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Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohr'.
Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Amtlicher Hheil.
Betreffend: Feldwege-Anlage in Flur VI der Gemarkung Staufenberg.
Bekanntmachung.
crr Ate Wahl von drei Sachverständigen mit drei Stellvertretern zur Dollzugs-Commisston für die Anlage von Feldwegen 2c. in Flur VI der Gemarkung Staufenberg ö ° a
foll Montag den 22. L M., von Vormittags 10 Uhr an, auf dem Rathhause zu Staufenberg vorgenommen werden.
Die Wähler haben in drei nach dem Grundsteuerkapital ihrer bei dem Unternehmen betheiligten Grundstücke gebildeten Abteilungen abzustimmen. Wem nur auf^e bezüglichen Stimmberechtigten-Listen, welche auf der Großherzoglichen Bürgermeisterei Staufenberg eingesehen werden können, Bezug nehmen, aden wir die Wähler der dritten Adthetlung, zu welcher diejenigen gehören, welche ein Grundsteuerkapital bis zu 1 fl. 27 kr. ausschließlich eptzen, em, am genannten ^age von IS bis 10% Uhr Bormittags, ferner die Wähler der zweiten Abtheitung, welche ein Steuerkapital von 1 fl. 27 kr brs 3 fl 3 kr. emschlreßlrch haben, von 11 bis 11% Vormittags, endlich die Wähler der ersten Abtheilung, welchen ein Steuerkapital von mehr als 3 fl. 3 kr. zusteht, von 12 bis 12% Uhr, an dem vorerwähnten Tage abzustimmen, alle drei Abteilungen aber unter dem Anfügen, daß, Ann eme Wahl m dresem Termin nicht zu Stande kommt, die Ernennung der Sachverständigen und deren Stellvertreter durch uns erfolgen wird.
^ede Abtherlung hat einen Sachverständigen und einen Stellvertreter desselben mittelst Stimmzettel zu wählen.
Da diese Sachverständigen die in dem betreffenden Felde vorkommenden Bodenarten und deren Werthe zu ermitteln, ferner alle nöthigen Abschätzungen vorzunehmen und die m Ausführung kommenden Pläne mitzuberathen haben, empfiehlt es sich, zu diesem Amte tüchtige Landwirthe zu wählen, welche ihrer Afgabe gewachsen sind und welche das volle Vertrauen der Unparteilichkeit genießen. Die Stimmberechtigten sind jedoch befugt, auch bei dem Unternehmen Vetheflrgte, dellen sie ihr Vertrauen schenken, zu wählen. y y 7
Gießen, am 10. October 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
- __________________Dr. Boekmann.
Politische Ue-ersieht.
Gießen, 11. October.
Der Reichskanzler Fürst Bismarck gedenkt, wie sich die „Rordd. W Ztg." aus Friedrichsruhe melden läßt, einstweilen noch auf seinem lauen- burgischen Landsitze zu verweilen, gegen Weihnachten aber, nach kurzer Anwesenheit in Berlin, mit seiner Familie nach Varzin überzusiedeln, um daselbst das jest zu verleben. Der Gesundheitszustand des Fürsten soll im Allgemeinen ein befriedigender sein. Daß der leitende Staatsmann vorläufig der Reichshaupt- Itadt noch fern zu bleiben gedenkt, deutet darauf hin, daß wichtige Ereignisse m der europäischen Politik nicht erwartet werden und kann man die andauernde Abwesenheit des Reichskanzlers von Berlin als ein friedliches Symptom für die allgemeine Lage ausiassen.
Zu Betrachtungen über die innere Politik liegt noch immer mig Stoff vor, da die Vorlagen, welche den preußischen Landtag und den ' ^chstag beschäftigen sollen, bis jetzt nur spärlich an das Tageslicht treten. Vas das „Actiengesetz" anbelangt, mit welchem sich gegenwärtig der Bundes- MH beschäftigt, so zielt daffelbe auf eine Reform der in Bezug auf die Actien- । Gesellschaften bestehenden gesetzlichen Bestimmungen und zerfällt in vier Abschnitte. Der erste derselben handelt u. A. von der Haftung der Gründer, der Abände- Wg des Inhalts des Gesellschafts-Vertrages u. s. w., die Artikel des zweiten Abschnitts beziehen sich auf das Rechtsverhültniß der Actionäre, der dritte Abschnitt V ® die Rechte und Pflichten des Vorstandes fest und der vierte Abschnitt be- D W die Auflösung der Gesellschaft und die Liquidation derselben; den Beschluß ganzen Gesetzes bilden die Strafbestimmungen. Reben diesem Gesetze liegt M BundeSrathe noch eine ganze Reihe anderer Gesetzentwürfe vor, deren ^ledigung in nächster Zeit erforderlich ist und gilt dies namentlich von Ver- Mtungs-Angelegenheiten. Auch die Entwürfe eines internationalen Ueberein- Mmens über den Eisenbahnfracht-Verkehr nebst Ausführungs-Bestimmungen mo dem Bundesrathe vom Reichskanzleramte zugegangen.
In München hat am Montag der Delegirtentag des bayeri- M Handwerkerbundes stattgefunden und waren 74 Delegirte als Vertreter 41 Vereinen erschienen. Angenommen wurde u. A. der Antrag, gewerbliche nlr Unb Bezirksverbände im ganzen Königreich zu gründen; bezüglich des Mfchlusses an den deutschen Handwerkerbund wurde beschlossen, daß es den ^izelnen Mitgliedern freistehen solle, demselben beizutreten. Bei Berathung des mtrages auf Trennung der Gewerbe- von der Handelskanuner wurde die Ein- e^ne§. gleichmäßigen Wahlmodus angenommen, durch welchen Handel w Gewerbe in gleicher Mitgltederzahl vertreten sein sollen. Gegen das Projekt er Gründung von Osficiers-Consum-Vereinen sollen Schritte bei der Staats- Gerung, beim Landtag und beim Reichstag eingeleitet werden.
Die Ermordung des Ober-Richters von Ungarn, Barons oeorg v. Majlath, hat nunmehr ihre vorläufige Sühne gefunden, indem die rei Teilnehmer an diesem Verbrechen, Pitely, Berecz und Spanga, zum Tode ewttheilt worden sind. Die drei Verurtheilten haben appellirt, aber nur die "ade des Kaisers kann sie vom Stricke retten und es ist nicht sehr wahr- «ich, daß der österreichische Herrscher in einem so schweren Falle, der weit ver die Grenzen Ungarns Aufregung und Entrüstung hervorrief, Gnade für
^gehen lassen wird. — Am Samstag hat im ungarischen Unterhause die e^atte über die kroatische Frage begonnen. Dieselbe bot indessen an diesem W nichts Bemerkenswerthes und konnten von keiner Seite neue Momente UM gemacht werden. Die Debatte dürfte noch rnehrere Tage in Anspruch
Die Pariser politischen Kreise werden durch den Rücktritt des Egsmmisters Thibaudin noch immer in erster Linie in Anspruch genommen. * mrd versichert, daß der Ministerpräsident Ferry von Herrn Grevy katego
risch die Demission Thibaudin's verlangt, daß aber Herr Grövy erst dann dem Drängen Ferry's nachgegeben habe, als von Letzterem mit,dem Rücktritt des Gesammt-Ministeriums gedroht worden sei. Die radikalen Blätter, deren Günstling bekanntlich General Thibaudin war, bemühen sich, denselben in Schutz zu nehmen und'wütheu gegen-Ferry, den sie-anklagen, daß er durch den erzwungenen Rücktritt Thibaudin's der deutschen Politik zu einem Siege über die französische verholsen habe. — In Bezug auf die Tongking-Angelegenheit hat in der letzten Zeit wenig Neues verlautet. Amtliche Berichte aus Haiphong vom 26. v. Mts. besagen, daß die „Schwarzen Flaggen" begonnen hätten,'sich auf Laokai zurückzuziehen. Die annamitifchen Bevollmächtigter waren iw Haiphong angekommen und standen im Begriff, sich nach Hanoi weiterzubegeben.
Rußland trauert an dem Grabe seines großen National-Dichters, Iwan Turgenieff, dessen irdische Ueberreste am Dienstag in Petersburg zur letzten Ruhe bestattet worden sind. Turgenieff hat namentlich die Verhältnisse in der russischen Gesellschaft und überhaupt die russischen Zustände mit meisterhafter Hand gezeichnet und auf die russische Verwaltung fällt hierbei manch' grelles Streiflicht. Man hat sogar Turgenieff für einen verkappten Nihilisten gehalten, ohne daß indessen diese Behauptung durch unwiderlegliche Thatsachen erhärtet worden ist. In Deutschland zählte der Dahingeschiedene zahlreiche Verehrer, was aber an dem Umstande nichts ändert, daß Turgenieff kein Freuno der Deutschen gewesen ist, wenn er auch nicht gerade ein Feind Deutschlands genannt werden konnte. Turgenieff theilte eben nur das Schicksal vieler gebildeten Russen, welche, ohne sich selbst eine klare Rechenschaft darüber geben zu können, in die Feindseligkeit gegen das neue deutsche Reich hineingerissen worden sind; dessen ungeachtet wird aber das Andenken des Dichters von „Neuland" in Deutschland stets in Ehren stehen.
3n_ der Schweiz nimmt die Agitation gegen den weiblichen Anführer der englischen „Heilsarmee", Dtiß Booth, welche gegenwärtig nebst ihrein Generalstabe die Schweiz mit ihrer Anwesenheit beglückt, immer größere Dimensionen an. Am Montag fand in Neuenburg eine Versammlung von etwa 8000 Bürgern aus den: ganzen Canton statt, welche einstimmig eine Resolution, betr. die Ausweisung der Heilsarmee, annahm. Die Versammlung verlief sehr ruhig und würdig und sandte am Schluß eine Deputation an die Cantons- Regierung ab, um derselben das Vertrauen der Versammlung auszusprechen.
Die Verhandlung gegen die des Landesverrathes angeklagten Mitglieder des norwegischen Staatsministeriums ist nunmehr für sämmt- liche Angeklagte auf den 1. December verschoben worden. Die norwegischen Radikalen würden vielleicht besser daran thun, die Anklage gegen das Ministerium ganz fallen zu lassen, denn viel Ehre legen sie mit dieser tragikomischen Affaire gerade nicht ein.
Aus Belgrad kommt die bedeutungsvolle Nachricht, daß König Milan die Officiere der Belgrader Garnison zu sich beschieden und denselben die Hoffnung ausgesprochen habe, daß er den bei den Wahlen siegreichen revolutionären Elementen gegenüber auf die Hülfe der Armee rechnen könne. Die Officiere hätten sich jedoch schweigend verhalten und der König sie nach einem viertelstündigen Monolog entlassen. — Der frühere Ministerpräsident Pirotschanatz ist zum serbischen Gesandten in Wien designirt.
Deutschland.
Darmstadt, 9. October. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 3. October den Pfandmeister bei dem Rentamt Alsfeld, Johannes Grünewald, in gleicher Diensteigenschaft an das Rentamt Gießen zu versetzen, sowie an dems. Tage den Steuerausseher Jacob Debo zu Darmstadt zum Pfandmeister bei dem Rentamte Alsfeld zu ernennen.


