Gießen, 17.Juli. Gießens Ruf als Feststadt ist gerettet Trotz des jämmerlichen Wetters am gestrigen Tage, welches namentlich das Pre.Sturnen im höchsten Grade beeinträchtigte, füllten sich doch der Festplatz und die Wirtschaften um denselben mit Gästen von Nah und Fern. Diejenigen, welche uns am Sonntage besuchten, wußten, zu Hause angekommen, nicht genug das Arrangement des Festes zu loben, welches fte mit erlebt. Es ist eine Eigenthümltchkeit der Gießener Feste, daß sich bet uns jeder als Festwirth betrachtet, daß der Bürger seine Gäste als solche behandelt, daß er dasselbe mit ihnen feiert und sich mit ihnen amüsirt. Ein Blick am gestrigen Nachmittag in die Festhalle und die Festwirthschaften belehrte den griesgrämigsten Hypochonder, daß heute der Freude Thür und Thor geöffnet sei.
Jedermann, den man nur hören konnte, äußerte sich im höchsten Grade befriedigt über den Verlauf des Festes. Der einzige Mißton, der dazwischen klang, war, wie schon oben gesagt, das ungünstige Wetter. Daß dadurch das Preisturnen sehr erschwert wurde, brauchen wir nicht weiter zu erwähnen, und trotzdem wurde brav und wacker geturnt und zwar biß Abends 9 Uhr, ein Eretgniß, welches vielleicht bet keinem früheren Feste vorkam. Die Preisrichter konnten demzufolge ihr schwieriges Amt erst gegen 1/212 Uhr Nachts beenden und verkündeten unter lautem Jubel die Namen der nachstehend verzeichneten Sieger.
Nicht unerwähnt
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1. Preis mit 63V» Punkten:
darf bleiben, daß zum wesentlichen Gelingen des Festes Festwirth sowohl als die Besitzer der übrigen Wtrthschaften auf dem Festplatze nur Prima-Waare zu mäßigen Preisen verabreichten. Das Bier war gut, die Weine vorzüglich und die Speisezettel befriedigten mit ihrem Inhalte Jedermann.
Jakob Anthes, Turn- und Fechtclub Frankfurt.
Louis Unverzagt, Gießen.
Adam Werner. Frankfurter Turn- und Fechtclub.
Julius Meggen stock, do.
Fritz Hench, Wiesbaden, Männerturnverein- Earl Ulrich, Frankfurter Turnverein.
Jacob Molttor, Höchst, Turngesellschaft.
lJerome Pfannstiel, Franks. Turn- u. Fechtclub. !August Hach, Frankfurt, Turnverein.
/Joseph Henninger, Mainz.
Franz v. Siebert, Hanau, Turngemeinde.
Theodor Körper, Franks. Turn- und Fechtclub. »Jean Weil, Höchst, Turngemeinde.
iGeorg Braun, Offenbach, Turngemeinde.
Fritz Büsseler, Coblenz, Turnverein. .Heinrich Hofmann, Frankfurter Turngemeinde, iFritz Gärtner, Wiesbaden, Männerturnverein. )Wilh. Schnabel, Darmstadt, Turngemeinde.
'Carl Behl, Oberstetn, Turngemeinde.
Friedr. Eich ho Id, Franks. Turn- und Fechtclub.
Carl Stadelmann, Offenbach, Turngemetnde.
Albert Klein, Idar.
August Unk, Frankfurter Turn- und Fechtclub.
Lorenz Born, Höchst, Turngesellschaft.
August Salfeld, Darmstadt.
»Jacob Fer g, Höchst, Turngemetnde. jPhtltpp Zellner, Mainz.
Carl Verschied, Idar.
lEduard Ritsert, Gießen-
> Heinrich Kurz, Bockenheim, Turngemeinde. sWtlh Kranz, Homburg.
{Carl Petzer, Oberstetn.
Hartm. Freteisen, Sachsenhausen.
Fritz Bohn, Aschaffenburg.
Christoph Huf er, Bornheim, Turngemeinde, lChristoph Lindheimer, Franks. Turnverein. ! Adolf Weil, Homburg.
'Aug. Schwarz, Sachsenhausen, Turnverein.
(Carl Dreher, Oberstetn.
<Wilh. Jrdina, Frankfurt, Turnverein. tJos. Kammerer, Höchst, Turngemeinde, lHeinrich Rühl, Gießen.
Wilh. Dapper, Gießen.
'Hetnr. Wahl, Worms.
/Conrad Rothenburger, Sachsenhausen, Turnv- 1 Philipp Franz, Mainz, Turnverein.
)Sebasttan Schumann, Friedberg.
'Rud. Becker, Oberttefenbach-Hettstein. iLeo Hartmann, Coblenz.
IPeter Zerwes, Caftkl.
/Georg Balser, Gießen.
Louis Mandel, Frankfurt, Turnverein. lJean Nastadt, Mainz, Turngesellschaft.
Fritz Engel, Marburg.
'Daniel Kappel, Coblenz, Turnverein.
Jean Pelzer, Coblenz.
Robert Seibel, Wiesbaden, Turnverein.
!Gustav Schindler, Hanau, Turngemetnde.
Carl Sckaurer, Nieder-Jngelheim.
Georg Schweikhart, Mainz. Turnverein.
Georg Witzel, Bockenheim, Turnv. „Vorwärts" »Gottfried Weber, Mainz.
jJakob Gerner, Frankfurter T.' u. Ft.-Cl. »Carl Dürst ein, Franks. Turnv.
iBalduin Meinzlaw, Darmstadt.
Adam Seid, Ober-Ingelheim.
Theodor Buchhetm, Sachsenhausen, Turnges.
.Franz Urban, Franks. T.- und F-Cl. Valentin Schmidt, Franks. Turngem. Louis Schneider, Volmersheim.
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Gietzen, 17. Juli. Bezüglich der kürzlich von uns gebrachten Notiz, die Berufung des Herrn Professor Dr. Sie mm betreffend, erfahren wir, daß derselbe die ihm angetragene Professur zu Prag nicht angenommen hat und somit unserer Hochschule erhalten bleibt-
— Gestern Nachmittag nach 1 Uhr stürzte an einem Neubau in der Markt- ftraße ein Arbeiter aus Krofdorf vom Gerüste und zwar so unglücklich, daß er in Folge des hierbei erlittenen Schädelbruchs sofort verschied, während ein anderer Arbeiter aus Wieseck dadurch, daß der Erstere auf ihn fiel, einen Beinbruch erlitt.
Vermischtes.
— Bet dem am 9. Juli in Heppenheim stattgehabten Brande haben drei Feuerwehrmänner ziemlich schwere Verletzungen davongetragen. Einer durch einen Sturz vom Dache, ein Zweiter durch Einsturz einer Zimmerdecke und der Dritte durch Heradstürzen eines Balkens. Alle drei befinden sich in ärztlicher Behandlung und ist behufs Unterstützung derselben bereits Anzeige bei der Landesunterstützungskasse für verunglückte Feuerwehrleute im Großh. Heffen, sowie bet der Aachener und Münchener Unterstützungskasse gemacht.
— In Wie scheid (Kreis Solingen) lag seit undenklichen Zeiten auf einem Waldgrundstück ein großer platter Stein. Dem Eigenthümer kam der Gedanke, denselben zu verwerthen. Beim Ausgraben des auf 4000 Pfd. geschätzten Steines fand man einen großen, steinernen Topf mit eisernem Deckel darauf, welcher mit auffallend großen, aber dünnen alten Goldmünzen gefüllt war, deren Zeitalter aber noch nicht festgestellt ist. In der Nähe des Fundortes befinden sich außer einer alten schon von den Römern benutzten Straße deutlich.- Spuren eines Grenzwalles.
Würzburg, 13. Juli. Gestern fand im Guttenberger Walde ein Pistolen- todtlichem Ausgange statt. Von den beiden Kontrahenten erhielt der Stu- d'osus Moschel vom Corps „Moenania" (früher bei den Heidelberger „Rhenanen")
einen Schuß in den Unterleib, der seinen Tod nach wenigen Stunden herbeiführte. Die Kugel war auf der rechten Seite eingedrungen (Moschel stand m»t Halbfront) und kam auf der linken Seite zum Vorschein. Der Gegner, Angehöriger des Corps „Bavaria", ein Amerikaner, ging flüchtig. Die Veranlassung zu dem traurigen Vorgang ist bis jetzt unbekannt.
Hersfeld, 10- Juli. Das Sp eien mit Zündhölzchen, das schon so unendlich viel Unglück hervorgeruf.n, ist die Ursache, daß ein benachbartes blühendes Dorf über die Hälfte m Asche gelegt wurde. In dem zum Kreise Homberg gehörigen Dorfe Salzberg, dessen Bewohner zum größten Thetl sich auf dem Felde befanden, vergnügten sich gestern Nachmittag gegen 4 Uhr Kinder damit, em Feuerchen zu machen. Ein Junge zündete einige Strohhalme an, die durch eine Oeffnung in der Scheune hervorlugten und im Nu verbreitete sich die Flamme nicht nur über diese eine Scheune, sondern setzte, durch einen heftigen Wind begünstigt, in kaum 15 Minuten weitere 14 Gebäulichkeiten in Brand. Die lang anhaltende H'tze der vorgehenden Tage hatte alles ausgetrocknet, so daß an ein Retten der Häuser gar nicht zu denken war. Es brannte alles wie Zunder und die Bewohner mußten sich begnügen, vas Vieh und das allernothwendigste zu retten, manchen gelang auch dies nicht mehr und sie verloren all ihr Hab und Gur. Während man die geretteten Sachen oberhalb des Dorfes in den vom Feuer noch verschont gebliebenen Häusern unterdrückte und mit Löschen des Brandes beschäftigt war, stand plötzllch auch der andere Theil des Dorfes in Hellen Flammen. Das Feuer war infolge des W ndes auch dahin übergesprungen. Einen entsetzlichen, herzzerreißenden Anblick boten die nach und nach von den Flammen ergriffenen ca. 25 Gebäude. Ein bisher wohlhabendes Dorf war in wen-gen Stunden zur Hälfte von der Erde versckwunden, Häuser, Ackergeräthschaften, Kleidungsstücke, Nahrungsmittel, fast alles ist verbrannt. Nur wenige sind versichert, diese wenigen nur niedrig. Heute Nachmittag fuhren einige Herren aus der Stadt auf den Brandplatz, um zur Linderung der ersten Noth den Verunglückten mit einigen Lebensmitteln zu Hilfe zu kommen. Diese Herren schilderten das Aussehen des Dorfes über alle Beschreibung traurig. Da, wie schon bemerkt, mehrere Familien nur das retteten, was sie auf dem Leide trugen und Mangel an Eßwaaren sich fühlbar macht, wird um Kleidungsstücke, Viktualien und Geldgaben gebeten.
— (Ein submarines Telephon.) Aus Havre berichtet man: Ein hiesiger Club (de Sainte Adresse) besitzt einen telephonischen Apparat, mit welchem kürzlich Experimente von höchstem Interesse angestellt worden sind. Es handelt sich darum, zu erfahren, ob die Übertragung des Tones ebenso leicht unter dem Wasser, wie auf der Erde stattfinde. Zu diesem Zwecke hatte ein Dampfer ein zusammengerolltes Kabel an Bord genommen und war damit, es nach und nach versenkend, in's Meer hinaus gefahren. In einer beträchtlichen Distanz von der Absahrtsslllle wurde Halt gemacht und so die Communication mit Havre hergestcllt. Es wurde conftattrt, daß das System vortrefflich funftfontre und daß sich der Ton unter dem Wasser mit größerer Genauigkeit und Fülle übertrage, als in der freien Luft.
— (Luxus irn Hundeleben.) „Dem Hunde, wenn er gut gezogen, wird selbst ein weiser Mann gewogen". Auch Leute, bie für sich keinerlei Anerkennung ihrer Weisheit beanspruchen, sind dem in der Regel guten und anhänglichen Thiere herzlich gewogen und jeoer fühlende Mensch läßt siinem Fido ober feiner Lady in deren Hundeleben b'e denkbarsten Erleichterungen zugute kommen, sei es nun in Gestalt einer in Hundekreisen nicht unbeliebten Extrawurst ober in der anschaucgenden Form eines wollenen Winterkleides, das Bauch und Rücken b.s geschätzten „Mopperls" gegen die Einflüsse des m Wien häufigen Temperaturwechsels schützt. Des größten Fortschrittes in der Bestrebung, das Hundeleben angenehm zu machen, werden seit einiger Zeit die Passanten der inneren Stadt in Wien ansicht'g^ Ein Herr pflegt da zu promeniren, der sich durch einen Schattenspenber gegen die Sonnenstrahlen schützt, und einen Bulldogs zum Nachfolger hat, welcher seinersests die krumme Handhabe eines rothen Kindersonnenschirmes zwischen den Zähnen hält, so baß der rothe Kinberfchirm das Hanpt des Hundes beschattet. Die beiden Passanten, Herr und Hund, erregen natürlich die lebhafte Aufmerksamkeit der Mitpassanten, besonders der jugendlichen. Ob der achtbare Hund nicht lieber ohne Sonnenschirm herumlaufen würbe, statt den krummen Griff des Schirmes stundenlang zwischen den Zahnen halten zu müssen, fet dahingestellt; gewiß aber muß sich ein faustfreundlicher Mensch bet dem Anblicke denken: „Ich finde nicht die Spur von einem Geist und alles ist Dressur!"
Witterungskunde.*)
18. Juli. Mittwoch. Frühmorgens noch kühl, namentlich in Nordwest- und Westdeutschland aufgehellt bis gelblich blau, Morgens dunstig, auf Mittag zu gewitter- haft bcdcckt Nachmittags schön und warm. Im Norden Deutschlands sind die Niederschläge mäßig, Im Süden ergiebiger , wie denn die Wetterlage auch dieses Monats un Allgemeinen für den Norden mäßigere Niederschläge >n Aussicht stellt- Auch in den Nächten sind bet bet fitzten Wetterlage Niederschläge zumal im Süden zu erwarten.
19. Juli. Donnerstag. Frühmorgens dunstig, stellenweise nebelig mit Thau, bann mit steigender Sonne aufgeh eitert, auf Mittag zu gewitterhaft bis regnerisch bedeckt, Nachmittags bis zum Abeno aufgebtffert b.s schön und warm; Nachts wohl Bedeckung und kühle Niederschläge. Das nächtliche Temperaturminimum liegt noch für den Juli tief. Nach Osten zu Derlegen sich die Niederschläge mit Gewitternatur mehr auf den Morgen und Vormittag. Der Nachmittag bis zum Abend ist schön und warm, auch liegt das Temperaturminimum höher.
*) Aus Dr. ß. Overzier's Wetter-Prognose für den Monat Juli, abgeschlossen am 15. Juni (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung tn Köln, Preis 1 X). — Nachdruck verboten.
Kandel und Verkehr.
Gießen, den 17. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.05—1.20, Hühnereier per Stück 5—6 H, Käse Stück 4—8 Käsematte 3 H, Erbsen per Liter 20 H, Linsen 28 Tauben per Paar 70—85 H, Hühner per Stück X 0.90—1.25, Hahnen per Stück X 0.55—1.10, Enten pr. St. X 1.60—2.00, Ochsenfleisch per Pfund 70 Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Kalbfleisch 45 bis 50 Schweinefleisch 60—64 Hammelfleisch 62—70 Kartoffeln per 100 Kilo X 9—12.00, Kirschen per Pfd. 7—10 H, Milch per Liter 13—18 H. Gänse pr. St. 0 X Zwiebeln per Ctr. 9 X
Frankfurt, 16. Juli. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterauer X 183/i—19, fremder X 18—22, Roggen eff. hies. X 14—15, fremder X 14—16, Gerste effectiu hiesige und Wetterauer X —, fremde X —, Hafer eff. hiesiger X 13—131/2, fremder X 13—14. Nüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. X 37. Branntwein eff. ohne Faß X 46.
Frankfurt, 16. Juli. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren ca. 360 Ochsen, 25 Bullen, ca- 400 Kühe und Rinder, ca. 300 Kälber.
Die Preise stellten sich: Ochsen t. Qual. X 70, 2. Qual. X 64, Kühe und Rinder 1. Qual. X 60, 2. Qual. X 55, Kälber 1. Qual. X 60, 2. Qual. X 55 per 100 Pfund Schlachtgewicht.
731) Heber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von HAASE-PSSTE1ÄI «<? ie
Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsiohts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
frankfurter Stadttheater.
Opernhaus. Zu der nächsten Wiederholung zu Wagner's „Ring der Nibelungen", welche Ende dieser Woche beginnt (Samstag den 21. Juli Rheingold; Sonntag den 22. Juli Walküre; Dienstag den 24. Juli Siegfried und Donnerstag den 26. Juli Götterdämmerung), werden schon von heute ab Platzvormerkungen an der Theaterkasse entgegengenommen und ist auch diesmal die Einrichtung getroffen worden, daß für alle vier Abende die Eintrittskarten tm Voraus ausgegeben werden.
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Am 17. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: 4- 13° R-, Luftwärme + 10V? N- L. Chr. Rübsamcn.
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