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1883

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Surcau: Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

darauf an, ob der königliche Commiffar für Kroatien, General Frhr. v. Ram- berg, seine schwierige Stellung mit Takt und Geschick auszusüllen verstehen und die aufgeregten Gemüther wieder besänftigen wird.

Die Entscheidung in dem französischen Streitfall wegen Anam ist jetzt anscheinend auf die Spitze des Schwerts gelegt worden. Die chinesischen Kriegsvorbereitungen werden immer offener betrieben, während sich die Franzosen anschicken, Canton und andere chinesische Küstenstädte zu blokiren, die diplomatischen Beziehungen Frankreichs zu China sind dabei fortgesetzt die denkbar verworrensten. Für den Beginn des Feldzuges gegen China wird in­dessen die neue Schlappe, welche die Franzosen bei Hanoi erlitten haben, gerade kein günstiges Omen, und als eine solche ist es entschieden zu betrachten, wenn mehrere französische Kanonenboote auf dem Rothen Flusse von den Batterün derSchwarzen Flaggen" gezwungen wurden, sich zurückzuziehen, wobei die Franzosen einen Verlust von 12 Todten zu verzeichnen hatten. Dieser aber­maligeEchec", den die französischen Waffen in Anam erlitten haben, dürste nur dazu beitragen, dieSchwarzen Flaggen" mit neuem Muth zu beseelen und die Stellung Frankreichs China gegenüber noch schwieriger zu machen. In Le Puy hat am Donnerstag die Einweihung des Lafayette-Denkmals ftattge- funden. Der Minister des Innern, Waldeck-Rousseau, hielt hierbei eine Rede, in welcher er auch die eventuelle Ausw.isung der Prinzen von Orleans andeu- teie und wird diese Kundgebung des Ministers sehr bemerkt.

Die Reise des Königs vonSpanien nach Oesterreich und Deutsch­land wird für die nächsten Wochen den Conjectural - Politikern recht ergiebigen Stoff zu ihren Betrachtungen liefern. Dieselbe ist aber auch ohne Zweifel ein politisches Ereigniß, gerade wie s. Z. die Reise des rumänischen Herrschers nach Berlin und Wien, wenn sich auch die Folgen desselben nicht so unmittelbar zeigen werden. Von Paris aus, wo König Alfonso am Donnerstag eintraf und wo er den Besuch des Grafen von Paris empfing, begab er sich nach München, woselbst die Ankunft am Freitag Abend erfolgte. Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern und dessen Gemahlin, Prinzessin Maria della Paz, empfingen ihren königlichen Verwandten am Bahnhof und geleiteten ihn nach Schloß Nymphen­burg,wo er Nachtquartier nahm. Am Sonnabend Abend setzte dann König Alfonso die Reise nach Wien fort.

Der Besuch, den der rumänifche Ministerpräsident Bratiano dem Fürsten Bismarck in Gastein abstattete, hat sich ungewöhnlich lang ausgedehnt und ist dieser Umstand ein erneuter Beweis für die Wichtigkeit der Sendung Bratiano's. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß die Entrevue zwischen beiden Staatsmännern den Anschluß Rumäniens an das mitteleuropäische Bündniß vorbereitet hat und diese Auffassung gewinnt noch dadurch an Werth, daß Herr Bratiano entweder auf seiner Rückreise von Gastein nach Aix-les- Bains oder wenn er sich von dem letztgenannten Rade wieder nach Bukarest zurückbegiebt, Wien wiederum berühren wird, um die Conferenzen mit Graf Kalnoky fortzusetzen. In ähnlichem Sinne spricht sich auch die WienerNeue Fr. Presse" aus, welche hinzufügt, daß die Lösung der Donausrage vorläufig in suspenso bleiben werde.

Die Abnahme der Cholera in Egypten hat überall ein Nach­lassen der Quarantäne-Maßregeln zur Folge gehabt. Jetzt hat auch die grie­chische Regierung eine Milderung in den von ihr gegen die Choleragefahr ergriffenen Maßregeln eintreten lassen, indem sie die bisherige Quarantäne für die Provenienzen aus Malta, Cypern, Tripolis und den syrischen Gebieten von Alexandretta bis zur egyptischen Grenze auf eine fünftägige Beobachtungs- Quarantäne herabgesetzt hat.

Die furchtbaren Elementa r-Ereigni sse in der Sunda-Straße haben derartig verheerend gewirkt, daß sich der Schaden und die Zahl der um­gekommenen Menschen kaum annähernd schätzen läßt. Allein in Bantam, Batavia und Lampong sind ca. 30,000 Eingeborene getödtet worden, während die Zahl der umgekommenen Europäer noch nicht bekannt ist.

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Deutschland.

Darmstadt, 10. September. Se. Königl. Hoheit der Großherzog und Ihre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Victoria und Elisabeth haben sich aus Anlaß des fünfzigjährigen Militärdienst-Jubiläums Sr. Großh.

Politische Ueberstcht,

Gießen, 11. September.

Der Kaiser wird sich nächsten Donnerstag nach Merseburg begeben, um den m der Umgegend stattsindenden Manövern des 4. Armee-Corps beizuwohnen; em außergewöhnlich zahlreiches und glänzendes militärisches Gefolge wird den Kaiser begleiten. An die Truppen-Uebungen in der Provinz Sachsen schließen sich bekanntlich die Kaisermanöver bei Homburg v. d. H., als deren festlicher Hintergrund die Enthüllung und Einweihung des National-Denkmals au dem Niederwald erscheint.

Die verflossene außerordentliche Reichstags-Session hat sich, entgegen vielfachen Annahmen, auch nicht im Mindesten mit irgend einer Frage der hohen Politik beschäftigt, obwohl gerade zu jener Zeit die bekannten dunkeln Punkte^ am politischen Horizonte auftauchten. Die Besorgniß, daß uns die parlamentarische Sommer-Campagne verschiedene unliebsame Ueber- raschungen, namentlich auch auf dem Gebiete der militärischen Anforderungen, bringen könnte, hat sich nicht bewahrheitet und ist in der That der deutsch­spanische Handelsvertrag die einzige größere Vorlage gewesen, mit welcher sich die Reichsboten zu befassen hatten. Auch aus eigener Initiative die auswärtige Politik zu berühren, hat sich der Reichstag versagt und allerdings hätte auch eme Abschweifung auf dieses Gebiet, zumal da der leitende Staatsmann ab­wesend war, schwerlich irgendwelchen Zweck und Nutzen gehabt. Es ist dies em Beweis des unbedingten Vertrauens, den die deutsche Volksvertretung, trotz aller Gegensätze in den Fragen der inneren Politik, auf die auswärtige Politik des Reichskanzlers setzt und wer möchte daran zweifeln, daß dieses Vertrauen M vollsten Maße gerechtfertigt ist! Hat doch erst vor Kurzem der Reichs­kanzler mit dem Leiter der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns eine Zusam­menkunft gehabt, von welcher man mit Zuversicht behaupten darf, daß ihr her­vorragendster Zweck eine Erneuerung und Befestigung des deutsch-österreichischen Bündnisses gewesen ist und ebenso bedeutet die in Gastein stattgefundene Con­serenz des Fürsten Bismarck mit dem leitenden Staatsmanne Rumäniens einen entschiedenen Erfolg der deutschen auswärtigen Politik, so daß wir auch ferner­en der auswärtigen Politik des Reichskanzlers das vollste Vertrauen entaeaen- tnngen können.

In nächster Zeit werden die Landtage verschiedener Bundes­staaten ihre Thätigkeit wieder aufnehmen. Auf den 28. September ist der bayerische Landtag einberufen worden und in der ersten Hälfte des October werden jedenfalls auch die Landtage von Sachsen und Württemberg zusammen­treten. Bekanntlich haben in beiden Ländern vorher Neu- resp. Ersatzwahlen )um Landtage stattzufinden und sieht man namentlich den Wahlen in Baden mit Interesse entgegen. Hier hat die nationalliberale Partei jedenfalls einen harten "ampf mit den Ultramontanen, Conservativen und Demokraten durchzukämpfen, wn dessen Ausgang es abhängt, ob die genannte Partei ihre einflußreiche Stellung in der Abgeordnetenkammer behaupten wird. Von den Gegnern der -'cationalliberalen in Baden kommen ernstlich nur die Ultramontanen in Betracht Md diese machen auch alle Anstrengungen, um den Sieg zu erringen. Eine llltramontane Majorität in der Abgeordnetenkammer würde aber aller Voraus- nach auch auf die bisher entschieden freisinnicen Tendenzen der badischen Legierung ihren Einfluß ausüben, was im Interesse der freisinnigen Entwicke­ln^ Badens nur zu beklagen wäre; glücklicherweise sind die Aussichten für vie baUsche Centrumspartei noch nicht derartige, um demnächst in der Karlsruher Abgeordnetenkammer dominiren zu können.

_ Die Reichstagswahl im Wahlkreise Torgau-Liebenwerda hat den des liberalen Candidaten Dr. Horwitz ergeben.

. Die kroatische Wappenfrage hat nun ihre vorläufige Lösung tts«ahren. Unter Assistenz einer Jägerabtheilung und klingendem Sviel sind in Mam am Freitag Mittag die heruntergerissenen Wappenschilder wieder aufge- Wtet worden, diesmal allerdings mit ungarischer und kroatischer Aufschrift. Es lst Letzteres eine kleine Satisfaktion, welche die ungarische Regierung den Kroaten gewährt, von welcher sich aber die ungarischen Staatsmänner selber H'iverlich einen großen Erfolg versprechen werden. Die Erbitterung, welche das "Mgyarische Miß-Regime in Kroatien gegen Alles, was ungarisch heißt, hervor- germfen hat, ist eine hochgradige und wird sich nicht durch die Anbringung Wpelsprachiger Wappenschilder dämpfen lassen; vor Allem kommt es jetzt

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M HuiM, MnmarechislW. iu§ tüchtige, mit guln e Haushälterin M zu eiWM M. Zutzi, Stächt <

Bekanntmachung.

Stuf dem Fürstlichen Gutshofe zu Kolnhausen sind zwei Ochsen an der Maul- und Klauenseuche erkrankt.

Gießen, den 10. September 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________ Dr. Boekmann.

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Bekanntmachung.

MfXÄ u°m Monak August verMMcht?^ ** Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende .. r- c A(x ~ 14.50, Heu tX 5.75, Stroh «X 5.25 per 100 Kilogramm.

®ie6en' den 10. September 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

.---- Dr. Boekmann.

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211. Mittwoch den 12. September 1883.

Gießener Anzeiger