Ausgabe 
11.10.1883 Zweites Blatt
 
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236 Zweites Blatt. Donnerstag den 11. October 1883.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

-------------------- ' ' ' ~ Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn,

vureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. <$ur$ Pgst bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

AmLliHr Hheit.

Bekanntmachung.

Abgesehen von dringenden Fällen und scibstverständlich von Vorladungen sind die Amtsrichter nur Mittwochs zu sprechern Anträge ber mseren Gerichtsschreibereien können Mittwochs und SamstagS, Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, an den übrigen Wochentagen Rachmittags zwischen 3 und 5 Uhr gestellt werden.

®ie6en, den 8. October 1883. Großherzoglrches Amtsgericht Gießen.

Langsdorfs.

Darmstadt, 6. October. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei­lage Nr. 22) enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die zur Aus- sertigung und Erledigung von Uebergangsscheinen ermächtigten Stellen betreffend.

2. Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben des Vicinalwegbaufonds der Provinz Rheinhessen für das Jahr 1879.

3. Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben des Vicinalwegbausonds der Provinz Rheinhessen für das Jahr 1880. r

4. Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben des Vicinalwegbausonds der Provinz Rheinhessen für das Jahr 1881, 1. Quartal.

5. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Lauterbach, die Erhebung einer nachträglichen Umlage in der Gemeinde Engelrod pro 1883/84 betreffend.

6. Abwesenheitserklärung.

7. Ordensverleihungen.

8. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.

9. Namensveränderung.

10. Dienstnachrichten:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 20. August dem evang. Pfarramts-Candioaten August Rheinfurth aus Fürfeld die erledigte evang. Psarrstelle zu Odernheim zu übertragen; am 13. Septbr. den von fämmtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach auf die evang. Psarrstelle zu Freien-Steinau präsentirten evang. Pfarrer August Franz Jacobowski zu Hennersdorf, im Königreich Preußen, für diese Stelle zu bestätigen.

Am 31. August wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau aus die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Momart präsentirte Schulamtsaspirant Georg Jacob Sattler von Airlenbach, im Kreise Erbach, am 5. Septbr. wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach - Erbach auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichelsheim präsentirte Schul­amtsaspirant Sebastian Niälas aus Ober - Kainsbach, im Kreise Erbach, für diese Stelle bestätigt; am 6. Septbr. wurde dem Schullehrer Johann Heinrich Schäfer zu Ulrichstein, im Kreise Schotten, die Lehrerstelle an der Gememde- schule zu Reiskirchen, am 8. Septbr. wurde dem Schullehrer Franz Hemmes zu Sulzheim eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mombach, an dems. Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Nelins aus Groß-Umstadt eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mörfelden, an dems. Tage wurde der Schulamtsaspirantin Franziska Keusch aus Mainz eine erledigte Lehrerinnenstelle an der Ge«»^eindeschule zU Mombach übertragen; an dem). Tage wurde der von dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim- Rosenberg und von dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rimborn, im Kreise Erbach, präsentirte Schulamts­aspirant Peter Kaffenberger aus Gumpen und der von dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt v. Görtz, auf die erledigte Lehrerstelle an der Gememdeschul^e zu Sandlofs, im Kreise Lauterbach, präsentirte Schulamtsaspirant Heinrich Stephan aus Pfordt für diese Stelle bestätigt; am 16. Septbr. wurde dem Schullehrer Ludwig Spatz zu Wintersheim die erledigte Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Hillesheim übertragen.

11. Charakterverleihungen.

12. Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:

Rechtsanwalt Dr. Friedrich Delp zu Darmstadt hat die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgerichte der Provinz Starkenburg aufgegeben.

13. Dienstentlassungen.

14. Ruhestandsversetzungen:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht : Am 23. August den evang. Pfarrer Hermann Siebert zu Ober-Eschbach m den Ruhestand zu versetzen. £ r f ___

Am 23. August wurde der Schullehrer an der Gememdeschule zu Alzey Ludwig Stützet auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, am 2. Septbr. wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Walldorf Philipp Haibach bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, am 8. Septbr. wurde her Schullehrer au der Gemeindeschule zu Schwalheim Karl Wiederhold auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.

15. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Saulheim mit einem Gehalt von 900 ; mit

der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Volxheim mit einem Gehalt von 900 ; mit der Stelle ist Oiganistendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Burkhards nut einem Gehalt von 900 X; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit

Ii*en Tr°g^n dar- (^eSüorladen ber zweiten Session üb-rgehend, betonte zweijährige Etatspertoden fei und daher gegen Redner zunächst, datz g 6 ? aebenben Anträge der Regierung gestimmt habe, baf bU Beratbung b.8 Reichshaushaltsetats zu werbe. Im Rechte ber Geldverwilltaung ± Sohr bl? SRMSt der Volksvertretung. Urberdtes verleite, wie ma bies^bebau rlicher- Weife beim zuletzt berochenen Etat gesehen habe bie Be- tatbrna für eine nod> ferne liegende Zeit einerseits zu einer unrichtrgen Schätzung der Positionen des Voranschlags, andererseits zu einer der Volksvertretung geradezu un° würdigen Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit der Behandlung.

einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kleiu-Umstadt mit einem Gehalt von 900 ; mit der Stelle ist Orgamstendienst verbunden.

Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mettenheim mit einem Gehalt von 900 Eine Lehrerinnenstelle an der kath. Schule zu Kastel mit einem Gehalt von 1400 ___

Lokales.

Gietzen, 9. October. Im Nachstehenden geben wir den versprochenen-aus- führlichen Bericht über die Rede, welche unsirReichstagsabgeordneter Dr. Gutfletsch am Sonntage in Grünberg vor seinen Wählern hielt.

Redner begann mit dem Ausdrucke des Dankes für das Vertrauen, welches ihm durch seine Wahl bekundet worden fei, seit welcher er heute zum ersten Male wieder feinen Wählern aus Grünbergs Gegend gegenüberstehe Er fpreche inbeb heute nicht blos zu denen, bie bei der Wahl auf seiner Seite standen, sondern als Vertreter Aller >u Allen. Er würde bereits früher zur Rechenfchastsablegung, die er für eine Wisent- liche Pflicht des Abgeordneten halte, im Wahlkreise erschienen ser wenn nicht die krank- haste Hast, mit der eben die Reichsregierung das Wohl des deutschen Volkes durch zahlreiche Gesetze begründen zu sollen meine, ihn mit den übrigen Volksvertretern zu einem allzu langen Aufenthalte in Berlin genöthigt hätte.

lieber die erste Session des Reichstages habe er bereits in Gießen berichtet, er wolle daher nur kurz die Gründe für feine Abstimmungen in wichtigeren Fragen wiederholen. Bet Feststellung des Reichshaushaltes habe er überall da, wo es mit dem Interesse des Reiches verträglich schien, für Ersparungen gestimmt. Er habe insbesondere auch gestimmt gegen die Ausgabe für den geplanten deutschen Volks- wtrthschaftsrath, weil er diese Körperschaft nur für e n unnützes und ge ahrllches Werkzeug der Regierung, geeignet, das Ansehen deS Reichstages. zu schsdttgen und speciell als ein Mittel zur Einführung des Tabakmonopols betrachtet habe. Gegen den Hollanschluß von Hamburg habe er gestimmt, weil die dafür erforderten Mittel den Vorteil zu überwiegen scheinen, den der Anschluß in Aussicht stelle, ganz abgesehen von den Gefahren, welche darin nach Ansicht vieler Betheiligten für die wettere Er- Haltung und Entwicklung der bedeutenben Handelsstellung von Hamburg gelegen seien Die Ausgabe für die Berufszählung habe er als unnothig abgelehnt, er fet 1bam t imar tn der Minderheit geblieben, habe aber die Genugthuung erlebt, daß selbst die Befürworter dieser Ausgabe sich nachträglich von ihrer Unnützlichkeit hatten überzeugen müssen. Die Berufszählung habe als einzelne Zahlung kernen

eine Reihe von Zählungen können im Laufe der Jahre unter Umstanden Ergebnisse liefern, welche für die wirthschaftliche und socialpolitische GesetzgebungBedeutung Haben. Daher liege kein Grund vor, warum man es jetzt so eilig habe und nicht bte Berufszählung künftig einfach mit den gewöhnlichen Volkszählungen verbinde, was einen weiteren Aufwand an Mühe und Kosten dann nickt verursache. In interesianter Weise habe sich die derzeitige Werthlosigkeit der Berufszahlung gezeigt bet den wichtigen socialvolitischcn Vorlagen der letzten Session, betreffend^die Kranken--und Unfallver­sicherung der Arbeiter. Selbst nach Fertigstellung der Ergebnisse der letzten Berufs- zählung sei kein Regierungsvertreter auf dieselbe in den Berathungen dieser Gesetze zurückgekommen; tm ©egentbeüe, vorn Regierungstische selbst sei neuerdings erklatt worden, daß man für diese gesetzgeberischen Arbeiten, mit dem Hinweis auf welche doch die Ausgabe für eine eilende und außerordentliche Zahlung angefonnen worben war, bCren T)em"Ä n t r^ g e ^*1 n d thorft auf Aufhebung des Reichsgesetzes vom Mai 1874, betreffend die Ausweisung renitenter Geistlichen, habe er mit der Mehrheit des Reichs­tages zugesttmmt. Die Art, wie die preußische kirchliche Kampfgesetzgebung eingerichttt se? und gar wie sie nach rein beliebigem Ermessen der Regierung sehandhabt werde, gefalle ihm nicht. Er habe es daher gebilligt, daß das Reich, dessen Gesetzgebung über­dies zunächst mit ber Regelung der kirchlichen Verhältnisse nicht befaßt sei, sich baloigst dem sogenannten Kulturkampf entziehe. Letzterer habe dazu geführt daß die Regierung nun bereits auf den ganz verwerflichen Weg der-Verhandlung mit Rom 6 sisi während doch die Regelung der staatlichen Beziehungen zur ä tk

Gesetzgebung anheimfalle. So sehr die Anerkennung und

ünd, soweit es am Staate liege, ihre weise Forderungzuden Aufgadende.Saates gehöre, so sehr bedauerlich sei es, wenn k!rchl'che Jnter<s tn °lle andern öffentlichen Fragen zurückdrängten, und wenn gar, wie dies letzt irnReiche der^Fall,, de ^rledaung selbst der wichtigsten rein staatlichen Angelegenheiten völlig abhängig gemacht sei von

Erm-ss-n k.rchtfch-r tütvnskvmmlsslvn über.

Er sef.^abgefth^n ^vön"'cfn"r grl!ßeren^Zahl ll0n Avaelegenhetten von nur p^rfönltch^m ober örtlichem Interesse, Referent gewesen für die P^tt'°n-n auf °er Ge

ißiinggan'unt) Referent Über die Petitionen zum