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Urtheck über die Aussichten für das spätere Leben voraus, welche Voraussetzung aber nur selten zutrtfft Die Auskunft von Gewerdtre'benden, mit der man sich tu den weiften Fällen begnügen muß, ist von zu vielen Faktoren und Zufälligkeiten abhängig, als daß sie bte nothwendtge Zuoerlässigke.t beanspruchen könnte. Nur zu häufig wird daher von dem jungen Menschen ein Beruf erwählt, zu welchem er weder körperlich noch geistig geeignet ist, oder wenn dieses der Fall wäre, der ihm das nicht bietet, was er erwartete, und das „Umfattcln" ist oft die einzige, wenn überhaupt noch mögliche Rettung vor den größeren Gefahren eines gänzlich verfehlten Berufes.
Unter diesen Schwierigkeiten leiden nicht nur die betreffenden Personen und deren Angehörige, auch die Handwerke und Kleingewerbe, denen sie sich zuwenden, können durch solche Elemente, die in unserer Zett so nothwendige Förderung nicht erfahren die sie im Kampfe mit einem hochentwickelten Fabriksbetrlede vor weiterem Verfall und vor gänzlichem Untergange schützt. Die Unkenntniß der Lichtseiten gewerblicher Berufsarten und ihre Unterschätzung ist em Hauptgrund, weswegen der besser situirte Mittelstand seine Söhne ihnen vielfach entzieht, wodurch sie Unterstützung und Förderung von jener Seite entbehren müssen.
Diesen Thatsachen gegenüber gewmnt die richtige Wahl eines gewerblichen Berufes eine sociale Bedeutung. In dieser Erwägung erachten es daher zwei durch ihr humanes Wirken rühmlichst bekannte Körperschaften tn Berlin, nämlich der Verein für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend, sowie das Curatortum der Diesterweg Stiftung, als eine nicht ferner abzuweisende Pflicht, aus der Schule tretenden Knaben und denjenigen — seien es Eltern, Vormünder oder Lehrer — welche ihnen helfend zur Seite gestellt sind, ein möglichst zuverlässiges Hülfsmittel zur Orientirung über die verschiedenen Handwerke und Kleingewerbe in Gestalt eines gedruckten Rath- aebers tn die Hand zu geben. _
Beide Vereine haben demzufolge gemeinschaftlich eine Preisconcurrenz ausgeschrieben zur Einreichung von Arbeiten über das Thema: „Die Wahl eines gewerbliche" Berufes". Die einzuretchenden Arbeiten sollen nur bte sogenannten praktischen bürgerlichen Berufsarten — die Handwerke und Kleingewerbe — tn's Auge fassen und dabet insbesondere folgende Fragen berücksichtigen:
1. Welche Eigenthümlichkeiten zeigt das Gewerbe? (Kurze Charakteristik der den einzelnen Handwerken eigenthümlichen Thättgkeiten und der zu lösenden Aufgaben.) 2 Welche körperlichen und geistigen Fäh!gkeiten setzt eS bet dem Lehrling voraus? 3. Welche Wege zur möglichst allseitigen Ausbildung in dem betreffenden Gewerbe stehen zu Gebote und welche Mittel sind dazu erforderlich? 4. Welche materiellen Aussichten und besonders auch, welche auf künftige Selbstständigkeit gewährt der Beruf? —
Als Anhang ist eine Auslassung über diejenigen Berufsarten erwünscht, welche den Bureaudienst betreffen, besonders auch nach Seite der Aussichten hin, um der mit- verbreileten Ueberschätzung derselben zu begegnen.
Die Bearbeitung der Aufgabe muß tn einer allgemein verständlichen Sprache erfolgen: sie darf einen Umfang von zehn bis zwölf Druckbogen 6° nicht erheblich überschreiten.
Für die von einer Preisrichter-Commission, deren Mitglieder später bekannt gegeben werden sollen, als beste bezeichnete Arbeit wird ein Preis von 1500 JL in Gold ausgesetzt.
Die preisgekrönte Arbeit bleibt Eigenthum des Verfassers; verlangt wird ihre Publikation und Gewährung einer Anzahl Exemplare zu einem zu vereinbarenden herabgesetzten Preise.
Die möglichst deutlich geschriebene Arbeit ist mit einem Motto zu versehen; eine beigelegte versiegelte Enveloppe mit gleichem Motto enthält die Adresse des Eins nders. Die Absendung hat entweder an Herrn Rektor Geßler (Neue Friedrichstraße 32) oder an Herrn Seminarlehrer a. D. A. Böhme, SW., Wilhelmftraße 31, als Vertreter der beiden Vereine tn Berlin zu erfolgen und wurde als Endtermin für dieselbe der 1. April 1884 festgesetzt.
Seideln oder verabscheuen Sie offene Seidel? Oder trinken Sie auch aus letzteren? 10) Stellt sich b.'i Ihnen bet fortgesetztem Biertrinken em wernerliches Rühren (das sogenannte «raue El/nd) ein? II. Pkysiologisch.vsychologisch-ettnsch'MediclnIsch-juristisch- poWsche Verhältnisse 1) Wird Ihr S-lbstgesühl dwch Biergennß erhöht oder ver- mtndert? Um w eviel Proernt? (Verhältnitzzahlen nach Anzahl der oerttlgten Seidel sind erwünscht., 2) Werden S.e nach dem Biergenusse ekliger oder liebenswürdiger? «Das Zutreffende tst zu unterstreichen.) 3) Wird durch den Bteraenuß bei Ihnen die Losung schwieriger staatsw ssenschasllicher, vhysiochologischer, historischer, juristischer, technischer Fragen erleichtert oder erschwert? 4) Wie viel guten resp. schlechten Witzen haben Sie bereits in Folge des Biergenusses das Leben gegeben? lAnnäherungszahlen genügen.) 5) Haben Sie bereits in Folge des Biergenusses einen Nachtwächter ,nsultin? 6) Sind Sie bereits M Folge des ^ergenuffcS bestraft worden? 7) Nach rote v-el Seideln stellt sich bei Ihnen der Kater ein? (Wenn die Zahl nicht feststeht, genügen Schatzungen) 8) Welche Medikamente haben Sie im Zustande des Katers als die zweckmäßigsten erkannt? 9) Halten Sie die Vorschrift ernes Minimal-Biergenusses für Jedermann (einschließlich Wech und Kind) im Wege der Gesetzgebung für nothwendta und ausführbar?^ 10) Sind Sie bet einer Actienbrauerei betheiligt?
— sDie Kälte-Rückfälle im Mai.) Unter diesem Titel hat der bekannte Vorsteher der meteorologffchen Centralanstalt in München, Prof. Dr. v. Bezold, neuerdings eine üre veröffentlicht, welche besondere Beachtung verdient, da das Resultat, zu welchem gedachter Herr gelangt, vieljährigen Beobachtungen abgeleitet ist. Bekanntermaßen treten nicht selten im Monat Februar eine Anzahl relativ warmer, sonniger -daraus folgen im März miet)er kältere Tage mit scharfem, trockenem Nord- und Ostwmd; im April legt sich der Wind und hat feine bestimmte Richtung, auch steigt die Temperatur erheblich, um gegen Mitte Mai mit großer Regelmäßigkeit wied^r QUrx §rctL°ft unter Null zu sinken. Ist schon der „Märzwind" ein Jed-rmann geläufiger Ausdruck, so gilt dies tn noch viel höherem Grade von den drei „böfen* PtMkraz. Servaz und Bonifaz, welche in unseren Gegenden mit größter Regelmäßigkeit empfindliche Kalte bringen. Im Februar fängt die Sonne schon an
Europas einigermaßen zu erwärmen, ohne daß noch die südwestlichen Gegenden n?o Atlantische Ocean eine so höh ' T mperatur annähmen, daß dort erhebliche Minima
d s Luftdruckes entstanden und der Wrnd lebhaft dorthin strömte; es ist also möglich, daß sich bei uns sonnige, relativ warme Tage, nicht gestört durch schneidenden Ostwtnd, bilden. Im Marz steigt die Temperatur durchweg, zumeist aber in den südwestlichen Ländern (Südfi ankceich, Spanien) und im Atlantischen Oeean. Daraus resulttrt ein scharfer Nordost, welcher schon mit viel größerer Regelmäßigkeit auftritt, als die schöne Zett Jjj1 "3°! April steigt auch hier zu Lande die Temperatur nicht unbeträchtlich.
Der Druckunterschied zwischen Deutschland und den südwestlichen Gegenden vermindert fich, so daß der Wind stiller wird, aber ständig wechselt. Im Mai endlich erwärmt sich, wie Bezold aus vielfachen Tabellen ableitet, die Balkamnstl und besonders das ungarische Tiefland bedeutend und es bildet sich dort mit größter Regelmäßigkeit zwischen dem 11. und 15. Mai eine positive thermische Anomalie, d. h. eine Temperaturerhöhung p bie für die betreffende geographische Breite berechnete Normaltemperatu- von 6—7 Grad. Die Folge davon ist ein starkes barometrisch s Minimum in Ungarn, m welches bei uns der Wind aus Norden und Westen mit großer Kraft strömt Lange freilich kann fich dieses Minimum nicht halten, auch trifft es nicht absolut genau in die Zeit vom 11. bis 15 Mai, doch aber mit einer Regelmäßigke t in den Anfang ober bie Mitte des Monats, die Jedermann bekannt ist. Es scheint uns, als ob diese von Dezold gegebene Erklärung der Kälte-Rückfälle im Mat, um so mehr als sie sich auf umfangreiches Beobachtungsmaterial stützt, eine besondere Beachtung verdiene.
- lEl-ktrisch-r Aufputz für Kleider.) Wie man der „Jlluftr. Wiener Gewerbe- Ze'tung aus London berichtet, werden auf der demnächst zu eröffn nben el «rischen Ausstellung im Westminster-Aquarium nebst vielen anderen Nuhnen auch mehrere Phantasie-Roben ausgestellt fein, deren ganzer Ausputz blos durch elektrisches Licht hervorgebracht wird- Man ist gegenwärtig mit den Anordnungen hierzu drschäftigt. Jedes Kleid ist mit feinen Drähten gestickt, welche unzählige kleine Jncandescenzlämpchen bilden. Eine HauptdrahtUitung führt nach abwärts bis zur Ferse des Schuhes und erhalt dann den nöthigen elektrischen Stiom, wenn die Ferse mit gern ff en Sollen des T^vP'chs obe- Fußbodens in Berührung kommt. In diesem Falle erstrahlen sämmt- liche Verzierungen des Kleides in herrlichem elektrischem Licht. Man hat die Absicht, solche Roben auf den Theaterbühnen von London, Paris und Wien einzuführen, um fo mehr, als wie der Eifinder behauptet, ihre Anwendung höchst einfach und mit keiner Gefahr veibunden ist.
. — lHumor in den Kammern) In der Stuttgarter Correspondenz in Nr. 243
be§ Frankfurter Journals sind einige humo' istische Äußerungen mitgetbetlt, die seitens roürtlemb-rgifcber Abgeordneter gefallen. Derartige Menschlichkeiten passiren aber nicht allein den Abgeordneten, sondern auch den Kämmet st-noaraphen. Vor einiger Zeit fir‘ff ein Demokrat die Amtsführung eines M Nisters ziemlich scharf an Die ver- schKdenen Attentate schildernd, welche der Minister sich hatte auf die Verfassung zu Schulden kommen lassen, beschwor er die Vergeltung über das kahle Haupt der ganz Zerknirscht in ihrem Portefeuille herumkramenden Excellenz herauf und cittrte dabei den Vers: „Die Rache will nicht von ihm lassen, sie folgt ihm nach ms Schlaffemack." Was hatte der unglückliche Stenograph aber in fein Protokoll geschrieben? „Die Alte will nicht von ihm lassen, sie folgt ihm nach ins Schlafgemach."
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— Eine originelle Bierstatistik scheint augenblicklich im,(Sange $u fein, wenigstens wird von den Freunden des braunen Bieres zur Zeit eine Zählkarte verschickt, dü ganz nach dem Muster der Volkszählungskarten eingerichtet ist und folgende ergötzliche Rubriken enthält: Staat . . . Regierungsbezirk . . . Kreis . . . Amtsbezirk . . . Stammkneipe . . . (event. Stammtisch, Anzahl der Stammgäste, Anzahl der Stammseidel). I. Bierconsum. 1) Wieviel Seidel trinken Sie durchschnittlich täglich? (Maximum und Minimum.) 2) Bedürfen Sie zu Anfang, Ende, in den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Seideln einiger Cognacs, Liqueurs? (Das Zutreffende ist zu unterstreichen, andere Sorten hinzuzufügen.) 3) Bedürfen Sie m den Zwilchen- räumen fester Nahrungsmittel? Welcher? 4) Welche Biersorten vertragen Sie am besten? 5) Ist Ihr Magen geaicht? Auf welches Quantum? 6) Wodurch wird Ihre Consumfähigkeit erhöht? (©ratificattonen, Gehaltszulagen, Verlobung, erfreuliche Familienereignisse, schwere Erkrankung von Erbtanten oder Erbonkeln, Orden, Beförderungen, Courszettel?) 7) Wodurch wird Ihre Consumfähigkeit vermindert? (Körbe, Gardienenpredigt, Rüffel, Kater, Schulden?) 8) Trinken Sie auch Schnitte, Tulpen, Kinder? oder verabscheuen Sie dieselben? 9i Lieben Sie Deckel auf den
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