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1883

Dienstag den 13. November

Mr. 26L

-------- TTTZ " ~Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Nureattr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.

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Amtlicher Hßeil. Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hrermll nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat Oct ob er 1883 veröffentlicht:

' Hafer JL. 16., Heu JL. 7., Stroh 6.80 per 100 Kilogramm.

Gießen, den 10. November 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I>r. Boekmann. ........,

JeuLschkand.

Darmstadt, 10. November. Zur Vorfeier des Luthersestes fand heute Nachmittag die Grundsteinlegung einer neuen evangelischen Kirche im nördlichen Siadttheil statt, welcher der Erbgroßherzog, Prinzessin Karl und die Prinzen Heinrich und Wilhelm beiwohnten. Die Weiherede hielt Superintendent Sell. Vormittags wurde das Lutherfest in den Schulen gefeiert, am Abend veran­staltet der Kirchengesangverein eine Feier in der Stadtkirche. Auf Befehl Sr. Maj. des Kaisers findet morgen früh um 8 Uhr Kirchenparade statt, bei der das ganze Officiercorps und Deputationen aller hiesigen Truppentheile erscheinen. Die Feier wird morgen in allen Kirchen begangen. Der Großherzog, welcher jetzt in Oberhessen weilt, wohnt der morgigen Feier in der Stadt Alsfeld bei.

Berlin, 9. November. In hiesigen politischen Kreisen wird heute kaum von etwas anderem gesprochen, als von der bevorstehenden Reise des Kronprinzen, der allerseits die verdiente große Wichtigkeit beigemessen wird. Daß derselben die Absicht zu Grunde liege, den Franzosen eine Lehre der Höf­lichkeit zu geben, ist sicherlich falsch. Der Besuch des Königs von Spanien bedingte unter allen Umständen einen Gegenbesuch, und derselbe würde stattge­funden haben, wie immer auch das Benehmen der Franzosen dem König Alfons gegenüber gewesen sein möchte. Daß die Reise aber so schnell erfolgt und mit so großer und auffallender Feierlichkeit in'd Werk gesetzt wird, dazu mag in der Thal der Wunsch beigetragen haben, den Spaniern zu zeigen, daß, wenn ne aus der einen Seite einen Theil dec Sympathien eingebüßt haben, die ihnen in srühern Zeiten von den Franzosen entgegengebracht wurden, sie andererseits die Freundschaft eines großen Volkes gewonnen haben, an der ihnen nach Lage der Dinge mehr gelegen sein dürfte, als an der eines unsichern und hochmüthi- gen Nachbarn, dessen Museen noch heute als schönste Perlen die Kunstschätze aufweisen, die er den Spaniern geraubt hat. Das Datum der Abreise des Kronprinzen ist noch nicht festgesetzt, jedoch werden alle Vorbereitungen zu der­selben mit Eiser betrieben und ein längerer Aufschub wird auf keinen Fall stattfinden.

Berlin, 10. November. Das heutige Luthersest wurde bereits gestern Abend von allen Kirchthürmen eingeläutet. Heute früh um 7 Uhr ertönte eine Choralmusik von der Galerie des Rathhausthurmes, der mit preußischen und deutschen Fahnen reich geschmückt ist. Um das Rathhaus hatten sich viele Tausende geschaart. Die Plätze und Straßen Der Stadt zeigen einen reichen Fahnen- und Flaggenschmuck und mehrere der größeren Geschäfte sind für den ganzen Tag geschlossen. Unter dem Glockengeläute sämmtlicher evangelischer Kirchen setzten sich um 8'/r Uhr von den einzelnen Gymnasien und Schulen 53 Schülerzüge mit je einem Musikcorps an der Spitze, geführt und geleitet von den Lehrern nach den einzelnen Kirchen, zum allgemeinen Gottesdienst in Bewegung. Nach dem Schlüsse der kirchlichen Feier zogen die Schüler wieder nach den Versammlungsorten zurück, in deren Festsälen noch eine besondere Schulfeier stattfand. Die evangelisch-lutherischen Soldaten werden morgen regimentsweise nach der Garnisonkirche geführt, um dem dortigen Gottesdienst beizuwohnen. , ,

Um 12/2 Uhr setzte sich unter Glockengeläute und Choralblasen durch zwei Musikcorps der feierliche Zug vom Rathhaus nach der Nikolaikirche in Be­wegung. Dem vorangetragenen Stadtbanner folgte die evangelische Geistlichkeit, Rector, Dekane und Professoren der Universität, hohe Reichs- und Staats­beamte, Generäle, das Aeltesten-Collegium der Kaufmannschaft, die Directoren der höheren Lehranstalten, die Ehrenbürger, die Stadtältesten, der Magistrat, die Stadtverordneten, die Bezirksvorsteher und alle anderen an der Stadtver­waltung Betheiligten. Um 1 Uhr betrat Se. Maj. der Kaiser mit dem Kron­prinzen, dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm und Prinz Friedrich Karl das Gotteshaus, vom Probst Brückner, dem Bürgermeister Duncker, dem Stadt­verordnetenvorsteher-Stellvertreter Director Büchtemann am Eingang begrüßt und nahm an dem königlichen Chore Platz. Nach dem Gesänge des Liedes Ein' feste Burg ist unser Gott" hielt Probst Brückner die Festpredigt.

DieNat-Ztg." vernimmt, daß demnächst die beiderseitigen Gesandt­schaften Deutschlands und Spaniens in Berlin und Madrid zum Range von Botschaften erhoben werden sollen.

Der Maler Professor Oskar Begas ist gestorben.

Breslau, 10. November. Zur Lutherfeier sind die Häuser beflaggt und die Läden der Straßen, durch welche der Festzug passirte, geschlossen. Früh Morgens wurden Choräle von den Kirchthürmen geblasen, dann oegaben sich die Schulen in langen Zügen zum Festgottesdienft. Bei herrlichem Wetter fand um lP/4 Uhr der Festzug vom Rathhause aus statt, vor dem sausende von Menschen versammelt waren. Unter Vorantragung der Lutherbioel begaben sich

die Geistlichkeit, die königlichen Behörden, Magistrat und Stadtverordnete, der Rector Magnificus und die Dekane in vollem Ornat, die Militärbehörde, die Directoren und Lehrer der Schulen, die Studenten und die Innungen nach der Elisabethkirche, wo der Festgottesdienst stattfand. Am Abend wird in der Bernhardinerkirche das OratoriumLuther in Worms" aufgeführt.

Eisleben, 10. November. Mittags um 12 Uhr sand auf dem festlich ge­schmückten Marktplatz- dt- Enthüllungsfeier des Lutherdenkmals statt, welcher u. A. der Cultusmmister Dr. d. Goßlar, der regierende Graf Otto v. Stolberg-Wernlgerode und der D>rector der Königl. Museen, Schöne, beiwohnten. Die Geistlichkeit hatte am Fuße des Denkmals Ausstellung genommen. Nachdem die hiesigen Gesangvereine, von der Kapelle des 27. Infanterie-Regiments begleitet, den ChoralEin' feste Burg" vor- aetragin hatte, hielt Bürgermeister a. D. Dr. Martins einen Vortrag über die Ge­schichte der Entstthung des Denkmals, worauf die Hülle des auf einem Sockel von grünem schwedischen Granit ruhenden, 9 Fuß hohen Denkmals siel. Hierauf hielt Oberhofprediger Dr. Kögel die Weiherede, in welcher er Luther als den grogten Sohn des deutschen Volkes pries und zum Schluß der V-isammlung den Segen erthrilte. Die Anwesenden intonirten den ChoralLobet den Herrn". In Stellv-rtr-tunz des noch kranken Oberpröstdenten v. Wolff übergab der Regterungsprastdenk v. Diest das Denkmal der Stadt, welches Bürgermeffier Funk übernahm- Wahrend der Enthüllungs- feier ging folgendes Telegramm Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen an den Bürger­meister Funk ein:Wenngleich Mir nicht vergönnt ist, den bedeutungsvollen heutigen Tao der G-burtsstätte Martin Luther's mit Ihnen festlich zu begehen, denke ich doch m warmer Theilnahme der seinem Andenken in der Vaterstadt gewidmeten Reter." Die Feier schloß mit dem Gesänge des ChoralsNun danket Alle Gott", woraus sich der historische Festzug unter den Klängen des Torgauer Marsches in Be- wegung^setzü.^ Historienmaler W. Beckmann aus Düsseldorf arrangirten Festzug eröffnete ein berittener Herold mit den Emblemen des Deutschen Reichs; ihm folgten in den roth-w-ißen Farben der Stadt Mansfeld ein Heerpauker und 12 Fanfarenbläser. Hieran reihte sich in blau-weißen Farben der Herold der Stadt Eisleben, deren Magistrat und Bürger zum Empfang- Luther's sich vor dem Stadtthore eingefunden und sich dem großen Herrenzugc angeschlossen hatten. Bannerträger der Grafen Mans­feld von einigen Rittern der nahen Umgebung begleitet, kündigten durch d>e farbrgen Wappen die nachkommenden Edlen an, denen sich Troßleute, Falconiere und Jager zu mferd und zu Fuß angeschlossen haben. Einem Herolde und vier Fahnenträgern folgten d-e Grafen Mansfeld selbst, Albrecht und Gebhard, mit ihren Frauen, Frauleins und Kindern sämmtliche in kostbarsten Gewändern Es schloffen sich Bannerträger und di- Hofmarschälle des Fürsten Wolfgang von Anhalt an. Jager mit der Meute kamen h-nterh-r, dann zwei Trompeter und nun, rn hohem Turniersattel rdteni» ganz m Eisen gekleidet, der streitlustige Graf Asfeburg mit gewaltigem Speer. Wieder folgten Hofmarschälle und dann di- edlen Gestalten des Grafen von Schwarzburg seiner Ge­mahlin und Töchter. In malerischer Tracht schritten nun einher die Landsknechte. Würdevoll in schwarzer Amtsschaube, die goldene Kette mit großer Denkmünze auf der B^ust folgten ihm die Herren vom Rath der alten Bergstadt. Sie kündeten das Erscheinen Dr Martin Luther's. Er fährt in einem reichen Prachtwagen des Grafen von ManSfeld, neben ihm sein Freund Justus Jonas und seine drei Sohne Johannes, Marttn und Paul. Hofpredig-r Michael Cöltus und gräfliche Notare und Räthe schließen sich an. Das Volk drängt nach, Bürger und Bergleute. In langen Rotten lebt sich die Gewerkschaft mit bunten Bannern, malerisch unterbrochen von R-rstgcn und Troßleuten, in Bewegung Ein reizendes Bild bieten die lugendltchen Kurrende- sänger und die Schüler der höheren Lehranstalten im Wamms mi, den Puffenarmeln. Auch die fünfte der Stadt begleiten Dr. Luther. Voran die Fleischer zu Roß, dann die Kaufleute, Gärtner mit den Herbstfrüchten und goldener Mulde. Schmied- u . A. m. Spielleute zu Fuß in Wamms und Barret, dahinter berittene Marschalle und Lands­knechte, bewaffnet mit Spießen, Radschloßgewehren und Armbrusten, schließenden färbenr«cheil, @e{ ber heutigen akademischen Lutherfeier wurden zu

Ehrendokroren der Universität Halle - W-ttenb-rg promovirt : Von der theologischen Fakultät Professor Dörner (Wittenberg), Superintendrnt Rutschel (Wittenberg), Suverintendevt Förster (Halle), Pastor Hofmann (Halle), Pastor Hesekiel (Sudenburg), Vrokesior Kawerau (Mmcheburg), Präsident des Ob-rkirchenraths Hermes ^Berlin) und Vrofesior Tschakert (Halle). Von der juristischen Fakultät: Cultusminifler v Goßler, General-Superintendent Brückner (Berlin), Präsident des Konsistoriums Rödenbeck (Magdeburg) und Professor Sigwart (Tübingen). Von der medicinrschen Fakultät- Brosessor Abbe (Jena) und Baurath Hobrecht (Berlin). Von der philo- sopbischen Fakultät: Bürgermeister Brecht (Quedlinburg), Professor M-fer (Göttingen), Profeffor^Moller^^Kiel)^und^Pasto^Otto^(Mefteburg)^ vormittags versammelten sich die Mitglieds des Consistoriums, die evangelisch- Geistlichkeit, die Spitzen der Civil- und Militärbehörden die von den Gerichten abgeordneten Deputationen, der Magistrat, Me Kaufmannschaft ' das SÄulkollegium, die Angehörigen der Kunstakademie, die Studenten der Un v rsität rc. vor dem Rathhause und zogen in feierlichem Zuge nach dem^Dom, wo Generalsuperintendent Dr. Carus die Festpredigt hi- t Nach d-m Schluffe d s Gottesdienstes bewegte sich der Zug durch die von einer dichtgedrängten Menschenmenae aesüllten Hauptstraßen nach d-m Schloßplatze. Hier bracht- der Sänaerverein^eineF-stcantate zu chöner Aufführung. Consistorialrath Kretschmer sprach den Segenssprüch über S- Majestät den Kaiser aus. An diese Feier schloß sich sodann ein ®igariL^b?r1o.n^onemLr. Die Feier des Luthertages wurde srüh 8 Uhr ein- aeleitet durch Blasen des Lutherliedes von den Thürmen der protestantischen Kirchen. Hm gi/J nhr fand in der Aula der Universität ein Festaktus statt, um 10/t erfolgte di- F-ier in den städtischen Schulen. Um 11 Uhr ordnete sich auf dem Marktplatze der aroße F stzug an welchem die Universitätslehrer, die Studirenden, die Geistlichkeit, die Kirchenvorstände, die Reichs- und Staatsbehörden, Vertreter der Garnison, der Rath, d-e Ehrenbürger die Stadtverordneten und die größeren Corporationen ihetlnahmen. Die Innungen, di- Gesang- und Turnvereine waren mit ihren Fahnen erschienen.