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216 Dienstag den 18. September 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

- ' ~ " . ' " 7" Preis vierteljührllch 2 M«rk 20 Pf. mit Brin-erlochn,

Bureaut Schulstraße 7. Erscheint täglich imt Ausnahme des MsNtagg. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Betreffend: Anlage von Feldwegen rc. in der Gemarkung Gießen.

Bekanntmachung.

Die Einweisung in den Besitz der neu gebildeten Parcellen in den Wiesen zwischen dem Wismarer Weg und der Lahn findet Montag den 24. I. MtS., Bormittags 9 Uhr, statt. Alle Betheiligten werden eingeladen, sich an Ort und Stelle einzufinden.

Gießen, den 15. September 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

!> r. Boekmann.

Betreffend: Den im October 1883 vorzunehmenden Wiesengang. Gießen, am 15. September 1883.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzhevzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Nach Artikel 7 der Wiesenpolizei-Ordnuug ist im Monat October der Wiesengang von den Wiesenvorständen unter Zuziehung der Feldschützen und

Ende

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Wiesenwärter vorzunehmen. , r , . -, . n a

Wir beaustragen Sie deßhalb, dieselben hierzu baldigst aufzufordern und die über den Wresengang aufzunehmenden Protokolle bis längstens zum

In diesen Protokollen haben die Wiesenvorstände, was Sie denselben noch besonders eröffnen wollen, hauptsächlich folgende Punkte aufzunehmen.

1) ob die Anordnungen, welche Sie bei dein im März l. I. vorgenommenen Wiesengang getroffen haben, befolgt worden sind und welche mcht;

2) welche Anordnungen von den Wiesenvorständen zur Beseitigung der bei dem diesmaligen Wiesengang vorgefundenen Mängel von Ihnen getrosten worden sind oder vorgeschlagen werden; hierbei wird den Wiesenvorständen besonders empfohlen, ihr Augenmerk namentlich auch auf die Neiniauna der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, Moos rc.; auf die Entfernung der Herbstzeitlosen, des Erdauswurfs aus den Be- und Ent­wässerungsgräben, auf die Verebenung der Maulwurfshügel und dergleichen und auf die Unterhaltung der Be- und Entwässerungsgraben zu richten und hierbei nach den bestehenden Bestünmnngen zu verfahren. .a,.

3) Verbesserungsvorschläge in Bezug auf größere Wiesenfluren, namentlich solche, zu deren Ausführung das Wresenculturge^etz vom 7. Oktober 1830, Regierungs-Blatt Seite 365 Anwendung findet. f , c. , . , r. , . n rf

Qu Nr. 2 erläutern wir, daß Sie in der Regel, insofern kein besonderer Anstand vorliegt, jedem der betreffenden Wresenbefitzer specrell eröffnen wollen, welche Mängel der Wiesenvorstand vorgefunden hat und daß diese Mängel binnen der vom Wiesenvorstand zu bestimmenden Frist so gewiß zu. beseitigen waren, als sonst die nöthiqen Herstellungen auf Kosten der Säumigen angeordnet'würden. Nach fruchtlosem Ablauf der gesetzten Frist wollen Sie nach AnhoruM des Wiesenvorstandes weitere Anträge stellen. Jedenfalls sind die von Ihnen g^roffenen Anordnungen in den von ^hnen emzufendenden Protokollen emst-

Das Protokoll über den Rundgang ist von allen Theilnehmern zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiefenvorstandes verhindert, am Rundgange Theil zu nehmen, so ist dies am Schluffe des Protokolls zu bemerken. , , . ,

Sollte der Wiesenvorstand, der außer dem Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten, mindestens noch aus zwei Ortsemwohnern, welche Wiesen besitzen, oder solche zu benutzen oder zu verwalten haben, bestehen soll, nicht mehr vollständig sein, fo wollen Sie den Gememderath wegen Ergänzung des Wiesenvorstandes vernehmen und uns die Anträge des Geineinderathes in besonderer Verhandlung vorlegen.

Dr. Boekmann.

Lehrer-Co nferenz des Conferenz-Bezirks Großen-Buseck: Mittwoch den 19. September, Bormittags 10 Uhr, in Reiskirchen. Gießen, den 15. September 1883. Büchner, Kreisschulinfpector.

Feutschland.

Darmstadt, 15. September. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen heute den Seminar-Director Prosessor Diegel aus Friedberg; zum Bortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck und den Geheimen Cabinetsrath Dr. Becker.

Se. Königl. Hoheit der Prinz von Wales sind heute Vormittag, von Homburg kommend, dahier eingetroffen und haben sich mit Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog und Sr. Königl. Hoheit dem Landgrafen von Hessen, Höchst- velcher von Philippsruhe hierher gekommen, zur Hirjchjagd in den Park begeben. Die Herrschaften frühstücken nach Beendigung der Jagd bei Dianaburg und treten im Laufe des späteren Nachmittags die Rückreise an.

Berlin, 15. September. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt, die syste­matisch fortgesetzten Bemühungen derTimes", hinterlistiger Weise Zwietracht zwischen Deutschland und Frankreich zu säen, müssen die um so tiefere Ver­stimmung aller friedliebenden Faktoren beider Länder zur Folge haben, je durch­sichtiger die selbstfüchtigen Motive derTimes" seien. DieTimes" könne kaum ernstlich hoffen, die französische Regierung für ihre Ansichten zu gewinnen. Diese wisse, daß sie auf dem Boden der bestehenden Verträge an den Deutschen die besten Nachbarn habe, die ihr allen Erfolg in der Welt wünschten. Frank­reich könne solche Ersolge leicht überall haben, je besser seine Beziehungen zu Deutschland seien. Die Politiker derTimes" bedächten nicht die Möglichkeit, daß die betriebenen Hetzereien in der öffentlichen Meinung Deutschlands leicht dem Wunsch Hervorrufen könnten, eine Verständigung zu suchen, welche vielleicht gar nicht so schwer erreichbar sein würde, woran dieTimes" gewiß aber eine noch viel geringere Freude erleben würde, als ihr der momentane Beifall der Boulevard-Presse bereite.

Der kürzlich mitgetheilte Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten über die Beachtung der bahnpolizeilichen Vorschriften datirt, was besonders her- mrgehoben werden mag, mehr als zwei Wochen vor der Steglitzer Katastrophe, übrigens fällt dem Locomotivführer des unheilvollen Kurierzuges in dieser Be- Mhung keinerlei Verstoß zur Last. Das Bahnpolizei-Reglement schreibt eine Ermäßigung der Fahrgeschwindigkeit nur vor, wenn in Bahnhöfen oder Halte- stsllen Weichengegen die Spitze", d. h. so befahren werden, daß der Zug im

Falle einer etwaigen falschen Stellung der Weiche von dem Hauptgeleise abge- lenkt wird. Auf dem Bahnhose Steglitz waren solche Weichen in dem Geleise, das der Kurierzug befuhr, nicht vorhanden. Außerdem muß langsam gefahren werden, wenn der Locomotivführer Menschen oder Thiere auf dem Geleise be­merkt, was bei Dunkelheit in der Regel nicht möglich ist, wenigstens nicht so rechtzeitig, daß der Zug im Falle der Gesahr früh genug zum Stehen gebracht werden könnte. Uebrigens enthalten die bahnpolizeilrchen Vorschriften über das Maß der Verlangsamung keine Angaben. Die in den vorgefchriebenen Fällen thatsächlich gehandhabte Verminderung der Fahrgeschwindigkeit ist meistens eine für den Insassen des Zuges kaum merkliche und würde Unfälle, wie die Steg­litzer Katastrophe, überhaupt nicht zu verhindern im Stande sein. Wollte man eine für derartige Fälle wirksame Langsamfahrt in den Bahnhöfen, wo nicht angehalten wird, vorschreiben, so müßte man auf ein Tempo hinabgehen, das dem Schnellverkehr, der in unserm wirthschaftlichen Leben eine fo große Rolle spielt, unerträgliche Fesseln anlegen würde. Die Vermeidung ähnlicher Unglucks- sälle wird man daher von Schutzmaßregeln technischer Art, wie von der Anlage von Tunneln oder Ueberbrückungen über den Geleisen, Herstellung von Schra n- ken u. s. w., sowie von der Aufmerksamkeit des Aufsichtspersonals auf den Bahnhöfen erwarten müssen, wobei freilich erstes Erforderniß ist, daß auch das Publikum den Weisungen der Beamten Folge leistet und mcht durchs gewalt­sames Durchbrechen der zu seinem Schutz angeordneten Schranken oder jonstigen Sicherheits-Vorrichtungen deren schützende Wirkung vereitelt.

Merseburg, 15. September. Seme Majestal^der Kai er fuhr heute Vorm.ttog 91/4 Ut?r betm plächt.gsten Sonnenschein auf das Manooerterratn nach dem Rendezvous- Platze bei Pettstädt am Gaslhause zum Luftschiff Seine Maiestat wurde während der Fahrt von der zahlreich erschienenen Bevölkerung ^^nthusiastischen Kundgebungen be­grüßt. Nach der Generaltdee steht ein marktrtes Nordcorps zwischen Halle a. d. S. und Leivua diesem aeaenüber als Südcorps das 4 Armeecorps.

u - Seine Ma kstät der Kaser traf um 10V. Uhr bet P-itstädt ein, stieg hier zu Pferde, begrüßte sämmtliche südlich Pettstädts in Rendezoous - Stellung stehende Truppen und nahm hierauf am trtgonometri chen Signal Aufstellung. Das Manöver begann mit einem Angriff der von General v. Salmuth befehligten Avantgarde der 7-^Division auf den Unken Flügel, dieselbe rückte im Feuer vor; als Gros olgte die 14. ^nfanterte-Buaade, die 8. Division unter Generallteutenant v. Grolmann, die Corps- Artillerie und die kombtnirte Kavallerie-Divtsion. Die Corps-Artillerie fuhr nordöstlich Pettstädt auf um die feindliche, auf dem Janushügel posttrte Artillerie zu beschießen. Die 8 Division führte indessen eine große Rechtsschwenkung aus, um den feindlichen