1888
Donnerstag ben 13. December
Nr. 290
für den Kreis Gießen
Erscheint tLglich mtt A«Hnahnre des Montags.
Vnreanr Schulfiraße 7.
PrciS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
leitet zu haben. Nach einer Mittheilung der „Agence Fabra" würde Spanien mit Rücksicht aus die großen Interessen, welche es in den chinesischen Gewässern zu vertreten hat, von den Mächten aufgesordert werden, zum Schutze der europäischen Staatsangehörigen in China mitzuwirken, im Falle, daß Feindselig- ketten zwischen Frankreich und China ausbrechen sollten. Ein derartiger Schritt würde Spanien die Anerkennung als Großmacht sichern und die leitenden spa- Nischen Staatsmänner dürsten darum nicht zözern, dieses Anerbieten anzunehmen.
Die chinesische Negierung sicht sich nach Bundesgenossen im Falle eines Krieges mit Frankreich um. Das benachbarte japanesiiche Jnselreich wäre hierzu am geeignetsten und hat denn auch die Regierung von Peking der japa- nesischen Regierung ein Offensiv- und Desensiv-Bündniß angetragen. Japan hat nun dasselbe allerdings wohlweislich abgelehnt, trotzdem aber das nicht unerhebliche Zugeständniß gemacht, daß es französischen Kriegsschiffen die Einnahme von Kohlen und Proviant in den japanesischen Häsen nicht gestatten würde.
In Kairo ist eine neue Hiobspost ans den aufständischen Lander- theilen eingegangen. 500 Mann Negertrnppen und 200 Mann Baschi-Bozuks, welche in der Mhe von Suakim eine Recognoscirnng ausffchren sollten, stird von den ausständischen Beduinen überfallen und bis aus 50 Mann niedergehauen worden. Diese neue Niederlage der egyvtischen Truppen hat in Kairo große Bestürzung verursacht, da die geschlagenen Truppen zu den besten Truppen- theilen der egyptischen Armee gehörten, welche gerade nicht übermäßig reich an gutem Material ist. Man ist besorgt, daß sich die Wiedereröffnung der Straße ' von Berber nach Suakim zur Verbindung mit Baker Pascha, der mit der Führung der neuen Expedition nach dem Sudan beauftragt ist, in Folge dieses Ereignisses kaum ermöglichen lassen werde.
Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen
an die Großherzoglichen Ortsgerichtsvorsteher des Bezirks.
Die Ihnen dieser Tage k. I. zugehenden Bau- und Cultur-VerändtzrMgs-Verzeichnisse wollen Sie 4 Wochen lang offen legen, solche sodann auf der 4. Seite und, wenn noch nicht gestehen, anch unter den: letzten Eintrag iur> .Innern bescheinigen und alsbald hierher zurückjenden.
Gießen, den 12. December 1883. ___ hi- -—>—-—■
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Politische U-berfkcht.
Gießen, 12. December.
Unsere politischen Kreise sind durch die Nachrichten von dem eventuellen Besuche des Kronprinzen beim Papste und von der Begnadigung des Bischoss von Limburg in begreifliche Aufregung versetzt worden. Eine Bestätigung ersterer Mitlheiluvg von osficiöser Seite liegt allerdings noch nicht vor, ja, die „Nords. Allg. Ztg." meldete sogar, daß der Besuch des Kronprinzen in Rom zunächst nur dem Könige Humbert gelte, indessen liegen verschiedene Anzeichen vor, welche das Erscheinen des Kronprinzen im Batican als unzweijel- haft gelten lassen. Daß Letzteres mit der Begnadigung des Limburger Bischofs zusammenhängen würde, kann ebenfalls keinem Zweifel unterliegen und so stün- den >oir denn vor einer neuen wichtigen Phase in den kirchenpolitischen Angelegenheiten. Eigenthümlich berührt es hierbei, daß zur gleichen Zeit im preußischen Abgeordnetenhause die kirchenpolitische Frage wieder in Anregung gebracht wird, wenigstens sah man für diesen Mittwoch der Einbringung des Antrages des Centruins entgegen, noch welchem die kirchlichen Paragraphen in der preußischen Verfassung, welche während des CulturkampfeS aufgehoben worden waren, wieder hergestellt werden sollen und wie sich heutzutage die Dinge im Verhältniß der preußischen Negierung sowohl zum Eenlrum, als auch zum Batican gestalte^ haben, ist die Möglichkeit einer Annahme des Antrages nicht ausgeschlossen., Aus Allem geht hervor, daß wir vor einer neuen wichtigen Wendung in bet, Kirchenpolitik stehen; ob dieselbe zu einem dauernden Frieden mit Rom führen' wird, muß abgewartet werden.
In Berlin ist in Folge des bekannten Drckhoff ichen Processes eine Commission zusammengetreten. Die Erscheinungen in der Berliner Verbrecherwelt, die Organisation, die weite Ausdehnung, das systematische Zusammenarbeiten derselbeii sind der Regierung wichtig genug erschienen, um energische Geaenmaßreqeln zu ergreifen. Um diesen Zweck mit Umsicht und Schnellrg.ert 'n erreichen, sind in die erwähnte Commission von Seiten des Ministers des Innern Reqierungsrath Schmidt, Regierungsralh Graf Pückler (Chef der Ber- lmec Criminalpolizei), 2andrath Keßler i Epcf ber Berliner politischen Pol'zel), von Seiten des Justizministers die Staatsanwälte Angern und Dr Otto , die Landgerichts-Directoren Bachmann und Müller und der Untersuchungsrichter, Amtsaericktsrath Hollmann, entsendet worden.
Nichts Neues aus Tongking — mit diesen Worten muß der sran- zösilche Ministerpräsident, Herr F-rry, noch immer die Deputirtenkammer ab- sveisen Es ist in der That auffallend, daß über den Fortgang der sranzosi- schen Operationen in Tongking noch immer solche Ungewißheit herrscht, nur einiae unklare Telegramme über di- Fortsetzung der Vorbereitungen und über stattgehabte unbedeutende Recognosciruugen liegen vor Es macht d.°S m Frankreich aerade keinen günstigen Eindruck und auch die Pariser Börse steht unter dem Einfluß dieser Ungewißheit. Man muß daher befürchten oaß in Paris das Vertrauen sowohl in die sranzösische Militärleitung, wie auch m die ActionSfähigkeit des Cabinets Ferry erschüttert wird, wenn es dem zetzt betracht- Üch verstärkten Expeditions-Corps nicht bald gelingt, die „Schwarzen Flaggen und das Piratengesindel aus Bacninh nnd Sontay zu vertreiben Em aber- maliaer Ministermechsel in Paris würde aber die ostasiatlschen Schwierigkeiten S^bSunb ganz richtig erklärte im Verlaufener T°ngking-Debatte "eM Renan t der Berichterstatter der Tongkmg-Commisiion, daß der häufige Cabstietsw-chsel und der hiermit zusammenhängende Mangel einer consequenten Vol diese Schwierigkeiten verursacht habe. - E>n dem Mar,nem,Nister zuge- aanaenes Telegramm meldet, daß das Transportschiff „Corroze" Mit der für Sting bestimmten Artillerie am 29. November in der Bar von Along ange- kommen ist. @ (;ecietär i,n italienischen Ministerium des Fnne?n Lovito, welcher sich mit dem Abg^Nicotera duellirte, hat mgolge n-ff-v s-Me Enllassuna eingereicht. Dieselbe ist dem Vernehmen nach bereits n r L.int - Der päpstliche Prälat Savarese ist zum Protestantismus über- Än9 D-, R,-w, d-- .»>,<»,»ich«, -l>-ch- l« et P-u- m R»m,
der üblicken feierlichen Weise begangen, womit zugleich
Erklärung Der Großfürsten Peter Nikolajewitsch und Georg Mlchallowttsch ver. c L L Lr ^ierlickkeit wohnten der Kaffer und bie Übrigen Groß- bunben 8 Georgsritter, das Osficier-Corps und der deutsche
nLöster bei. Bei der Tafel des Georgens-Ordens
?L d CM sich zu dem deutschen Botschafter wendend, den ersten Toast
Kaiser Wllh lm als den ältesten Ordensritter, aus.
' M r Besuch des deutschen Kronprinzen °m Madrider Hofe scheint in der That die Aufnahme Spaniens in das europäische Concert emge-
Darmstadt, 10. December. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: ,rp ,
Am 1. December den Steuercommissär des Steuercomnuffariats Ooer- Ingelheim, Hermann Kraus, und den Steuercommiffär des Steuercommiffa- riats Fürth, Friedrich Deisler, in gleicher Dienstelgenschaft mit Wirkung vom 1. Januar 1884 an in das Steuercommiffariat Offenbach bezw. Ober- Ingelheim zu versetzen, sowie den Obersteuercalculator 1. Klaffe, Ferd. Trapp, gleichfalls mit Wirkung vom 1. Januar 1884 an zum Steuercommiffär des Steuercommiffariats Fürth zu ernennen.
Darmstadt, 11. Decbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: , r , . n
Am 28. Novbr. den Oberrechnungs-Probator 1. Klaffe bei der 2. Ad-
theilung der Justificatur der Oberrechnungskammer, Georg Betz, zum Ober- rechnungS-Revisor nnb ben Oberrechnungs-Probator 2. Klaffe bei der 2. Abtheil- ung ber Justificatur der Ober-rechnungskammer, Georg Hoos, zum Oberrechnungs-Probator 1. Klaffe bei ber genannten JuWcaturabtheilung zu ernennen.
Durch Entschließung Großh. Ministeriums des Jmiern nnb der Justiz vom 5. Decbr. würbe ber Gerichtsschreiber-Aspirant Jacob Fischer aus Gernsheim zum Hülssgerichtsschreiber am Großh. Landgericht ber Provinz Starkenburg, und zwar zunächst für ben Dienst bei ben Untersuchungsrichtern und burch Entschließung vom 7. Decbr. ber Gerichlsschreiber-Aspirant August Kiefer in Darmstadt zum Hülssgerichtsschreiber am Großh. Amtsgericht Darmstabc 1 bestellt.
11. Darmstadt, am 11. December 1883. Die erste Kammer der Landstände begann heute Morgen ihre Beratungen bezüglich, der neuen Steuerge etze^ . G eich zu Anfang der Sitzung zog Herr Wernherr von Merstem seinen alo Ausschußminoutüt gestellten Antrag, den Gegenstand auf kommende Zeisen zu verschieben, zuruck und trat die Kammer in die Bcrathung ein über den Entwurf, die allgemeine Einkommensteuer betreffend. Die ersten drei Artikel des Entwurfs wurden ohne Anstand in der Faßung der Vorlage angenommen. Zu Art. 4, dieZuzwhungderAcüeW
delnd, stellte Geheimer Commerzienrath Lauter en den Antrag, dem Beschluß des Ausschusses nicht beizutreten oder doch wenigstens die Hest. Ludwigsbahn auszun^men und nach einigen Debatten, woran sich Graf Laub ach, Surft Isenburg-B ir stein, WtTiiftprnrnftht,nt Sckileiermacher, Lauteren und Geh. Commerzienrath Heil
- wel^’ &6tem betont „es sei Pflicht eines Jeden di- Reform der Steuergesetze zu erleichtern" —, einen weiteren Antrag, die Bestimmungen sollen erst hi Kraft treten, wenn ähnliche Bestimmungen m anderen deuflcheu Staaten insbesondere in Preußen, zur Einführung gelangten. Nach längerer Debatte wird der Art. 4 in Ueberstimmung mit dem Beschluß der .zweiten Kammer angenommen. Di- Art. 5 und 6 werden acceptirt nach dem Ausschußantrag, ebcnlo uachdem der Art. 7 bij jur Bcrathung über Art. 13 zuruckgestellt war, die Art. 8, 9 und 10. 2lrt. 11 , beföaftigt sich mit den Arbeitgebern und Sparkassen, welche gehalten sein sollen die Bezüge der bei ihnen Beschästiaten resp. die Einlagen der Einzelnen aus Ansrage des Steuer- Cvmmffsars anzugeben. Der Artikel wurde nach lanaer Debatte m der Fassung des Ausschußantrags angenommen d. h. die Absätze 2 und 3 der Regterungsvorlag- gestrichen und der Absatz 1 mit Ausschluß des Satzes „und die Gewcrbtreibenden, sowie sonstigen Arbeitgeber hinsichtlich der bei ihnen beschäftigten, wenn auch anderwärts wohnenden Personen" in der Fassung der zweiten Kammer acceptirt. Die Artikel 7 und 13 wurden zusammen zur Diskussion gebracht und nach kurzer Debatte die Scala der ersten


