der regelmäßige Betrieb der Actien-Zuckerfabrik „Wettcrau" wird, nachdem alle Maschinen re. probirt sind, morgen eröffnet werden.
Vilbel. Einem hiesigen Gaftwirthe, welcher bet dem Fourageempfang in dem Magazin dahier die Eantine übernommen hatte, wurde ein Faß Bier entwendet. Sofort angestellte Recherchen ergaben, daß das leergetrunkene Faß auf einem mit Fourage rc. beladenen Bauernwagen mit Militärbcgleitung vor Gronau gefunden wurde. Die Anzeige bei der Militärbehörde wurde erstattet und hat der Gastwirth bereits eine Vorladung an das Kriegsgericht zu Darmstadt erhalten. (O- A.)
Mainz, 15. October. Ein Soldat vom 117. Infanterie-Regiment war gestern Abend im Begriffe, in eine Wirthschaft tm Gartenfeld zu gehen, als er plötzlich mit Steinen beworfen wurde und in Folge dessen eine ziemlich heftige Verletzung erhielt. Darüber war der Soldat selbstverständlich aufgebracht, er zog deshalb seinen Säbel und drang damit auf seine Peiniger ein. Darauf hin holte einer der letzteren eine Holzoxt und schlug damit auf den Soldaten, so daß dieser alsbald schwer verletzt zusammenbrach und in das Militärlazareth gebracht werden mußte. Nach diesem Vorfälle geriethen nun die beiden Kerle selbst miteinander in Streit und einer derselben hieb seinem Gegner über den Hinterkopf, daß der Getroffene ebenfalls lebensgefährlich verletzt zu Boden stürzte und alsdann in das Hospital transportirt wurde. Außer diesen zwei Verletzungen wurden an demselben Abend im Gartenfeld noch weitere 4 Personen mittelst Messerstichen verletzt. (F. I.)
Köln, 13. October. Gestern Abend Übergaben zwei Unterofficiere der vierten Batterie einen Soldaten, der von derselben Batterie befertirt war. Derselbe machte wiederholt den Versuch, zu entkommen. Heute früh 6 Uhr bat er, austreten zu dürfen. Die Erlaubniß wurde ihm erthetlt, zwei Leute ber Wache begleiteten ihn Als er zurückkehrte und wieder an der Thür der Hauptwache ankam, entsprang er plötzlich. Seine Begleiter setzten ihm nach und riefen ihm zu, stehen zu bleiben- Da er nicht Folge leistete, machte einer von ferner Feuerwaffe Gebrauch und streckte ihn durch einen Schuß in den Kopf nieder. Er war sofort tobt.
Breslau. Der Magistrat von Neumarkt erläßt folgende Bekanntmachung: „Der massenhafte Zuzug von Arbeiterfamilien nach der Stadt und das dadurch hervorgerufene Anwachsen der Armenlast zwingt uns, an den Bürgersinn der Hausbesitzer die Bitte zu richten, doch ja keinen neu anziehenden Arbeiterfamilien mit reichem Kindersegen, die früher oder später doch einmal bet Armenkasse zur Last fallen, Wohnung zu gewähren. Die Armenkasse wird im entgegengesetzten Falle niemals Unterstützungen zur Bezahlung rückständiger Wohnungsmtethe geben. Neumark, 24. September 1883. Der Magistrat."
Frielendorf, 11. October. Heute früh um 3 Uhr gerieth die Farbwaaren- fabrik (Kasseler Braun) des Herrn Kramm in Brand. Trotz der raschen Hülfe brannte dieselbe vollständig nieder.
Aus Schlesien, 13. October. Unter der Ueberschrift: Gift statt Brod bringt die katholische „Rat.-Leobsch. Ztg." aus Ratibor einen Artikel mit so schwerer Anschuldigung gegen die oberschlesischen Gutsbesitzer, daß er nicht unbeachtet gelassen werden darf, zumal das genannte Blatt sich erbietet, den Beweis der Wahrheit anzutreten. Der Artikel lautet: „Auf einem in der Nähe befindlichen größeren Gute sind' plötzlich heftige Darm- und Magenleiden epidemisch aufgetreten. Die Ursache wird von der Polizei in der mangelhaften Deslnfect'on der Aborte und Düngergruben gesucht. Wir wollen für dergleichen Fälle der hohen Behörde einen Wink geben, für den sie uns hoffentlich dankbar sein wird. Die Epidemie ist fast nur auf dem Gutsbezirk, nicht auf den Rusticalgütern aufgetreten und die Ursache liegt in dem verdorbenen Getreide, welches den Leuten als Deputat geliefert wird. Wer sich überzeugen will, daß man es hier mit einem großartigen Vergiftungsproceß zu thun hat, der komme auf die Redaction der „Rat-Leobsch. Ztg."; man wird ihm eine Probe von der Gerste vorlegen, mit welcher ein Gutsbesitzer sein Lastvieh, wir wollten sagen seine Arbeiter, füttert. Dieser Fall soll sich übrigens, w-e uns neulich aus dem Koseler Kreise geschrieben wurde, nicht gerade selten wiederholen."
Frankfurt a. M., 15. Ociober. Zum Empfang des Kaisers nach Schluß der Manöver sind neben der von der Stadt bewilligten Summe von 15,000 «X noch 82,000 JL gezeichnet und theilweise verwendet worden.
Stuttgart, 14. October. Nach anderthalbtägiger Verhandlung hat gestern das hiesige Schwurgericht den des Raubmords an dem Viehhändler Jos. Werthhermer von Bretten am 27. März 1881 angeklagten Taglohner Joh. Jak. Götz von Kaltenthal bei Stuttgart in der auf Entscheidung des Reichsgerichts in Leipzig vor sich gegangenen Wiederverhandlung neuerdings zum Tode verurtheilt- Wie schon früher mitgetheilt, hat Götz vor mehr als 2% Jahren den Viehhändler Werthheimer in seinem (dem Angeklagten) Stalle in Kaltenthal erschlagen und dessen Leichnam in seinem Keller vergraben, wo er erst in diesem Jahre anläßlich eines Brandts dcs Götz’schen Hauses entdeckt wurde. Die Vertheidigung des Angeklagten, R.-A. Kapp, hatte auf den Wunsch des Götz Berufung gegen das am 6. Juli d. I. ausgesprochene Todesurtheil eingelegt und es hat das Reichsgericht denn auch am 13. September b. I. die Sache deshalb zur Wied.'rverhandlung an das Schwurgericht zurückoerwiesen, weil die Fassung der Hauptschuldfrage, welche auf „vorsätzlich und mit Ueberlegung ausgeführte Tödtung" ging, nicht ganz im Einklang mit dem § 211 des Str.-G-B. stehe, welcher lautet:
„Wer vorsätzlich einen Menschen tobtet, wird, wenn er die Tödtung mit Ueberlegung ausgefühi t hat, wegen Mordes mit dem Tode bestraft." D-r Präsident des hiesigen Gerichts erklärte Eingangs der Verhandlung, daß er sich dieses Unterschiedes zwar bewußt gewesen sei, ein rechtliches Bedenken jedoch nicht gehabt habe. D e Verhandlung lieferte im Wesentlichen dasselbe Resultat, wie das erste Mal und es gelang der Vertheidigung trotz Aufbietung aller juristischen Kraft nicht, die Bejahung der Frage durchzusetzen nach der Götz nur des einfachen Todtschlags schuldig zu sprechen wäre. So fällte denn das Gericht auf Grund des Verdicts der Geschworenen von Neuem daS Todesurtheil über den Angeklagten, der nun seit 6. Juli L I. in banger Erwartung des Ausfalls seiner Berufung in Untersuchung sitzt. Schon dieses Umstandes wegen darf mit Zuversicht die Begnadigung durch den König erwartet werden-
— Der preußische Negierungsrath Techow ist von der japanesischen Regierung mit einem Gehalt von 40,000 Francs jährlich zunächst auf drei Jahre zur Reorganisation des japanesischen Unterrichtswesens berufen und hat seine Reife nach Japan angetreten.
Mülhausen, 11. October. Die Wittwe des jüngst verstorbenen Herrn Engel- Dollfus hat, wie man der „Karlsr. Ztg." schreibt, um das Andenken ihres Mannes zu ehren und um einem seiner letzten Wünsche zu entsprechen, sich entschlossen, eine Pensionskasse für die Angestellten des Hauses Dollfus, Mieg u. Eo. zu gründen, dessen Chef bekanntlich Herr Engel-Dollfus fett einer langen Reihe von Jahren war. Zu diesem Ende hat Frau Engel-Dollfus nun ein Capital von 200,000 Frs. ausgesetzt und eö haben die drei Söhne derselben ebenfalls die gleiche Summe für denselben Zweck bestimmt, so daß ein Capital von 400,000 Frs. für die neu zu begründende Pensions- kasse vorliegt. Das Weitere über diese Kasse wird erst demnächst bestimmt werden.
Amsterdam, 12. October. Dem »Nürnb. Anz " w'.rd geschrieben: „Die berühmte hiesige Colonialixport-Ausstellung verspricht einen würdigen Abschluß zu erhalten. Es scheint, daß das Comite die goldenen und silbernen Medaillen nur auf dem Papier vertheilt hat. Denn wer die Medaille, welche er zugesprochen erhalten hat, auch wirklich bekommen will, kann und darf sich dieselbe für sein eigenes Geld kaufen!! Das ist ein Unikum, welches bis jetzt noch keine Ausstellung aufzuwetsen hat, aber der hiesigen vollkommen würdig ist. Und da findet sich kein deutscher Regierungsvertreter, der gegen e'nen solchen Skandal protestirt? ?"
— Einen wahrhaft klassischen Opfermuth bat unlängst im Dienste der Kunst eine Schauspielerin im Theatre Fran^ais, Mademoiselle Dudley, bewiesen. Anläßlich der Premiere von Albert Delptt’s „Maucroix" ließ sich die genannte Künstlerin sechs Vorderzähne ausziehen und durch künstliche ersetzen, um ein durch die Stellung der natürlichen Zähne hervorgebrachtes Lispeln zu entfernen. Das erinnert ein wenig an den Sto'cismus Theophile Gautiers. Der Autor von „Fortunie" hatte furchtbar an den Zähnen zu leiden. Er suchte deshalb einen Zahnarzt auf, ließ sich die kranken Zähne ausziehen und sagte bann zu dem, nicht seinen Ohren trauenden Dentisten mit größter Gemüthsruhe: „Da Sie einmal dabei sind, können Sie mir ja auch gleich die noch übrig gebliebenen Zähne herausnehmen. Ich habe die Zahnschmerzen satt und will ein für alle Mal Ruhe haben." Der Dentist that, wie ihm anbefohlen und Theophile Gautier trug seitdem ein vollständiges Gebiß — er hatte nun wirklich „ein für alle Mal Ruhe."
— Eine Schmuggler-Geschichte, welche für den eigentlichen Veranstalter einen unangenehmen Ausgang hatte, macht in Hof (Bayern) viel von sich reden. Ein Viehhändler, der in Böhmen 4 Stück feiste Ochsen gekauft hatte, ließ dieselben durch einen Landwirth über die Grenze bringen; doch der Letztere wurde ertappt und festgesetzt und die beschlagnahmten Ochsen kamen zur Versteigerung. Da behauptet der Bauer Inder Untersuchung, daß die vier Ochsen ihm schon lange gehörten und er mit denselben nur eine Geschäftsfuhre nach Böhmen unternommen hätte. Der Nachweis gelang; er mußte freigelassen werden und das von den verkauften Ochsen geloste Geld ausgezahlt erhalten. Da kommt nun der Viehhändler, dem die Ochsen in Wirklichkeit gehört hatten und verlangt das Geld für sich; aber das Bäuerlein weist sein vom Gerichte ihm ausgestelltes Schriftstück vor, nach welchem die Ochsen als ihm gehörig bezeichnet sind und verweigert die Herausgabe der Summe. Der Viehhändler, der wohl weiß, daß er mit einer Klage nichts profitiren, sondern sich dabei selbst als strafbar hinstellen würde, hat nun das Nachsehen.
— (Was ein Gedanke ist.) Lieutenant: Sie, Müller, um ’n Gedanken vorl — Müller tritt um einen ganzen Schritt aus der Linie ’raus. — Lieutenant: Müller sind Sie wahnsinnig? — heißt das ’n Gedanken vor? Wissen Sie, was ’n Gedanke ist? Ein Gedanke ist soviel wie gar nichts!
Witterungskunde.*)
18. October. Donnerstag. Vormittags und Mittags veränderlich bis bedeck! mit Schauern, frühmorgens bis Morgens und Abends aufgeheitert, Nachts Niederschläge, tagsüber verhältntßmäßig kühl und windig.
19. October. Freitag. Frühmorgens und Morgens heiter, Nachmittags ortlick windig und verandeilich, spätnachmittags gewitterhaft mit Niederschlägen, vielleicht Graupelböen und auffälliger Abkühlung; Abends etwas besser, Nachts Niederschläge
*) Aus Dr. L. Overzier’s Wetter-Prognose für den Monat October abgeschlossen am 20. September (Verlag der M. Lengfeld’schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 Xy — Nachdruck verboten.
ArsnTfrrVä M.. 17. Octbr., Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen. Creditactten 242%, Staatsbahnactien 267%, Galizier 243%, Lombarden 127V*, Nord weftbahnactien 160%, Gotthardbahnactien 102%, Darmstädter - Bankactien 152% Disconto Commandit 187%, Oefterr. Silberrente 6613/i6, 4% Ungar. Goldrente 73%, 4% 1880er Russen 71%6, 5% 1877r Russen 90%, 2. Orient-Anleihe 56%,, 4<% Spanier 58%ß, 5% Rumänische Rente 93%. 4% Unific. Egypter 70%6, 5% Türker 10%, Marienburger 102%, Hess. Ludwigsbahnact. 109. Tendenz: schwach.
Kirchliche Anzeigen der ev. Gemeinde Gießen.
Donnerstag, 18. Oktober, Abends 6 Uhr: Erbauungsftunde in der Stadtkirche — Pfarrer Dingeldey. (Luther in den Jahren 1521—1529.)
Allgemeiner Anzeiger.
MchäsK-Eeöffnung.
Einem verehrlichen hiesigen und auswärtigen Publikum zeige ich hierdurch an, daß ich in dem uon mir erkauften Hause Neuenweg Nr. 33 unterm Heutigen eine
Metsgerei
errichtet habe. .
Unter Zusicherung bester Bedienung bitte ich um geneigten Zuspruch.
6814 Hochachtungsvoll
Adam Dieta,
Neuenweg (jejchm. Heerz Neuenweg empfehlen zur Saison das Neueste in wollenen Kopf- und Umhänge- tüchern, Damen-, Herren- und Kinderwesten, Filz-, Velour-, Flanell- und gestrickte Damen- und Kinder-Unterröcken, Unterjacke« und Beinkleidern in verschiedenen Größen, Strickwolle in guter Qualität und Nockwolle per Pfund Jl. 1,20. 6932
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