Ausgabe 
13.5.1883 Erstes Blatt
 
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Mr. LOS. Erstes Blatt. Sonntag den 13. Mai 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Wvreau, Schulstraße 7. Erscheint lüg,ich mit Ausnahme be« WUg». Q^d^Po'st'be^en v^k-IWrNch

Amtlicher H h ei l'.

\ Bekanntmachung.

Die unterm 24. v. Mts. angeordnete Sperre des Altenfeldwege- wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 12. Mai 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

_________________________________________________ Fresenius.____

Bekanntmachung.

Durch den Wismarer Weg dicht hinter der Abzweigung von der Krosdorfer Straße, da wo der erste neue Feldweg in denselben einmündet, soll ein Durchlaß angelegt werden. Es ist daher von Mittwoch den 16* I. Mts. an der Verkehr für Fuhrwerke auf dem Wismarer Weg auf fünf Tage gesperrt.

Gießen, den 12. Mai 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Gefundene Gegenstände:

1 Broche, 1 Brille, 3 Taschenmesser, 1 Cigarrenspitze, 1 Wamms, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 2 Uhrkelten, 8 Stück Hämmer, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.

Gießen, den 12. Mai 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius. ___________________________

Erziehung, der Aufklärung in unserem Kreise, der Förderung des Fortschritts der Cultur zu erfüllen. Dem deutschen Volke ist eine Mission beschteden, und um sie für die allgemeine Cultur zu erfüllen, bedarf es nicht nur des ehrlichen Strebens und der rüstigen Arbeit auf den Gebieten des Wesens und der practischen Thätigkeit, sondern auch der Erkenntniß des richtigen Weges: es bedarf der Leuchte der gütigen Vorsehung, der Führung Gottes. Darum mögen wir uns zu Pfingsten, am Stiftungsfeste der christlichen Kirche, erinnern, wie mächtig die Ausgießung des heiligen Geistes die kleine Gemeinde der Jünger erhoben und gekräftigt hatte, so daß die starke kirchliche Gemein­schaft ans ihrem Wirken erblühte. Mochte uns der heilige Geist der Weltgeschichte zur Leuchte werden auf unseren ferneren Pfaden! Von diesem Wunsche erfüllt, der uns mahnt, die starken Grundlagen unserer Cultur zu vertheidigen, die Treue zum Kaiser r: d Reich, die Liebe zum weiteren und engeren Vater lande, alles ernste und ehrliche Streben der Nation zu wahren und zu fördern, feiern wir Pfingsten, daS liebliche, aber auch ernste, erhebende Fest!

Deutschland.

Darmstadt, 10. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 12 enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Verpachtung der Localbahn von Frankfurt a. Dl. nach Offenbach, sowie die Anlage einer Straßenbahn in Offenbach betreffend. Dieselhe lautet:

Nachdem Se. Königl. Hoheit der Großherzog mittelst Allerhöchster Ent­schließung vom 11. d. Mts. die den, Rentner Ernst Donner zu Paris ertheilte landesherrliche Concession zum Betrieb der Localbahn von Frankfurt a. M. nach Offenbach auf diesseitigem Gebiet, sowie zur Anlage und zum Betrieb einer Straßenbahn in Offenbach zurückzuziehen geruht haben, wird dies hierdurch unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 20. Juli 1881 zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Zulassung zu den speciellen Prüfungen der ersten Kategorie im Finanzfach betreffend. Die­selbe lautet:

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß mit Allerhöchster Genehmigung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs die von den Bewerbern um Zulassung zu den speciellen Prüfungen der ersten Kategorie des Finanzfacha vorzulegenden Schulzeugnifse als genügend anerkannt werden dürfen, wenn in denselben außer den sonst erforverlichen Kenntnissen zwar nicht die im 'S 9 der Verordnung von, 20. September 1853 vorgeschriebene Kenntniß Der latemischen Sprache, dagegen aber die Kenntniß der englischen Sprache bezeugt ist.

m. Darmstadt, 11. Mai. Der G-schgebungsauSschußd-rzwcit-ii Kammer wird morgen eine Sitzung abhalten. Zur Berathung wird zunächst Ant^g des Abgeordneten Schröder aus Einsührung einer Scaler der Psch^nsötze beilderBrand- veisicherung kommen. Weiler der Anlrag des Abgeordneten Metz, die ^roßherzoglich- Regierung um eine Gesetzesvorlage wegen Abänderung des Gesetz s o 8.

der 1872 über die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stand-und die Wahlen der Abgeordneten auf der Grundlage des Einkammersystems zu ersuchen. Schli ßstch soll der Bericht über den Antrag der Abgeordneten.Wasserburg- Uanck und Pennrich aus Abänderung der Gesetzgebung bezüglichder Wahlenl ^r Abgeordn^t n zur zweiten Kammer der Stände zur Verlesung kommen. Dteser Antrag 8 9 Wortlaut nach dahin r Die Kammer wolle der Großh,. ^-g'-runa °°s ^r,uw > sprechen, daß dieselbe unter thunlichstcr Beschleunigung n f tz m-rfassuna dem in welchem unter Abänderung der einschlagtacn Best im g toiaent,(n Grundsätze

Wahlgesetze und dem Gesetze. Mr. dl-Wahlkreis-inth-ilung, l°^^°.n Grundsatze

tn das öffentliche Recht Hessens eingesührt werden. . nrwäb?ern gewählt werden

7-7'WÜhlÄ. auch' °«7d« Ä g-m-chi

M Abgerndnete m wählen sind, ® zwar, daß aus jeden Wahlbezirk -in Abgeordneter kommt. niitaetbeilt wird der wichtige Gesetzesentwurf, die Gewann- und

Par--ll7nv-^n ss mg'b.tr Zeinen d» ersten B°7°ihungsg°genständ° der am 22 d. M. 45arcmenDermqiun0 v i , Kammer bilden. Dieser Entwurf wurde den Standen SAtens'GrchhFin-mminist-riums bereits unterm 25. November 1881 vorgelegt und

Pfingsten 1883.

Ostern, dem weihevollen, folgt Pfingsten, das liebliche Fest. Die Ausgießung des heiligen Geistes wird in dem dritten hohen Feste dcs Kirchenjahres gefeiert, und dieses gilt zugleich als das Stiftungsfest der christlichen Kirche. In unserer an Ge- dächtnißfetern reichen Zeit nehmen wir die christlichen erhabenen Gedenktage fast gewohn­heitsmäßig als erbauliche Ruhetage entgegen; Tausende im Kampfe um das Dasein Ermüdete vergessen, der religiösen Bedeutung dcs Festes durch löblichen Kirchenbesuch Rechnung zu tragen; sie huldigen wohl auch der Ansicht, daß man den lieben Gott auch im stillen Kämmerlein Preis und Dank sagen oder ihn dort verehren kann, wo er sich am herrlichsten und großartigsten offenbart, in Gottes freier Natur. Die Harmonie des Lenzes erbebt die Seelen, und Pfingsten, das liebliche, vereint in sinnigster Weise die geistige Erhebung, bte erhabene Lehre, wie der heilige Geist sich herabfenkt auf die Jünger und sie reden lehrt in tausend Zungen, auf daß sie hingehen konnten in alle Welt, zu lehren die Heiden, mit dem frohen Gefühl jenes natürlichen Dankes an den Schöpfer, welcher der Brust entquillt, wenn der Mensch in der bedrängten Gegenwart sich losreißt von Kummer und Sorge des Alltagslebens und hinausettt auf grünende Auen und in die schattigen Wälder, wo der Himmel blaut und die Sonne durch das junge Laub strahlt, wo die Gräser sprossen und die Blumen blühen, die Käfer summen und die Falter sich wiegen. Dort weht der Odem Gottes und erweckt daS neue Leben, dort gießt die Natur den heiligen Geist der Erneuung und des Werdens Über die organische Welt aus, dort tönt das Lob des Schöpfers in tausend Zungen, im Zirpen der Heimchen, im Gesang der Vögel, im frohen Lied des Wanderers.

Das alte Volk der Offenbarung feierte um diese Zeit sein Wochenfest; die alten Deutschen begingen das heidnische Frühlingsfest; die Christen feiern Pfingsten. Im Laufe von Jahrtausenden hat das Erwachen der Natur auf die Völker denselben erhebenden und stärkenden Eindruck gemacht; es ist, als ob darin sich das höchste Recht offenbarte, das Recht auf das Leben; es ist, als ob diese Gemeinsamkeit des lieblichen Festes für alle Religionen und alle Völker die höchste Duldsamkeit predigte, an welche göttliche Tugend zumeist der Stifter der christlichen Religion und feine Jünger erinnerten und an welche zu erinnern leider auch heutzutage noch nothwendig und nützlich ist. Der heilige Geist ist das Symbol der glaubensfreudigen Mission des Chnstenthums, dessen Endziel für alle Zeit mit den Worten gekennzeichnet ist: es wird ein Hirt und eine Heerde sein! Jener heilige Geist erfüllte die Jünger und er soll auch uns erfüllen; er hat die Aufklärung der Armen im Geiste, die Darreichung des Trostes an die Gefallenen, die Erhebung der Schwachen und die Nächstenliebe für Alle als das große Dogma der geistigen Erlösung verkündet. Auf der geistigen Erlösung beruht aber auch unsere sociale Erlösung.

Man spricht von einem heiligen Geiste nicht nur im Sinne der Religion, sondern auch vom heiligen Geiste der Weltgeschichte, die man ja auch das Weltgericht genannt W- 3e erleuchteter unsere historische Forschung geworden ist, um so mehr ergiebt sich als Resultat, daß nicht die politischen Verhältnisse das Schicksal der Völker gestalten, sondern daß die socialen Verhältnisse die Politik machen. Die socialen Verhältnisse sind das Facit einer complicirten Rechnung, die mit der Riesensumme der Existenzen Der Individuen und mit den Factoren der einschlägigen Natur- und Culturbedingungen anzustellen ist. Ueberträgt man aber die Methode Darwins auf die historische Forschung, so gelangt man schließlich doch ganz ebenso wie in der Naturgeschichte, in der organischen wie unorganischen, auf das letzte und höchste Räthsel der irdischen Dinge. Wir kommen ^?Ä2^Ä ^E^naus mit aller Weisheit philosophischer Systeme. Unser Wissen bleibt krtuu h . m8 höchste Wissen aber führt zurück zum Glauben an die Gerechtigkeit und Güte der Vorsehung.

^Menschheit ihre religionsgeschichtliche und politische Entwicklung ' so ist ihr letzt die Phase der socialen Entwicklung beschicken. Hier k , 6u,ntcm b,e verschiedenen Systeme der Lösung der socialen

hpaf^ Sb ftea heben einem neuen Zeitalter Richtung und Charakter.

??rade daraus zu erkennen, daß die Lehren des Heilands, richtig begriffen und befolgt, eine sociale Erlösung anzubahnen im Stande ftnb, und darum können wir heute noch aufrichtig das Gebet sprechen um Erfüllung »en Geiste. Alles, was uns der staatliche und kirchliche D^<Kders und die Wünsche der Volksmänner empfehlen, Daselbst "20 f ""kündet:Liebe Deinen Nächsten wie

Wir alle wissen freilich, wie weit wir von einem socialen ^beahuftanbe noch ÄÄLS*1 Är,bflf uns nicht b-schied-n fein LhbWÄ & b« ' d-s Völk-rfri-d-ns, das Canaan, darin für Alle Milch und Honig fließt, zu schauen. Wir wissen nur, daß es unsere höchste Pflicht ist im großen ®e,*J ,c.b£r bfCr.dtt heU bC1,S?Of*.Cn "Uszusüllcn, aus den einen Jeglichen die Vorsehung S st°llt h°t; wir sehen noch heute alle Tage, daß, wer üder Wenigem getreu gewesen ist, über vieles gesetzt wird; wir sehen, daß der redlichen Arbeit der gerecht- Lohn, dem ehrlichen Streben der Erfolg zu Theil wird. Wenn wir auch nicht All- in die Welt gehen können, die Heiden zu lehren, so haben wir doch die Pflichten der nationalen