Ausgabe 
18.3.1883 Erstes Blatt
 
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1883

Sonntag den 18. März

Erstes Blatt.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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e^r Einladung ZUM Abonnement

auf den

Gießener Anzeiger,

Amts- und Anzeigeblatl für den .Kreis fließen.

m Darmstadt, 16. März. Dem von den Ständen auf dem vorigen Landtag ans Veranlassung oon Anträgen und Petitionen tn Betreff der Erbauung von ^«-'cun; därbadncn an bie Großh. Regierung gerichteten Ersuchen, erwägen zu wollen, welche aejetilidr.n Bestimmungen zur Förderung des Baues von Secundärbahnen no.hwendlg B-n^ unb den Ständen alsdann Vorlage darüber zu machen, ist durch Vorlage des Gesetzentwurfs, bte Ersenbahnen von lokalem Interesse und bte L>traßen- b ahnen betreffend, entsprochen worden. Dagegen ist dem gleichzeitig we ter an Großh. Regieruna gerichteten Ersuchen, alle Anträge und Petitionen, Erbauung von Secundar- oahnen betreffend, in der Richtung zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen d e- feiben zur Ausführung zu bringen sind, durch die den Alanden mit dem Gesetzesentwurf -mtgetbeilte Mtcnmäßige Darstellung der an die Großh Regierung und an die Stände aerlchletcn Gesuche wegen Erbauung von Sekundärbahnen im Großherzogthum Hesten, sowie Vorprüfung der von einigen Eisenbahn-Comste's vorgelegten generellen iL-ecunoar- bahn P'.ojecte" erst zum kleinsten Thcile Rechnung getragen, indem ernerseits dre Frage, unter welchen Bedingungen, d. h. namentUch m.t welchem Kostenauswand dre ver­schiedenen in Antrag rc- gebracht gewesenen lLecundarbahnen zur Ausführung zu bringen !*b nur bann beantroodet -rschdm. wenn der Großh. R-gie-ung ausgeardei.,,-«ahn- pioj'ecte nebst Voranschlägen unb Rentavrlilätsderechnungen vorgelegt worden waren, und andererseits die Frage, ob, bezw. welche Secundarbahmn zur Ausführung zu bringen seien, noch ganz unbeantwortet geblieben Ist.

Rach dem von dem Abg. Theobald Namens be§ 5^nan3au^^^^u^^^ über den obengenannten Gesetzesentwurf erstatteten Bericht erklärt sich der Ausschuß mit bem Vorgehen der Regierung in der vorbezeichneten Weise vollständig einverstanden Auch ,hm erscheint die Festst:llung der Grundlagen für die staatliche Forderung des Local- dahn-W-senS, noch bevor die Ausführung einzelner bestimmten ^ccundärbahn-Lmlen in Frage steht, besonders empfehlenswerth und auch mit Rücksicht auf unsere kleineren, leichter zu übersehenden Verhältnisse nicht so schwierig, wie in einem größeren S-taate. Der Ausschuß ist überzeugt, daß der Bau von Secundarbahnen, vorausgesetzt, daß solcher nicht ganz auf Staatskosten ausgeführt werden soll, vielmehr auch den In­teressenten selbst Pflichten auferlegt, überhaupt kaum zu Stande kommen kann, wrun nicht die Pflichten der Interessenten vorher gesetzlich festgestellt und von deren Leistungen die Zubußen des Staats abhängig gemacht sind.

Der Bericht führt bann an. daß innerhalb der Grenzen des GrotzherzogthumS dermalen 839,78 Kilometer Eisenbahnen im Betrieb sind und baß der Staat für die­selben gegenwärtig einen Zuschuß von 1,405,408 oder pro Kopf der Bevölkerung von circa 1,5 X. jährlich' leisten mutz. Eine dem Bericht betgegebene vergleichende Zusammenstellung Hessens mit Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden zeigt, daß im Verhältnitz zu dem Flächeninhalte dieser Staaten nur wachsen mehr Eisenbahnen wie Hessen hat, letzteres aber im Verhältniß zur Einwohnerzahl die meisten Eisenbahnen, aber auch, nach Württemberg, die größten Lasten für Eisenbahnen. Im Anschluß hieran sagt der Finanzausschuß:Dennoch betrachten wir mit der Großh. Regierung das E senbahnnetz des GrotzherzogthumS noch nicht als abgeschlossen, vtel- meh'.' erscheint es auch uns, wie Großh. Regierung nothwendig, daS Bahnnetz unter öerücksichtigung der Bedürfnisse des Verkehrs unb der finanziellen Kräfte deS Landes allmählig noch weiter auszubauen. Wenn wir bezüglich dieses weiteren Ausbaues des gahnnetzes dermalen auch nur die Verbindungen einzelner Gegenden, mit den vor­handenen Hauptbahnen durch Secundäroahnen, nicht aber noch die Herstellung von Hauptbahnen und Hauptoerkehrslinien im Auge haben, so wollen wir uns aber doch nicht schon jetzt hier gleichsam bindend dahin aussprechen, daß es sich bei der Anlage neuer Eisenbahnen im Großherzogthum überhaupt nicht mehr um die Herstellung von Hauptbahnen oder Hauptverkehrslinien handeln dürfe. Die Entscheidung in dieser Richtung kann vorerst umsomehr noch ausgesetzt bleiben, als ja dermalen überhaupt noch nicht bestimmte Eisenbahnlinien in Betracht stehen und bie zur Zeit vorliegenden Anträge unb Petitionen sich nur auf den Bau von Secunbärbahnen erstrecke-n. Darin stimmen wir übrigens auch mit der Großh. Regierung vollständig überein, daß Me Erfahrungen bei den Oberhessischen Eisenbahnen, bei der Odenwaldbahn und bet intgen Rheinhkssischen Linien, bei welchen die vermehrte Production und Consumtion unb bie hiernach in Aussicht genommenen Verkehrsstetgerungen bei Weitem hinter den gehegten Erwartungen zurückgeblieben sind, sowie die großen Opfer, welche bas Grotz- »erzogihum jährlich für die Eisenbahnen zu bringen hat, zur größten Vorsicht mahnen mb baß daher bet der Herstellung der Verbindungen mit den bestehenden Hauptbahnen einerseits nur wirklichen Bedürfnissen Rechnung getragen werben darf, andererseits ein betrieb eingerichtet werden muß, welcher gegenüber bem Hauptbahnbetrieb eine sehr er-

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beblicbe Ermäßigung ber Betriebs- unb Anlagekosten vorzugsweise daburch Matzt, daß der Bahnkörper unb bie stationären Einrichtungen in der möglichst einfachen und billigen W-'se beraeftellt werden, daß leichtere Betriebsmittel zur Verwendung kommen, daß we jn V^ringerung der Fahrgeschwindigkeit kostspielige Sicherheitsvorkehrungen unter­bleibt tonn en unb endlich daß thunlichst Mitbenutzung öffentlicher -Ltraßen sta e- f'nbtt"sim Schlüsse des allgemeinen Thelles seines Berichtes beantragt der Ausschuß, im Titel des Gesetzes unb folgeweise auch überall im Texte desselben tn geeigneter $8«- an Stelle der WorteEisenbahnen von localem Interesse und Straßen-Eisenbahnen die Worte Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung sSecundärbahnen) zu setzen.

ES folgt die Begutachtung des Gesetzesentwurfs im Einzelnen, auf die wir zurück­kommen werdenKreuzztg." schreibt:Die uns zugehenden Mit-

tbeilunaen^bchätigcn die Nachricht derNationalztg.", daß der Chef der Admiralität Staatsminister v Stosch seine Demission wiederholt erbeten hat. Herr v. Stchch hatte vor etwa s cks Wochen aus Gesundheitsrücksichten seine Entlassung nachgesucht, war aber von dem Kaiser abschlägl'ch beschieden worden. Nach bem Abgänge des Kriegs- Ministers u Käme Hal er fein Demissionsgesuch wiederholt besten Annahme man nunmehr für wahrscheinlich Hali.» In parlameniarischen Kreisen wurde bestätigt, daß "v. L osch wstderholtes Entlassungsgesuch °om Kaiser angenommen werden wird.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegv. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 16. März. Im Abgeordnetenhause verlas Minister Puttkamer die königliche Verordnung, welche beide Häuser des Landtages bis zu dem 1'L ^Karlsruhe, 16. März. Auf der Schmarzwald-Bahn haben große Schneefälle stattgefunden. Der Schnee liegt 2 bls 3 Meter hoch. Es ist dahe. der Bahnverkehr zwischen Triberg und Soinmerau emgestellt. .

Pest, 16. März. Abgeordnetenhaus. Die Generaldebatte über die Mtteffchul- gesetzvorlage wurde geschlossen. Ministerpräsident Tisza er »5 ^^nen Aspirationen Versprechungen von 1861- Er war damals auch gegen d Nationalitäten

der Nationalitäten. Die Folge beweffe daß er R-cht hat e, denn^dte.^atwnaum^^ hätten btc erhaltenen Freiheiten gegen Ungarn Ebrauch ^Analen behaupteten, zu gewähren, was dem Staats.nteresse nicht zum>derlaufe. Die Nationalen ve^aup sie hätten auch vor Einreichung des Entwurfs ungarisch 6 v iuröcf? Er wolle also die gebotene Gelegenheit zur Erlernung der.""g ^Mlle solcher Magyar,sirung keine gewaltsame Magyanfirung. Man mögeihm^^tt^all^mcy^^^ g^en keine lieber anzeigen, statt das Ausland unnütz zu ala -..^en Kirchengemeinden Ursache zu Klagen; denn die zu den^Sachsen' Seho den » g^^ftv bcm Nationo- würden von denselben gezwungen, d,e Augelegenh ten o Protestanten anlangend, litätengcsctz tn deutscher Sprach- M Mren, T>Autononne o flud) gegen die-

so sei dieselbe identisch mit dem Staatsmteress . bQ§ Staatsinteresse stellten (leb- SFS6«"'.*««» *'« «*

Anarchisten, darunter Betesti, LabuSquie - t|1 ben Departements statt. Dos

gebracht worden. Weitere D'rhaftuvgrn fi anarchistischen Comitös, darunter JournalParis" erfährt mehrere.Mlieder^des w jüngsten Kund-

Malon, sind vor den Uutersuchungsr o P^^lpräfect Andrieux spricht im

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fet 16 März. Karl Man (bekannter Socialde.nokray ist gestern

in ^M'stctu^b« Gestern Abend um 9 Uhr sand im Ministerium

DerGießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage BeilageGießener Familicnblätter". welche dreimal wöchentlich dem Anzetger be,gelegt werden.

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Gefundene Gegenstände:

I Regenschirm, 1 Peitsche, 1 Theil einer Wagenbremfe, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 2 Frauenjacken und 1 Frauenrock, mehrere Ruffel un

Hnndeblechmarken. 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.