deuten in warmen Worten des Hinscheidens Gambetta's, außerdem wies im Senate der Alterspräsident auf den Tod Chancy's hin. Bei der hierauf in der Deputirtenkammer sich anschließenden Wahl des Präsidiums wurde Brisson als erster Präsident wieder gewählt, welcher zwar der republikanischen Partei angehört, aber durchaus kein Gambettist ist. Die Äambettisten fielen mit ihrem Candidaten Spuller in soweit durch, als derselbe nur die vierte Präsidentenstelle erhielt.
Die schon seit mehreren Tagen angekündigte englische Circularnote, Egypten betreffend, schemt ihren Weg an die europäischen Cabinete noch immer nicht angetreten zu haben. Es wird aber versichert, daß der Inhalt derselben den Mächten in vertraulicher Weise bereits bekannt gegeben worden sei und daß es sich nur noch uni die officielle Zustellung der Note handle. Ob dieselbe die längst erwarteten Vorschläge der englischen Regierung bezüglich der definitiven Regelung der egyptischen Angelegenheiten enthalten wird, ist jedoch zu bezweifeln, England will sich in seinem egyptischen Spiele offenbar nicht in die Karlen schauen lassen und so wird wohl auch die angekündigte Note die Welt über die eigentlichen Pläne Englands am Nil im Unklaren lassen. — Der Premier Gladstone ist von seinem leichten Unwohlsein ziemlich wieder herge- stellt; doch ist es noch ungewiß, ob er, wie er beabsichtigte, die erwarteten Reden vor seinen Wählern in Midlothian halten wird.
Da» zwischen dem Petersburger Cab inet und dem Vatikan getroffene Uebereinkommen durfte demnächst praktische Folgen erhalten. Am 25. d. Mts. soll in Rom wieder ein Consistorium abgehalten werden, in welchem der Papst für die vacanten und vacant werdenden Diöcesen neue Bischöfe prä- conisiren will. Es gilt dies hauptsächlich für Polen, wo eine große Anzahl von Diöcesen in Folge Der bisherigen Spannung zwischen Rußland und dem Vatikan noch verwaist sind.
Die in Spanien ein getretene MinisterkrisiS ist bereits wieder zu Ende. Dem bisherigen Minister-Präsidenten Sagasta ist es gelungen, ein vollständig neues Cabinet zu bilden, in welchem nur der Kriegsminister Martinez Campos sein PortefeuiÜe behalten hat. Die Namen der neuen Minister sind außerhalb Spaniens so gut wie unbekannt und man muß daher erst abwarten, meß' Geistes Kinder sie sind.
In den officiellen türkischen Kreisen tritt man jetzt aus der Reserve, um nicht zu sagen Phlegma, — welche die türkische Regierung bisher der Entwickelung der egyptischen Frage gegenüber beobachtete, etwas heraus. Der „Vakit", welcher d« das ofnciöse Organ der türkischen Regierung gilt, meint, daß es für die Pforte Zeit sei, ihre Rechte in Egypten zu wahren, welche Erkenntniß allerdings sehr post fest um kommt. Im fiebrigen vertraut der „Vakit" auf die Hülfe Frankreichs, während das Journal „Hakckat" auf die Zusicherungen Englands baut. „Dferidei Havadis" endlich sagt, die Pforte fei entschlossen, ihre Rechte nicht nur in Egypten, sondern auch in Tunis, Bulgarien und Bosnien zu „revindiciren", was ihr freilich die verlorenen Provinzen nicht wiederbringt.
Der nordamerikanische Senat hat in dieser Woche eine bedeu« tungSvolle Bill angenommen. Dieselbe regelt die Nachfolge auf dem Präsidenten, und Dicepräsidenten-Posten der nordamerikanischen Republik für den Fall, daß der Vicepräsident stirbt oder demissionirt. Es sollen in diesen Fällen die Mit- glieder des CabinetS nach Maßgabe ihres Ranges nachfolgen, und zwar zunächst der StaatSfecretär des Auswärtigen. Ist der Congreß bei dem Eintritt eines Erledigungsfalles nicht versammelt, und kann er auch nicht binnen 30 Tagen zusammentreten, so hat der neue Präsident denselben binnen 20 Tagen ein zuberufen.
Arabi Pascha und die mit ihm verbannten Häupter des egyptischen Ausstandes sind Anfang dieser Woche auf der Insel Ceylon eingetroffen.
Ein ausländisches Zlrthcil über Deutschland.
Zu den Untugenden der Deutschen hat zumal in fiüberen Zeiten ost ein geringes nationales Selbstbewußtsein gebört. Freilich lag dies nicht gerade an den Deutschen und an ihrem mangelnden Patriotismus, sondern die Ulsache an dem Mangel eines g'ößeren nationalen Stolzes und Vertrauens war in den ehemals so une> glücklichen politischen Zuständen Deutschlands, dann aber auch in dem frttifircnben und viel denkenden und überlegenden Geiste der Deutschen selbst zu suchen, woduich sie viel mehr als z. B. die leichtlebigen romanischen Nationen sich ihrer Fehler und Gebrechen bewußt wurden und daS Haupt nicht so stolz erhoben. Zn den beiden verflossenen Jahrzehnten ist eS nun mit dem nationalen Bewußtsein der Deutschen aus Grund großer Errungenschaften allerdings ganz anders geworden, aber vielen unserer Lands- leute steckte thcilS auS alter Gewohnheit, theils aus Kurzsichtigkeit doch noch häusig die Kle'nmüthigkeit und Schwarzseherei in den Gliedern, weßhalb wir zur Aufmunterung und Ermahnung in nachfolgenden kurzen Umrtfftn daö llitheil dcS früheren Gesandten der Verein'gten Staaten in Berlin, Herrn Andrew White, über Deutschland wteder- geben wollen. DaS Urthetl deS Herrn White über Deutschland gleicht einer LobeS- erhebung und würde, wenn eß auS dem Munde rinetz Deutschen käme, unS schlecht zu Gesichte sichen, da daS Lob aber von einem ausländischen StoatSmanne herrührt der ewige Jahre in Deutschland Gesandter war und sich berufsmäßig mit der Beobachtung t>e« DeutschthurnS beschäftigt bat, so dürsten wir sein U theil schon hören lassen
Der nach Amerika zurückgekehrte Herr White hat in einem Vortrage vor der „Geoaroph scheu Gesellschaft" in New,York dem Stande der pol tischen, socialen und wirihschaftlichen Verhältnisse in Deutschland ein begeistertes Lob gespendet Das deutsche ErziehungS- und Verwaltungssystem schilde't Wh-tc als einzig dastehend und nennt deßhalb die Deuts den die moralischste Nation der Welt. Obwohl das RegierungS- syitem in Deutschland monarchische Form und Spitze habe, so sei eS doch in seiner Handhabung durchaus demokratisch und republikanisch, d. h dem Wohle des Staate« unter Theilnahme deS ganzen Volke« gewidmet Kew deutscher Beamter sei von einer Partei auf seinen Popen gehoben und diene auch keiner Partei sondern schaffe nur für den Gesommlftoot, waS w Amerika und den meisten andern Ländern, wo eS parteiisch und despotisch bezüglich der Verwaltung zugehe, nichi der Fall sei. Das deutsche Ver- waltungSsystem sei auch sehr sparsam, geschäftsmäßig und auf höheres Streben gerichtet, während w Amerika die Verwaltung kostspielig, parteiisch und die Beamten vielfach corrumpirend seien. Gleiche Vorzüge wie da« staatliche Verwaltungssystem besitze auch bk Gemewbeverwaltung in Deu.schland und so komme eS, daß in den deutschen Städten größere Ordnung, Reinlichkeit und mehr Prachtbauten und Museen zu sinden seien wie in den amerikanischen, obwohl im Durchschnitt die amerikanische Verwaltung zehn Mal mehr koste wie die deutsche. Gewaltige Fortschritte mache auch die geistige Fortbildung Deutschlands in Folge der guten Schulen und Universitäten und d.e Industrie und technischen Künste hotten durch Fachschulen und permanenten Ausstellungen einen ganz bedeutenden Ausschwung erfahren. Auch die deutsche GerechtigkeitSpflege sei beachtenSwerth, da sie unparteiisch geübt werde und den Verbrecher nicht du ch die Maschen deS Gesetze« entschlüpfen lasse, wie eS in Amerika oft vorkomme. Angenehm berühre eS auch, daß die deutschen Zeitungen wenig Freude an Skandalgeichichten hatten, und trotzdem Männer wie Frauen in Deutschland Bier und Wein tranken, habe White in Deutschland während seine« vierjährigen Au cnbaltS n cht^so viele Betrunkene gesehen als in Amerika manchmal an einem einzigen Taae die Straßen unsicher macht.n
Di-« ift da« Uilh-il dr« H-rrn Wbtt- über $)eulfd)lanb, woraus jedenfalls bcr- vorgebl, bofi eS ftd> in unterem Valerlande rech, gut leben lägt unb ber (Slam unb Schimmer Amerikas verfchlebene bunfle Punkte besitzt, an benen teln ehrlicher Mann Freude Haden kann.
Vermischtes.
Freiburg i V-, 10. Januar- lieber einen Raubmord, ber unweit de« Dorfe« Feldberg zwischen Müllheim unb Kanbern verübt wurde, iheile ich Ihnen folgende« Nähere mit: Jakob Maier Israel Sobn — die« ist der volle Name des einen Ermordeten — wollte gestern früh mit feinem Sohne nach Kaldern gehen, um den boTtiaen V.ehmarkt zu besuchen. Im Walde, in der Nähe Feldbergs, wurden sie von den Mördern überfallen, getödtet und vollständig auSgeraubt Zwischen 9 und 10 Uhr Vormittags kam die Kunde von dem Verbrechen nach Müllheim und schon nach wenigen Stunden «ar man de« einen Mörder« — er ist au« dem Dorfe Marzell — habhaft Der andere dürfte heute auch schon ermittelt sein. Selbstverständlich erregt die scheuß, liche Tbat allgemeine Aufregung. Der Kopf de« älteren Maier soll bereit zerschlagen fein daß da« Gehirn vollständig blosgclegt ist. Der Sohn wurde etwa 20 Schritte entfernt von der Leiche de« Vater« ausgefunden.
r f * Lu r 0 P ' 11- Januar. Die beiden Raubmörder ßinbermer aus Marzell (Vater und Sohn) sind heute verhaftet worden. 8
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