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15.7.1883 Drittes Blatt
 
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Str. 161 Drittes Blatt. Sonntag den 15. Juli 1888

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Durearrr Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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** Die häufigen Klagen über die Erfolglosigkeit einer Annonce und das dafür weggeworfene Geld würden verstummen, wenn mäst von Haasensteirr & Bögler in Frankfurt (Main) über die Form, den Inhalt und die geeigneten Zeitungen zuvor fachmännischen Rath einholen möchte. 1 gyo

PreiS vierteljährlich 2 Merk 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

Vermischtes.

Büdingen, 10. Juli. In den jüngsten Tagen ist in verschiedenen Distrtcken Fürstlich Asenburgischen Waldes, zwischen Büdingen und Wächtersbach, ver­endendes Wild aufgefunden worden. Die Untersuchung ergab, daß unter den Thieren ber Milzbrand ausgebrochen ist. Von den Behörden wurden die umfassendsten Maß­regeln getroffen, um die Hausthi're aus den b-treffenden Waldungen entfernt zu halten- Außerdem ist bis auf Weiteres der Verkauf von Dammwttd streng verboten, so lange nicht ein Zeugniß des Kreisthierarzles die Unschädlichkeit nachweist.

Leipzig, 10. Jul. In unserem Vorstadtdorfe Ltndenau wird eine Ktrche er­baut. Als sich gestern Abend gegen 7 Uhr ein heftiger Sturm erhob, erfaßte dieser das gegen 40 Meter hohe Thurmgerüst und fegte die obere Hälfte desselben zur Erde niedcr, zerstörte den Thurmhelm und brachte auch die andere Theile des Gerüstes in a^ge Zerrüttung. Auf einem benachbarten Hause wurde von dem niederfallendcn Ge­bälk das Dach durchgeschlagen. Unglücklicher Weise befanden sich wahrend der Kata- stropbe 14 Arbeiter auf dem Thurmgerüst. Von diesen konnten sich auf den Zuruf des Parliers 9 retten, während 5 mit dem nfeb rstürzenden Gebälk zur Erde herab­geworfen wurden, von denen 4 sofort ihren Tod fanden, unter diesen auch der um die Rettung der andern bemüht gewesene Parlier, während ein fünfter mit verhältnißmäßig leichten Verletzungen davongekommen ist-

Rotterdam, 11. Juli. Das zur Benutzung bei den alle fünf Jahre wieder- kehrmden Festlichkeiten d r polytechnischen Schule in Delft errichtete, für drei- bis viertausend Personen Platz bietende Festgebäude ist in der vergangenen Nacht um * r12 Uhr total niedergebrannt. Das Gebäude bestand ausschließlich aus Holz und wurde durch elektrisches Licht beleuchtet. Weil das Festterrain außerhalb der Stadt in nicht bewohnter Gegend gelegen, beschränkte sich das Feuer auf das im Innern reich orrzierte Festgebäude, das innerhalb einer Stunde total nfcbergebrannt war. Von den Mobilien, dem Glaswerk und der Kasse konnte nichts g-rettet werden, verschiedene werthvolle neue und alte Corpsfahnen verbrannten. Verletzungen von Personen fanden nicht statt- Die Eutstehungsursache des Brand s ist unbekannt. Die Festlichkeiten

Arankreich.

Paris, 11. Juli. Das zwischen der Srnzkanal-Gesellschaft und der englischen Regierung g.-troffene Uebereinfomnun bestimmt, daß der Bau des zweiten Kanals, wenn irgend möglich, bis zum Ende des Jahres 1888 erfolgen soll- Anlangend b.e Herabsetzung der Kanalabgaben, so sollen die Ballastschiffe vom 1. Januar 1884 ab eme Reoukt on von 2,50 per Tonne von dem Transittarif erhalten. Sobald bte Aktionäre in einem Jahre 21 pCt- erhalten haben, soll vom 1. Januar des darauf folgenden Jahres ab das Lootsengeld auf die Hälfte herabgesetzt werden, sobald die Aktionäre 23 pCt. m einem Jahre erhalten, soll auch die andere Hälfte des Lootsen- geldes nicht mehr erhoben werden. Wenn die Annahme der Aktionäre 25 pCt- be­trägt, soll die Transittaxe von 10 Frcs. per Tonne auf 9,50 Frcs. und, wenn sie 271/z vCt. benagt, aus 9 Frcs. herabgesetzt werden. Mit j dem werteren Wachsen der jährlichen Einnahmen um 3 pCt. soll eine weitere Reduktion der Transittaxe um 50 Els. bis herab zu einer Transittaxe von 5 Frcs. per Tonne eintreten. Zweimalige Herabsetzungen des Lootsengeldes und der Transittaxe in einem und demselben Jahre sollen nickt stattfinden- Falls eine Verminderung der Einnahmen eintrttt, soll die Transiitcxe nach Maßgabe der Etnnahmenminderung wieder erhöht werden, jedoch dürfin zweimalige Erhöhungen derselben in demselben Jahre nicht stattfinden. Sobald in der Besetzung der drei Vicepräsidentenstellen der Suezkanal-Grsellschaft d e erste Erledigung eintrttt, wird Lesseps einen der englischen Admimftratoren als Direktions- Mitglied Vorschlägen, diese Vicepräsidentenstelle soll auch ferner stets durch einen Eng länder besetzt werden. Die beiden englischen Adwi, istratoren, welche Mitglieder der F.nanzcommission sind, werden dieser Commission stets als Mitglieder angehören. Das Amt eines Nav.'gat-onsinspektors soll einem von der englifcben Regierung designirten englischen Officier Übertragen, die AmtsbLfugnisse des Jnspectors sollen im Emvernebm n mit den englischen Administratoren geregelt werden. Be: der Annahme von Lootsen soll künftig eine verhältlußmäßige Anzahl britischer Lootsen Anstellung finden. Dre engl-sche Regierung wird ihre guten Dienste anwenden, um die Concession bezüglich des zum Bau des neuen Kanals erforderlichen Terrains und des Süßwasserkanals zwischen Jsmaitta und Port Said zu erlangen, ingleichen um eine Verlängerung der ursprünglichen Concession auf 99 Jahre in der Weife zu erhalten, daß diese 99 Iah e erst vom Tage ber JEoÜenbung bes zweiten Kanals an gerechnet weiden. Als Gegen­leistung wird die Su-zkanal-Gesellschaft, sobald her zwecke Kanal eröffnet ist, an die egyptische Regierung 1 Procent aller Nettoeinnahmen nach Vorwegnahme der statutarischen Reserve auszahlen. Die englische R-gierung wirb ber Suezkanal- Gcsellschaft die für die Sauarbeiten erforderlicke Summe bis zum Belaufe von 200 Mill. Frcs. gegen 3% pCt.Zinsen mit einem Tilgungsfonds vorstrecken, dergestalt, daß das Kapital in 50 Jahren zurückgezahlt ist. Das Abkommen unterliegt ber Ge­nehmigung bes englischen Parlaments.

Amerika.

~ sZur Warnung für Deutsche.) In Baltimore besteht eineGerman

Society of Marylanb", die es sich zur Aufgabe macht, hülfsbedürftige Deutsche zu unterstützen. Ein Beamter dieser Gesellschaft entwirft in einem Schreiben folgendes Blld der Lage, in welche gewisse Klassen der deutschen Einwanderer mit Leichtigkeit in den Vereinigten Staaten geraten:

Für Kaufleute, ftudirte Leute rc. ist hier wenig zu hoffen, während Feldarbeiter gesucht sind. Ein solcher Mann muß ganz besonderes Glück haben, wenn er durch sich selbst eine seiner Bildung angemessene Stellllung findet, währmd ihm Verwandte oder Connexionen in den wenigsten Fällen helfen können ober wollen. Ich selbst habe in meiner Stellung Apotheker, Architekten und Kaufleute gesehen, die um eine Unterstützung gebettelt haben, weil sie tagelang nichts gegessen halten. Wird nun ein solcher krank, bann ist er in den meisten Fällen verloren. Er kommt zwar in ein Hospital, aber vollständig geheilt wird er selten, da man ihn so bald als möglich entläßt kraft- uno muthlos muß er dann verkommen. Im Sommer, während ber Ernte, ist es möglich, bei freier Kost unb Logis 1015 Dollar per Monat zu verdienen, allein im Winter führen die meisten dieser Leute ein erbärmliches Leben. Viele junge Leute gehen, wenn sie hier anders nicht vorwärts kommen können, zum Militär, müssen sich auf fünf Jahre verpflichten unb werden bann gewöhnlich nach dem Süden geschickt. Merkwürdiger Weise sind es meistens solche, die drüben ihrer Militärpflicht aus dem Wege gegangen sind. Andere führen das Leben eines sog. Tramps (Vagabond). Als blinder Passagier auf der Eisenbahn sucken sie das ganze Land zu durchreisen; an einer Station durch den Couducteur vom Zuge gejagt, fahren sie bann wieder auf dem nächsten Zuge ein Stück mit, um wieder vertrieben zu werden. Auf diese Art kommt Mancher durch bas ganze Lanb, bettelt unb stiehlt auch wohl unb kommt schließlich bei irgend einer Gelegenheit elend um's Leben, ohne daß das Publikum je erfährt, wer und was er gewesen; in der Zeitung heißt es dann einfach:Es scheint ein deutscher Tramp gewesen zu sein."

hatten am Vormittag mit einem durch Studenten dargestellten Festzug -.Der Ein­zug des Herzogs Philipp von Burgund mit Jacoba von Bayern" ihren Anfana genommen. H

Die Untersuchung über das Sunderland-Unglück wurde am 4. Juli abge­schlossen. Die als Zeugen vernommenen Kinder behaupten, daß die Thüren von dem Assistenten Fays verriegelt worden seien, um den zu großen Andrang zu verhindern Nelly Drinkwater, 14 Jahre alt, erklärt, daß ein Mädchen den R-eg.l zurückschieben wollte, baß ihr dies aber von demManne bei der Thüre, der die Preise austheilte" verboten wurde James Henderson, ein lljähriger aufgeweckter Junge, sagte aus daß er. bet ber Thüre angelangt, von demManne mit dem schwarzen gekrausten Haar" zurückgeftoßen worden fet; er fiel unb bte anderen Kinder stürzten über ihn «r drückte nur noch den Mund an die Thürspalte, um nicht zu ersticken, unb verlor bann die Besinnung. Thomas Kent sah den Gehülfen Fays den Riegel mit bem Fuße zu- sch'eben Dieser Knabe erlitt einen Armbruch unb lag gleichfalls, wie Henderson unter dem Leichenhaufen begraben. Der Besitzer der V-ctoriahalle, Friedrich Taylor, war der Ansicht, daß die Thüre nothwendig sei, um dem Zudrange auf der Gallerte vor­zubeugen. Der Coroner refumirte hierauf den ganz-n Fall und die Jury fällte nack zweistündiger Berathung das folgende Verdikt:Wir finden, daß die Kinder durck Erstick n idren Tob fanden. Das Unglück wurde durck die Verriegelung der von ber (Saflerie führenden Thür verursacht; wer jedoch die Thür verriegelt unb damit das Unglück verursacht, vermögen wir nicht zu sagen. Mr. Fay ist zu tadeln, weil er kein genügendes Aufsichtsp.rsonal beigeftellt hat. Dem Besitzer der Halle ist aufzutragen daß er künftighin die Miether derselben genau mit allen Ein- und Ausgängen bekannt macht- Die erwähnte Thür ist zu entfernen.

Den jenseits des Oceans ansässigen Deutschen bringt der kommende 5 erb ft einen bedeutsamen Gedenktag: das zweihundertjährige Jubiläum der ersten deutschen Ansiedelung auf nordamerikanischem Boden Am 6. Oktober 1683 gründeten deutsche Auswanderer die Niederlassung, welche,Ph'ladelvhia" genannt, sich seitdem zu einer ber ersten Großstädte des nordamerikauischen Gemeinwesens entwickelt hat. Um diesen Tag in diger Weise zu begehen, ifl unter ber gelammten beutsch-amerikanischen B-völkerurig des Unionsg^biets eine Bewegung im Gange, die von zwei Haupttrieb­federn geleitet wird: ber Pietät für das Werk ber Altvocberen und dem Wunsche die Stärk'-, den Zusammenhalt des transatlantischen Deutschthums bei diesem Anlaß einmal urbi et orbi auf impos mte Art ad oculos zu demonstriren. Wahrscheinlich dürften von sämmtl chm Stäoten unb Countt-s, wo bas deutsche Element in nennens- wetther Zahl vorhanden ist, Delegaten zu der in Philadelphia geplanten Feier­lichkeit abgesendrt werden. DieNew Jersey Freie Zeitung" (Newark) schreibt am Scklu?. eines langen Artikels über die Wichtigkeit der Feier des deutschen Pionier- Jubiläums zu Philadelphia für alle Deutschen, aber auch für alle Anglo-Amerikaner welche daraus die historische Bedeutung ber Deutschen für Amerika ersehen können wie folgt: z '

Jedenfalls sollten die deutsch-amerikanischen Bürger nicht verfehlen, die Ge- dächin ßfeier in würdigster Weise begehen zu helfen. Es ist selbstverständlich, daß die eigentliche Feier in Philadelphia abgehalten wird. Aber auch in anderen Großstädten des Landes mit starker deutsch-amerckanischer Bevölkerung sollte der Tag nicht unbemerkt vorübergphen. Eine große, geräuschvolle Feier wäre dazu gar nicht nöthig. Es würde schon genügen, wenn in einer unserer besuchtesten Hallen zu dem Zwecke eine Ver­sammlung aehalt n würde, bei welcher bann von verschiedenen unserer ältesten und verdienstvollsten Mstbürger in Ansprachen und Festreden der geschichtlichen Bedeutung des Tages gedacht werden könnte. Eine solche Feier würde auf unsere anglo-amerika- nischen irischen, schottischen und französischen M-tbürger einen ziemlich verblüffenden Eindruck machen un> würde ihnen deutlich machen, daß es bereits nahezu 100 Jahre vor Begründung der Republik der Vereinigten Staaten ein starkes und betriebsames deutsch amer-kanisches Element im heutigen Unionsgebiet gab."

(Wie soll man im Eisenbahnwaggon sich schlafen legen?) Diese Frage be> antwortet Dr. Outten dahin, die Eisenbahnreisenden mögen, wenn sie Schlaf suchen sich so legen, daß der Kopf gegen die Locomotive gerichtet ist. In dieser Lage werde das Blut durch o>e Bew.gung des Zuges aus dem Kopfe getrieben, was demselben einen leichteren unb ruhigeren Schlaf verschaffe. Wenn man dagegen, wie gewöhnlich geschehe, die Füß- gegen die Locomotive richte, so ströme das Blut aus dem Unterkörper nach dem Kopfe, verscheuche den Schlaf und bringe in vielen Fällen heftige Kopf­schmerzen hervor. Outten begründet diese Ansicht auf feine eigene Erfahrung unb auf die Erfahrung langjähriger Reisender, welche die von ihm angegebenen Regeln allge­mein unb längere Zeit beobachteten. Dieser Rath mag sehr gut und feine Motivirung eine vortreffliche fein, nur müßte da Dr. Outten ben Reisenden auch den nöthigen Platz zu dieser Schlafmeihode anweisen. Wie man thr z. B. jetzt während der Reise­saison, wo häufig alle Plätze im Coupe besetzt sind, gerecht werden will, ist uns nicht reckt faßl'ch

(Von der Freude getobtet] Vor Kurzem kam zu militärischen Hebungen nach Lemberg ber Pionnier'Lieutenant Scheibert aus Oberösterreich, um gleichzeitig der Prüfung seiner eigenen auf dem Gebiete der Militärtechnik gemachten Erfindungen, welcke die Aufmerksamkeit maßgebender militärischer Kreise auf fick gelenkt hatte, bei­zuwohnen. Die Prüfung fand mit großartigem Erfolge statt und alle Kameraden gratulirten dem glücklichen Erfinder. In dem Momente, als sich ihm der Regiments- commanbant nahte, um ihn zu beglückwünschen, stieß er, während er schwankte, einen durchdringenden Schrei aus und fiel tobt einem Kameraden in die Arme. Die Freude über die allseitige Anerkennung hatte ihn getobtet Man conftatirte einen Herzschlag.

Es läßt sich nicht leugnen, daß unsere Postbeamten nicht selten eine Findig­keit im Entziffern von Adressm entwickeln, welch? staunenerregend genannt zu werden verdient. Mit sehr lobenswerther Gewissenhaftigkeit wird jede derartige schwierige Lösung u-bi et orbi verkündet. Umsomebr verdient es regiftrirt zu werden als Kuriosität natürlich wenn einmal das Gegenthell passirt, wenn in einem Falle ein Schreiben anFriedrich Krupp in Essen" dem Absender zurückgeschickt wird mit ber Bemerkung, welches Essen gemeint sei. Das ist zwar keine Reklame, verdient aber doch regiftrirt zu werden.

Friedberg, 6. Juli. Ein hiesiger Taglöhner, welcher sich schon öfter bei Gericht wegen seines brutalen Benehmens zu verantworten hatte und dem in den letzten Tagen noch eine Haftstrafe von 14 Tagen wegen Widerstand gegen die Staats­gewalt zuerkannt wurde, hat den fortgesetzten M ßhandlungen seiner Frau heute Morgen die Krone aufgesetzt, indem er das arme Weib dermaßen schlug und mit Füßen trat daß sie kurze Zeit darauf den Geist aufgab. Der brutale Mensch wird seiner verdienten Strafe nicht entgehen.

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